Gasometer Presseschau
Diese Gasometer-Presseschau umfasst alle Artikel der Tages- und Wochenpresse seit dem Gemeinderatsbeschluß zum Umbau der leeren Gasometer-Hüllen zum Wohn- und Geschäftszentrum von 1996. Der Zeitraum reicht bis zum Jahr 2003.

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Gasometer: Info-Ausstellung (18. Jänner 2000)
Wiens derzeit größtes Wohnbauprojekt (knapp 800 Wohnungen) in den vier ehemaligen Simmeringer Gasometern wird in den Räumen der Gebietsbetreuung (11., Lorystraße 40, Ecke Hakelgasse) präsentiert. Die Ausstellung dauert von 17. Jänner bis 29. März. Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Donnerstag von 14 bis 17 Uhr und Dienstag von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 19 Uhr.

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Halb voll. Halb leer. Das ist hier die Frage (12. Februar 2000)
Die Befüllung der Simmeringer Gasometer mit Gebäudeallerlei schreitet voran. Zur Halbzeit locken die Bauträger mit virtuellen Spaziergängen durch die Wohnungen, die unterschiedlichste Architekturqualitäten offenbaren. Von Ute Woltron
Die ausufernden Dimensionen der vier Simmeringer Gasometer sind das eigentlich Spektakuläre an den Gebäuden. Wie Gullivers Regentonnen stehen die vier Kolosse im Simmeringer Zwergenhüttelland, und ihr schuppiger Klinkerziegelbauch empfängt den Eintretenden mit grandiosen Lichtspielen und atemberaubenden Halleffekten. Unter knapp 73 Metern Raumhöhe wird die Luft schwer, und im krügerlrunden Gefäß mit einem Durchmesser von 65 Metern deucht sich der Menschenwurm wie ein Wasserfloh im Gurkenglas. Noch. Diese großartigen Raumvolumina verkleinern sich seit genau einem Jahr unaufhaltsam und endgültig. Betondecken wandern die Gebäudewände hinauf, so wie sich früher die Kappen der blechernen Gasbehälter hinter den gemauerten Hüllen unsichtbar hinaufgeschoben haben. Demnächst werden die vier Gefäße randvoll mit Gebautem sein, in den einen wird es etwas mehr, in den anderen etwas weniger nach den Aromen guter Architektur duften.
Drei Bauträgergesellschaften - die SEG, die Wohnbauvereinigung für Privatangestellte (GPA-WBV), die Gesiba - und vier Architekten - Manfred Wehdorn, Jean Nouvel, Wilhelm Holzbauer, Coop Himmelb(l)au - brauen bekanntlich an diesem neuen Stadtteil, der mit Eigentums- und Mietwohnungen, Büros, Shoppingmall, Erlebniszentrum, Garagen, Rockhalle und allem übrigen ausgestattet sein wird, was man heutzutage so braucht, um sich von urbanem Wohngefühl umspülen zu lassen. Ende dieses Jahres wird die U-Bahnlinie 3 an der neuen Gasometercity andocken, in etwas mehr als einem Jahr will man das Monsterprojekt abgeschlossen haben.
Unkenrufer haben dem Unterfangen damals Mitte der 90er-Jahre kommerzielle Flops prophezeit, als die verrückte Idee aufkam, die Kolosse zu Wohnhäusern umzufunktionieren. Heute läuft der Wohnungsverkauf laut Bauträgern so flink wie die Kellner im Schweizerhaus. Alexander Bosak von der SEG meint: "Wir haben über die Hälfte der Wohnungen in Gasometer A von Jean Nouvel bereits verkauft, noch bevor der Rohbau fertig ist." Kein schlechter Schnitt, im Normalfall ist der Bauträger befriedigt, wenn er bei Dachgleiche die Hälfte des Überdachten an den Käufer gebracht hat.
Hilfreich dabei ist das momentan allglückselig machende Internet, das mittels ausgefeilter Websites so manchen potenziellen Käufer einfängt und an Land zieht. Auch die Gasometer sind neuerdings virtuell auferstanden. Per Mausklick durchwandelt der computerisierte Herbergsucher von daheim aus bequem und ohne einen Zeh zu rühren seine - übrigens großzügig geförderten - Traumappartements, die er teils kaufen, teils mieten kann. Er lässt sich Grundrisse und Details zeigen, schaut sich die einzelnen Zimmer aus verschiedenen Blickwinkeln an, prüft schließlich den Ausblick auf Prater und Riesenrad und befiehlt zu guter Letzt der Maschine Finanzierungsvorschläge für die begehrte Wohnung zu unterbreiten.
High Tech umgarnt die Baudenkmäler aus dem mittlerweile vorvorigen Jahrhundert, die Wohnungen selbst sind höchst unterschiedlicher Architekturqualität. Am wildesten treiben es wie üblich die Himmelblauen. Rund vier Dutzend Wohntypen bei insgesamt 256 geförderten Mietwohnungen bringen sie in Gasometer B (GPA-WBV) und dem praterseitig angehängten "Gebäudeschild" unter. Die Einheiten sind teils mehrgeschoßig, mittels der vom Denkmalschutz abgesegneten neuen Lichtschlitze durchwegs gut mit Tageslicht versorgt, und fast alle Wohnungen erfreuen sich der Vorzüge von Terrassen und Loggien. Was das frische Simmeringer Lüfterl mit Frühstückstischen und Kaffeetrinkern in luftigen 50 Metern Höhe treiben wird, bleibt allerdings abzuwarten.
Viel Licht im Heim erwartet sich auch Jean Nouvel von seiner Zitronenspaltenbebauung für Gasometer A (SEG), die äußerst komplizierte Grundrisse und Maisonetten zur Folge hat. Man erreicht die 128 Eigentumswohnungen über Laubengänge, steigt dann durch interne private Treppchen in die größeren Einheiten hinauf oder hinab, die verbleibenden Löcher in den Laubenganggeschoßen werden mit den kleineren Wohneinheiten gefüllt. Die Großen dürfen rundherum hinausblicken in die schöne weite Welt, die Kleinen schauen in den Innenhof, was selbstredend die einen umso attraktiver, die anderen ein wenig fader macht. Angeblich sehen aber auch die Gar¸connierebewohner durch die großen Schlitze zwischen den Zitrusspalterln quer über den Hof in die Freiheit und verfügen zu diesem Zweck über großzügige Glasfronten, auch diese Gebäudequalität wird demnächst überprüfbar sein.
Wilhelm Holzbauer hat in Gasometer D (Gesiba) das Lichtproblem mit einer Sterngebäudeform gelöst, die drei große Innenhöfe beschert. Hier waltet sozusagen eine Art architektonische Demokratie, denn keiner der späteren 141 Mieter hat den ganzen Ausblick, aber alle ein bisschen davon. Auch lässt Holzbauer als einziger der vier Baumannen die ursprünglichen Gasometerinnenwände am Leben, sie dürfen von Grünzeugallerlei überrankt werden und sind sicher nicht der schlechteste Anblick von den vielen Terrassen und Loggien aus, mit denen die Bewohner freundlich bedacht werden.
Bleibt noch Gasometer C (SEG gemeinsam mit Gesiba) mit einer ringförmigen Ausstopfung und nicht sonderlich inspirierten 92 Eigentumswohnungen von Manfred Wehdorn, die lichttechnisch die wohl problematischsten Einheiten darstellen werden. Die konventionelle Wohnung wird es angesichts der schwierigen Bauaufgabe in den Gasometern natürlich nicht geben, die Typenauswahl ist reich, im Sortiment muss jeder für sich gustieren. Es ist, wie gesagt, bereits jetzt dreidimensional im Internet durchwandelbar.
Apropos drei: Von kommunizierenden Gefäßen kann natürlich keine Rede sein, wenn drei Bauträger beteiligt sind. Die Gesiba gibt sich solo und exklusiv unter http:// www.gasometer.at die Ehre. SEG und GPA-WBV ziehen dieser Tage mit einer sehr schön gemachten Site namens http://www.gasometer-wien.at nach.

 

Stahlriesen kreisen über den Gasometern (15. Februar 2000)
Derzeit werden die Simmeringer Industriedenkmäler von zahlreichen gelb lackierten Baukränen umzingelt Eine eindrucksvolle Kulisse bietet derzeit das Areal bei den Simmeringer Gasometern. Mehr als ein Dutzend Baukräne "tanzen" mit ihren Auslegern um die riesigen Industriedenkmäler. In ihnen sollen ab spätestens Ende 2001 mehr als 600 Wohnungen, ein Einkaufszentrum, eine Veranstaltungshalle und das Wiener Landesarchiv untergebracht sein. Auch die Baustelle des gegenüberliegenden Multiplexkinos "Pleasuredome" (Guglgasse/Ecke Paragonstraße) nimmt immer größere Ausmaße an. Insgesamt 12 Kinosäle mit 3800 Sitzplätzen sollen im "Pleasuredome" untergebracht werden. Das Kino-, Einkaufs- und Erlebniszentrum, das gleichzeitig mit den revitalisierten Gasometern eröffnen soll, wird über eine verglaste Fußgängerbrücke mit den künftigen Wohntürmen verbunden. Die Baukosten für den 26 Meter hohen, quadratischen und mit Glasfronten aufgerissenen "Pleasuredome" liegen bei knapp 650 Millionen Schilling (47,2 Mio. ; Projektentwickler: Zwerenz & Krause). Für den Ausbau der Gasometer wurden 1,74 Milliarden S (126,5 Mio. ) veranschlagt. Die Vergabe der Wohnungen (Gesiba, SEG und GPA) hat bereits begonnen. Nur noch wenige freie Betriebsflächen gibt es im integrierten Einkaufszentrum. "95 Prozent der Einkaufsflächen sind vergeben", erklärte ein Zwerenz & Krause-Sprecher. C. M.

 

Gasometer-Projekt wird in Ausstellung vorgestellt (2. März 2000)
Gebietsbetreuung präsentiert Details bis 29. März 1,8 Milliarden Schilling (131 Mio. Euro) Gesamtinvestitionsvolumen, 311 Millionen Schilling (22, 6 Millionen Euro) Wohnbaufördermittel. Allein die finanziellen Dimensionen des Bauprojektes Gasometer erreichen astronomische Dimensionen. Seit dem Spatenstich im Februar 1999 wird in Wien-Simmering an diesem EU-weit nach wie vor einzigartigen Bauprojekt gearbeitet, 615 geförderte Miet- und Eigentumswohnungen sollen bis zum Frühjahr 2001 in Europas ehemals erstem Großgaswerk entstehen. Lange vor dem geplanten Bezugstermin können sich Wohnungssuchende und Architekturinteressierte jetzt im Zuge einer umfassenden Ausstellung über Wiens derzeit größtes Wohnbauprojekt informieren. In der Gebietsbetreuung Simmering werden alle Details zur Bebauung der seit 1896 bestehenden und seit 1986 stillgelegten Gebäude präsentiert. Eines der Themen ist die rund um die denkmalgeschützten Bauten wachsende Infrastruktur.
So entsteht für Studenten an Ort und Stelle ein neues Heim mit 76 Wohneinheiten. Zusätzlich werden 11.000 Quadratmeter Bürofläche, eine Veranstaltungshalle, ein Shopping-Zentrum mit rund 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, das neue Stadt- und Landesarchiv, ein Kindertagesheim sowie 909 Pkw-Stellplätze geschaffen. Geplant wurden die einzelnen Bauteile von den renommierten Architektenteams der Büros Jean Nouvel, Manfred Wehdorn, Wilhelm Holzbauer und Coop Himmelb(l)au.
Letztere setzen dem Projekt sprichwörtlich noch eins drauf und versehen Bauteil B mit einem 18 Stockwerke hohen, den Gasometer überragenden Anbau. C. Böhmer Ausstellung zu den Gasometer-Projekten, Gebietsbetreuung Simmering (11., Lorystraße 40 / Ecke Hackelgasse); Mo, Mi und Do: 14 bis 17 Uhr, Di: 9 bis 13 und 14 bis 19 Uhr.

 

Die Trend-Türme zu Simmering (4. März 2000)
Noch ist das Grenzland zwischen Erdberg und Simmering eine wüste Industrielandschaft. Mit den neuen Gasometern und der rundum entstehenden Entertainment- und Einkaufswelt soll ab 2001 die Gegend für Singles trendy werden, erfuhr Leo Szemeliker.
Wien - Die Revitalisierung der Gasometer in Wien-Simmering ist in den Augen der Betreiber weit mehr als nur ein simples Wohnbauprojekt. Vielmehr wird es als Leitprojekt der Revitalisierung eines gesamten Stadtteils gesehen. Heute finden sich in der Umgebung der 1896 errichteten Stadtwahrzeichen, zwischen Südost-Tangente, Simmeringer Hauptstraße und Erdberger Straße, hauptsächlich Industrieunternehmen und Gewerbebetriebe.
Mit den Wohnungen in den vier Gasometer-Türmen, mit dem Einkaufszentrum, das die Türme in den unteren Geschoßen miteinander verbindet, mit dem Kino-Center, mit Unterhaltungs- und Gastronomieflächen, mit der Veranstaltungshalle und nicht zuletzt auch mit rund 11.000 Quadratmeter Büroflächen soll das Gebiet als ein neues Dienstleistungszentrum, in dem sich vor allem Young Urban Professionals tummeln, neu erblühen.
Vor allem jung
Beim Einkaufszentrum ist die eingeschlagene Linie beim Branchenmix deswegen eindeutig: "Zielgruppe sind die 15- bis 35-Jährigen", sagt der Projektverantwortliche Erich Helm von der Planungsgesellschaft Zwerenz & Krause. "Der Reiz des Neuen, des Ungewöhnlichen", den das Projekt Gasometer-Revitalisierung an sich hat, soll auch im Einkaufszentrum spürbar sein. Helm zitiert einen Geschäftsführer eines internationalen Konzerns: Die geplante Shopping-Mall sei "endlich einmal keine Schachtel mit Wellblechdach".
Der Branchenmix ist dementsprechend jugendlich, unter anderem wird der größte Libro-Markt Österreichs unter den Gasometern untergebracht. Die Gasometer-Wohnbaugesellschaften, konkret Gesiba, SEG und die Wohnbauvereinigung der Privatangestellten, berichten indessen vom hohen Verwertungsgrad der Wohnungen.
Über dem Niveau
Sprich: In manchen Gasometern sind mehr als ein Jahr vor dem Bezug mehr als 50 Prozent vergeben. Zu haben sind sowohl geförderte Mietwohnungen, manche davon mit Option auf Eigentum, sowie Eigentumswohnungen. Die Preise liegen klarerweise etwas über dem Niveau vergleichbarer Gegenden. Genaueres zu den verfügbaren Wohnungen in den Gasometern - die einzelnen Türme sind mit den Buchstaben A bis D benannt - findet man mittlerweile auch recht umfangreich im Internet. Und zwar auf der Gemeinschaftsseite der SEG und der Wohnbauvereinigung unter http//: www.gasometer-wien.at sowie auf der entsprechenden Site der Gesiba unter http//: www.gasometer.at. Alexander Bosak, Marketingchef der SEG, sagt im STANDARD-Gespräch: "Die Zielgruppe ist jung und trendy. Sie zeigt sich fasziniert davon, in einem Wahrzeichen zu wohnen. Das ist vermutlich einzigartig in Europa. Sie haben die Shopping-Mall, die Infrastruktur und die U-Bahn vor der Haustür. Damit sind sie in acht Minuten im Zentrum der Stadt. Auch die Nähe zum Prater wird als positiv gesehen."
Am Beginn des Projektes Gasometer habe es "viele Unkenrufe wegen der Lage" gegeben, "wir haben aber daran geglaubt". Durch die erfreuliche Situation bei den Abschlüssen und Vorreservierungen der Wohnungen sei man darin bestätigt worden. Rund um die Gasometer würden schon Grundstücke gekauft, für weitere Büroflächen beispielsweise.
Bosak: "Es erkennen immer mehr Leute, wohin die Entwicklung in Simmering geht, von Industrie und Gewerbe hin zu Dienstleistungen und Wohnen. Hier entsteht ein neuer Stadtteil." Bis zur offiziellen Eröffnung sind es noch 395 Tage. Die Shopping-Mall soll hingegen bereits am 31. März 2001 aufsperren, die U-Bahnlinie U3 soll schon am 2. Dezember bis zu den Gasometern fahren.

 

Die Sonder-Liga der Gasometer (16. März 2000)
Die Reanimation der Industriebauten in Simmering stellt höchste Ansprüche an alle Beteiligten.Die Gasometer in Simmering sind eine eigene Liga. Nicht nur, weil sie das größte Reanimations-Programm für einen moribunden Industriebau in Wien darstellen. Zum einen waren sie eine besondere Herausforderung für die Architekten, um innerhalb des bestehenden Gemäuers eine gute Belichtung zu ermöglichen. Und das, obwohl die bestehenden Fenster neun Meter hoch sind, was der Höhe von fast drei Wohngeschoßen entspricht. Jetzt werden zusätzliche Fensteröffnungen in die Wände geschnitten: 1400 Kubikmeter Ziegelmaterial werden dafür entfernt. Licht ist aber auch das Hauptthema bei der Anordnung der inneren Baukörper: Jean Nouvel gliedert den Baukörper sternförmig; zwischen den Trakten - so kann Licht in den Innenhof gelangen, was den Effekt einer riesigen Sonnenuhr erzeugt. Architekt Wilhelm Holzbauer pflanzt bei "seinem" Gasometer einen dreistrahligen, sternförmigen Baukörper ein; zwischen diesem und der Gasometer-Außenwand entstehen drei "Außenhöfe". Die Außenwände werden begrünt. Manfred Wehdorn platziert einen ringförmigen Baukörper mit großzügigem Innenhof in den Gasometer C. Die außergewöhnlichste Lösung bietet Coop Himmelb(l)au: Der Gasometer B bekommt als einziger einen Zubau außerhalb des Gasometers - in diesem "Schild" werden ebenfalls Wohnungen untergebracht. Der asymmetrische Innenhof soll licht- und schalltechnische Vorteile bringen. Streng kalkuliert. Zum anderen aber auch für die Wohnbaugesellschaften selbst, die bei diesem Projekt besonders streng kalkulieren mussten, um bei diesem Vorhaben die Richtlinien für eine Förderung einhalten zu können.
Gleichzeitig wäre aber ein Vorhaben dieser Kategorie ohne Förderung wohl nicht möglich gewesen. Ein weiterer Motor, ohne den das Projekt kaum hätte gestartet werden können: die Verlängerung der U3 nach Simmering. Die Station Gasometer wird noch heuer im Dezember eröffnet, damit kann der Stephansplatz in acht Minuten erreicht werden. Von der U-Bahnstation gelangt man direkt in die Gasometer - dort wird im März 2001 die Shopping-Mall eröffnet. Sie erstreckt sich auf 20.000 Quadratmetern über alle vier Gasometer, die auf dieser Ebene miteinander verbunden sind.
Zwischen Shopping-Mall und Wohngeschoßen befinden sich Büros bzw. im Fall des Gasometer D das Stadt-und Landesarchiv der Stadt Wien. Auch dies ein Angebot für die Bewohner: Neben einem Lesesaal werden auch Räumlichkeiten für Veranstaltungen angeboten.
Die drei Bauträger (SEG, Wohnbauvereinigung für Privatangestellte, Gesiba) bieten über 615 Wohnungen an. Es gibt Eigentumswohnungen und Mietwohnungen mit Eigentumsoption, ein bis vier Zimmer, mit oder ohne Terrasse, Loggia, sogar Eigengarten, in mehreren Preisklassen. Die Wohngeschoße beginnen erst ab dem fünften Obergeschoß, etwa dreißig Meter über dem Boden. Eine Wohnung im untersten Wohngeschoß der Gasometer liegt also höher als eine Dachgeschoßwohnung. Die Wohnungen erstrecken sich dann bis zur Oberkante der Gasometerhülle in 70 Metern Höhe.
Ruhe überm Konzert. Im Gasometer B wird unter den Wohnungen, Büros und Geschäften auch eine große Veranstaltungshalle errichtet. Hier werden bei Konzerten und ähnlichen Veranstaltungen bis zu 4000 Menschen Platz finden - eine Lärmbelästigung für die darüber in den Wohnungen Schlafenden ist nicht zu befürchten: Die Veranstaltungshalle wird als Schalenbau in den Gasometer gestellt und ist konstruktiv nicht mit dem Wohnbau verbunden.
Gasometer A in der Guglgasse: 128 Wohnungen, Eigentum nach Paragraph 14.Geplante Eigenmittel pro m2: ca. ab 7000 Schilling, Geplante monatliche Belastung pro m2: ca. 50 Schilling, Planung: Jean Nouvel, Bauträger: SEG
Gasometer B: 256 Wohnungen, Planung: Coop Himmelb(l)au, Bauträger: Wohnbauvereinigung für Privatangestellte.
Gasometer C: 64 Wohnungen - Eigentum nach Paragraph 14, Geplante Eigenmittel: pro m2: ca. 7545 Schilling Geplante monatliche Belastung: pro m2: ca. 88,58 Schilling, Planung: Manfred Wehdorn, Bauträger: Gesiba
Gasometer D: 102 Wohnungen, Planung: Wilhelm Holzbauer, Bauträger: Gesiba

 

Die Halle unterm Schwebe-Wohnbau (15. April 2000)
Wien - Noch schweben sie nicht, sondern lasten auf mächtigen Metallträgern. Die allerdings in den nächstenWochen verschwinden werden. Dann werden die oberen Stockwerke im Inneren des Gasometers B - die Shopping-Mall, das Studentenheim und die Wohnungen - nur noch von der Außenwand gestützt. Während darunter die Veranstaltungshalle für rund 4000 Besucher eingebaut wird. Deren Decke mit ihrer Spannweite von rund 40 Metern wird dann von armdicken Seilen gehalten. Unter dem Boden der Halle dämmt ein Ring von Gummimatten - die sonst zum Schalldämpfen in Eisenbahntunnels eingesetzt werden.
Zehn Tage - eine Etage. Gleichzeitig mit dem Hallenbau wird oben noch das von Coop Himmelb(l)au geplante Bauwerk für Studenten und Mieter in die Höhe wachsen - alle zehn Tage kommt ein Stockwerk dazu. Und während sie oben noch betonieren, wird in den unteren Etagen bereits mit dem Innenausbau begonnen. Nur so kann der von der Gemeinnützigen Bauvereinigung der Privatangestellten für April 2001 angesetzte Bezugstermin eingehalten werden.
"Veranstaltungshalle, Wohnungen, Shopping-Mall - wir haben viele Eröffnungen vor uns", freut sich Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) schon jetzt. Es werde eben alles geboten, "was Urbanität verlangt", betont auch Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au. "Ein zweites oder drittes Stadtzentrum" entstehe hier, und Wien könne mit dem Gasometer-Projekt "ruhig die Konkurrenz mit Berlin aufnehmen". Allerdings seien "in Wien nicht Kulturbauten das Rückgrat für zeitgemäße Architektur, sondern der Wohnbau".
Für die Jugendstadträtin Grete Laska (SP) fällt das Hallenprojekt in die Kategorie "gesprochen, versprochen, gehalten" - nur von einem kann sie noch nicht sprechen: "Man könnte ja ein Quiz veranstalten, wie die Halle tatsächlich heißen soll. Aber das wird sicher der Volksmund erledigen."

 

"Schwimmende" Konzerthalle schützt die Mieter vor Lärm (15. April 2000)
Vor 100 Jahren waren die Simmeringer Gasometer ein Monument des technischen Fortschritts. Heute sind sie wieder einen Meilenstein voraus. Dank grandioser Leistung der Architekten verwandeln sich die Industriedenkmäler in ein Bauwerk, in dem sich wohnen lässt. Und damit sich der Schall des Veranstaltungsaales nicht überträgt, "schwimmt" die Halle auf elastischen Kunststoffringen.

 

Das Wiener Gasometer-Projekt (15. April 2000)
hat schon im Vorfeld im Ausland gehöriges Aufsehen erregt. Jetzt, mitten in der Umsetzungsphase, beginnt die Vizebürgermeisterin Grete Laska schon mit der Suche nach einem Namen für die Veranstaltungshalle in Ihrem Gasometer. Der Volksmund werde schon etwas finden, hofft sie. Was dem angesichts der ellipsoiden Form einfiele, liegt auf der Hand: Vom "Eierlaberl" spräche er, der Volksmund. Oder von der "Blosn". Soll sich dieses Projekt allerdings dem internationalen Vergleich stellen, wäre dies nur schwer vermittelbar. Da könnte sich der Volksmund aber immer noch in der Pizzeria am Eck inspirieren lassen. Und die Halle würde zur "Cantinone Calzone".

 

Schwimmende Halle sorgt bei Events für ruhige Nächte (15. April 2000)
Baubeginn in der Gasometer-Veranstaltungshalle / Nur 100 Wohnungen sind noch zu haben. Im "Keller" gibt's ein Rockkonzert mit 4000 tobenden Zuhörern und die Anrainer schlummern trotzdem wenige Stockwerke darüber ruhig in ihren Betten. Was wie ein Wohnbau-Scherz klingt, verspricht in Simmerings Gasometer B Realität zu werden. Anlässlich des Baubeginns der Veranstaltungshalle ludWohnbaustadtrat Werner Fayman mit Vizebürgermeisterin Grete Laska, Architekt Wolf Prix (Büro Coop-Himmelb(l)au) und dem Bauträger (GPA) zu einer Besichtigung. Denn das neue Bauwerk schließt mit einer Kapazität von 3000 bis 4000 Personen in Wien nicht nur eine veranstaltungstechnische Lücke, sondern ist auch aus bautechnischer Perspektive eine Rarität: Die Bebauung wurde nicht - wie üblich - am Boden begonnen, sondern auf einem 20 Meter über dem Boden geschaffenen, elipsenförmigen Betondruckring. Der darauf errichtete, siebengeschoßige Wohnbau "schwebt" daher förmlich in der Luft. In der 2. Bauphase wird nun in den "Untergeschoßen" die neue Veranstaltungshalle errichtet. Bedeutend dabei: Die schalltechnische Trennung der Halle von der übrigen Innenbebauung. "Die Halle ruht auf speziellen Kunststofflagern, die sich bereits beim Eisenbahntunnelbau bestens als Lärmdämpfer bewährt haben", sagt ein Mitarbeiter des Ziviltechniker-Büros Fritsch, Chiari & Partner. Die Wände der auf Kunststoffringen "schwimmenden" Veranstaltungshalle sind rundum zumindest 20 Zentimeter vom Gasometergerüst entfernt, was eine Schallübertragung über die Wandflächen verhindert. Zusätzlich werden die Innenflächen mit Absorbern belegt. Durch das mehrphasige Schallschutzkonzept ist sichergestellt, dass weder Luftnoch Körperschall in die Wohnbereiche eindringt. Jene Schallbelästigung, die durch geöffnete Türen aus der Veranstaltungshalle zu entweichen droht, wird mit Schleusen abgefangen. Von den zur Vergabe stehenden 265 geförderten Mietwohnungen sind im Gasometer B nur noch rund 100 Wohnungen zu haben (33 bis 128 m). Sie sollen ab April 2001 fertig gestellt sein.

 

Blitz verletzte Arbeiter auf Gasometer-Gerüst (19. Mai 2000)
Auf der Baustelle der Gasometer in Wien-Simmering forderte das Gewitter zwei Verletzte: Kurz nach 19 Uhr waren zwei Männer auf einem Gerüst mit Arbeiten beschäftigt, plötzlich zuckte ein Blitz aus den Wolken und schlug in dem Gerüst ein. Ein 55-jähriger Arbeiter wurde bewusstlos, er musste von der Feuerwehr aus einer Höhe von etwa vier Stockwerken geborgen werden. Der Mann kam ins AKH. Sein 48-jähriger Kollege kam glimpflicher davon, er musste lediglich zur Beobachtung ins Krankenhaus Lainz gebracht werden.

 

Gasometer-Geschäfte vermiete (24. Mai 2000)
Wien - Die Lokale in der Simmeringer Gasometer-Mall und dem angrenzenden Entertainment-Center sind ein Jahr vor der Fertigstellung vollständig vermietet. Schwerpunkt ist die Textilbranche - unter ihnen H & M - und ein Libro-Geschäft mit 3.400 Quadratmetern Fläche. Für die Nahversorgung wird ein Spar-Geschäft mit 1.000 Quadratmetern eingerichtet. "Die 15- bis 35jährigen sind unser Zielpublikum" definierte Erwin Krause, Geschäftsführer des Eigentümers Zwerenz & Krause, bei einer Pressekonferenz kürzlich den Kundenkreis am Erdberger Mais.
Als neuen Partner bei den Gasometern konnte Krause den britischen Fonds Europa-Capital-Partners gewinnen, der zu 50 Prozent an den Gewerbeimmobilien der Gasometer und damit erstmals in Kontinentaleuropa beteiligt ist. Der Fonds will in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro (13,7603 Mrd. S) in europäischen Immobilien anlegen. Das Großkino im Entertainment-Center wird von Loew-Cinemas, einer Sony-Tochter, betrieben. (gw)

 

Die Gasometer warten auf Yuppies (3. Juni 2000)
Hälfte der Wohnungen vergeben
Simmering bekommt 12.000 neue Bewohner. Die Gasometer bieten, was man 2001 wollen soll: Shopping-Mall, Rockhalle und dennoch Ruhe. Wenn dies nicht gefällt, haben die Stadtplaner ein Problem. Von Rainer Nowak
WIEN. Guglgasse Wien 11 klingt nicht gerade nach einer prestigeträchtigen Adresse. Doch der Zusatz macht es ab Herbst 2001 aus: "Gasometer A bis D". Denn in dieser Gasse werden bis Herbst nächsten Jahres die vier über 100 Jahre alten Gasometer zu den ungewöhnlichsten Wohnorten der Stadt ausgebaut. Mit dem neuen Wohn- und Erlebniszentrum bekommt Simmering nicht nur die im Herbst dieses Jahres eröffnende U3-Station Gasometer, sondern einen Impuls für die Entwicklung des Bezirks - und ganzen Stadt.
In der Planungsphase hatte es Kritik gegeben: Wer braucht solche Trabantensiedlungen? Doch die Stadtplaner blieben dabei: Die Stadt wird nach Norden wachsen, in der denkmalgeschützten Hülle bauen Architekten von Ruf Innen-Häuser. Sollte die Belebung der Gasometer ein Mißerfolg werden, droht ein Milliarden-Debakel. Denn in der Umgebung wird gebaut. Und die rund 12.000 Bewohner der Gasometer und 15.000 bis 20.000 tägliche Besucher sind Voraussetzung für die Belebung der Gegend. Insgesamt sind Kosten für den Gasometer -Ausbau von knapp 1,8 Milliarden Schilling projektiert.
Bei den drei Wohnbau-Gesellschaften der vier Gasometer bestätigt man, daß die Vergabe der 600 Wohnungen gut laufe. Bereits deutlich mehr als 50 Prozent seien vergeben. Besonders zufrieden ist man bei der Stadt-Erneuerungs und Eigentumswohnung-Gesellschaft: Hier erklärt man, daß bereits 70 von 120 Wohnungen Inhaber gefunden hätten. "Vor allem kleine Wohnungen sind noch zu haben", meint er. Diesen Gasometer A plant Architekt Jean Nouvel. Positiv auch die Lage im Gasometer B: Von den 250 Wohnungen sind bereits mehr als 100 Wohnungen vergeben, erklärt Direktorin Elisabeth Weihsmann, Chefin der Wohnbau-Vereinigung für Privat-Angestellte. In diesem Gasometer erwarten die Besucher Besonderheiten: Für 4000 Personen wird im Untergeschoß eine Veranstaltungshalle erbaut. Der Lärm soll aber nicht in die Wohngeschosse dringen. Die Halle "schwimmt" auf einer Gummi-Fläche und berührt keinen Teil des Gebäudes. So soll garantiert kein Schall weitergeleitet werden. Auch ein Studentenheim bieten die Betreiber. Dieser Gasometer -Bau ist vom Duo Coop Himmelblau, einst enfants terribles in der Branche, heute natürlich angesehen. Eine weitere Besonderheit markiert das Wirken der beiden: An der Außenwand ist ein Zubau im Entstehen, in dem als "Schild" bezeichneten Teil sind noch wenige Wohnungen zu haben.
Auch bei der Gesiba, die die beiden anderen Gasometer betreibt, ist man zufrieden: Man liege gut im Verkauf und in der Vermietung. Angeboten werden sowohl geförderte als auch freifinanzierte Eigentums- und Mietwohnungen. Für Gasometer C zeichnet Manfred Wehdorn, Architekt mit Spezialgebiet Denkmalschutz verantwortlich. Nummer vier plant Wilhelm Holzbauer.
Insgesamt hofft man mit den Gasometer vor allem ein junges, zahlungskräftiges Klientel: Singles, die im Gasometer wohnen und viel Geld ausgeben wollen, wurden häufig genannt. Weihsmann von Gasometer B meint aber: "Also unsere neuen Bewohner sind bunt gemischt. Wir haben zwar geglaubt, daß die progressiven Yuppies kommen werden, aber bisher stimmt das nicht." Dennoch setzt man auf Unterhaltung für junges Publikum: Neben der Rockhalle, einem zugebauten Kinocenter für 3800 Plätze und einer 10.000 Quadratmeter großen Shopping-Mal, die durch alle Gasometer führt, kommen unzählige Restaurants, Textil-Ketten wie H & M und Österreichs größter Libro-Store.

 

Turm, Block und Kuppel: Eine "Wohntriologie" (29. Juni 2000)
Coop Himmelb(l)au planen und bauen auf der ganzen Welt: Shoppingcenter, Kinopaläste, Büro- und Ausbildungszentren. In Wien sind Wolf D. Prix und Helmut Swiczinsky hingegen mit drei eigenwilligen Wohnbauten in Erscheinung getreten.
"Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir uns einmischen konnten", erklärt Wolf D. Prix. Nach langen Jahren vorwiegend theoretischer Arbeit ist aus Coop Himmelblau im wahrsten Sinne des Wortes Coop Himmelb(l)au geworden: 1998 haben Prix, Swiczinsky und Partner ihren UFA-Kinopalast in Dresden fertiggestellt, zurzeit arbeiten sie unter anderem an einem Shopping- und Entertainmentcenter in Guadalajara, Mexiko, das Teil eines völlig neuen Stadtteils von 100.000 Hektar Größe werden wird.
In Wien machen Coop Himmelb(l)au Wohnbau, weil "das Rückgrat der städtebaulichen Entwicklung hier sozialer Wohnbau war und ist". "Paris gewinnt durch seine Kulturbauten, Frankfurt durch seine Bürobauten als Stadt eine Identität", erklärt Prix.
Wien sei hingegen nur durch seinen sozialen Wohnbau hervorgetreten. Eine Tradition, in die sich Coop Himmelb(l)au mit ihrer "Wiener Triologie" eingereiht haben: Dem SEG-Wohnturm zwischen UNO City und Alter Donau, dem Umbau des Gasometer B samt vorgelagertem Wohnschild sowie dem SEG Wohnblock zwischen Vorgartenstraße und Engerthstraße im 2. Bezirk. Dabei, so Prix, sei der soziale Anspruch der Wohnungsbeschaffung für sozial Bedürftige in der Tradition des "roten Wien" im "Großen und Ganzen" erfüllt. Nun gelte es vielmehr einen "Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt zu leisten". Dies insofern, als er die Wohnbauten nicht als "Solitärbauwerke" versteht: "Bei allen drei Typologien, dem Turm, der Kuppel und dem Block, war uns wichtig, keine monofunktionalen Bauten, sondern urbanen Stadtraum zu schaffen", erläutert er. Darüber hinaus seien die Wohnungen als Lofts, also offen, angelegt, allein der Block im zweiten Bezirk biete 34 verschiedene Wohnungstypen sowie öffentliche, halböffentliche und private Loggien, Terrassen und Gärten. Wobei die Bereitschaft der Österreicher, neue Formen anzunehmen, nicht gerade sehr groß sei. "Die Leute kaufen sich lieber ein größeres Auto als eine neue Wohnung", kritisiert Prix. Der Trend ginge immer mehr zu einer Art "Wohlfühlenvironment", das nicht "urban", sondern "idyllisch" sei. Licht am Horizont sieht er vor allem durch neue Darstellungsmethoden: "Durch Computeranimationen, verbunden mit Modellfotos, können sich die zukünftigen Bewohner mehr vorstellen und werden mutiger"

Neue Wohnformen
Insgesamt habe sich die Aufgeschlossenheit für neue Wohnformen, so räumt er versöhnlich ein, schon gebessert: "Die Wohnungen, die hoch oben und etwas exaltierter sind, werden am ehesten verkauft." So geschehen im 60 Meter hohen SEG-Wohnturm an der "Alten Donau". Die unteren, billigeren Wohnungen würden durch die oberen, teureren unterstützt: "Gemeinschaftsräume kann ich nur einplanen, wenn ich die Balance zwischen geförderten und frei finanzierten Einheiten halte", meint Prix. So konnten in dem Wohnturm wintergartenähnliche, dreigeschoßige Gemeinschaftsflächen geschaffen werden. Ob diese dann auch gemeinschaftlich genützt würden, sei ein "soziales Experiment", in das der Architekt nicht mehr eingreifen könne.
Trotz der Erfolge der Wohnbauten würde Prix in Wien auch gerne andere Bauten machen: "In Mexiko zum Beispiel planen wir auch ein Medienzentrum, und da frage ich mich schon: Warum nicht auch in Wien?" Auch die städtebauliche Entwicklung rund um die Gasometer in Simmering sei den Coops ein "wirkliches Anliegen".

 

"Gasometer-City" wächst rasch (15. Juli 2000)
Noch fehlen die neuen Straßenschilder der Guglgasse in der 'Gasometer-City' in Wien-Simmering. Wie die Straßenschlucht zwischen dem neuen riesigen Entertainment-Center und den vier gewaltigen Ziegeltürmen in Zukunft aussehen wird, ist aber bereits deutlich zu erkennen. Ja sogar die künftige U-Bahnstation kann - noch ein wenig verpackt - schon bewundert werden. Der neue Stadtteil Wiens, die 'Gasometer-City', wächst und wächst.
Die völlig ausgeflippten Wohnungen und das geplante große Veranstaltungszentrum in den Gasometern wirkt insbesondere für junge Wiener wie ein Magnet. Sie haben sich um Wohnungen geradezu gerissen. Binnen weniger Wochen waren bei drei Bauträgern bis zu 80 Prozent der Wohnungen verkauft. Und das, obwohl die erste Musterwohnung erst in wenigen Tagen fertig gestellt sein wird.
Mit vornehmlich jungem Publikum rechnet man auch im Veranstaltungszentrum und im daneben entstehenden dem Shopping- und Entertainment-Center. Zielpublikum der Verwerterfirma IRES von Zwerenz& Krause: Menschen im Alter von 15 bis 35 Jahren. Dem entspricht auch das Geschäftsambiente. Geplant und bereits im Bau sind ein Großkino mit 15 Sälen und 3700 Sitzplätzen, ein Party- oder Veranstaltungszentrum mit Darts- und Billardsälen sowie eine ausgesuchte Textilmeile (H&M, Mustang, Sisley, New Yorker, Esprit und Co). Die Nahversorgung wird mit einem gut sortierten Spar-Gourmet-Großmarkt erfolgen.
Modefriseur, Apotheker, Drogeriemarkt und Großtrafik dürfen nicht fehlen - die Mietverträge sind bereits fixiert.
Eine unvergleichliche Gastromeile wird den Bewohnern und Besuchern der 'Gasometer-City' die Gaumen international verwöhnen: Bierpub, Asian Food, Crêperie und ein internationales Restaurant der Erlebnisgastronomie haben bereits fix gebucht. In diesem Ambiente wird es aber nicht nur Wohnungen für junge Menschen sondern auch Arbeitsplätze geben. Dafür sorgen 'Der Adler und die Ameise', ein in unmittelbarer Nachbarschaft der roten Ziegelbauten geplantes großes Bürozentrum. Auch hier ist bereits etwa die Hälfte vermietet. Bisherige Mieter sind Werbeagenturen und ein internationaler Konzern.
Besonders eindrucksvoll ist für Besucher des neuen Wiener Stadtteils jetzt schon das Aufeinanderprallen von historischen und futuristischen Gebäuden. So steht etwa ein ebenerdiges und denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude des einstigen größten Gaswerkes Europas neben dem 30-stöckigen 'Schutzschild'-Vorbau im Wohn-Gasometer C. Der Entertainmentbereich und alle Gasometer sind durch Glasbrücken miteinander direkt verbunden und eröffnen so eine neue Dimension abgehoben im eigentlichen zweiten Geschoßteil. Was noch fehlt, sind Grünflächen. Aber auch diese sind bereits eingeplant.

 

Die Peripherie im Zentrum (31. Juli 2000)
Mehr als die Hälfte aller Wohnungen im neuen Simmeringer Stadtviertel ist vergeben.
Von Eva Steinkellner
Im Südwesten von Wien entsteht ein neues Wohnviertel. Was früher mit Gas gefüllt war zwischendurch als Ravehalle diente und bisweilen auch Ausstellungsort war, wird jetzt begrünt,umgebaut und in ein attraktives Grätzl verwandelt. Die vier denkmalgeschützten Gasometer haben bereits ihre Gleichenfeier hinter sich - Ende 2001 wird eingezogen. Erhofft hat man sich bei den verantwortlichen Betriebsgesellschaften und der Stadt Wien ein Yuppiepublikum, das ihr Geld in dem Entertainmentareal, das rund um die Gasometer entstehen wird, auch gleich ausgibt. Allzu enttäuscht dürfte man über die zukünftigen Mieter nicht sein: Unisono wird zwar von einem Mischpublikum gesprochen, der Trend gehe aber in Richtung "Young Urban Professionals". Noch erbaulicher finden die Betriebsgesellschaften das rasche Voranschreiten der Wohnungsvergabe. Von den 600 Wohnungen ist bereits mehr als die Hälfte vergeben. Jene Gesellschaft, die die Gasometer C und D betreibt, Gesiba, spricht von 50 Prozent aller Wohnungen, die bereits Neumieter gefunden haben. Noch bessere Bilanzen verzeichnet die Stadt-Erneuerungs- und Eigentumswohnung-Gesellschaft (seg) für den Gasometer A: "Fast 80 Prozent der Eigentumswohnungen sind weg", sagt Roitner Eugen, Verkaufsleiter, im Gespräch mit der Wiener Zeitung. Elisabeth Weishmann, Chefin der Wohnbau-Vereinigung für Privatangestellte freut sich über 115 vergebene (von insgesamt 250) Wohnungen im Gasometer B, der auch mit Studentenheimen lockt.
Wohnen, Arbeiten, Unterhaltung und Shoppen in einem
In drei der vier Gasometer werden auch Büroflächen entstehen. Insgesamt werden 12.000 Mieter in die Guglgasse nach Simmering ziehen. Dass die Verpachtung der Wohnungen derart schnell vorangeht, liegt wohl auch an dem Erlebniszentrum, das rund um und in den Gasometern entstehen soll. Zentraler Nerv der Neosiedlung wird eine Shopping-Mall sein. Trockenen Fußes wird es den Bewohnern und Besuchern möglich sein, von einem Gasometer zum andern zu marschieren. Nicht nur das: Mit dem Ausbau der U-Bahn nach Simmering wird ein Station namens Gasometer entstehen, welche in das Einkaufszentrum integriert ist. Ganz im Sinne des Zielpublikums baut man weiters eine Konzerthalle, ein Megakino mit 3800 Sitzplätzen und mehrere Restaurants. Die Gesamtkosten des Simmeringer Erlebnisviertels sind mit 3,5 Mrd. S veranschlagt. Immerhin handle es sich hier um eine Baustelle, die in ihrer Größenordnung durchaus mit jener am Potsdamerplatz in Berlin vergleichbar sei, heißt es aus dem Büro von Wohnbaustadtrat Werner Faymann.
Neue Dimensionen am Bau
Hinter dem Riesenprojekt steckt "New Dimensions", eine strategische Partnerschaft zwischen dem österreichischen Unternehmen Zwerenz&Krause und Europa Capital Partners, einem europäischen Unternehmen, die das neue Zentrum an der Peripherie von Wien aus dem Boden stampft. Für den Umbau der vier Türme wurden mittels Ausschreibung namhafte Architekten verpflichtet. Kosten wird die aufwendige Renovierung rund 2 Mrd. S. Für den Gasometer A baut Jean Nouvel, C wird von Manfred Wehdorn, D von Wilhelm Holzbauer umgestaltet. Die ehemaligen enfants terribles der Branche Helmut Swiczinsky und Wolf D. Prix, alias Coop Himmelb(l)au, basteln am Gasometer B. Übrig geblieben sind von der ursprünglichen Form der Gastanks nur die bizarren Außenhüllen. Das Duo bestückt diese mit drei Zusatzelementen: einen Zylinder im Inneren, einen schildartiger Zubau mit 14 Stockwerken und Glasfassade außen und im Sockelbereich ein Veranstaltungshalle. Auf Seiten der Betriebsgesellschaft ist man von Coop Himmelb(l)au begeistert: "Ein sehr effizientes Büro, das auch auf die Wünsche der Mieter eingeht." Auf insgesamt sechs Stockwerken wird sich im Gasometer D das Stadt- und Landesarchiv ausdehnen. Auch dieses Archiv ist direkt von der Shopping-Mall zu erreichen. Das Einkaufszentrum wird sich auf 20.000 m2 erstrecken, auf denen sich renommierte Geschäftslokale ansiedeln sollen. 70 Prozent der Flächen sind bereits vergeben. Aber nicht nur Yuppietaugliches wird Einzug halten, auch ein Spar, eine Apotheke und ein Kindergarten sind auf der Mieterliste.

 

Wolkenkratzer in der Praterstadt? (26.August 2000)
Die jüngste Architektur in der österreichischen Hauptstadt setzt auf spektakuläre Projekte an Stelle von Stadtplanung. Von Paul Kreiner
In Wien, so meint Gustav Peichl, sei eine "neue Gründerzeit" angebrochen. Was da im Augenblick alles gebaut werde! Peichl selbst, der international renommierte Architekt und Karikaturist zeichnet für eine Reihe auffälliger Projekte verantwortlich; weitere hat er in der Schublade liegen. Seinen Vergleich mit der Gründerzeit sollte man jedoch nicht überstrapazieren. Gewiss, wie damals fließt eine Unmenge an Geld nicht nur in neue, sondern auch in architektonisch neuartige Bauten - aber von der harmonischen Gestaltung größerer Ensembles oder gar von einem großen städteplanerischen Wurf ist derzeit wenig zu verspüren. Umso mehr und umso höher ragen ehrgeizige Projekte in den Himmel. Wien hat sich nach Jahren des Zögerns und oft spießbürgerlichen Widerstrebens der neuen architektonischen Formensprache geöffnet; die so lange Zeit ausgegrenzte Kreativitätswerkstatt Coop Himmelb(l)au darf in ihrer Heimat bauen; da schießt auch die Fantasie anderer ins Kraut. Es entstehen, verstreut über die Stadt, zahlreiche Einzelobjekte, die zu ihrer Umgebung kaum in einen Dialog treten, und wer eine "Skyline" sucht, blickt häufig in eine scheinbar unorganisierte Ansammlung von Bauten.
Vor einem Jahr ist der "Millenniums-Tower" fertig geworden, mit 202 Metern das dritthöchste Gebäude Europas. Gustav Peichl, Boris Podrecca und Rudolf Weber haben die schlanke Nadel entworfen. In der Bürostadt Donaucity kommunizieren der postmoderne, ovale Andromeda-Tower und die konkaven, altmodischen Betonfassaden der UN-Verwaltung wenigstens ansatzweise miteinander. Gegenüber ist der 110 Meter hohe "Mischek-Tower", der höchste Wohnturm Österreichs, vor wenigen Wochen fertig geworden; er wird auch noch eine Art Zwilling bekommen. Daneben wird an dem Doppelriegel des "Ares-Tower" gearbeitet; Peichl und Arata Isozaki wollen sich mit weiteren zwei Türmen ein Denkmal setzen. In rund sieben Jahren soll der Mix aus Büros, Wohnungen, Freizeit- und Bildungsstätten vollendet sein: 3500 Einwohner, 10000 Arbeitsplätze.
Jetzt rücken die Hochhäuser sogar dem historischen Stadtzentrum zu Leibe. Dass der schäbige Bahnhof Wien-Mitte überbaut werden soll, versteht jeder - aber muss das neue "Stadttor" gleich aus drei Bürotürmen bestehen? "Wien soll nicht Manhattan werden", heißt es nun. Aber auch Peichl rät allmählich zur Vorsicht. Es hat Tradition in Wien, mitten in Gewerbebrachen hinein zu bauen und zu hoffen, ein neues Stadtviertel werde sich dann schon herausbilden. Doch während sich die Traviata-Siedlung mit ihren festungsartigen Mauern vollständig von der unwirtlichen Umwelt abschirmt, setzt man im südöstlichen Simmering darauf, dass die Bewohner über die Ödnis der Stätte hinwegsehen: In den Gasometern fangen die Wohnungen erst auf einer Höhe an, die normale städtische Mietshäuser erst gar nicht erreichen.

Gasometer mit Shopping-Mall
Der Umbau der vier Gasometer ist das zur Zeit wohl spektakulärste Projekt in Wien. Hundert Jahre alt sind die mächtigen Relikte großstädtischer Energieversorgung; in jeden der rotbraunen Ziegelzylinder, massiv gemauert und geziert wie die Industriedome der Gründerzeit, würde das Riesenrad vom Prater mühelos hineinpassen: 65 Meter Durchmesser, 72 Meter Höhe. Die Anlage war ein Vierfach-Akku für die Stadt, 360 000 Kubikmeter Gas hatten hier Platz. Seit 1986 werden sie nicht mehr gebraucht. Knapp 700 öffentlich geförderte Wohnungen und Studentenzimmer sollen nun innerhalb der Zylinder entstehen und eine "Shopping-Mall" die vier Gasometer verbinden; Riesenkinos und eine akustisch abgeschirmte Musikhalle werden die Besuchern anlocken. Die U-Bahn wird bis vor die Tür gelegt; die Autobahn erhält eine neue Abfahrt. Mit dem Denkmalschutz geht man bei den Gasometern flexibel um. Nur so lässt sich das architektonische Hauptproblem lösen, nämlich ausreichend Licht ins Innere zu bekommen. Neben den riesigen alten Bogenfenstern, die künftig zehn bis zwölf Wohn-Etagen beleuchten sollen, sind von oben bis unten Einschnitte in das Mauerwerk vorgenommen worden. Einer der vier Architekten, Manfred Wehdorn, ist übrigens gleichzeitig Wiens Denkmalschützer: So ließen sich Konflikte vermeiden.
Wehdorn löst das Lichtproblem in "seinem" Gasometer dadurch, dass er die sechs Wohntürme im Inneren terrassenartig abstuft. Jean Nouvel wiederum lehnt neunzehn Wohntürme an die Zylinderwand und spart dazwischen Lichtschlitze aus. Das ergibt - wie passend für Wien - Wohnungen in der Form von Tortenstücken. Mit filigraner Glas- und Stahlbauweise im Inneren will Nouvel außerdem die drückende Schwere der äußeren Ziegelmauern konterkarieren. Coop Himmelb(l)au, also Wolf D. Prix und Helmut Swiczinsky, tun ihrerseits alles, um ihrem Ruf als "enfants terribles" gerecht zu werden: Sie setzen ihrem Gasometer außen einen Schild oder eine Art Segel aus Beton und Glas vor, das die Glaskuppel überragt und zusätzliche Wohnungen aufnehmen soll. Sie bieten auch verschiedene Grundrisse an, darunter Maisonette-Lösungen. Der einzige, der auf ein Glasdach und damit auf die Gewächshaus Atmosphäre verzichtet, ist Wilhelm Holzbauer (der auch das Festspielhaus in Baden-Baden gebaut hat). Getreu seinem Arbeitsmotto "Meine Gebäude sollen zeigen, was sie sind", setzt Holzbauer seinen dreiflügeligen Wohnturm mitten in den Gasometer hinein. Die gewaltige Außenmauer bleibt somit auch im Inneren weitgehend sichtbar; sie legt sich, bei Holzbauer besonders stark durchbrochen, wie ein Gatter um die Wohnblocks: Wer zum Fenster hinausschaut, sieht vorwiegend Zaun.
Wie sich die 300 Millionen Mark teure, hoch verdichtete Bebauung innerhalb der Ziegelmauern akustisch auswirken wird, lässt sich bisher nur vermuten. Spätestens im Herbst 2001 sollen die neuen Bewohner einziehen können. Bereits jetzt, so erklären die Bauträger, sei deutlich mehr als die Hälfte des Wohnraums vergeben.

 

"Neu Erdberg" als das goldene Tor von Wien (1. September 2000)
Wien - Hinten, am Horizont, waren die Simmeringer Gasometer und die Baukräne schemenhaft im Dunst zu sehen. Aber dafür hatte keiner der honorigen Herren - und mit Finanzstadträtin Brigitte Ederer die eine Dame -, die am Donnerstag im Panoramageschoß des Ringturmes zusammengekommen waren auch nur ein halbes Auge: Die Stadtpolitiker, Manager und Architekten im zwanzigsten Stock konzentrierten sich auf ein Ziel, das auf etwa zwei Drittel des Weges zu den Gasometern liegt - die Region zwischen Zollamtsgebäude am Donaukanal, Südosttangente und Erdbergstraße. Obwohl, betonte Vizebürgermeister Bernhard Görg, doch "die Gasometer als Initialzündung für die Entwicklung der Region zu sehen" wären. Außerdem, so Görg, diene das hier geplante Viertel nicht nur dazu, Erdberg, das bisher triste Heimatgrätzel von Bundespräsident Thomas Klestil, nachhaltig aufzuwerten. Es solle auch belegen, dass in Wien "eine neue Gründerzeit" angebrochen sei. Dennoch: Die Gasometer sind ein Projekt, "Neu Erdberg" ein anderes.
Ab September werden die Wiener Linien - bedingt durch den Fuhrparkzuwachs, den die Verlängerung von U1 und U2 bringt - hier nämlich eine große U-Bahn-Remise errichten. Auf dieser Halle soll ein ganzer neuer Stadtteil entstehen. "Die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr und das hochrangige Straßennetz und die Nähe zum Naherholungsgebiet Prater sind ideal", hob Brigitte Ederer die Standortvorteile hervor.
Mit einer Gesamtinvestitionssumme von 2,5 Mrd. Schilling (180 Mio.) will die Stadtwerke-Tochter "Beteiligung Managment" (BMG) hier bis 2006 insgesamt 140.000 m2 Nutzfläche schaffen. Rund zwei Drittel davon sollen Büros sein, außerdem sind Hotels und Wohnraum geplant.
Architektonisch zeichnen für das Projekt, das Görg Donnerstag gemeinsam mit Ederer und Stadtwerke-Direktor Karl Skyba vorstellte, Wilhelm Holzbauer, Gustav Peichl und Coop Himmelb(l)au verantwortlich.Während Erstgenannte für die der Stadt zugewandten Zonen des Projektes zuständig sind, sollen die "Coops" mit dem Kopfbauwerk des neuen Stadtviertels eine markante "Landmark" errichten. Dieses Gebäude, erklärte Himmelb(l)au-Hälfte Wolfgang Prix, solle nicht nur in Darstellungen bei der Präsentation, sondern auch in der Realität der erste optische - und überdies goldfarbene - Bezugspunkt für alle sein, die von Osten in die Stadt kommen: "Das Gebäude soll die goldene Brücke nach Wien darstellen."
So einhellig die Freude der Projektvorsteller war, so demonstrativ war die Zurückhaltung des Bezirksvorstehers des dritten Bezirkes, Erich Hohenberger (SP). Nach der Präsentation hielt er mit seiner Kritik an den Plänen allerdings nicht hinter dem Berg: Er stehe zwar hinter dem Projekt, aber "in einer modifizierten Form", betonte der Landstraßer Bezirkschef. Schau'n Sie sich das da doch an", zeigte er auf den goldenen Himmelb(l)au-Bau. "So wie das derzeit aussieht, gibt es vom Bezirk zu alldem nur eine Antwort - und die hat vier Buchstaben." Also Nein. (rott)

 

Junge Szene: Gasometerfest (17. September 2000)
Unter dem vielversprechenden Titel "Energie ist Leben" laden Stadt Wien Marketing Service und VSG / Rock Produktion ab 20 Uhr unter der künstlerischen Leitung von "Projekt Dancemachine" zum Baustellenfest bei den Gasometern in Simmering. Besucher erwartet ein Mix aus Laser, Pyrotechnik, Musik, Show und Clubbing sowie Gastronomie. Videos zeigen die Geschichte der Gasometer sowie Visionen vom künftigen Leben in den vier "Riesen". Der Eintritt ist frei.

 

Ein Gewitter zum Geburtstag (18. September 2000)
Gasometer-Schauen ist der neue Wiener Hit, Simmering hin, Baustelle her: Immerhin beweisen sich Architekten wie Coop Himmelb(l)au, Wilhelm Holzbauer, Gustav Peichl und Jean Nouvel an den denkmalgeschützten Türmen. Sie waren die Nr. 1 auf der Besichtigungs-Wunschliste des Pariser Bürgermeisters Jean Tiberi. Er hatte größeres Wetterglück als sein Wiener Freund Michael Häupl, dem das Samstagabendgewitter mitten in die Feierlichkeiten zum 51.Geburtstag platzte. Okay, privat hat er schon Donnerstag mit Frau Helga in den "Drei Husaren" gefeiert, ohne sein (Wahl-)Kampfgewicht - fünf Kilo minus - zu gefährden. Okay, das Fest im Zelt wurde trotzdem lustig, weil nebst Tochter Tini & Schwiegersohn Tom Gadinger und dem Großen Vorsitzenden Gusenbauer "bunte Hunde" von Gery Keszler, Harald Serafin, Christian Kolonovits, Adi Hirschal, bis Kaisermühlen-Kieberer Christian Spatzek einfanden, der mit Polizeigeneral Franz Schnabl "Erfahrungsaustausch" pflegte. Die feierliche Gasometer-Baustellen-Besichtigung allerdings ertrank im Wasser. Häupl nahm's heiter: "Regen bringt Segen. Hauptsache, dass für die Gasometer-Multimedia-Show samt Superclubbing, Sonntagabend, Schönwetter angesagt ist. Prost!"

 

U-Bahn-Bauer geben Gas: U 3-Eröffnung am 2. Dezember (22. September 2000)
Der Umbau der U 2 ist fertig, wegen des Innenausbaus muß die U 2 aber bis 11. November an jedem Wochenende eingestellt werden. Die U 3-Verlängerung nach Simmering eröffnet am 2. Dezember.
WIEN. Der Ausbau der Wiener U-Bahn geht voran: Am 2. Dezember soll die U 3-Verlängerung von Erdberg nach Simmering eröffnet werden. Die vier neuen Stationen GASOMETER, Zippererstraße, Enkplatz und Simmering werden ab diesem Tag angefahren werden. "Damit ist der Vollausbau der U 3 abgeschlossen", sagt Johann Ehrengruber, Pressesprecher der Wiener Linien. Das neue U 3-Teilstück hat 6,3 Milliarden Schilling gekostet. Ein Betrag, den sich die Stadt Wien und der Bund zu je 50 Prozent teilen. Auf der zweiten, großen U-Bahnbaustelle - die U 2-Strecke zwischen Karlsplatz und Rathaus - steht der Rohbau unmittelbar vor der Fertigstellung. Jetzt beginnt man mit der Innenausstattung. Grund für die Bauarbeiten bei den Stationen Rathaus, Volkstheater und Babenbergerstraße: Die Bahnsteige müssen um je 35 Meter verlängert werden. Derzeit können nur Züge mit zwei Waggons in die Stationen einfahren. Nach dem Umbau können die Züge auch aus drei Waggons bestehen. "Das ist eine Vorleistung für den Bau der Verlängerungsstrecke der U 2", weiß Bauleiter Alfred Scharf von den Wiener Linien. Mit dem Baubeginn für die U 2-Verlängerung (voraussichtlich Anfang 2003) fahren die U-Bahn-Züge zwischen Schottenring und Karlsplatz nur noch auf einem Gleis, das andere wird für Bauarbeiten benötigt. Dadurch werden die Intervalle bedeutend länger.
Der anschließende Ausbau der U 2 um zehn Stationen über die Donau bis zur Aspernstraße befindet sich noch im Planungsstadium. Ein möglicher Baubeginn hängt auch noch von einer Umweltverträglichkeitsprüfung ab, die die Wiener Linien bisher noch nicht beantragt haben. Als Kosten für den Ausbau werden 16 Milliarden Schilling genannt. Inklusive den Umbauten an der derzeitigen Strecke. Abgeschlossen soll der Ausbau Ende 2007 bis zum Stadion, 2008 bis nach Aspern sein. Für den Umbau der U 2 müssen Autofahrer wie "Öffi"-Benützer Einschränkungen in Kauf nehmen: Vor dem Künstlerhaus ist eine Fahrspur noch bis Februar 2002 gesperrt. Als erstes wird die Verschwenkung bei der Babenbergerstraße aufgehoben: Ab Februar 2001 heißt es dort wieder "freie Fahrt". Für Radfahrer könnte der Neubau der U 2 freilich eine Verbesserung bringen: Entlang der "2er-Linie" soll ein Radweg entstehen. Planungsstadtrat Bernhard Görg (VP) will in den nächsten zehn Tagen über die Errichtung entscheiden.
Ab morgen, Samstag, wird bis zum 11. November jedes Wochenende die U 2 aufgrund der Umbauarbeiten total eingestellt (Ausnahme: 28. 10). "Wir können umfangreichere Arbeiten nicht in der betriebsfreien Zeit von ein bis vier Uhr nachts durchführen", ersucht Bauleiter Scharf um Verständnis. Als Ersatz stehen die Ringlinien "1" und "2" zur Verfügung, die verstärkt geführt werden. Eine Wochenendsperre wird vermutlich noch einmal im Februar 2001 nötig werden. Abgeschlossen soll der U2-Umbau im Jänner 2002 sein. Dann wird die Station Lerchenfelder Straße geschlossen, die Station Volkstheater bekommt dafür zwei neue Aufgänge. Grund: Der Abstand zwischen den Stationen wäre kürzer als der Zug. Im zweiten Halbjahr 2001 soll auch mit den Bauarbeiten zur geplanten U 1-Verlängerung in die Leopoldau begonnen werden. Fünf neue Stationen werden nach der Station Kagran gebaut. Die Fertigstellung ist für 2006 geplant. Die fünf Stationen werden wie bei der U3 auf einmal und nicht in Teilstücken eröffnet. Kosten für dieses Projekt: 6,7 Milliarden Schilling.

 

Ein roter gealterter Originalzustand (25. September 2000)
Gasometer in Wien-Simmering: Fassadenreinigung als Grundlage der Restaurierung der Backsteinbauten
Die Gasometer in Wien-Simmering wurden vor ungefähr 100 Jahren errichtet und gehören zu den Zeitzeugen der österreichischen Industriearchitektur der Jahrhundertwende. Die unter Denkmalschutz stehenden Backsteinbauwerke sollen nun im Zuge einer Revitalisierung einer neuen Nutzung zugeführt werden. Mehr als 600 Wohnungen, Geschäftszonen, eine multifunktionale Veranstaltungshalle u.s.w. entstehen in diesem Gebiet.
Im Zuge der Revitalisierung war es auch notwendig, die Fassaden der Gasometer zu reinigen. Die Schwierigkeit der Aufgabe lag darin, den gealterten Zustand der Gebäude so zu erhalten, dass er zwar gepflegt, aber nicht "neu" aussieht. Zu dieser Aufgabe wurde das Advanced Conservation Team (ACT), Spezialunternehmen für Restaurierung und Konservierung, in Zusammenarbeit mit Kärcher herangezogen. Immerhin muss eine Gesamtoberfläche von 60.000 m2 gereinigt werden.
Die von ACT durchgeführte Fassadenkonservierung des Semperdepots in Wien galt als Referenzprojekt für die Beratungsaufgabe, Kärcher verfügt seit vielen Jahren über ausgereiftes, weltweites Know-how für individuelle Problemlösungen in der Fassadenreinigung. Referenzen wie die Kolonnaden am Petersplatz in Rom oder die Christus-Statue in Rio haben nicht zuletzt den Ausschlag gegeben, das aufwendige Projekt mit Kärcher gemeinsam umzusetzen. Zum erklärten Ziel von ACT gehörte es, nur die wasserlöslichen Schmutzpartikel zu entfernen und den natürlichen Verschmutzungsgrad zu reduzieren, ohne das Gesamtbild des Gebäudes völlig zu verändern. Im Zuge von Probearbeiten wurde zunächst ein möglichst schonendes Reinigungsverfahren der Ziegel geklärt. Die Oberfläche durfte nicht durch grobe Sandstrahlen aufgerissen werden, wodurch das Originalmaterial erhöhten Angriffen durch Umweltschadstoffe ausgesetzt wäre. Die Patina musste erhalten bleiben.
Die Reinigung wird in unterschiedlichem Ausmaß von oben nach unten durchgeführt, da die Verkrustung nach oben zunimmt, die Härte der Ziegel hingegen nach oben hin abnimmt. Der Reinigungsstrahl muss daher im obersten Bereich direkter und länger eingestzt werden, im unteren ist schnelles, aber vorsichtiges Arbeiten erforderlich.
Nach der Reinigung erfolgt Kittung und Retusche. Durch die Kittung mit rot gefärbtem Kalkmörtel können fehlende Ziegeloberflächen bis zu einer Dicke von ca. 5 cm aufgebaut werden. Danach wird mit zweierlei Farblasuren retuschiert - die rote Lasur verstärkt die Ziegelfarbe des Mörtels, die schwarze imitiert Patina. Die Fassadenkonservierung soll Ende Oktober abgeschlossen sein.
1985/86 wurden die Gasometer nach der Versorgungsumstellung auf Erdgas stillgelegt. 1987 wurde der Gasometer 2 für die Ausstellung "100 Jahre Sozialdemokratie" renoviert. Ab 1992 fanden in einem Gasometer regelmäßige Techno-Events statt. Im November 1996 wurden die vier Gasometer an drei Wohnbaugesellschaften verkauft. Die unter Denkmalschutz stehenden Backsteinbauwerke werden nun im Zuge einer Revitalisierung einer neuen Nutzung zugeführt.

 

Expansion bei den Gasometern (11. Oktober 2000)
Zwei neue Projekte für den jüngsten Wiener Büro-Standort
Wien - Auf dem ehemaligen Gelände der Baufirma Durst plant der Wiener Projektentwickler Zwerenz & Krause mit den Partnern Alag und Europa Capital Partners zwei neue Bürobauten, die das Flächenangebot in den Gasometern selbst und im Objekt "Adler und Ameise" der Investconsult ergänzen. Derzeit noch im Flächenwidmungsverfahren, soll das Grundstück in zwei Parzellen mit jeweils 7000 Quadratmeter und 19.000 Quadratmeter aufgeteilt werden. Als Investitionsvolumen nennt man bei Zwerenz & Krause eine Summe von 1,7 Mrd. öS (123,54 Mio. EURO).Anlass für die Großinvestition ist der Erfolg bei der Vermarktung der Gasometer-Mall desselben Projektentwicklers. Das internationale Interesse am neuen Standort jedenfalls ist beträchtlich, so hat etwa die Immobilien-Tochter der deutschen Commerzbank das Büro der Investconsult gekauft. (gw)

 

U-3-Grabung: Weindepot über'm Kopf (20. Oktober 2000)
Ab dem 2. Dezember erschließt die U 3 auch die Gasometer und Simmering
Wien - "Tunnel frei für Simmering!" heißt es am 2. Dezember, dem Tag der Eröffnung des neuen Teilstücks der U3 von Erdberg nach Simmering. Erfreut über die Einhaltung des projektierten Eröffnungstermins zeigte sich am Donnerstag Günther Grois, Geschäftsführer der Wiener Linien. Die Baudurchführung sei nämlich nicht leicht gewesen. So hätte die "Unterfahrung einer Kirche" sowie eines Weindepots geleistet werden müssen. "6,8 Millionen Liter Wein über'm Kopf, das ist auch eine psychische Belastung", so Grois. Die Arbeiter hätten der Versuchung der Grabung einer Abzweigung aber widerstanden.
Vielleicht auch diesem Faktum ist es zu verdanken, dass die für die Verlängerung veranschlagten Kosten (7,3 Milliarden Schilling) unterschritten werden konnten. Die Errichtung des 3,1 Kilometer langen Teilstückes, das unter anderem das neue urbane Zentrum um die Gasometer erschließt, kostete tatsächlich 6,7 Milliarden Schilling (490 Mio. EURO). Ein Tatsache, die Finanzstadträtin Brigitte Ederer (SP) auf den enormen Konkurrenzkampf am Bau sowie eine effiziente Baukontrolle zurückführte. Die Finanzstadträtin betonte die städtebauliche und wirtschaftliche Bedeutung des U-Bahn-Ausbaus.
Die offizielle Eröffnung des neuen Teilstücks wird am 2. Dezember um 9 Uhr an der Endstelle Simmering von Bürgermeister Michael Häupl (SP) vorgenommen. Gratisfahrscheine für diesen Tag werden in den kommenden Wochen verteilt. Im Rahmen des Eröffnungsfestes werden an den neuen Stationen - neben der Endstelle Simmering sind dies Gasometer, Zippererstraße und Enkplatz - Simone, die Stoakogler, die Spider-Murphy-Gang, die Rounder Girls sowie heimische Kabarettstars auftreten. Die Gesamtstreckenlänge der Linie U3 beträgt mit Inbetriebnahme des neuen Streckenabschnitts 13,5 Kilometer, die Fahrzeit von Ottakring nach Simmering wird bei 25 Minuten liegen. Ederer, die auf Impulse für Wirtschaft und Wohnbau durch die U-Bahn-Erschließung bestimmter Standorte hinwies, stellte auch die künftigen Projekte vor: Die U2 werde bereits umgebaut, 2002 solle der Ausbau über den zweiten und 22. Bezirk in Angriff genommen. 2001 sollen die Bauarbeiten zur Verlängerung der U1 beginnen. (tapa)

 

U3 billiger als geplant: 600 Millionen gespart (21. Oktober 2000)
U3-Verlängerung. Das 3,1 Kilometer lange Teilstück nach Simmering wird am 2. Dezember mit einem großen Fest eröffnet.
WIEN (stög.). Am 2. Dezember geht der drittlängste Tunnel Österreichs in Betrieb. In diesem 9393 Meter langem Rohr fährt dann die U 3 von Ottakring nach Simmering - durch insgesamt acht Bezirke. Nur bei Erdberg tauchen die Züge kurz aus dem Untergrund der Stadt auf. "Überall dort, wo die U-Bahn hinkommt, setzt eine enorme städtebauliche Entwicklung ein", erklärte am Donnerstag Wirtschaftsstadträtin Brigitte Ederer (SP). "Bei den GASOMETERn werden tolle Akzente gesetzt. Das war früher alles eine Gstättn", meinte Ederer.
Das 3,1 Kilometer lange Teilstück von Erdberg nach Simmering habe durch eine effiziente Baukontrolle nur 6,7 Milliarden Schilling (487 Mill. Euro) gekostet. Ursprünglich habe man 7,3 Milliarden (530 Mill. Euro) budgetiert. Seit 1970 seien insgesamt 75 Milliarden Schilling (5,4 Mrd. Euro) in den Wiener U-Bahn-Bau investiert worden. "Es waren große Anstrengungen notwendig, um den Eröffnungstermin halten zu können", berichtete Wiener Linien-Chef Günther Grois. Als bautechnisch schwierig habe sich die Untertunnelung der Kirche am Enkplatz erwiesen. Mit der Eröffnung der Stationen GASOMETER, Zippererstraße, Enkplatz und Simmering müssen Passagiere ihre Fahrgewohnheiten ändern. Laut Grois werden die Straßenbahnlinie 72 und die Buslinie 78A eingestellt, die Linie 6 wird bis zum Zentralfriedhof, der 15A bis zur U-3-Endstelle Simmering verlängert. Der 71er wird zwischen Zentralfriedhof und Simmering verdichtet.
Gratis-Fahrscheine
Beim Eröffnungsfest am am 2. Dezember - das bei den vier neuen U-3-Stationen gefeiert wird - treten die Spider Murphy Gang, die Stoakogler, die Rounder Girls und Günter Mokesch auf. Die U 3 kann an diesem Tag mit Gratis-Fahrscheinen erkundet werden.

 

Ganz Simmerimg im U-Bahn-Taumel (11. November 2000)
Letztes Teilstück der U3 wird eröffnet - Bezirk wird aufgewertet - Gasometer als neues Zentrum
Blasmusik, die Stoakogler, die Rounder Girls, Kabarettisten, Politiker und an der neuen Endstelle Künstler Gottfried Kumpf, der seinen neu geschaffenen Brunnen "Der Froschkönig" enthüllen lässt (von Bürgermeister Michael Häupl und SPÖ-Klubchef Johann Hatzl): Die Wiener U-Bahn-Linie U3 erreicht am kommenden Samstag Simmering. Das letzte Teilstück der U3 misst 3,1 Kilometer, hat stolze 6,3 Mrd. S gekostet und verfügt über vier Stationen: Gasometer, Zippererstraße, Enkplatz, Simmering/Ostbahn. Die U3 als West-Ost-Verbindung von Ottakring über die Innenstadt bis Simmering ist insgesamt 13,5 Kilometer lang und hat 21 Stationen. Die Strecke wird in 25 Minuten zurückgelegt, was im stauträchtigen Wien kein Autofahrer schafft.
Erstmals wird ab Samstag auch ein Prototyp des künftigen Wiener U-Bahn-Zuges im Fahrbetrieb eingesetzt, der ab 2004 als Serienfahrzeug verkehren soll. Im Unterschied zu den "Silberpfeilen", die seit 1976 im Einsatz sind, verfügt die neue Generation von U-Bahn-Zügen über durchgängige Waggons und eine Klimaanlage. Für den 11. Wiener Gemeindebezirk Simmering, bisher imagemäßig eher zwischen Hauptkläranlage und Zentralfriedhof angesiedelt, bedeutet die neue U-Bahn eine städtebauliche Aufwertung. Am deutlichsten wird dies bei der Station Gasometer sichtbar: Die Revitalisierung der Gasometer, eines der bedeutendsten Industriedenkmäler Europas, ist voll im Gange.
Unter Bewahrung der denkmalgeschützten Hülle werden die Gasometer nach den Plänen der Stararchitekten Jean Nouvel, Wilhelm Holzbauer, Coop Himmel(b)lau und Manfred Wehdorn umgestaltet. Hunderte Wohnungen, Büros, 13 Restaurants, ein Studentenheim, eine überdachte Einkaufsstraße sowie ein Veranstaltungszentrum inklusive Mehrzweckhalle für 4000 Besucher entstehen. Auch das Wiener Stadtarchiv erhält dort eine neue Bleibe. Neben den Gasometern wird ein Kinocenter mit zwölf Sälen und 3500 Plätzen errichtet. Der neue Stadteil wird ab 2001 besiedelt. Walter Schwarz

 

Der Maßanzug mit den Konfektionspreisen (2. Dezember 2000)
Der Simmeringer Gasometer sorgt für einige Überraschungen.
Wien - Das langjährige Sorgenkind der Wiener Stadtverwaltung - der Gasometer in Simmering - blickt einer besseren Zukunft entgegen. Und entgegen der landläufigen Vorstellung, dass hier nur Familienwohnungen untergebracht wurden, sind zumindest im Turm der SEG (Stadterneuerungs- und EigentumswohnungsgesmbH.) auch Single-Wohnungen zwischen 40 und 60 Quadratmetern Fläche zu haben. Eine weitere Überraschung: wer nun meint, dass das Wohnen im komplett sanierten Industrie-Architekturdenkmal besonders teuer kommt, wird angenehm enttäuscht. Der Quadratmeter Wohnfläche ist bei Förderungszusage bereits ab 16.000 S (1162EURO) zu kaufen. Wer nicht förderungswürdig ist - und das sind in Wien nur wenige - muss 21.000 S bezahlen. Deutlich weniger als im Neubausektor der Eigentumswohnungen. Der Vergleich mit dem Neubau drängt sich beim Besuch der Baustelle, die im Herbst 2001 fertiggestellt wird, unmittelbar auf. Sieht man nämlich von den mächtigen historischen Außenwänden ab, ist im Inneren des Gasometers eigentlich alles neu. Gleichsam also Bonus kommt beim SEG-Gasometer noch hinzu, dass die Architektur von keinem geringeren als Frankreichs Star Jean Nouvel stammt. Der Baukünstler aus Paris hat den Charakter des Architektur-Denkmals eigentlich recht gut zu erhalten gewusst. Der 35 Meter tiefe Innenhof ist unverbaut, lässt die Erinnerung an das ursprüngliche Raumgefühl unbeschadet.
Wenn man nun glaubt, hier in der düsteren Gruft wohnen zu müssen, wird wieder überrascht. Die Metallverkleidungen reflektieren das Sonnenlicht bis in die unteren Etagen. Sichtachsen öffnen Blickverbindungen nach außen. Allerdings erstrecken sich die Garconnieren und Kleinwohnungen nicht über die gesamteTiefe des Baukörpers, sodass vom Wohnraum aus nur ins Innere des Gasometers, nicht in die Simmeringer Umgebung, geschaut werden kann.
Wer also hier wohnen wird, entscheidet sich für einen Maßanzug: zugeschnitten auf den persönlichen Wunsch, in einem besonderen Ambiente leben zu können. Gert Walden

 

Des is' wie Allerheiligen (4. Dezember 2000)
Rund 150.000 Festgäste kamen zur Eröffnung der U3-Verlängerung
Vier neue Stationen der Linie U3 sind eröffnet: Gasometer - Zippererstraße - Enkplatz - Simmering. Die U-Bahn erschließt seit Samstag alle Bezirke von Wien. Roman Freihsl begleitete zwei besonders Vife bei ihrer Eröffnungsfahrt mit kleinen Hindernissen. Am Kardinal-Nagl-Platz hieß es auch für die beiden kurz nach 9.30 Uhr aussteigen: "Bitte verwenden Sie den Folgezug", wurden die Eröffnungsvorfreudigen aus der U-Bahn gebeten. Doch auch aus dem Folgezug tönte es: "Nicht einsteigen, alles aussteigen." Und aus dem Folge-Folgezug: "Nicht einsteigen. Alles zurücktreten!" Empörtes Raunen am Perron. "I wollt' nach Simmering, dass i den Buagamasta siech."
Wie hätten die zwei in der Menge auch wissen können, dass Michael Häupl selbst auf das Eröffnungsfahren warten musste. Dieser vereinsamt herumstehende Koffer hatte einfach zu gefährlich ausgesehen. Und erst, als das "bomböse" Behältnis als Posaunenkoffer eines Wiener-Linien-Musikers identifiziert war, konnte die neue U3-Strecke ihrer Bestimmung übergeben werden.
"Durchsage an die Aufsichtsorgane: Der Betrieb wurde aufgenommen, bitte die Stationen öffnen", erfuhren die Wartenden um 9.45 Uhr. Die zwei besonders Vifen quetschen sich nicht in die erste Garnitur nach Simmering - sondern warten auf den Premierenzug aus der Gegenrichtung. Noch dazu der Erste von den Neuen: die U-Bahn-Generation von übermorgen, die mit den getönten Scheiben, mit dem schicken Design und dem Durchgang von ganz vorne bis ganz hinten. Züge, die ob ihrer grauen Einfärbung die Bezeichnung "Silberpfeil" verlieren werden.
Die "Zangenmethode"
"Da kannst nimmer schau'n, ob im Waggon vorn' ein Schwarzer is'", sinniert der eine Vife. "Aber dafür is' der Fluchtweg länger", wägt der notorische Schwarzfahrer ab. "Aber dann wer'n die Kontrollore wieder die Zangenmethode anwenden: Zwei vorn, zwei hinten . . .
Am Stephansplatz steigen die beiden wieder aus, um nun doch nach Simmering aufzubrechen. "Ich stopp' das jetzt", beschließt der Schwarzfahrer und beginnt beim Einsteigen an der Uhr herumzufingern. Dann endlich, die erste neue Station: Gasometer. "Schaut eh normal aus", stellt der eine Vifzack fest. Und das, wo doch der Wiener SPÖ-Klubobmann Johann Hatzl beim Eröffnungsakt als Simmeringer frohlockt hatte: "Jetzt haben wir auch etwas, worauf uns die anderen neidisch sind."
Vom Neid zum Raunzen
Die beiden verspäteten Eröffnungsfahrer kommen endlich in Simmering an - "jetzt hammas". Und zwar exakt gestoppte zwölf Minuten und 36 Sekunden nach der Abfahrt am Stephansplatz hamsas. Der Neid - sogar auf Simmeringer Errungenschaften - ist eine Eigenschaft des Wienerischen. Aber der wird zumeist durch eine andere Eigenart kompensiert: mit Raunzen. Schon auf der Rolltreppe grummeln die Vifen: "Nur ein Stückerl länger hätten s' bauen müssen. Zwei Stationen wären's noch g'wesen: Zentralfriedhof und Leberberg." Der andere schaut sich in Simmering um: "Und wo willst in Wien sonst a U-Bahn hinbauen, wenn net zum Zentralfriedhof?"
Prompt schlägt den beiden die Simmeringer Gemütslage entgegen: "Des is' ja wie zu Allerheiligen", drängelt sich eine Anrainerin durch die rund 150.000 Festgäste.

 

Vernetztes, interaktives Wohnen in den Gasometern (11. Dezember 2000)
eLiving im Industriedenkmal - Gesiba kooperiert mit mainwork
Für die künftigen Bewohner der von der Gesiba errichteten Wohnungen in den Wiener Gasometern wird so genanntes vernetztes Wohnen Wirklichkeit. Die Gesiba hat den Anbieter integrierter IT-Lösungen mainwork information technology AG, Wien, beauftragt, das von mainwork entwickelte eLiving-Konzept für vernetztes Wohnen an die Gasometer anzupassen und zu implementieren.
Dies sei eine der Zeit entsprechende Qualität der Dienstleistung in der Wohnungsbewirtschaftung, betont Gesiba-Vorstand Ewald Kirschner. Der Mehrwert dieser Qualität zeige sich in Form von größerer Kundenzufriedenheit einerseits, für den Hauseigentümer in Form von höherer Kundenbindung andererseits. Werner Klomfar, CEO von mainwork AG: "Das eLiving-Konzept in den vor etwas mehr als 100 Jahren als Sinnbild für eine moderne, zukunftsorientierte Stadt errichteten Gasometern umfasst die Anbindung aller Wohnungen an das Internet - wobei eine Flat-Rate eine Rund-um-die-Uhr-Anbindung erlaubt - und den Aufbau einer eigenen 'Mieter-Community'". Die Entwicklungskosten für eLiving hätten 3 Mill. Schilling (218.019 Euro) betragen, so das Unternehmen. eLiving basiere auf der Idee, reale Lebensräume virtuell abzubilden und sei grundsätzlich auf jede Art Wohnbau anwendbar, sowohl im Alt- als auch im Neubau. Dabei sei auch die Erweiterung auf Bluetooth-Technologie vorgesehen, womit im gesamten Wohnbereich ein mobiler Internet-Zugang möglich sein werde. Integrierte Shopping-Lösungen machen eLiving-Bewohner - die auch von Auswärts auf das System zugreifen können - von Einkaufszeiten unabhängig, erklärt Klomfar. Die "Think-the-Box", eine Shopping-Box, vorstellbar als "Kreuzung aus Briefkasten und Kühlschrank", macht auch Warenzustellungen während der Abwesenheit des Bestellers möglich. In den nächsten Wochen werden die Detailplanungen für die Umsetzung in den Gasometern erfolgen. Der Dialog mit den künftigen Mietern soll sicher stellen, die richtigen Inhalte in das hauseigene Internetportal zu integrieren. In der Grundausstattung werden ab Bezugsfertigkeit im Frühjahr 2001 alle Mieter über Features wie ein personalisiertes Portal mit Webmail, Diskussionsforen, hausinternem Eventkalender u. v. m. verfügen. Auch die gesamte Kommunikation mit dem Vermieter Gesiba soll über das eLiving-Portal abgewickelt werden.


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