Gasometer Presseschau
Diese Gasometer-Presseschau umfasst alle Artikel der Tages- und Wochenpresse seit dem Gemeinderatsbeschluß zum Umbau der leeren Gasometer-Hüllen zum Wohn- und Geschäftszentrum von 1996. Der Zeitraum reicht bis zum Jahr 2003.

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1999

 

Seltsame Gehäuse (1999)
Die vier Simmeringer Gasometer, das Wahrzeichen des südlichen Wiener Stadtrandes, sollen zu Wohnhäusern umfunktioniert werden. Von Ute Woltron
Der Südrand Wiens franst in die gleiche langweilige Industrielandschaft aus wie alle Großstadtränder von Sao Paulo bis Wladiwostok. Hüttelwerk, Hallen und Gstetten soweit das Auge reicht. Mittendrin stehen aber, was andere Metropolen nicht haben, vier mächtige Backsteingebäude, kreisrund, gut sechzig Meter hoch, hundert Jahre alt. Die Simmeringer Gasometer prägen das Stadtbild, sie gehören zu Wien wie Stephansdom und Riesenrad und sind der erste markante Blickfang auf der Strecke von Schwechat in die Bundeshauptstadt.
An den denkmalgeschützten, seit 1985 leerstehenden und europaweit einzigartigen Gasbehältern entzündet sich jetzt eine architekturpolitische Diskussion, die schon seit einiger Zeit schwelt und die der Eigentümer der Riesentonnen, der Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), lieber unter Ausschluß der Öffentlichkeit abfackeln würde. Der Fonds will die Gasometer künftig zu riesigen Wohnhüllen umfunktionieren und in ihrem Inneren 900 geförderte Wohneinheiten, ein Einkaufszentrum, eine Rockhalle und entsprechende Infrastruktur unterbringen.
Richtig glücklich ist über dieses Konzept niemand - weder Architekten noch beteiligte Bauträger. Architekt Gustav Peichl scheint die Idee ähnlich absurd, "als ob man in den Stephansdom Garagen bauen würde". Und Kollege Hubert Hermann kommt die Sache vor, "als ob man ein Huhn mit einem Schweinedarm vollstopfen" wolle. Die Gasometer beeindrucken nicht allein durch ihre Außenerscheinung. Auch die Innenräume bestechen in ihren ungeheuren Dimensionen: An die 70 Meter Raumhöhe, ein Durchmesser von 60 Metern, riesenhafte Fensteröffnungen, faszinierende Lichtspiele und Schalleffekte vermitteln dem Betrachter das Weihegefühl, sich als Zwergmaus in einer Art Kathedrale der Industriearchitektur zu befinden.
Trotzdem sollen diese Innenräume verbaut werden - allerdings, so will es das Bundesdenkmalamt, ohne die historische Substanz maßgeblich zu verändern. Nur die Kuppeln dürfen entfernt und durch transparente Gerüste derselben Form ersetzt werden. Erste Vorplanungen für die Wohnbebauung in den Türmen sind bereits im Vorjahr erfolgt: Der WWFF forderte drei Architekturbüros - Jean Nouvel, Coop Himmelblau und Manfred Wehdorn - auf, für je einen Gasometer Vorschläge zu unterbreiten.
Der französische Stararchitekt Nouvel teilte den ungewöhnlichen Bauplatz in 18 Zitronenspaltensegmente und mühte sich, mittels polierter Metallfassaden das Licht im Zylinder zu multiplizieren. Die Coops ersannen einen ringförmigen azentrischen Baukörper und durchdrangen kurzerhand die beengende historische Hülle mit einer Rock- und Veranstaltungshalle. Und Manfred Wehdorn schichtete Wohnringe übereinander in den Bestand.
Ein öffentlicher Bauträgerwettbewerb im Frühjahr hätte schließlich den Architekten des vierten Turmes bestimmen und eine endgültige Entscheidung über die Gestaltung aller vier Gasometerinnenleben herbeiführen sollen. Doch das Wettbewerbsergebnis beeindruckte Anfang Mai die Jury so wenig, daß sie zwar das Projekt von Architekt Wilhelm Holzbauer (mit der Bauträgergemeinschaft SEG und GPA) empfahl, des weiteren aber vorsichtig zur Weiterbearbeitung des gesamten Konzepts aufrief. Ihre Bedenken richteten sich allerdings nicht gegen Holzbauers Entwurf - einen plausiblen Turm im Turm, mit zentraler Erschließung und sternförmigem Grundriß, der drei Innenhöfe entstehen läßt. Es ist vielmehr die Grundidee des gesamten Vorhabens, die den Juroren fragwürdig schien.
Vorsitzender und Städtebauprofessor Kunibert Wachten: "Alle in der Jury hatten im Grunde genommen ein flaues Gefühl im Bauch. Wir haben so den letzten Strohhalm ergriffen, um zu sagen, daß das gesamte Projekt nicht unsere Überzeugung hat. " Der Grund: "Ein derartig ungewöhnliches Gehäuse braucht eine ungewöhnliche Reaktion, ich habe den Eindruck, man tut jetzt sowohl dem Gebäude als auch den künftigen Wohnungen Gewalt an."
Neben Holzbauers Siegerentwurf, der sich als einziger an die Ausschreibungsvorgaben gehalten hatte und somit konkurrenzlos war, bewertete die Jury nur noch zwei weitere Projekte. (Von 57 Teilnehmern hatten nur fünf durchgehalten und abgegeben, zwei davon wurden wegen völliger Mißachtung der Vorgaben sofort ausgeschieden. ) Diese beiden - von den Teams Peichl & Weber und Hermann & Valentiny - vertreten eine andere Denkschule, die den meisten Juroren plausibel schien: Sie legten in ihren Entwürfen die Wohnbebauung vor die Gasometer und nutzen die Innenräume anderwertig. Wachtens Urteil: "Stadtgestalterisch problematisch, ökonomisch aber höchst sinnvoll."
Das Juryprotokoll, in dem all diese Bedenken und Abwägungen fein säuberlich geschrieben stehen, haben bis heute nicht einmal die Wettbewerbsgewinner zu Gesicht bekommen.
WWFF-Geschäftsführer Robert Wolfgring hielt es bisher genauso unter Verschluß wie die Alternativprojekte, die jetzt Ärger, weil Diskussion entfachen.
Er ist der einzige, der wirklich hinter dem Haus-im-Haus-Konzept steht, und seine Beweggründe liegen klar auf der Hand: Mit dem gemeinnützigen Unternehmensziel des Fonds vor Augen, Grundstücke zum Zwecke der Industrieansiedelung und Arbeitsplatzbeschaffung zu kaufen und bereitzustellen, hat er vor nunmehr fünf Jahren das Grundstück um rund 70 Millionen Schilling erworben. Jetzt ist es langsam an der Zeit, es wieder loszuwerden. Der Grundstückspreis hält mittlerweile bei gut 170 Millionen Schilling. Sinnvolle und realisierbare Konzepte sind niemandem eingefallen, bis die rettende Idee der Wohnbebauung kam.
Alle vier Gasometer in ihrer kathedralenhaften Leere zu erhalten ist wahrscheinlich unmöglich. Warum aber nicht zumindest einen einzigen? Die beiden Alternativvorschläge haben den Denkanstoß geliefert und die Möglichkeit aufgezeigt, an die sich bislang keiner herangewagt hat. Der Grund dafür mag sein, daß alle Folgekonzepte auf einer Grundidee basieren, die Manfred Wehdorn vor Jahren entwickelt hat: oben öffnen, innen reinbauen, äußeres Erscheinungsbild wahren. Das ist ganz im Sinne des Bundesdenkmalamtes, und Wehdorns Naheverhältnis zu den Konservierern des Kulturerbes ist sprichwörtlich.
Ab Donnerstag, also gute sechs Wochen nach dem Wettbewerb, wird der WWFF die Projekte in der Ausstellung "Gasometer Simmering: Gestern - Heute - Morgen" im Wiener Architekturzentrum präsentieren. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kaufverträge für die Bauträger so gut wie abschlußreif. Eine Podiumsdiskussion zum Thema wurde von Robert Wolfgring abgesagt.

 

Mehr als nur Luft im Gasometer (2. Februar 1999)
Freitag erfolgt endlich der Spatenstich für den Umbau des ersten der vier ehemaligen Gasbehälter / Andere Gasometer folgen noch heuer Christoph Mierau, Joseph Rietveld Der Umbau der Gasometer in Simmering - eines der größten Wiener Neubauprojekte (und während des EU-Gipfels begehrtes Ausflugsziel ausländischer Journalisten) - wird jetzt endlich verwirklicht. Am Freitag erfolgt der Spatenstich für den Gasometer D. Auch die Arbeiten an den anderen Gasbehältern werden noch heuer begonnen. Damit wird das "Luftschloß" von Politikern und Planern nach jahrelangen Diskussionen Realität. "Das Projekt bietet die Chance, ein historisches Baudenkmal mit modernstem Wohnbau zu verbinden", freut sich Wohnbau-Stadtrat Werner Faymann. Neben 615 Wohnungen und 178 Studentenheimplätzen sollen in den vier Industrieriesen um insgesamt 1,74 Milliarden Schilling (126,5 Millionen ) Büros, eine Veranstaltungshalle (3000 Sitzplätze) und eine alle vier Gasometer verbindende Shopping-Mall errichtet werden. Bauzeit mindestens 24 Monate. Jetzt ist auch fix, wo das Kinocenter, das ursprünglich im Gasometer D geplant war, stehen soll. Kino in Ex-Fettfabrik Auf dem Gelände der ehemaligen Fettfabrik, im Kreuzungs-Eck zwischen Guglgasse und Paragonstraße, soll das riesige Erlebnis- und Kinocenter Platz finden. Insgesamt 12 Kinosäle mit 3800 Sitzplätzen sollen im "Pleasuredome" untergebracht werden. Das Erlebnis-Center wird über eine verglaste Röhre mit den Gasometern verbunden. Der Baubeginn ist mit diesem Sommer fixiert, die Kosten liegen bei 650 Millionen Schilling (47,2 Mio. ). Der bis zu 26 Meter hohe quadratische Bau wird von einer fast ebenso hohen, aber teilweise durchsichtigen, transparenten Mauer umgeben. In einem Untergeschoß, im Erdgeschoß und auf zwei Stockwerken sollen Garagendecks errichtet werden - mit mehr als 800 Stellplätzen. In mehreren Blöcken sollen neben den Kinosälen zahlreiche Geschäfte und gastronomische Einrichtungen Platz finden. Der ganze Komplex wird innen durch geschwungene Rampen miteinander verbunden und begehbar. Zwischen den Blockelementen und Rampen lockern Wasserfälle, ein kleiner Teich und Lichtspiele den verwinkelten und insgesamt mehr als 33.000 Quadratmeter großen Bau auf. Noch stehen keine fixen Betreiber für das Kinocenter, die Gastronomie-Bereiche und Geschäfte fest. Archiv im Gasbehälter Im Gasometer D, dessen Umbau als erster startet, zieht das derzeit über weite Teile der Stadt verstreute Wiener Landesarchiv ein. Die Übersiedlung sorgte für politische Proteste. Grund sind die Finanzierungsmodalitäten zwischen Stadt und Gesiba, der Eigentümerin zweier Gasometer (einer gehört der GPA, einer der SEG). Wiens Liberalen-Chefin Gabriele Hecht hatte kritisiert, daß die Stadt Zahlungen an die Gesiba in Höhe von 280 Millionen Schilling (in zwei Tranchen) für ein Projekt leistete, das erst ausgeschrieben werden muß. Auch die scheinbar schon "feststehenden" Baukosten erregten liberalen Argwohn. Im Büro von Finanzstadträtin Brigitte Ederer sieht man die Vorgänge naturgemäß gelassen: "Diese Form der Finanzierung bietet für beide Seiten Vorteile und erfüllt eine kulturpolitische Zielsetzung. Auch muß die Gesiba die Mittel mit vier Prozent verzinsen und trägt bei Baukostenüberschreitung das Risiko."

 

Architektur-Landschaft im Kinozentrum der Gasometer (3. Februar 1999)
Die U3-Verlängerung nach Simmering zeigt Wirkung: Mit der Revitalisierung der Gasometer wird nun die ehemalige Peripherie für Developer interessant. In Planung ist ein Urban Entertainment Center.
Wien - Das Funktionsprogramm des Urban Entertainment Centers gegenüber den Gasometern - Marketingtitel "Pleasuredome" - weist den üblichen Mix aus 12 Kinosälen (3800 Sitzplätze) und Gastronomie, sowie dazu noch 800 Garagenstellplätzen auf.
Dennoch zeigt das Projekt von Architekt Rüdiger Lainer, daß eine solche Bauaufgabe nicht in der bisher praktizierten Wienerischen Banalität enden muß. Im Gegenteil, gerade beim relativ neuen Bautyp des Urban Entertainment Centers kann engagierte Planung räumliche und funktionelle Lösungsansätze bieten, die sich positiv für die unmittelbare Nutzung und das städtische Umfeld auswirken.
Beim konkreten Beispiel des "Pleasuredome" geht der Entwurf von einem insularen Baublock mit gläserner Hülle aus. In seinem Binnenraum werden die unterschiedlich großen Volumina aus Kinosälen, Gastronomie- und Einkaufslokalen sowie Garagen höhenmäßig in unterschiedlichen Ebenen gestapelt. Auf diese Weise entsteht eine reich gegliederte und begrünte Dachlandschaft samt Terrassen, die für künftige Bewohner der Gasometer einen erfreulicheren Ausblick bietet als die üblichen Blechberge.
Im Inneren wird das erlebnisreiche Spiel mit den Baukörpern fortgesetzt. Die Kinosäle sind wie große "Felsen" im Gesamtvolumen arrangiert. Zwischen ihnen spannen sich die Foyers und Zugangsflächen auf, wobei horizontale und vertikale Durchblicke die Wahrnehmung des Dreidimensionalen zum Hauptthema der Architektur für ein Lichtspieltheater machen. Höhen und Tiefen werden mit Hilfe einer geschickten Wegführung zelebriert, sodaß hier in der donaunahen Tiefebene die Natur im Artefakt des "Pleasuredome" ein "alpines" Pendant erhält.
Das architektonische Problem, mit Kino- und Einkaufszentren lichtdichte Kisten im städtischen Raum zu schaffen, löst Rüdiger Lainer durch eine umhüllende, transparente Schicht, die vor allem die primäre Wegführung aufnimmt.
Vom künftigen Paragonplatz, gegenüber dem "Coop-Gasometer mit seiner geschwungenen Wandscheibe", führt eine Rampe im Inneren entlang der gesamten, transparenten Schauseite an der Guglgasse. Diese aufsteigende Ebene ist als Plattform für unterschiedliche Nutzungen und den Ausblick auf die Gasometer konzipiert, wie auch die umhüllenden Glasflächen als überdimensionale Vitrinen die Beziehung zur Umgebung klar formulieren. Die Rampe selbst erschließt die Kinosäle und die übrigen Einrichtungen von oben, sie soll aber auch im Steg zur Einkaufsmeile der Gasometer münden und die Verbindung zum "Gasometersteg", der zum Prater führt, herstellen.
Aus der Nähe betrachtet, wird sich der "Pleasuredome" als kompaktes Ganzes präsentieren. Dafür sorgt eine umlaufende, konstante Traufenhöhe der Glasfassaden, die mit unterschiedlichen Färbungen die Strenge des Gesamtvolumens auflockern und das Licht in den Außenraum diffundieren lassen.
Mit einem solchen Entwurf kann der "Pleasuredome" schon sehr viel für den neuen Stadtteil leisten. Die Neuformulierung des Raumes zwischen dem Unterhaltungszentrum, das mit 500 Mio. S (36,34 Mio.) Baukosten veranschlagt ist, und den begrünten Böschungen der Gasometer wird allerdings eine weitere Herausforderung darstellen, die sehr viel urbanistischen Feinschliffs bedarf. Die Fertigstellung des "Pleasuredomes" ist für Jahresbeginn 2001 geplant. Das Grundstück mit 8731 Quadratmetern befindet sich derzeit im Besitz des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds, während die Firma Zwerenz und Krause am Development arbeitet, mit möglichen Betreibern wird noch verhandelt. (Gert Walden)

 

Startschuß für Revitalisierung (4. Februar 1999)
Baubeginn in Simmering: Wohnungen, Büros, Geschäfte, eine Veranstaltungshalle und ein Kinozentrum. Der Umbau soll 2001 abgeschlossen sein.
WIEN (e. m.). Mit dem Spatenstich beim Simmeringer GASOMETER B durch Wohnbaustadtrat Werner Faymann fällt an diesem Freitag der Startschuß für den Umbau der 100 Jahre alten Industriedenkmäler. Die GASOMETER waren bis 1985/86 in Betrieb. Wie es im Büro Faymann heißt, erhält "das industriegeschichtliche Denkmal einen neuen Zweck und damit eine neue städtebauliche, aber auch soziale Bedeutung". Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von ca. 2,4 Milliarden Schilling handelt es sich um das größte Wohnbauprojekt Wiens.
Bis zum Frühjahr 2001 soll die Revitalisierung abgeschlossen sein, die auf einen breiten Nutzungsmix abzielt: Vorgesehen sind über 600 geförderte Wohnungen, ein Studentenheim, Büroflächen, eine Veranstaltungshalle für kulturelle Projekte, große Einkaufs- und Gastronomieflächen, ein Kindertagesheim und ein Kinozentrum mit zwölf Sälen, das gegenüber von den GASOMETERn, auf dem Gelände der ehemaligen Fettfabrik, entstehen soll. Die Einkaufsmeile wird auf zwei Geschossen alle vier GASOMETER verbinden. Im GASOMETER D findet außerdem das Stadt- und Landesarchiv, das derzeit aus allen Nähten platzt, auf insgesamt sechs Stockwerken Unterschlupf.
Die Neugestaltungspläne stammen von namhaften Architekten: Jean Nouvel (GASOMETER A) will das Innere der Gasbehälter nicht verbauen, sondern vielmehr Baukörper implantieren. Das Team Coop Himmelb(l)au (GASOMETER B) treibt einen die GASOMETER überragenden Anbau mit 18 Stockwerken in die Höhe. Manfred Wehdorn (GASOMETER C) setzt mit Baumbepflanzungen und anderen Grünanlagen ökologische Akzente. Wilhelm Holzbauer (GASOMETER D) will die Innenwand zum größten Teil erhalten und sichtbar machen.

 

Gasometer-Spatenstich (5. Februar 1999)
Beginn der Bauarbeiten am Mammut-Projekt Heute, Freitag, um 10 Uhr erfolgt der Spatenstich für den Gasometer B (und nicht, wie gemeldet, im Gasometer D) in Wien-Simmering. Auch mit den Arbeiten an den anderen drei Gasometern soll noch 1999 begonnen werden. 615 Wohnungen, 178 Studentenheimplätze, Büros, eine Veranstaltungshalle (3000 Sitzplätze) und eine durchgehende Shopping-Mall sollen in mindestens 24 Monaten Bauzeit in den vier "Gasriesen" Platz finden. In den Gasometer D zieht das derzeit über ganz Wien verstreute Landesarchiv ein. Gesamtkosten des ehrgeizigen Wiener Neubauprojektes: 1,74 Milliarden Schilling (126,5 Millionen ). Die Entscheidung, das Bauvorhaben mit dem Gasometer B zu beginnen, fällten die Techniker. Da für die Veranstaltungshalle am tiefsten gegraben werden muß, nützt man den im Winter niedrigen Grundwasserspiegel. Im Frühjahr bei beginnender Schneeschmelze würden die Grabungs- und Schalungsarbeiten zusätzlich erschwert werden.

 

Spatenstich (6. Februar 1999)
Wien - Die erste Schaufel ist ausgehoben: Am Freitag begann der Umbau des ersten Simmeringer Gasometers mit einem offiziellen Spatenstich. Die Arbeiten an den drei anderen Ex-Gasbehältern sollen im Sommer starten. Die Fertigstellung des 2,4-Milliarden-Schilling-Projektes ist für Frühjahr 2001 geplant. (chr)

 

Spatenstich bei den Gasometern (6. Februar 1999)
Bis Frühjahr 2001 soll das 2,4-Milliarden-Schilling-Projekt realisiert sein Weder heftige Sturmböen noch Regen verhinderten Freitag vormittag den Spatenstich für die Simmeringer Gasometer. Begonnen werden die Bauarbeiten am Gasometer B, der ab Frühjahr 2001 Studentenwohnplätze und ein Veranstaltungszentrum beherbergen soll. Die Planung stammt vom Architektenbüro Coop Himmelb(l)au. Die Kosten für den Gasometer B belaufen sich auf 670 Millionen Schilling (48,7 Millionen ) Wohnbaustadtrat Werner Faymann begrüße im Namen der Stadt, "daß Wien eine neue Fremdenverkehrsattraktion bekommt und daß gleichzeitig die Erhaltung historischer Industriedenkmäler mit der Wiener Tradition des sozialen Wohnbaus verbunden werden konnte." Für Elisabeth Weihsmann vom Bauträger GPA ist das Gasometerprojekt der Beweis, daß "man mit guten gewerblichen Bauträgern gute gemeinnützige Projekte realisieren kann". 2,4 Milliarden Schilling (174,4 Mio. ) werden in die vier Gasometer und das Kino-Center vis-a-vis investiert. Davon rund 600 Millionen (43,6 Millionen ) aus Mitteln der Wohnbauförderung. J. R.

 

Spatenstich für den Umbau (6. Februar 1999)
Die Simmeringer Gasometer, Wiens bedeutende Industriedenkmäler, werden mit einem Investitionsaufwand von 2,4 Mrd. S bis zum Jahr 2001 umgebaut.
Die vier Gasometer wurden zwischen 1896 und 1899 als erstes kommunales Gaswerk in Österreich und als erstes Großgaswerk auf dem europäischen Kontinent errichtet. Sie standen bis 1985/86 in Betrieb. Donnerstag wurde von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) und Elisabeth Weihsmann, Direktorin der GPA Wohnbaugenossenschaft, der Spatenstich für ein ehrgeiziges städtebauliches Großprojekt vorgenommen. Mit einem Gesamtinvestitionsaufwand von 2,4 Mrd. S (174,4 Mill. Euro) werden 600 Wohnungen, eine Veranstaltungshalle für rund 4000 Besucher, ein Studentenheim, Einkaufs- und Gastronomieflächen, ein Kindertagesheim, ein Multiplex-Kino und neue Räume für das Wiener Stadt- und Landesarchiv geschaffen. Das Kino entsteht auf dem Areal einer ehemaligen Fabrik gegenüber den Gasometern.
Renommierte Architekten gingen ans Werk: Jean Novel, das Team Coop Himmelblau, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer. Novel (Gasometer A) "implantierte" Baukörper, Coop Himmelblau (Gasometer B) kreierte einen 18 Stock hohen Anbau, Wehdorn (Gasometer C) setzt mit Baupflanzungen und Grünräumen ökologische Akzente, Holzbauer (Gasometer D) will auch die Innenwand des Industriedenkmals sichtbar machen. Eine "Mall", eine Einkaufsstraße, soll auf zwei Geschossen alle vier Gasometer verbinden. Das Stadt- und Landesarchiv, dessen Regale eine Länge von insgesamt über 30.000 Meter ausmachen, wird im Gasometer D untergebracht. U. a. werden das Testament Ludwig van Beethovens, die Verlassenschaftsabhandlung
Wolfgang Amadeus Mozarts, Pläne Otto Wagners zur Umgestaltung Wiens oder das Archiv des Parteigründers der SPÖ, Victor Adler, aufbewahrt. Eine künstliche Klimatisierung im Inneren des Gasometers ist übrigens nicht erforderlich, was eine erhebliche Kostenersparnis bedeutet. Der neue Stadtteil wird zum Zeitpunkt der Fertigstellung jedenfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erschlossen sein. Die U-Bahn-Linie U3, die derzeit in Erdberg endet, wird bis Ende 2000 bis Simmering (Simmeringer Hauptstraße) verlängert. Bei den Gasometern entsteht eine neue U-Bahn-Station "Gasometer".

 

Vergebene Chancen bei alten Gasometern (11. Februar 1999) Leserbrief
Die leeren Gasometer in Simmering sind die atemberaubendsten Innenräume, die es derzeit in Wien, in Österreich, in Europa gibt. Nicht einmal einen historischen Teleskopbehälter hat man ihnen als Technikmonument des vorigen Jahrhunderts gelassen. Dabei gab es nirgendwo sonst - außer bei der Expo 1970 in Osaka - so eine weitgespannte, bewegliche Decke. Flug und Raumfahrt, Technik und Technologie, Totaltheater und Panoramaschau und die Geschichte der Kommunaltechnik selbst, ließen sich in dem gewaltigen Dom darstellen. Auch Themenparks, wie sie im Süden geplant sind. Nur gerade Wohnungen brauchen weder den Kuppelraum, noch die große Fassadenordnung. Die abgrundtiefe Dummheit wird nur durch das Geschick der Architekten kaschiert. Und so nehmen die Dinge halt ihren Lauf.
Herbert Loidolt 1180 Wien

 

100 Jahre Wiengas - Gasometer-Wiedergeburt (29. April 1999)
Von der technischen Innovation zum Architektur-Ereignis.
Die liberale Opposition hielt es damals für ein "communales Unglück", daß nicht bestehende, meist veraltete Anlagen der privaten Gasgesellschaften übernommen werden sollten. Erst nach heftigen Diskussionen beschloß der Wiener Gemeinderat im Oktober 1896 dennoch, das kommunale Gaswerk Simmering nach den Plänen Theodor Hermanns zu errichten.
Nur drei Jahre später waren sie fertiggestellt, die vier Gasometer von Simmering - und daneben das Ofenhaus, in dem pro Tag in 1620 Retorten aus Kohle 432.000 m? Gas erzeugt werden konnten. Die Außenhülle der einzelnen Gasbehälter wurde in jeweils rund 29 Tagen in die Höhe gezogen. Das Fassungsvermögen jedes einzelnen dieser Speicher: 90.000 m? Gas. Gleichzeitig war das Rohrnetz verlegt worden - durchschnittlich 1,7 Kilometer pro Tag. Und so konnten schließlich im Oktober 1899 erstmals die städtischen Gaslaternen auf der Ringstraße in Betrieb genommen werden.
Genau 100 Jahre später fiel im Februar 1999 der Startschuß für die Wiederbelebung der längst stillgelegten Industriebauten: Und wieder soll es drei Jahre dauern, bis sie fertiggestellt sind, die neuen Gasometer. Insgesamt 2,4 Milliarden Schilling (174 Mio. ) werden von den Bauträgern SEG, der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte und der GESIBA in den Um-und Ausbau investiert. Um in den backsteinernen, denkmalgeschützten Hüllen 600 geförderte Wohnungen, Büroflächen, ein Studentenheim, eine Veranstaltungshalle, umfangreiche Einkaufs- und Gastronomieflächen, ein Kindertagesheim und ein Multiplex-Kino zu errichten.
Die Entwürfe von COOP Himmelb(l)au, Jean Nouvel, Wilhelm Holzbauer und Manfred Wehdorn erregten jedenfalls bereits schon lange vor Baubeginn internationales Aufsehen.

 

Eine Stadt für sich - die Simmeringer Gasometer (1. Mai 1999)
Fertigstellung des Großprojektes im März 2001 Die vier riesigen Gasometer in Simmering sind klassische Zeitzeugen der österreichischen Industriearchitektur der Jahrhundertwende. Sie sollen bis 31. März 2001 in eine "Stadt für sich" umgebaut werden. Bereits Ende Jänner erfolgte der Spatenstich für den Gasometer B, in dem neben 254 Wohnungen und einer Parkgarage auch die 3000 Besucher fassende Veranstaltungshalle Platz finden wird. Am Freitag wurden die bereits begonnen Bauarbeiten an den anderen drei Gasometern vorgestellt. In der Rohbauphase werden 600 Arbeiter beschäftigt. Das städtebauliche Großprojekt, mit geplanter eigener U3-Station, umfaßt die Schaffung von 615 Wohnungen, 25.000 m Büroflächen, 20.000 m Geschäftsflächen, einem Studentenheim und einer durch alle Gasometer durchgehenden "Shopping- und Entertainment Mall". Das Bauvolumen beträgt 1,8 Milliarden Schilling (130,8 Millionen ). "Auf die Büro- und Geschäftsflächen hat schon ein wahrer Run eingesetzt", berichtet Elisabeth Weihsmann vom Bauträger WBV-GPA, "jetzt muß nur noch das Umfeld, wie der Steg über den Donaukanal, rasch angepaßt werden". Wohnbaustadtrat Werner Faymann ist sicher, "daß das Bauprojekt wie im Ottakringer Grätzl zusätzliche Investitionen im Umfeld nachziehen wird". J.R.

 

Baubeginn bei drei Gasometern (3. Mai 1999)
WIEN (apa). Am Wochenende setzte Wohnbaustadtrat Werner Faymann den Spatenstich zum Ausbau der restlichen drei GASOMETER-Türme in Simmering. Beim vierten Turm wird bereits seit Jänner gebaut. Die alten Gastürme sollen in einen Wohnpark mit 615 Wohnungen sowie Einkaufszentren und Gastronomiebetriebe umgebaut werden.

 

Wie aus Gasbehältern Wohnungen werden (1. Juni 1999)
Wien - Einundzwanzig. Zweiundzwanzig. Dreiundzwanzig. Beunruhigend lange fällt das Blechstück, das die Arbeiter gerade aus der Kuppelabdeckung des Gasometer A gerissen und in die Tiefe geworfen haben. Hier oben, in rund 70 Metern Höhe, passiert jeder Handgriff routiniert, aber konzentriert. Natürlich sind die Männer bei ihrer Arbeit angeseilt. Trotzdem erscheint es dem schwindelnden Besucher wagemutig, wie leichtfüßig sie über die bereits halbkahle Kuppel turnen.
"In fünf bis sechs Wochen wird dann die Kuppel B demontiert", erklärt Bauleiter Klaus Enser, der für den Umbau von zwei der vier Simmeringer Gasometer zuständig ist. In den hundertjährigen Backsteinbauten sollen bis zum März 2001 mehr als 600 geförderte Wohnungen, eine Veranstaltungshalle, Büros sowie eine Shoppingmall entstehen. Anfang Februar erfolgte der Spatenstich, seit März wird gebaut.
Wie aus Gasbehältern Wohnungen werden sollen, stellen sich die vier siegreichen Architekten (Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holbauer) unterschiedlich vor. Gemeinsam ist ihnen das Problem der Belichtung der Räume: "In alle Gasometer sollen deshalb Lichtbänder gefräst werden", so Enser.
Leichter gesagt als getan. Das Ziegelmauerwerk aus heißgebranntem Kalk ist hart wie Beton. An den mit spezieller Technik hergestellten Ziegeln ist sogar das Denkmalamt interessiert. Enser skeptisch: "500 Ziegel sollen wir für die rauslösen. Wir bringen nicht einmal einen heil heraus."
Abgesehen von der Härte des Materials bereitet Enser noch ein anderes Detail einiges Grübeln: 15 Meter hoch sollen die Lichtbänder werden, an der Innenseite drei Meter, an der Außenseite des Gemäuers einen Meter breit sein. Das ergibt bei einer Mauerstärke von über einem Meter für einen einzigen Block, der herausgefräst werden soll, das stolze Gewicht von 60 Tonnen. "Wie wir das abtransportieren werden, weiß ich selber noch nicht genau." Trotzdem ist Enser zuversichtlich, daß die Mieter plangemäß einziehen können.
Er selbst würde gar nicht so gern in einem der Gasometer wohnen. Am besten gefällt ihm das dem Bauwerk B vorgelagerte "Schild" von Coop Himmelb(l)au. Der freistehende Bauteil wird den Gasometer noch an Höhe übertreffen. "Ein Blick bis zum Kahlenberg", kommt Enser ins Schwärmen. Für eine entsprechende Verkehrsanbindung wird bis zum Einzug der Mieter gesorgt sein. Die Verlängerung der U 3 bis direkt vor die Haustüre wird bereits im Jahr 2000 eröffnet. Auch die Zufahrtsstraße, die sich derzeit noch im wilden Zickzack durch das umliegende Industriegebiet schlängelt, wird neu angelegt. Dieser Maßnahme wird in wenigen Monaten ein nahegelegenes Juwel zum Opfer fallen: Der "Stelzenwirt", bei dem man sich unter großen, alten Bäumen in die Zeit der Gaslaternen zurückversetzt fühlt, muß den neuen Zeiten weichen.

 

Zügiger Bau an Wiener Gasometern (1. Juni 1999)
Rund 600 Arbeiter sind heuer im Zuge der Rohbauphase zur Umgestaltung der Gasometer-Türme tätig.
WIEN (e. k.). Die Simmeringer Mammutbaustelle mit ihren riesigen Kränen ist schon von weitem zu sehen. Seit Anfang Mai wird an allen vier GASOMETER-Türmen eifrig gewerkt. Schließlich sollen die einstigen Wahrzeichen der Industriearchitektur der späten Gründerzeit bereits in zwei Jahren ein pulsierendes Wohn-, Arbeits- und Freizeitviertel beherbergen. An die 600 Arbeiter sind heuer im Zuge der Rohbauphase tätig. Momentan nehmen sie sich des riesigen Kuppelbaus an. Durch das mächtige Glasdach mit einer Spannweite von 63,8 Metern soll künftig genügend Licht für den begrünten Innenraum der Türme fallen. Weiters sind noch folgende Baumaßnahmen für dieses Jahr geplant: Die Errichtung des Fundaments, das Betonieren von Wänden und Decken, parallel dazu Schneidearbeiten in der Außenhülle, die Errichtung von Müll- und Technikräumen sowie diverse Elektro- und Sanitär-Installationen.
Insgesamt sollen die GASOMETER 615 geförderte Wohnungen, 178 Studentenheimplätze, Büroflächen mit 10.996 Quadratmetern, eine 7452 Quadratmeter große Veranstaltungshalle, ein 20.000 Quadratmeter großes Geschäftsviertel sowie 856 Tiefgaragenparkplätze beherbergen.
Die vier GASOMETER wurden ab 1896 in drei Jahren als erstes kommunales Gaswerk in Österreich und als erstes Großgaswerk Europas erbaut. Bis zu den Jahren 1985/86 waren die Türme in Betrieb.

 

"Junges" Wohnen im architektonischen Baujuwel (29. Juli 1999)
Vor allem für junge Menschen dürfte das Wohnungsangebot in den Gasometern interessant sein. Das Projektkonzept wurde nicht zuletzt auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. Die Gasometer haben einen direkten Zugang zur U 3, eine Veranstaltungshalle wird mit Konzerten locken. Zahlreiche Gastronomie-Betriebe, dutzende Geschäfte und Supermärkte in den Gasometern versorgen die Bewohner und die Büroangestellten. Insgesamt 615 Wohnungen wird es in den vier Gasometern geben. Ein Studentenheim mit 76 Wohneinheiten komplettiert das Angebot. Wer sich für das innovative Projekt interessiert, kann sich bei der Gesiba (Tel.: 534 770), bei der WBV-GPA (Tel.: 533 34 14-0), oder bei der SEG (Tel.: 313 66-0) anmelden. Die Vergabe der Wohnungen hat allerdings noch nicht begonnen.

 

Hut ab vor den vier Gasometern (29. Juli 1999)
Der Umbau der Industriedenkmäler ist eine technische Meisterleistung / Im Frühjahr 2001 wird das 2,4 Milliarden S teure Projekt fertig.
Wie riesige Kraftwerksschlote ragen derzeit die vier Erdberger Gasometer in den Himmel. Den 100jährigen Industriedenkmälern wurden ihre Kuppeldächer abgenommen (das letzte Dach des Gasometers B wird derzeit demontiert) - eine ungewohnte Perspektive. "Der Kuppelabbau gehört sicher zu den schwierigsten Aufgaben bei dem Gesamtprojekt", erklärt der Ziviltechniker Harald Schmidt (Fritsch, Chiari & Partner). Zuerst habe es Überlegungen gegeben die 140 Tonnen schweren Dächer mit einem VOEST-Kran abzuheben. "Der schafft aber nur 90 Tonnen", erzählt Schmidt. Ohne Beplankungen hätten die Kuppelkonstruktionen zwar nur noch jeweils 88 Tonnen gewogen, doch wohin hätte man die riesigen Stahlgerüste abladen sollen? Also entschieden sich die Techniker, die Kuppeln wie eine Torte aufzuschneiden. Nun wird jedes Stück einzeln mit einem "normalen" Kran heruntergelassen. Und wie sich herausstellte, haben die Arbeiter vor 100 Jahren gute Arbeit geleistet: Die Stahlkonstruktionen, die nach den Bauarbeiten wieder aufgesetzt werden, sind in hervorragendem Zustand. Auch beim Einschneiden verschiedener Zugangswege durch die Basismauern, die bis zu neun Meter dick sind, habe man sich ordentlich den Kopf zerbrochen. "Beim Bau der Gasometer wurden die Ziegel heiß vermörtelt, jetzt sind die Mauern hart wie Beton; nicht einmal einzelne Ziegelsteine lassen sich herausbrechen", staunt Schmidt über die Qualitätsarbeit von anno dazumal.
Schließlich bedienten sich die Bauleute eines Gerätes, das aus dem Bergbau kommt. Fräsen schnitten die Löcher präzise frei. In luftiger Höhe können die schweren Fräsen allerdings nicht in Betrieb genommen werden. Daher werden mit Diamantseilen die zusätzlichen Fenster in bis zu 50 Meter Höhe in die Mauern hineingeschnitten. Die eigentlichen Hauptarbeiten - 791 Wohnungen, eine Veranstaltungshalle mit 3000 Sitzplätzen, Tiefgaragen, Büros und Geschäftszentren - sind natürlich auch nicht ohne. Für die neugeschaffenen 105.000 Quadratmeter Nettonutzfläche werden mindestens 40.000 Kubikmeter Beton und 3200 Tonnen Stahl verarbeitet. 16 Kräne stehen zur Zeit um die vier Gasometer und beliefern die 160 Bauarbeiter mit Material. "An der Errichtung der Gasometer haben zehnmal so viele Menschen gearbeitet", erzählt Schmidt. Er räumt aber ein, daß zu Spitzenzeiten in den kommenden Monaten bis zu 500 Bauarbeiter tätig sein werden. Bis zum April 2001 soll das 2,4 Milliarden Schilling (175,5 Mio. ) teure Großprojekt fertiggestellt sein. (Christoph Mierau)

 

Archiv im Gasometer (7. Dezember 1998)
Der geplante Kauf eines Gasometerteils zur Unterbringung des Archivs durch die Stadt Wien wird nach Ansicht des LIFallzu eilig vorangetrieben.
WIEN (e. m.). "Das sieht mir nach einer Subventionierung der GESIBA aus." Gabriele Hecht, Klubvorsitzende des Liberalen Forums, äußert scharfe Kritik an dem von SPÖ und ÖVP am Freitag im Kulturausschuß gefaßten Beschluß, demzufolge der Gemeinnützigen Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft ein Teil des Gasometers D abgekauft werden soll, um dort das Stadt- und Landesarchiv unterzubringen. In dem Antrag ist von einem "maximalen Kaufpreis von 295 Millionen Schilling" die Rede. Davon sollen binnen 14 Tagen 100 Millionen Schilling genehmigt werden, danach bis Ende Jänner 1999 weitere 180 Millionen. Finanziert soll das ganze über eine Budgetüberschreitung werden."Im Ausschuß konnte niemand sagen, worauf sich der Kaufpreis stützt", so Hecht, "keinem war ein Nutzwertgutachten bekannt, keiner konnte die Dringlichkeit erklären." Laut Hecht hat auch noch keine Baufirma den Zuschlag erhalten. Sie betont zugleich, daß sie durchaus für einen Grundsatzbeschluß zum Archivbau sei, daß aber eine Summe von etwa 50 Millionen Schilling als Anzahlung für Grund- und Planungskosten ausreichen müßte. Auch die anderen Oppositionsparteien stimmten übrigens gegen den Antrag; selbst die Koalition fühlte sich laut Hecht "sichtlich nicht wohl". Hecht hofft nun, daß beim Finanzausschuß am Donnerstag die offenen Fragen beantwortet werden.

 

Der große Run auf "Tabu"-Wohnungen (16. August 1999)
Was vor zehn Jahren als "unmöglich" galt, hat jetzt die meisten Anfragen.
Wohnen im Hochhaus, Wohnen im Gasometer oder gar ein neuer Stadtteil an der Donau - unmöglich, hätte es noch vor ein paar Jahren geheißen. Roman Freihsl besuchte mit Wohnbaustadtrat Werner Faymann Wiener Schauplätze des Tabubruchs.
Wien - Der Mischek-Tower, der gerade in der Wiener "Donaucity" finalisiert wird, ist gleich ein doppelter Gegenbeweis: Als Anfang der 90er-Jahre der damalige Wiener Planungsstadtrat Hannes Swoboda eine "Hochhaus-Studie" in Auftrag gab, wurde das von einigen Seiten als totaler Irrweg abgetan. Auch in den eigenen SPÖ-Reihen. Wozu brauche eine Stadt wie Wien Hochhäuser? Und wenn schon - dann bitte allerhöchstens für Büros. Ebenso, wie Swobodas Pläne, "Wien an die Donau" zu bringen, als absurder Tabubruch angesehen wurden. Und dann erst die "Platten-Pläne": Leistbares Wohnen werde dort nie möglich sein, galt als sicher.
Jetzt steht Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) am Donauufer, schaut auf das höchste Wohnhaus Österreichs, den Mischek-Tower, und weiß: "Für Wohnungen in Hochhäusern haben wir die meisten Anfragen. Und für Kleingärten. Das ist nur eine Frage der Lebensphasen." Grünraum steht bei Familien mit Kindern hoch im Kurs. Wohnen in luftigen Höhen zieht die "Dinks" (Double income, no kids) magisch an.
Größere Differenz
Der erste Donaucity-Bauteil ist bereits bezogen und "funktioniert" (DER STANDARD berichtete). Unter anderem auch deshalb, weil die Wohnkosten gesplittet wurden: Vorne, mit Blick auf die Donau, kosten die Wohnungen am meisten. "Diese Differenz nach Lage müsste im geförderten Wohnbau noch viel größer werden", überlegt Faymann. "Und eine stärkere Förderungsdurchmischung müsste mehr Privatguthaben aktivieren."
Nächste Station: Wohnpark Alte Donau. Dass etwa der von Coop Himmelb(l)au geplante Wohnturm keine Vermarktungsprobleme hat, liegt vor allem an der sensationellen Aussicht, der extremen Nähe von U-Bahn und Naherholungsgebiet. Der Wohnbauträger SEG bietet aber auch Ergänzendes, was früher in Wien undenkbar war. Einen Concierge. Oder einen Fixbetrag, der allen Mietern für eine dann kostengünstige Kinderbetreuung abgezogen wird. "Gerade jetzt, wo das Angebot so groß geworden ist, dass die Wohnungssuchenden auswählen können, darf ein Projekt nie unter einen gewissen Qualitätsstandard gehen. Sonst drohen Leerstehungen. Sei es nun das urbane Umfeld, die Infrastruktur, die Verkehrserschließung oder die Wohnungsgrundrisse und architektonische Gestaltung." Und weil Faymann gerade vor einem Coop-Bau steht: "Coop Himmelb(l)au bieten weltweit Flughäfen und Museen an, verwirklichen Kinocenter. In Wien bauen sie Wohnungen." Zum Beispiel neben der Remise Vorgartenstraße.
Rechnung mit U-Bahn
Und natürlich sind sie mit einem Gasometer-Projekt präsent. Die gerade von den letzten Dachresten befreit werden, bevor die "Implantate" von Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holbauer eingesetzt werden. Obwohl hier das direkte Umfeld noch an eklatantem Attraktivitätsmangel leidet - die Rechnung mit gewagter Architektur, U-Bahn-Anschluss und Einkaufs- und Unterhaltungsprogramm in den unteren Geschossen scheint voll aufzugehen: Die für den Bauteil A zuständige SEG hat gerade mit der Vermarktung begonnen. Aber noch bevor ein einziges Stockwerk hochgezogen ist, sind bereits 35 Prozent der Wohnungen fix vergeben.
"Gefragt sind interessante, urbane Wohnformen, hohe Dichte mit gutem Umfeld - das so genannte vollwertige Wohnen der 70er-Jahre gehört der Geschichte an. Der Flachbau hat nie die kritische Masse der Urbanität geschafft", ist ein Schluss, den Faymann zieht. So, wie auch Neubauprogramme am Stadtrand mangels Attraktivität abgeblasen wurden. Auch die hatte Swoboda seinerzeit initiiert - aber für ein "wachsendes" Wien mit starkem Zuzug.
Der Blick auf Donau, Donaucity, Millennium-Tower. Die Nähe zu U-Bahn und Grünraum: Das und zusätzliche "Besonderheiten" machten das "hoch-häusliche" Wohnen im Wohnpark Alte Donau besonders attraktiv.

 

Erdberger Mais als Stadtteil der Zukunft (20. August 1999)
Für die Stadtplaner ist es das Gebiet der Zukunft. Da muss für sie der Name dieses 200 Hektar großen Areals im Osten Wiens widersprüchlich klingen: Erdberger Mais; denn Mais oder Mas ist eine Flurbezeichnung aus dem Jahre 1863 und bedeutet Waldflecken, eingebettet in der Schlinge eine Flusses. Und bis heute liegt dieser Flecken von Wien auch noch brach. In 15 Jahren soll er aber zum High-Tech-Wirtschaftsstandort mutiert sein, am Entwicklungsplan arbeitet seit September des Vorjahres eine Projektgruppe der MA 21A (Stadtteilplanung).
Das Fernziel: 200 Einwohner und Arbeitsplätze pro Hektar. Derzeit liegt die so genannte Nutzungsdichte des Erdberger Mais bei 28 (Einwohnern und Arbeitsplätzen). Im gleich großen 5. Bezirk kommen schon heute auf einen Hektar Fläche 350 Einwohner und Arbeitsplätze.
Warum Erdberg ausgerechnet als "Hoffnungsträger" für Stadtplaner gilt? Wegen seiner "harten Standortfaktoren", wie es Planungsstadtrat Bernhard Görg (VP) nennt. Dieser Stadtteil ist verkehrstechnisch gut erschlossen, Anschluss zur (überlasteten) Süd-Ost-Tangente sowie zur U 3, die noch verlängert wird. Außerdem wird die Flughafen-S-Bahn S 7 ausgebaut. Vorteile, die Investoren noch verkauft werden müssen.
Dazu sollen erst einmal "Ankerprojekte" umgesetzt werden. Wie etwa derzeit der Umbau der vier Gasometer. Außerdem ist der Entwurf für einen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für das nördliche Umfeld der Gasometer fertig. Auf 13 Hektar Nettobauland soll ein Büro- und Gewerbegebiet entstehen: unten arbeiten, oben wohnen, lautet das Konzept für die dort projektierten Hochhäuser.
Konkrete Pläne für einen Bürokomplex hat Architekt Kohlbauer schon vorgelegt. Und in der ehemaligen Fettfabrik wird ein neues Multiplex-Kino mit 3800 Sitzplätzen, der "Pleasuredome", entstehen. Laut MA 21A sei mit einer Baubewilligung demnächst zu rechnen.
Nicht so schnell wird es mit dem "Ankerprojekt" Schlachthof St-Marx gehen. Derzeit seien zwischen Rennweg und altem Fleischgroßmarkt zehn Hektar sofort für Gewerbebetriebe verfügbar, Wohnungen werde es dort wegen des Verkehrslärms aber keine geben. Was mit der denkmalgeschützten und sanierungsbedürftigen Rinderhalle geschehe, sei derzeit noch offen. Auch für das dritte "Zugpferd" Aspanggründe stehen erst nächstes Jahr die Detailplanungen an. Für die 22 Hektar große Fläche wird jetzt Norman Foster seinen Masterplan von 1998 überarbeiten.
Geht das Konzept (privates Investitionsvolumen: mindestens 14,5 Milliarden Schilling/ 1,05 Milliarden EURO) für den Erdberger Mais auf, könnten dort innerhalb der nächsten 15 Jahre 20.000 neue Arbeitsplätze entstehen - hochqualifizierte, wie Görg meint. Lautet doch die Zukunft für diese Flur: tenchnologieorientierter Wirtschaftsstandort. (ker)

 

Jetzt werden die Gasometer aufgeschlitzt (17. September 1999)
Wien - 1700 Interessenten haben sich bereits vormerken lassen - jetzt beginnt die Wohnungsvergabe. Und das obwohl bei den Gasometern gerade erst die letzte Dachkonstruktion abmontiert wurde und nun die zweite Bauphase beginnen kann; die Bau-und Fundierungsarbeiten. Gleichzeitig wird die Außenhaut der Gasometer aufgeschnitten - 1400 Kubikmeter Ziegelmaterial werden entfernt, um mit diesen neuen Schlitzen die Belichtung im Inneren zu verbessern.
Bis April und Juni 2000 soll dann der Rohbau fertiggestellt sein - mit 4200 Fenstern, 4000 Türen, 35.000 Quadratemetern Zwischenwände, dann werden 290 Kilometer Elektrokabel und 120 Kilometer Wasserleitungen verlegt. Ab Mitte des Jahres kommen dann die renovierten Kuppelkonstruktionen wieder drauf - und werden mit 4400 Schrauben befestigt.
Für Bundeskanzler Viktor Klima, der Mittwochabend gemeinsam mit Wohnbaustadtrat Werner Faymann per Kran über die Baustelle gehievt wurde, zeichnet sich "Österreichs derzeit größte Baustelle durch Wirtschaftskraft und architektonische Besonderheit aus". Die Verbindung von Industriedenkmal und moderner Architektur sei "in dieser Form nur in der Stadt des ,sozialen Wohnbaus' möglich". Faymann rechnet vor: Die Wohnbauförderungs-Mittel von 311 Millionen Schilling (22,6 Mio ) hätten die Gesamtinvestition von 1,8 Milliarden Schilling (131 Mio ) erst ermöglicht. Und lösten gleich daneben ein Folgeprojekt aus: Wieder einmal ein Kino- und Erlebniscenter, dieses soll Pleasuredome heißen und kostet 650 Millionen Schilling (47 Mio ).
Und so sollen in den Gasometern 2000 Menschen wohnen und mit Pleasuredome, Geschäften und Büros auch Platz für 2000 Beschäftigte entstehen. (frei)

 

Platz für 600 Traumwohnungen (17. September 1999)
Himmelhoch über der Stadt begann die Wohnzukunft Wiens: Von einem Kran aus gaben Bundeskanzler Viktor Klima und Wohnstadtrat Werner Faymann das Startzeichen für den Umbau der historischen Simmeringer Gasometer. Mehr als 600 Wohnungen werden in den vier Industriedenkmälern "eingebaut".
Kanzler Klima sprach von einer "Initialzündung für die Wirtschaft" und einem "Impuls für den Tourismus". Schließlich werden 1,8 Milliarden Schilling in europäische Spitzenarchitektur investiert.
Vier absolute Stararchitekten zeichnen für den heiklen Umbau der denkmalgeschützten Gasbehälter verantwortlich: Wilhelm Holzbauer, Manfred Wehdorn, Coop Himmelb(l)au und der Franzose Jean Nouvel. Sie haben 615 geförderte Miet- und Eigentumswohnungen geplant. Dazu ein Studentenheim, 11.000 Quadratmeter Büros, eine Veranstaltungshalle, 909 Parkplätze und eine Einkaufsmeile, die sich durch die vier Gebäude zieht.
Nicht zu vergessen: die U-3-Station direkt "im Haus" und der "Vergnügungsdom", ein Erlebniszentrum in unmittelbarer Nachbarschaft.
Beeindruckende Zahlen veranschaulichen die Dimensionen: 24.000 Quadratmeter Glasflächen und 4200 Fenster werden Tageslicht in das Innere bringen. 290 Kilometer Elektrokabel und 120 Kilometer Wasserleitungsrohre gewährleisten die Versorgung der Haushalte. Bis zu 1200 Arbeiter sind beim Umbau eingesetzt, und rund 2000 Menschen werden nach der Fertigstellung des Komplexes Beschäftigung finden. Daß um die Wohnungen ein Griß herrscht, freut Stadtrat Faymann besonders: "Diese einmalige Kombination aus Alt und Neu macht die Gasometer zweifellos zum Jahrhundertprojekt."
Die Vergabe der Wohnungen hat bereits begonnen. Alle Infos dazu gibts beim Mietertelefon 4000/8000.

 

Gasometer als Touristen-Hit (17. September 1999)
2. Bauphase hat begonnen: Spitzenarchitektur soll auch Gäste faszinieren Donau-City, Millennium Tower, Spittelau, Hundertwasserhaus. Ab 2001 werden die Busse, die Touristen das moderne Wien zeigen, eine weitere Station machen: Vor den vier Gasometern. Beim Startschuss für den Bauteil B war sich Bundeskanzler Viktor Klima mit Wohnbaustadtrat Werner Faymann einig: "Mit diesem Wohnprojekt bekommt Wien auch für den Fremdenverkehr eine neue Attraktion. Die hier bald verwirklicht sein werdende Verbindung von vier historischen Industriedenkmälern mit moderner, international anerkannter Architektur ist europaweit einzigartig." Um knapp 2,5 Milliarden Schilling (181.000 ) entstehen in den Gasometern 615 Wohnungen, ein Studentenheim, Büros, eine Veranstaltungshalle, ein Einkaufszentrum, das neue Landesarchiv, ein Kindertagesheim und 909 Parkplätze. In unmittelbarer Nachbarschaft errichten Private ein Kino- und Unterhaltungszentrum. Mehr darüber am Sonntag im Wohn-KURIER, der viel Infos und Service für Wohnungssuchende bietet.

 

Büroviertel statt Gstätten (20. September 1999)
Der "Erdberger Mais", bis dato Brachland, soll sich zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort mausern.
WIEN (e. k.). Stadtplaner haben ihre Liebe für das 200 Hektar große Brachland "Erdberger Mais" entdeckt: Mit der "optimalen Verkehrslage" und der "unmittelbaren Nähe zur City, zum Prater und zum Flughafen" sei das Areal ein attraktiver Wirtschaftsstandort, sagte Planungsstadtrat Bernhard Görg (VP) am Donnerstag. Für das Planungsgebiet, es umfaßt das nördliche Gasometer-Umfeld, die Aspanggründe und das verwaiste Schlachthofareal St. Marx, hat man vorerst aber nur vage Konzepte erarbeitet. Jetzt sucht man Investoren. Gestalt soll das Vorhaben erst in zehn bis 15 Jahren annehmen.
Für das Gebiet bei den vier Gasometern - sie werden derzeit in Wohnhäuser umgebaut - ist ein Büro- und Gewerbegebiet samt Wohnungen vorgesehen. St. Marx soll Fachmärkte und Büros beheimaten. Beim Rennweg sollen Geschäfte, Büros und einTechnologiepark entstehen. Wohnungen seien hier wegen der Südosttangente nicht sinnvoll, beteuerte Görg. Für die sanierungsbedürftige und denkmalgeschützte Rinderhalle hat man noch keine Ideen. Und bei den Aspanggründen wartet man auf den Masterplan von Architekt Sir Norman Foster. FP-Planungssprecher Walter Prinz kritisierte die "spärlichen Pläne und fehlenden Innovationen". So komme kein Investor.

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Adler und Ameise im Erdberger Mais (12. Oktober 1999)
Zum Wirtschaftszentrum entwickelt sich das Gebiet rund um die historischen Gasometer. Auf dem "Erdberger Mais" entsteht ein neues Wirtschaftszentrum.
WIEN (stu). Mit dem Umbau der historischen Gasometer in Simmering fiel der Startschuß für die Entwicklung eines gesamten Stadtteils. Der bisher brachliegende "Erdberger Mais" (begrenzt durch das nördliche Gasometer-Umfeld, den Aspanggründen und dem verwaisten Schlachthofareal St. Marx) entwickelt sich zum Wirtschafts- und Wohnzentrum. In der Guglgasse, unmittelbar an der zukünftigen U3-Station, entsteht jetzt ein neuer Bürokomplex, der einen weiteren Impuls für das Gebiet zwischen Simmering und Wien-Landstraße bringt. Am Dienstag wurde der Architekten-Siegerentwurf präsentiert.
"Der Adler und die Ameise" nennt sich das Projekt, das von der "InvestConsult" errichtet wird und sich durch eine schlichte "Stufenpyramide" aus Aluminium und Glas auszeichnet. Das Gebäude beherbergt 21.000 Quadratmeter Büroeinheiten und 207Tiefgaragenplätze. Der Baubeginn soll noch im Herbst erfolgen, die Fertigstellung ist für den März 2001 geplant. Die Projektkosten für Planung, Grundstückskauf sowie der Errichtung des Bürokomplexes belaufen sich auf insgesamt 750 Millionen Schilling (54,5 Mio. Euro). Zu einem Drittel sind die Räume des Gebäudes bereits vermietet.
Die weitere Entwicklung werde auch kompromißlos technikorientiert verlaufen, erklärte Görg: "Es wird keine niederwertige Nutzung von Flächen geben." Das sei zwar aufgrund zahlreicher privater Grundstücksbesitzer schwierig ("sie könnten das schnelle Geld wollen und an ungeeignete Interessenten verkaufen"), allerdings drohe dann eine Bausperre, so Görg. Gleiches gilt für die Architektur: Die Gasometer bleiben der Blickfang des boomenden Wirtschaftsareals. Neue Projekte dürfen laut Stadtplanung keine Konkurrenz zu den Industriedenkmälern darstellen, sondern müßten sich ihnen architektonisch unterordnen.

 

Erdberger Aufschwung: Bürohaus bei Gasriesen (12. Oktober 1999)
Rund um die Gasometer wird weiter angesiedelt "Seit dem das Erdberger Gasometer-Projekt verwirklicht wird, brauchen wir interessierten Bauherren und Investoren gar nicht mehr die Vorteile der unmittelbaren Standorte um die Industriedenkmäler erläutern", berichtete Vizebürgermeister Bernhard Görg anlässlich einer Projekt-Präsentation am Montag. Direkt neben den Gasometern, im Kreuzungsbereich Guglgasse/ Ecke Paragonstraße, wird in den kommenden Tagen der Grundstein für ein 21.000 Quadratmeter großes Bürohaus gelegt. Das neun Stockwerke hohe, fast komplett verglaste Haus soll bereits im Frühjahr 2001 eröffnet werden. Die Bauherren, "InvestConsult" (IC), sind zuversichtlich. "Ein Drittel der Fläche ist bereits vermietet, ein zweites Drittel ist so gut wie vergeben", freut sich der IC-Geschäftsführer Michael Griesmayr. Zwischen dem Ankauf des Grundstückes, der Planung und der Baugenehmigung vergingen nur elf Monate - Rekordzeit für Planer und Stadtbeamte. Die Baukosten betragen 750 Mio. S (54,5 Mio.). C. Mierau

 

Neben Gasometern und Entertainment-Center wird bis 2001 ein Bürokomplex gebaut
(12. Oktober 1999)
Wien - "Das ist die Firmen-philosophie: Sich wie ein Adler über die Dinge erheben, den Überblick bewahren - aber zu gegebener Zeit sich wieder auf die Erde begeben und auf gut Deutsch hackeln wie eine Ameise", erläutert Alfred Koblinger von "Palla, Koblinger & Partner", die das Marketing des geplanten Hauses betreiben. Und nachdem die Behörde ameisengleich und schnell die Baugenehmigung erteilte, soll bereits in ein paar Wochen vor Ort ordentlich gehackelt werden: Gleichzeitig mit Fertigstellung der Linie U3 bis Simmering, der Besiedelung der revitalisierten Gasometer und der Eröffnung des Kino- und Entertainment-Centers gegenüber soll ein weiteres Großprojekt vollendet sein. Das Bürogebäude "der adler und die ameise" mit 21.000 Quadratmetern Mietfläche.
Das mit dem Sich-über-die Dinge-erheben wiederum ist nicht eins zu eins baulich zu übersetzen: "Wenn man an die zu vermietende Fläche denkt, ist ein konventionelles Gebäude besser als ein Hochhaus", erläutert Michael Griesmayr, Geschäftsführer der InvestConsult Beteiligungs- und Immobiliengesellschaft: "Die Nachfrage nach großen zusammenhängenden Flächen ist durchaus gegeben." Ein Sockelgeschoß in diesem Gebäude wird 4000 Quadratmeter bieten.
Den dazugehörigen geladenen Wettbewerb hat der Architekt Martin Kohlbauer gewonnen, der angesichts des "kolossalen" Gegenübers der Gasometer vor allem einmal wusste: "Kreis ist verboten." Daher wird eine glasdominierte Stufenpyramide entstehen mit einem zehn Meter hohen gläsernen "Gewächshaus" oben drauf, das als Gemeinschaftsraum genutzt werden kann.
Gleichzeitig wird bereits seitens der Stadt Wien mit weiteren potenziellen Investoren für das Stadtentwicklungsgebiet zwischen Gasometern und Landstraßer Gürtel verhandelt. Vier sehr konkrete Vorhaben gebe es, die in den nächsten zwei, drei Jahren verwirklicht werden könnten. Derzeit seien das vor allem Büro-Projekte, die allerdings noch nicht namentlich genannt werden könnten.
Wobei aber Planungsstadtrat Bernhard Görg die Interessen "stärker in Richtung Technologie, Forschung und Produktion treiben" möchte. Etwa für einen "Biotechnologie-Cluster" am Gelände des ehemaligen Schlachthofes St. Marx. "Grundsätzlich wollen wir am Erdberger Mais derzeit eines sicherstellen: Dass hier keine falschen Investitionen mit niederwertiger Nutzung stattfinden, die das Gebiet rund um die Gasometer ruinieren würden." (frei)

 

Der Adler und die Ameise (12. Oktober 1999)
Der geplante Kauf eines Gasometerteils zur Unterbringung des Archivs durch die Stadt Wien wird nach Ansicht des LIFallzu eilig vorangetrieben.
WIEN (e. m.). "Das sieht mir nach einer Subventionierung der GESIBA aus." Gabriele Hecht, Klubvorsitzende des Liberalen Forums, äußert scharfe Kritik an dem von SPÖ und ÖVP am Freitag im Kulturausschuß gefaßten Beschluß, demzufolge der Gemeinnützigen Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft ein Teil des Gasometers D abgekauft werden soll, um dort das Stadt- und Landesarchiv unterzubringen. In dem Antrag ist von einem "maximalen Kaufpreis von 295 Millionen Schilling" die Rede. Davon sollen binnen 14 Tagen 100 Millionen Schilling genehmigt werden, danach bis Ende Jänner 1999 weitere 180 Millionen. Finanziert soll das ganze über eine Budgetüberschreitung werden."Im Ausschuß konnte niemand sagen, worauf sich der Kaufpreis stützt", so Hecht, "keinem war ein Nutzwertgutachten bekannt, keiner konnte die Dringlichkeit erklären." Laut Hecht hat auch noch keine Baufirma den Zuschlag erhalten. Sie betont zugleich, daß sie durchaus für einen Grundsatzbeschluß zum Archivbau sei, daß aber eine Summe von etwa 50 Millionen Schilling als Anzahlung für Grund- und Planungskosten ausreichen müßte. Auch die anderen Oppositionsparteien stimmten übrigens gegen den Antrag; selbst die Koalition fühlte sich laut Hecht "sichtlich nicht wohl". Hecht hofft nun, daß beim Finanzausschuß am Donnerstag die offenen Fragen beantwortet werden.

 

Wohnen mit Panoramablick (20. Oktober 1999)
Wohnen im Turm kann in Wien zwar auf keine große Tradition verweisen, doch gibt es Vorläufer. Der Architekt Joseph Kornhäusel baute in der ersten Hälfte des 19. Jh. nach seinen Bedürfnissen einen Turm zum Wohnen. Die Scheu vor allzu großer Höhe und Gebäuden, die den Namen Wolkenkratzer auch tatsächlich verdienen, wurde bekanntlich in Wien erst in den letzten Jahren abgelegt.
Bei der zur Zeit stattfindenden Adaption der Gasometer feiert die Idee des Kornhäuselschen Wohnturms eine Wiederauferstehung. Analog zu Kornhäusel, der einer der bedeutendsten Architekten seiner Zeit war, hat man die planerische Aufgabe, die vier Gasometer umzubauen, vier renommierten Architekten übertragen. (Möglicherweise bewog die phallische Gestalt der Türme die Auftraggeber, keine Architektin mit einzubeziehen.) Jean Nouvel, Wilhelm Holzbauer, Manfred Wehdorn und Coop Himmelb(l)au werden die seit ihrer Außerbetriebstellung im Jahre 1986 funktionslosen Türme wieder einer umfassenden Nutzung zuführen.
Das Erdberger Mais und sein Umland - das insgesamt 200 ha umfasst - gelten als eines der Hoffnungsgebiete der Wiener Stadtplanung. Die infrastrukturellen Vorausetzungen könnten besser nicht sein: Anbindung an die Südosttangente, die Schnellbahn zum Flughafen und die für das nächste Jahr geplante Verlängerung der U 3. Zu den derzeitigen Planungsperspektiven zählen auch die Tieferlegung der Flughafenschnellbahn, ein neues Betriebs- und Nutzungskonzept für den Schlachthof St. Marx sowie die Neugestaltung des Hyblerparks. Mit einem Durchmesser von mehr als 60 m und einer Höhe von 70 m würde das Wiener Riesenrad problemlos in einem der Gasometer Platz finden. Jean Nouvel wird dem 34 m breiten Innenraum - das ist um 4 m breiter als der Wiener Graben - die Funktion eines lichtdurchfluteten Atriums verleihen. Die Wohngeschosse beginnen ab einer Höhe von 30 m und bieten dank Terrassen und französischen Balkonen einen Panoramablick über die Stadt. Das Team Coop Himmelb(l)au errichtet einen die Gasometer noch überragenden Anbau mit 18 Stockwerken. Manfred Wehdorn setzt mit seinen Baumpflanzungen ökologische Akzente. Wilhelm Holzbauer geht es darum, die Innenwand zum größten Teil zu erhalten und sichtbar zu machen.
Die vier Türme werden auf zwei Geschossen durch eine Mall durchgängig verbunden. Und um die Attraktivität noch zu steigern ist weiters geplant, die Türme durch eine Brücke - über die Fughafenautobahn - mit dem gegenüberliegenden Prater zu verbinden. (Manfred Lechner)

 

Gasometer-Ausbau geht voran (20. Oktober 1999)
Entertainment-Center in der Nähe der Industriebauten steht vor Baubeginn Die Vorarbeiten zum großen Erdberger Gasometer-Projekt (knapp 800 Wohnungen und Studentenheimplätze) sind fast abgeschlossen. In den Industriedenkmälern wird bereits an den Fundamenten der Wohnungen und des sich über alle vier Gasometer erstreckenden Einkaufscenters gearbeitet. Und schon jetzt, eineinhalb Jahre vor der Eröffnung, seien 95 Prozent der Einkaufsflächen vergeben, erklärt ein Sprecher der Projektentwickler Zwerenz & Krause. "Wir haben nicht jedem x-beliebigen Interessenten den Zuschlag erteilt", erklärt der Prokurist Erich Helm von Ires (Tochterunternehmen von Zwerenz & Krause). Der Erfolg des Einkaufszentrums liege im Standort adäquaten Mix. Themenschwerpunkte seien Mode, Zeitgeist, Unterhaltung, Freizeit und Musik. "Wir wollen die 15- bis 35-Jährigen und junggebliebene Kunden ansprechen", erläutert Helm. Zwerenz & Krause errichten auch das Entertainment Center neben den Gasometern in der Guglgasse. Der Baustart findet noch im Oktober statt. Dort sind 15 Kinosäle mit insgesamt 3700 Sitzplätzen geplant. C. Mierau

 

Im Gasometer entsteht Freizeittempel (20. Oktober 1999)
WIEN (apa). Im Gebäudekomplex der Gasometer in Simmering soll nach den Plänen der Firmen Zwerenz & Krause sowie der Alag Beteiligungs GmbH eine 22.000 Quadratmeter große "Shopping- und Entertainment-Hall" entstehen. Darin soll auch ein Kino untergebracht werden, hieß es am Dienstag.

 

Shopping im Gasometer hat Jugend als Zielgruppe (20. Oktober 1999)
Wien - Den "kultigen Ruf der Wiener Gasometer erhalten" will Projektbetreiber Erwin Krause auch beim derzeit entstehenden Shopping- und Entertainment-Center, welches bis zum März 2001 im Zuge der Revitalisierung der Industriedenkmäler in Wien Simmering entstehen soll. Auf einer Verkaufsfläche von insgesamt 22.000 Quadratmetern soll deswegen vor allem eine Zielgruppe im Alter zwischen fünfzehn und fünfunddreißig Jahren bedient werden.
"95 Prozent der Flächen sind bereits vermietet", sagte Erich Helm vom Immobilienentwickler Zwerenz & Krause am Dienstag bei der Vorstellung des Projekts vor Journalisten.
Als prominente Mieter nannte Helm beispielsweise Libro; der Börsenkandidat wird in den Gasometern die größte Filiale Österreichs eröffnen. Weitere prominente Mieter sind die internationalen Textilketten Orsay, Pimkie, New Yorker, Street One und andere (die marktführenden Unternehmen wie H & M dürften gerade in Verhandlungen stehen). Die komplette Liste der Mieter will Helm in spätestens drei Monaten präsentieren. 85 Prozent der Geschäfte werden exakt auf die jugendliche Zielgruppe ausgerichtet sein. Der Rest der Flächen soll an Nahversorger vermietet werden. Der Lebensmittelbereich wird beispielsweise durch einen Spar-Supermarkt abgedeckt werden. Trafik, Apotheke, Reisebüro und Bank werden dieses Angebot ergänzen. Angelpunkte der Erlebniswelt in den vier Gasometern werden eine Veranstaltungshalle - in der Größe mit dem Wiener Austria-Center vergleichbar - und ein 15-Saal-Kino mit 3700 Sitzplätzen sein. Als Betreiber des Kinos tritt Loews-Cinema-Entertainment auf. (szem)

 

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv übersiedelt (30. Oktober 1999)
Der Eindruck der 65 m hohen, zylindrisch frei in den Himmel ragenden Sichtziegelmauern des Gasometers D ist gewaltig, man fühlt sich wie in einer antiken Arena. Die vier 1899 zur Deckung des gestiegenen Gasbedarfes errichteten Simmeringer Gasometer prägen die Wiener Silhouette und zählen heute zu den wichtigsten Industriedenkmälern Österreichs. Ihre Umwidmung für den Wohn-, Unterhaltungs- und Geschäftsbereich ist eines der spektakulärsten Bauvorhaben der Gegenwart. Auch die künftige Nutzung des östlichsten Gasometers D ist ungewöhnlich: auf sechs Geschossen wird dort das umfangreicheWiener Stadt- und Landesarchiv, das "historische Gedächtnis der Stadt", eingerichtet. Es befindet sich zurzeit im Rathaus, bietet eine Archivbibliothek und umfasst Dokumente, Handschriften, Pläne, Urkunden und Akte zur Wiener Stadtgeschichte vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Depots des Archivs sind jedoch über ganz Wien verstreut, dank der Übersiedlung in den Gasometer werden die Bestände nun besucherfreundlich zentralisiert. Auch im Gasometer D werden einige Geschosse für den Wohnbereich eingerichtet. Geschätzte Baukosten insgesamt: 400 Mill. S.

 

70.000 Meter Regale für Archiv im Gasometer (30. Oktober 1999)
Wien - 1000 Regal-Laufmeter Bücher, Schriften und Dokumente sammelt das Wiener Landes-und Stadtarchiv mittlerweile im Jahr. 35.000 Regal-Laufmeter vom frühen 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart sind es bereits - aufgereiht in zehn Außenstellen in fünf Bezirken. Ab Frühjahr 2001 werden die Bestände an einem Ort aufbewahrt: Das Archiv übersiedelt in einen der Simmeringer Gasometer, wo derzeit ein neues Wohn-, Büro-, Einkaufs- und Vergnügungszentrum entsteht. Ein "intelligentes Konzept", wie Kulturstadtrat Peter Marboe (VP) meint. Ein Archiv, dem eher etwas muffig verstaubtes anhaftet, werde "lebendig", denn es komme unter die Leute. So wird es über einem Einkaufszentrum und unter Mietwohnungen einziehen - verteilt auf drei Stockwerke. Dort befinden sich der Lesesaal, Ausstellungs- sowie Verwaltungsräume. Im Keller entstehen zusätzliche Lagerräume.70.000 Regal-Laufmeter können in dem neuen Archiv verstaut werden, was als Stauraum für die nächsten 35 Jahre ausreichen dürfte. Der Plan für diesen Gasometer "D" stammt von Architekt Wilhelm Holzbauer. Bauträger ist die Gemeinnützige Siedlungs- und Bauaktiengesellschaft GESIBA. 295 Mio. Schilling (21,4 Mio. ) wird das Archiv kosten. 280 Millionen Schilling hat die Stadt bereits der GESIBA überwiesen. Die fehlende Summe soll aus Zinsen des zu veranlagenden städtischen Geldes zusammen kommen. (ker)

 

Wiens Stadtarchiv im Gasometer D (31. Oktober 1999)
Wiens Stadt- und Landesarchiv übersiedelt. Kulturstadtrat Peter Marboe präsentierte das Archivprojekt: Ab März 2001 stehen dem Archiv mit Dokumenten vom frühen 13. Jahrhundert über Beethovens Testament bis zur Gegenwart und einer Archivbibliothek sechs Etagen des östlichsten Simmeringer Gasometers D (12.000 Quadratmeter) zur Verfügung; Bauplanung: Wilhelm Holzbauer; Kosten: 295 Millionen Schilling. KHR

 

Wiener Stadt- und Landesarchiv ab März 2001 im Gasometer (2. November 1999)
Das Wiener Stadt- und Landesarchiv bezieht ab März 2001 neue Räumlichkeiten im Gasometer D in Erdberg. Im Rahmen des Erneuerungsprojekts Gasometer erhält das Archiv ein Quartier, das allen Anforderungen in bester Weise gerecht wird. Auf rund 12.000 m? Fläche sollen genügend Depoträume für Büroräumlichkeiten, Benützerräume, ein Vortragssaal, Ausstellungsraum, Lesesaal Platz bieten. Mit dem Bau im Gasometer übersiedeln nicht nur die bisher im Rathaus gelegenen Archiv-Räumlichkeiten nach Erdberg, sondern auch die auf zehn Außenstellen in fünf Bezirken verteilten Aufbewahrungs-Orte. Künftig werden sich sämtliche Archiv- Bestände unter dem Dach des östlichsten der vier Simmeringer Gasometer befinden. Darunter finden sich Kostbarkeiten wie das Testament Ludwig van Beethovens oder das Archiv des Gründers der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Victor Adler.

 

Eine unterirdische Gasometer-Füllung (4. Dezember 1999)
Wien - Drei Eiffeltürme hätte man mit den 20.000 Tonnen Stahl errichten können, die in dem gigantischen Bauwerk stecken. Der verbrauchte Beton (234.000 Kubikmeter) hätte einen der Simmeringer Gasometer gefüllt, der Aushub der Riesenbaustelle hätte gerade in die drei restlichen gepasst. Und doch ist von den gewaltigen Massen, die da verschoben werden, nahezu nichts zu sehen. Denn das Bauvorhaben, an dem seit 1996 gearbeitet wird, ist ein unterirdisches: Die Verlängerung der U3 nach Simmering.
Bei einer Pressefahrt präsentierten Wirtschaftsstadträtin Brigitte Ederer und Günther Grois, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Wiener Linien, am Freitag den aktuellen Baufortschritt. Das drei Kilometer lange östliche U3-Teilstück mit den vier neuen Stationen Gasometer, Zippererstraße, Enkplatz und Simmering wird am Samstag, dem 2. Dezember 2000, eröffnet werden. Damit wird Simmering, derzeit der einzige Wiener Bezirk ohne U-Bahn-Anschluss, Ende 2000 auch an das Wiener U-Bahn-Netz angeschlossen. Von der Endstelle Simmering zum Stephansplatz wird man dann in zwölf Minuten gelangen können. Die seinerzeit in den Projekts- und Wirtschaftlichkeitsbesprechungen genehmigten projektierten Baukosten wurden um rund eine Milliarde Schilling (73 Mio. ) unterschritten. Die Wiener Linien führen das - neben den günstigen Ausschreibungsergebnissen - unter anderem auf die rigorose durchgehende Bauüberwachung und die penible Abrechnung zurück. (APA/tapa)

 

U3-Jungfernfahrt nach Simmering (4. Dezember 1999)
Die erste Testfahrt auf der Strecke der verlängerten U 3 von Erdberg nach Simmering fand am Freitag statt. In einem Jahr soll der Betrieb aufgenommen werden.
WIEN (stu). Die Schienen führen in ein schwarzes Loch. Die Lokomotive rollt langsam darauf zu und taucht in den Untergrund ab. Von der Decke strahlt Neonlicht, am Rand montieren Arbeiter gerade Stahlträger. Dort wo noch Baumaschinen regieren, sollen in etwa einem Jahr die Silberpfeile von Erdberg bis nach Simmering donnern. Vorerst findet an diesem Freitag die Jungfernfahrt statt: Zum ersten Mal ist die verlängerte U 3 von Erdberg über die Stationen Gasometer, Zippererstraße und Enkplatz bis zur Endstelle Simmering durchgehend befahrbar. "Es fehlen aber noch Signalanlagen, die Aufzüge sind noch nicht fertig und die Stromzufuhr für die U-Bahn muß teilweise auch noch installiert werden", erklärt Günther Grois, Direktor der Wiener Linien. Und freut sich, daß die geschätzten Kosten in der Höhe von 7,26 Milliarden Schilling um etwa eine Milliarde unterschritten werden. Nach der Eröffnung am 3. Dezember 2000 um 10 Uhr (Grois: "Der Zeitplan wird eingehalten") verlängert sich die Strecke der U 3 von etwa zehn auf 13 Kilometer. Vier Stationen mit 20 Rolltreppen und 12 Aufzügen werden dafür gebaut. Den Stephansplatz erreichen die Simmeringer dann in nur zwölf Minuten. In der Station Gasometer kommt auch die längste Rolltreppe Österreichs (53 Meter) zum Einsatz.
Probleme habe es kaum gegeben, Zeit habe man auch nicht verloren, erklärt Bauabschnittsleiter Helmut Liebsch. Im Gegenteil, man habe sogar etwas gefunden: "Knochen, die haben wir an das Naturhistorische Museum gesandt. Dort wurde festgestellt, daß es sich um Pferdeknochen aus dem Mittelalter handelt."
Große Befürchtungen habe dagegen ein Weinbauer gehabt, dessen Lager man unterirdisch "queren" mußte: "Er hat Angst gehabt, daß der Boden nachgibt und der ganze Wein zu uns runterkommt", erklärt Liebsch: "Aber herunter gekommen ist überhaupt nichts - leider."


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