Gasometer Presseschau
Diese Gasometer-Presseschau umfasst alle Artikel der Tages- und Wochenpresse seit dem Gemeinderatsbeschluß zum Umbau der leeren Gasometer-Hüllen zum Wohn- und Geschäftszentrum von 1996. Der Zeitraum reicht bis zum Jahr 2003.

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1998

 

Der Mai macht auch die Gasometer neu (12. Jänner 1998)
In Simmering wird gebaut, was das Zeug hält: Gasometer, Industriepark und last but not least die U 3. VON CHRISTIAN ZACHARNIK
WIEN. Auch wenn es viele noch nicht glauben können, daß dieses abenteuerliche Bauprojekt jemals verwirklicht wird: Noch in diesem Jahr wird - davon ist Simmerings Bezirksvorsteher Franz Haas felsenfest überzeugt - mit dem Ausbau der denkmalgeschützten Gasometer begonnen. Baubeginn soll im Mai sein. Um 2,2 Milliarden Schilling (rund 158 Mill. Euro) entsteht in den nächsten zweieinhalb Jahren ein Wohn-, Einkaufs- und Veranstaltungszentrum am Donaukanal.Prunkstück des Projekts ist der sogenannte B-Turm, der rund ein Drittel der gesamten Baukosten verschlingen wird.
An der Donaukanalseite des Gasometers wird ein 24geschoßiger Glaszubau errichtet. Das Dach wird durch eine Glaskuppel ersetzt. Im Inneren des Turms entstehen 231Wohnungen und 185 "Studentenzimmer". Weitere Features: Eine 3000 Personen fassende Musikhalle, eine Geschäftsstraße, eine Parkgarage und ein Restaurant.Eine eigene U-Bahnstation bindet die Gasometer an den Rest von Wien an. Wobei auch schon das derzeit in Simmering alles beherrschende Thema angesprochen wäre: Der Bau der U 3, der im Jahr 2000 abgeschlossen sein wird. Im Zuge der Bauarbeiten wird auch die Simmeringer Hauptstraße umgestaltet. Die Gleiskörper der Straßenbahnlinie 71 wird, blickt man stadtauswärts, auf die rechte Fahrbahnseite verlagert. Baumpflanzungen sollen endlich Grün in die Asphalt- und Betonwüste bringen.Durch die Abwanderung großer Wirtschaftsbetriebe wie Unilever oder Norma wurde der Industriebezirk Simmering in der Vergangenheit kräftig zur Ader gelassen.Ein Industriepark hinter dem Zentralfriedhof im Bereich der Ailecgasse soll neuen Aufschwung bringen. "Die Widmungs- und Planungsarbeiten sind erledigt. Die Frage ist nur, wann der Wirtschaftsförderungsfonds mit der Besiedelung beginnt", erklärt Haas.

 

Idee für leeren Schlachthof (22. September 1998)
Mit den Aspanggründen und dem seit 1997 geschlossenen Schlachthof St. Marx ist der Erdberger Mais ein riesiges Entwicklungsgebiet. Einzig fixes Projekt: Wohnen im Gasometer.
WIEN (c. d.). 200 Hektar umfaßt der Erdberger Mais, doch zwischen Südost-Tangente und aufkeimender Industriezone überwiegt das Brachland. Nicht zuletzt wegen der Schließung des Schlachthofes St. Marx im vergangenen Jahr. Für das großteils städtische Grundstück will Planungsstadtrat Bernhard Görg nun eine internationale Interessentensuche starten. Vorstudien zur Verwendung des Areals und der denkmalgeschützten Rinderhalle sind im Laufen. Langfristiges stadtplanerisches Ziel: Der in Wien überwiegenden Nord-Süd-Siedlungsentwicklung soll eine kleine Ost-West-Achse entlang der U 3 entgegengesetzt werden.Das einzig fixe, allerdings auch über Jahre vorbereitete Projekt in dieser Gegend ist die Umwandlung der Gasometer in Wohnungen, Büros, Geschäfte und eine Veranstaltungshalle. Das in Fachkreisen wegen der Verbauungsdichte nicht unumstrittene Projekt wird im November begonnen.Kritik an Görgs Ideen gab es Freitag von FP-Stadtrat Walter Prinz. Er warnt vor einer Verdichtung beim überlasteten Autobahnknoten Erdberg. Außerdem solle man sich mit realistischen Themen beschäftigen.

 

Wenn man in ein Geschäft geht, wackelt alles (5. Dezember 1998)
Die U3 erobert Ottakring; in zwei Jahren wird man von hier in 25 Minuten nach Simmering sausen können. VON EVA MALE
WIEN. Während heute, Samstag, mit viel Getöse die neue U3-Teilstrecke nach Ottakring feierlich eröffnet wird, läuft die Verlängerung dieser U-Bahn-Linie in die andere Richtung, also nach Südosten, auf Hochtouren. Im Dezember 2000 soll der Silberpfeil von Ottakring bis Simmering flitzen. "Die Bauzeit von insgesamt vier Jahren ist knapp bemessen, wir sind ganz schön unter Druck, damit die Versprechen der Politiker eingehalten werden", erklärt Walter Zemen, zuständig für die Bauaufsicht im Bauabschnitt bei der zukünftigen Station "Enkplatz". Zusätzlich sei es durch Vergabesperren zu kleinen Behinderungen gekommen, etwa bei der Gleisbauvergabe.Obwohl Frauen im Tunnel nicht zugelassen sind - es sei denn als Patin - gewährt Zemen der Redakteurin Einblick in die Unterwelt. Scheinbar ins Unendliche erstreckt sich der Tunnel, seltsam hohl, ohne Innenleben. Eine halbfertige Station, Stufen, die ins Nichts führen, Tauben, die in einer Nische nisten. Die Tauben stört der Baulärm nicht. Insgesamt wird an vier Baustellen an der Gesamtverlängerung von Erdberg nach Simmering um 3,2 Kilometer gebaut. Vier neue Stationen entstehen: Gasometer, Zippererstraße, Enkplatz, Simmering.
Ohne gröbere Unfälle
Laut Zemen sind die Tunnelröhren im Ausbruch fertig, man steckt nun mitten im Rohbau sowie im Streckenausbau. "Wir haben es vermeiden wollen, die Simmeringer Hauptstraße so massiv aufzugraben wie die Mariahilfer Straße, und wollten sie zugleich an mehreren Punkten anbinden", so Zemen. "Daher haben wir die Trasse weiter nach Süden geschwungen." Bisher ist alles ohne gravierende Unfälle abgegangen. In Spitzenzeiten arbeitete man in Schichten Tag und Nacht, manchmal auch am Wochenende, hochkonzentriert. Der Winter bereitet erst Probleme, wenn die Temperatur unter Minus elf Grad sinkt. Auch daß man unter vielen Privatgrundstücken durchgraben mußte, führte zu Schwierigkeiten. Denn nicht jeder läßt sich gern seine Liegenschaft (und seine Autorität) untergraben. "Außerdem hat die zum Teil angewandte offene Bauweise in Innenhöfen die Lebensqualität der Bewohner ziemlich beeinträchtigt", gibt Zemen zu. Er weiß freilich aus Erfahrung, daß es im U-Bahn-Bau "während der Bauarbeiten nie ein positives Echo gibt". Am Tag der offenen Tür habe man aber rund 2000 Menschen durchgeschleust, die beeindruckt waren, was unter ihren Häusern in 16, 17 Meter Tiefe so alles passiert. An der Oberfläche bereiten die Bauarbeiten den Simmeringern freilich Unannehmlichkeiten. "Wenn man hier in ein Geschäft geht, wackelt alles", meint eine ältere Dame. "Die Geschäftsleute haben durch die Bauarbeiten ganz schönen Schaden erlitten." "Aber die Jungen sind ganz begeistert. Sie hätten freilich gern, daß die U3 nicht nur nach Simmering fährt, sondern weiter bis zum Leberberg." Denn der bleibt, obwohl mittlerweile fast 10.000 Menschen hier wohnen - nur knapp weniger als in Eisenstadt - , unangeschlossen in der Peripherie.

 

Archiv im Gasometer (7. Dezember 1998)
Der geplante Kauf eines Gasometerteils zur Unterbringung des Archivs durch die Stadt Wien wird nach Ansicht des LIFallzu eilig vorangetrieben.
WIEN (e. m.). "Das sieht mir nach einer Subventionierung der GESIBA aus." Gabriele Hecht, Klubvorsitzende des Liberalen Forums, äußert scharfe Kritik an dem von SPÖ und ÖVP am Freitag im Kulturausschuß gefaßten Beschluß, demzufolge der Gemeinnützigen Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft ein Teil des Gasometers D abgekauft werden soll, um dort das Stadt- und Landesarchiv unterzubringen. In dem Antrag ist von einem "maximalen Kaufpreis von 295 Millionen Schilling" die Rede. Davon sollen binnen 14 Tagen 100 Millionen Schilling genehmigt werden, danach bis Ende Jänner 1999 weitere 180 Millionen. Finanziert soll das ganze über eine Budgetüberschreitung werden."Im Ausschuß konnte niemand sagen, worauf sich der Kaufpreis stützt", so Hecht, "keinem war ein Nutzwertgutachten bekannt, keiner konnte die Dringlichkeit erklären." Laut Hecht hat auch noch keine Baufirma den Zuschlag erhalten. Sie betont zugleich, daß sie durchaus für einen Grundsatzbeschluß zum Archivbau sei, daß aber eine Summe von etwa 50 Millionen Schilling als Anzahlung für Grund- und Planungskosten ausreichen müßte. Auch die anderen Oppositionsparteien stimmten übrigens gegen den Antrag; selbst die Koalition fühlte sich laut Hecht "sichtlich nicht wohl". Hecht hofft nun, daß beim Finanzausschuß am Donnerstag die offenen Fragen beantwortet werden.

 

7000 Wohnungen geplant (16. Dezember 1998)
Im nächsten Jahr soll in Wien der Bau von 7000 Wohnungen aus dem Stadtbudget gefördert werden.
WIEN (red.). Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) und VP-Wohnbausprecher Georg Fuchs haben am Dienstag für 1999 Konstanz in der Neubauquote angekündigt. Es sei im Budget dafür gesorgt, daß der Bau von etwa 7000 Wohnungen finanziert werden könne. An dieser Zahl, so die Koalitionspartner, müsse allerdings nicht zwanghaft festgehalten werden. Auch eine Senkung auf bis zu 6000 Wohnungen pro Jahr sei denkbar, wenn die dadurch freiwerdenden Mittel in Projekte zur Revitalisierung der "angewohnten Gebiete" Wiens eingesetzt werden, sagten Faymann und Fuchs. 1998 wurden 9500 Wohnungen fertiggestellt, knapp 7000 davon wurden gefördert,
In der Sitzung der Landesregierung am Dienstag wurden von der Stadt für etwa 2150 Wohnungen Förderungsmittel von rund einer Milliarde Schilling zur Verfügung gestellt. Beschlossen wurde die Förderung unter anderem für die rund 620 Wohnungen und 180 Studentenheimplätze in den vier Simmeringer Gasometern. Daneben wird es in dem von internationalen Architekten geplanten Projekt eine große "Einkaufs-Mall" und eine Veranstaltungshalle geben. Auch das Landesarchiv wird dorthin übersiedeln. Fertiggestellt werden die Gasometer zu Beginn des neuen Jahrtausends sein. 1Euro = 13,81 Schilling.


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