2001-Fortsetzung  

 

Es ist alles nicht so einfach, wie der Kritiker meint (28. Juli 2001)
"Genau das nennt man Kitsch", Architekturkritik von Liesbeth Waechter-Böhm zum Gasometer-Projekt in Wien-Simmering, 30. Juni.
Wenn die Autorin als Nutzung der vier riesigen Bauwerke, von denen jedes eine bebaute Grundfläche von mehr als 3000 m2 gumfaßt, eine Verwendung als Rollerskate-Bahn vorschlägt, dann ist dies wohl an Einfallslosigkeit kaum mehr zu überbieten. Da wurden im Rahmen der Projektentwicklung schon ganz andere, sinnvolle und zum Teil durchaus erfolgversprechende Nutzungsmöglichkeiten - beispielhaft seien hier nur die Errichtung eines internationalen Modezentrums oder eine Expositur des Technischen Museums Wien angeführt - auf ihre Realisierbarkeit untersucht. Alle diese Nutzungsvarianten konnten jedoch eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die Realisierung des Projekts, nämlich einen auf Dauer wirtschaftlich selbsttragenden und daher subventionsfreien Betrieb, nicht erfüllen. "Aber der Architekturkritiker schert sich um solche Fakten, mehr oder weniger legitim, in der Regel ohnehin nicht", stellt Waechter-Böhm in ihrem Artikel fest. Auch Architekten, und unter ihnen bisweilen jene, die als die großen gefeiert werden, scheren sich einen Pfifferling darum, auf welche Weise und unter welchen Voraussetzungen die Finanzierung eines Projektes in der Größenordnung der Simmeringer Gasometer erfolgt. Gustav Peichl zum Beispiel hat mir vor Jahren auf mein, für einen Künstler internationalen Rufes doch nur banausenhaft anmutendes Ansinnen, einen der mittlerweile errichteten Hochhaustürme am Donauufer um nur wenige Meter stromabwärts zu verschieben, weil damit schwierigsten Ankaufsverhandlungen mit den Liegenschaftseigentümern und deren horrenden Preisforderungen wirksamst begegnet werden könnten, mit der lapidaren Frage beantwortet: "Und daran soll ein Architekt auch denken?" Bei den nichtproduzierenden Vetter der Architekten, eben den Architekturkritikern, ist diese Spielart der Realitätsverweigerung natürlich noch viel weiter entwickelt, wie ja schließlich der Artikel von Liesbeth Waechter-Böhm recht augenscheinlich unter Beweis stellt. Aber zu dem Befund, daß die Umnutzung der Simmeringer Gasometer mit "viel mehr Geld als für jeden konventionellen Wohn- oder Bürobau zur Verfügung steht, erfolgte, erachtet sich Liesbeth Waechter-Böhm ungeprüft, offenbar aber in selbst attestierter Sachkompetenz für berufen, selbst wenn dies schon oft widerlegt wurde. Deshalb sei es hier nochmals angemerkt, daß für den Wohnungsbau in den Gasometern öffentliche Förderungsmittel nur in jenem Umfang eingesetzt wurden, als solche Mittel auch zur Förderung anderer Wohnhausbauten gewährt werden - und kein Schilling mehr! Was den Reiz des Finanzierungskonzeptes hingegen ausmacht, ist aber vielmehr die Tatsache, daß aus dem Verkaufserlös nicht nur die Errichtungskosten der Veranstaltungshalle, sondern darüber hinaus auch die Kosten für die Absiedlung eines unmittelbar benachbarten, stark emittierenden Fettverarbeitungsbetriebes bestritten werden konnten, ohne daß hiefür öffentliche Mittel in Anspruch genommen werden mußten.
Robert J. Wolfgang Geschäftsführer des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds 1010 Wien

 

Einkaufstempel in der Gasometer-City (1. August 2001)
70 Geschäfte öffnen am 31. August / Gastronomie, Unterhaltung und Mega-Kino-Center.
Das internationale Prestigeprojekt Gasometer steuert mit Riesenschritten der Fertigstellung entgegen.

Am 31. August wird das 22.000 Quadratmeter große Shopping-Center eröffnen. Bereits sechs Monate vor dem Startschuss waren die 70 Geschäfte vermietet. Firmen von Rang und Namen, ein ausgewogener Branchenmix, die einzigartige Architektur, Spitzengastronomie und jede Menge Freizeitangebote sollen der Shoppingmall Massenbesuch und somit hohe Umsätze bringen.

BRANCHENMIX
„Der Branchenmix wurde für Menschen jeden Alters erstellt. Wir rechnen pro Tag mit 15.000 bis 18.000 Besuchern", resümiert G-town-Centermanager Herbert Strobl. Die verschiedenen Einkaufsebenen ziehen sich durch alle vier Gasometerblöcke, und durch das angrenzende Kinocenter, verbunden durch Plexiglasbrücken. „Auf 450 Meter Länge kann nach Herzenslust eingekauft werden", sagt Strobl.
An die 3000 Menschen wohnen und/oder arbeiten in der Gasometer-City. 15 Prozent der Mallfläche sind der Nahversorgung gewidmet (Öffnungszeiten Mo.-Fr. 8 bis 19.30 Uhr, Sa. 8 bis 17 Uhr). Lebensmittelhandel, Drogerie, Banken, Blumengeschäft, Friseur, Putzerei, Trafik, Apotheke, Bäckerei, Parfümerie und Reisebüro sind obligat.
Kunden, die vom Einkaufen müde und hungrig sind, finden in den 14 Gastro-Betrieben kulinarische Abwechslung. Offene Sitzbereiche lassen sogar Schanigarten-Atmosphäre aufkommen. Von Bars, die an den gläsernen Brücken zu einem Drink verführen, wird ein einzigartiger Blick aufs Gesamtensemble geboten.
Zeitgleich mit dem Shopping-Tempel eröffnet am 31. August auch das zwölf Säle umfassende „Hollywood Megaplex Gasometer". Der Großkinobetreiber Heinz Hueber (5 Multiplexkinos in Österreich) spricht von mindestens „450.000 bis 500.000 Besuchern pro Jahr".
Doch damit nicht genug. Anstelle eines Untergeschoßes ist im Gasometer B die Bank-Austria-Halle eingebettet. 4200 Fans finden bei Stehkonzerten Platz (2000 Sitzplätze). Events aller Art, vom Rockkonzert über Klassik und Musical bis zu Raves und Bällen sind geplant. Aus der Taufe gehoben wird die supermoderne Konzerthalle am 26. September von Brian Ferry mit Roxy Music.
615 WOHNUNGEN In die 615 Wohnungen der Gasometer-City werden 1500 Menschen einziehen. Zusätzlich bietet ein Studentenheim 230 Studiosi eine komfortable Bleibe.
Neben einem Kindertagesheim findet auch das Wiener Landesarchiv eine neue Heimat. Auf 11.000 Quadratmetern Bürofläche werden 1500 Menschen arbeiten.
Wohnbaustadtrat Werner Faymann betonte wiederholt die städtebauliche Rolle des 2,4 Milliarden S (174,4 Mio. Euro) teuren Gasometer-Projektes: „Dieses Projekt belebt nicht nur die angrenzenden Bezirke Landstraße und Simmering, sondern ganz Wien."
Michael Berger

 

Zwischen Schießplatz und Gärten (1. August 2001)
Das Areal der Gasometer blickt auf eine abwechslungsreiche Vergangenheit zurück. Vor 200 Jahren dominierten Gemüsegärten, dann wurde ein Schießplatz der Wiener Artilleriedirektion errichtet. Der Schießplatz wich einer Pferderennbahn. Ein Zeppelin- und Ballonstartplatz folgten auf die Rennbahn.
Durch die Beleuchtung der Wiener Ringstraße verstärkte sich die Nachfrage nach Gas derart, dass der Bau des damals größten europäischen Gaswerks beschlossen wurde. 1883 entschied die Gemeinde den Ankauf des Bürgerspitalgrundes. Im Dezember 1896 erfolgte der Spatenstich, am 31. Oktober 1899 wurden die Riesenzylinder eingeweiht. Bis zu 1630 Arbeiter werkten damals auf der Großbaustelle. Zum Vergleich: Im Endausbau stehen bei der Gasometer-City 2000 Arbeiter im Einsatz.
Bei den Gasometern handelte es sich um vier, unmittelbar aneinandergereihte zylindrische Gebäude aus rotem Sichtziegelmauerwerk mit weißen Putzbändern. Die Höhe beträgt 75 Meter, der Durchmesser 65 Meter. Selbst das Wiener Riesenrad würde in einem ausgehöhlten Gasometer Platz finden.
Die knapp vor der Fertigstellung - erste Mieter sind schon eingezogen - stehende Gasometer-City gehört zu den größten Baustellen Europas. Die 100 Jahre alte Bausubstanz bildet die Hülle für den Nutzungsmix.
Das Architektenteam besteht aus Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn, Wilhelm Holzbauer und Rüdiger Lainer.

 

Alles für das Gasometerleben (1. August 2001)
In einem Monat eröffnen die 70 Geschäfte in der "G-town"
Wien - Wenn sich die Betreiber einer Shopping-Mall einen Monat vor der Eröffnung präsentieren, muss das schon in "ure supriger" Weise geschehen. Da werden die Simmeringer Gasometer zur "Supercity", da wird "urban feeling" vermittelt und das Shopping-Center im Gasometer-Inneren wird als "G-town" zum "überregionalen Themencenter".
Was man jedenfalls ab 31. August in der zweigeschoßigen Shopping-Mall, die sich über alle vier ehemaligen Gasbehälter erstreckt, tun kann: einkaufen. In 70 Geschäften. Und vorher Geld abheben. In der Bank. Und essen. Im Mc Donalds oder in anderen Cafés und Restaurants. Oder zum Friseur gehen und sich für die weitere lange Gasometer-Nacht im Erotik-Shop Orion eindecken. Und am nächsten Tag die Wäsch' zur Textilreinigung bringen.

Längst vermietet
Die 22.000 Quadratmeter Nutzfläche sind jedenfalls schon längst zur Gänze vermietet und decken so ziemlich alles ab, was man für so ein Gasometerleben braucht. Die Mieten variieren von 200 bis 1200 Schilling (14,5 bis 87,2 ) pro Quadratmeter. Damit sich das rechnet, werden pro Tag über 15.000 bis 18.000 "jungen Menschen jeden Alters" von den Geschäftsleuten erwartet.
Die "G-town" - zu der auch das "Hollywood Megaplex"-Kino mit 12 Sälen und die Bank Austria-Veranstaltungshalle für bis zu 4200 Besucher gerechnet werden -, ist ein Gemeinschaftsprojekt der heimischen Bauträger Zwerenz & Krause (25 Prozent), der ALAG Beteiligungs GmbH (25 Prozent) und der britische Fondsgesellschaft Europafund (50 Prozent). (frei)

 

Gasometer-City (1. August 2001)
In einem Monat, am 30. August, wird die Gasometer-City, das Einkaufs- und Erlebniszentrum der vier Gasometer in Simmering, offiziell in Betrieb gehen. Die Verkaufsflächen sind bereits vermietet, am Dienstag wurden Details präsentiert: 27 Prozent der Fläche sind für Bekleidung, 19 Prozent für Sportartikel, 15 Prozent für Gastronomiebetriebe, zehn Prozent für Schuh- und Ledergeschäfte reserviert. Daneben soll ein Mega-Kino mit zwölf Sälen für Unterhaltung sorgen. Die Geschäftsleute hoffen auf ein junges, zahlungskräftiges Publikum. Sie rechnen pro Tag mit 15.000 bis 18.000 Menschen, welche die Einkaufsmeile bevölkern werden. Erwartet wird auch ein "Architektur-Tourismus" ähnlich wie beim Hundertwasser-Haus..

 

Mit der U3 zum neuen Einkaufs-Tempe (4. August 2001)
Ende August öffnet die Gasometer-Shopping-Mall ihre Pforten.
In den Eingangshallen der vier Gasometer in Wien Erdberg wird derzeit emsig gehämmert und gewerkelt. In knapp einem Monat, am 31. August, öffnet das Shopping-Center, das sich auf den ersten drei Etagen durch die Gasometer zieht, seine Pforten.
Die 70 Geschäftslokale sind zur Gänze vermietet, erzählt der Centermanager der G-town, Herbert Strobl. Die Mietpreise bewegen sich je nach Größe des Geschäftslokales und Branche zwischen 200 und 1200 S pro m2 und Monat. Die Mietverträge sind zwischen drei und zehn Jahren befristet. „Wir erwarten hohe Kundenfrequenz", begründet McDonalds-Lizenznehmer Peter Eichbauer das Griss um die Geschäfte in den Gasometern. Die Liste bekannter Firmen, die sich eingemietet haben, ist lang. Sie alle setzen auf die junge, urbane Zielgruppe, die sich von den innovativen Wohnungen, der modernen Architektur und dem Entertainmentcenter angezogen fühlen und die Erreichbarkeit durch die U3.
Die insgesamt 22.000 m2 Einkaufsfläche wurde von der britischen Fondsgesellschaft Europafonds und den beiden heimischen Bauträgern Zwerenz&Krause sowie Alag BeteiligungsGmbH entwickelt.
Für eine Gesamtinvestitionssumme von 2,4 Mrd. S wurden in der 100 Jahre alten Bausubstanz 220.000 m2 Fläche neu geschaffen: 615 Wohnungen, 11.000 m2 Büros, Veranstaltungshalle, Megaplex-Kino, Restaurant- und Entertainmentbereich.
U. Grünbacher

 

Gasometer brauchen Wachzimmer (6. August 2001)
Simmering will mehr Polizei
Das Innenministerium analysiert noch, die Räumlichkeiten sind aber schon vorhanden: In der Gasometer-City mit ihren 1500 Einwohnern gibt es weit und breit kein Wachzimmer.
1500 Mieter, 1500 Arbeitsplätze, ein Kino mit zwölf Sälen, eine Veranstaltungshalle mit 4200 Plätzen: In den Gasometern in Simmering wird in wenigen Wochen das Leben Tag und Nacht pulsieren. Für viele Simmeringer, aber auch für Mieter in den vier Gasometern stellt sich dabei auch die Frage nach der Sicherheit. Das nächste Polizeiwachzimmer - zugleich auch das Bezirkskommissariat - ist weit weg, nämlich am Enkplatz. "Die Gasometer brauchen dringend ein Wachzimmer. Dort jetzt keines zu errichten halte ich für eine Katastrophe", meint Simmerings Bezirksvorsteher Otmar Brix (SP). Zudem sei auch der Hybler-Park in der Nähe. "Der ist in der Nacht für Kriminelle natürlich verlockend." In der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ, die ein mögliches Wachzimmer bei den Gasometern zum Inhalt hatte, meinte Innenminister Ernst Strasser (VP) im April, man müsse prüfen, ob dem Sicherheitsbedürfnis nicht auch durch "gezielte Schwerpunktaktionen" Rechnung getragen werden kann. Eine Bedarfsanalyse solle Klärung schaffen, versprach Strasser damals.

Räume schon vorhanden
"Die Erhebung steht kurz vor der Fertigstellung", berichtet nun Hermann Feiner. Er ist im Kabinett des Innenministers für Polizeiangelegenheiten zuständig. Bei der U 3-Station Gasometer waren bereits im Zuge der U 3-Verlängerung Räumlichkeiten für ein Wachzimmer geschaffen worden, die allerdings - so ist von der Polizei zu hören - aus arbeitsmedizinischen Gründen nicht optimal sind. Die unterirdischen Räume verfügen über kein Tageslicht. Erst im Herbst soll eine Entscheidung darüber fallen. Sollte die Polizei in das finstere Wachzimmer einziehen, muß ein anderes im Bezirk geschlossen werden. Zum Handkuß dürfte dann das Wachzimmer in der Sängergasse in Kaiser-Ebersdorf kommen.
Klaus Stöger

 

Wien bekommt eine Stadt in der Stadt (23. August 2001)
Neu gestaltete Gasometer vor der Eröffnung.
Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die offizielle Eröffnung der Gasometer City am 31. August. Um Punkt zehn Uhr werden Bürgermeister Michael Häupl, Wohnbaustadtrat Werner Faymann und die beiden Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (3.) und Otmar Brix (11.) den Gebäude-Komplex offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Besiedelt wird diese neue Stadt in der Stadt ja schon seit Mitte Juli. Es gibt nur noch wenige Wohnungen, die leer stehen.
Wer noch in dem für Europa wohl einzigartigen Projekt seine Zelte aufschlagen möchte, muss sich also beeilen. Es ist laut Auskunft des Büros von Wohnbaustadtrat Werner Faymann „nur noch eine Hand voll Mietwohnungen" zu haben. Auch um die Eigentumswohnungen gibt es ein Griss. Wer in den Gasometern seine eigenen vier Wände kaufen möchte, sollte sich rasch entscheiden.
Lockerer kann es die Jugend angehen. Im in der G-town untergebrachten Studentenheim sind noch einige Unterkünfte zu haben.
Die Gasometer dürften damit einen weiteren Rekord aufstellen: Nur zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Spatenstich ist fast jeder Quadratmeter des Projektes verkauft oder vermietet.
Meilensteine haben die Gasometer Zeit ihres Bestehens einige gesetzt. Zur Jahrhundertwende bildeten sie Europas größtes Gaswerk. Knapp hundert Jahre später wurden sie unter Denkmalschutz gestellt. Und damit zum größten Industriedenkmal der Bundeshauptstadt.
In der Umbauphase zum neuen Stadtteil war der Gebäudekomplex dann Mitteleuropas größte Baustelle. Sogar der Berliner Potsdamer Platz (200.000 Quadratmeter) wurde mit 220.000 Quadratmetern deutlich „überflügelt". Dabei konnten die Wiener lange Zeit den Eindruck gewinnen, dass aus den vier „Krapfen" nichts mehr werden könnte. Nach der Stilllegung des Gaswerkes Anfang 1986 herrschte auf dem Areal Totenstille. Abgesehen von einer großen Ausstellung und einigen Clubbings tat sich nichts.
Bis Mitte der 90er-Jahre der Beschluss gefasst wurde, die Gasometer zu neuem Leben zu erwecken. Und dann ging es - siehe oben - Schlag auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus einem leblosen Industrie-Denkmal ein pulsierender Stadtteil.
Am 31. August wird in und um die Gasometer ein riesiges Fest steigen. Von 10 Uhr Vormittag bis spät in die Nacht hinein wird es ein Programm geben, das allen Wünschen gerecht wird.
Ulrich Zerbs

 

Liebe geht durch den Magen (30. August 2001)
"Eatertainment" mit Pasta und Cybergames
Ab und an ist es an der Zeit, etwas Vergnügliches zu unternehmen, um dem Alltagstrott-Kobold zu zeigen, dass wir ihn unter Kontrolle haben und nicht er uns. Schon mal nach einem scharfen Tex-Mex-Essen eine Partie Airhockey gespielt? Wenn nicht lässt sich dieses Versäumnis ab 31. August nachholen. An diesem Tag wird das Entertainmentcenter als eine Art "5. Gasometer" offiziell eröffnet. Im Konzept war eine bisher in Österreich einzigartige Melange von "Eatertainment", Cybergames und Billard-Hall vorgesehen. Und nächsten Sommer soll man es sich sogar auf einer Terrasse gemütlich machen und einer Art von Summer-Stage-Feeling frönen können.
"Movie" nennt sich das Mainrestaurant, das mit trendiger leichter Küche lockt und sich angeblich auch für Business-Lunches eignet. Man darf also gespannt sein, ob die ersten Geschäftsabschlüsse im "Movie" über die Theke rauschen! Auf Flügeln des Gesanges spazieren die Gedanken im Music-Café, dem "Pegasus". Vom Styling her kühl und puristisch gehalten, fühlt man sich doch angenehm aufgehoben durch den freundlichen Service. Musikfans können hier bei den neuesten Musikvideos kräftig abhotten.

Nix is fix auf der 66
Im "Route 66", dem American Café, zischt man sich ein kühles Blondes hinter die Kiemen, etwa ein mondänes Carlsberg, ein Foster's oder Bitburger. Die Küche ist, wie könnte es heutzutage anders sein, auf Tex-Mex ausgerichtet. Und weil Pizza und Pasta einfach dazugehören, liefert das Lokal "Little Italy" alles, was dazugehört.
Und wohin ziehen sich die G-towner zurück, wenn sie mal eine gepflegte Plauderei bei Cocktail und Zigarre über Szene-Ins-and-Outs führen wollen? In die "Sky-Lounge", den Treffpunkt in der Sky-Mall. "Nach dem Essen sollst du ruh'n oder tausend Schrittchen tun": Diese kann man ohne weiteres an den über zwanzig Poolbillard-Tischen im "Straight Eight" absolvieren. Zum eingangs erwähnten Airhockey trifft man sich im "Pinball", das auch mit fetzigen Cybergames Publikum anlocken will. Game-Scouts sind immer unterwegs, um neueste Computerspiele in Amerika und Japan für die Gäste einzukaufen. (red)

 

Wien bekommt eine Stadt in der Stadt (23. August 2001)
Neu gestaltete Gasometer vor der Eröffnung.
Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die offizielle Eröffnung der Gasometer City am 31. August. Um Punkt zehn Uhr werden Bürgermeister Michael Häupl, Wohnbaustadtrat Werner Faymann und die beiden Bezirksvorsteher Erich Hohenberger (3.) und Otmar Brix (11.) den Gebäude-Komplex offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Besiedelt wird diese neue Stadt in der Stadt ja schon seit Mitte Juli. Es gibt nur noch wenige Wohnungen, die leer stehen.
Wer noch in dem für Europa wohl einzigartigen Projekt seine Zelte aufschlagen möchte, muss sich also beeilen. Es ist laut Auskunft des Büros von Wohnbaustadtrat Werner Faymann „nur noch eine Hand voll Mietwohnungen" zu haben. Auch um die Eigentumswohnungen gibt es ein Griss. Wer in den Gasometern seine eigenen vier Wände kaufen möchte, sollte sich rasch entscheiden.
Lockerer kann es die Jugend angehen. Im in der G-town untergebrachten Studentenheim sind noch einige Unterkünfte zu haben.
Die Gasometer dürften damit einen weiteren Rekord aufstellen: Nur zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Spatenstich ist fast jeder Quadratmeter des Projektes verkauft oder vermietet.
Meilensteine haben die Gasometer Zeit ihres Bestehens einige gesetzt. Zur Jahrhundertwende bildeten sie Europas größtes Gaswerk. Knapp hundert Jahre später wurden sie unter Denkmalschutz gestellt. Und damit zum größten Industriedenkmal der Bundeshauptstadt.
In der Umbauphase zum neuen Stadtteil war der Gebäudekomplex dann Mitteleuropas größte Baustelle. Sogar der Berliner Potsdamer Platz (200.000 Quadratmeter) wurde mit 220.000 Quadratmetern deutlich „überflügelt". Dabei konnten die Wiener lange Zeit den Eindruck gewinnen, dass aus den vier „Krapfen" nichts mehr werden könnte. Nach der Stilllegung des Gaswerkes Anfang 1986 herrschte auf dem Areal Totenstille. Abgesehen von einer großen Ausstellung und einigen Clubbings tat sich nichts.
Bis Mitte der 90er-Jahre der Beschluss gefasst wurde, die Gasometer zu neuem Leben zu erwecken. Und dann ging es - siehe oben - Schlag auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus einem leblosen Industrie-Denkmal ein pulsierender Stadtteil.
Am 31. August wird in und um die Gasometer ein riesiges Fest steigen. Von 10 Uhr Vormittag bis spät in die Nacht hinein wird es ein Programm geben, das allen Wünschen gerecht wird.
Ulrich Zerbs

 

Liebe geht durch den Magen (30. August 2001)
"Eatertainment" mit Pasta und Cybergames
Ab und an ist es an der Zeit, etwas Vergnügliches zu unternehmen, um dem Alltagstrott-Kobold zu zeigen, dass wir ihn unter Kontrolle haben und nicht er uns. Schon mal nach einem scharfen Tex-Mex-Essen eine Partie Airhockey gespielt? Wenn nicht lässt sich dieses Versäumnis ab 31. August nachholen. An diesem Tag wird das Entertainmentcenter als eine Art "5. Gasometer" offiziell eröffnet. Im Konzept war eine bisher in Österreich einzigartige Melange von "Eatertainment", Cybergames und Billard-Hall vorgesehen. Und nächsten Sommer soll man es sich sogar auf einer Terrasse gemütlich machen und einer Art von Summer-Stage-Feeling frönen können.
"Movie" nennt sich das Mainrestaurant, das mit trendiger leichter Küche lockt und sich angeblich auch für Business-Lunches eignet. Man darf also gespannt sein, ob die ersten Geschäftsabschlüsse im "Movie" über die Theke rauschen! Auf Flügeln des Gesanges spazieren die Gedanken im Music-Café, dem "Pegasus". Vom Styling her kühl und puristisch gehalten, fühlt man sich doch angenehm aufgehoben durch den freundlichen Service. Musikfans können hier bei den neuesten Musikvideos kräftig abhotten.

 

Infopoint statt Warteschlange (30. August 2001)
Volksbanken erproben neues Filialkonzept
Die G-town, wie der Gasometerkomplex mittlerweile trendig genannt wird, dient auch als Erprobungsfeld neuer Bankstrategien. "Damit die gegenwärtigen Erfolge langfristig abgesichert werden können, ist es notwendig, sich bereits jetzt mit einem künftig zu erwartenden Strukturwandel auseinander zu setzen", erklärt Gottfried Schamschula, Mitglied des Vorstandes der Volksbank Ost. Aus diesem Grund entwickelte das Unternehmen ein Zukunftsmodell für seine Geschäftsstelle im Gasometer.
Das Modell zeichnet sich dadurch aus, dass alle Kunden dieser Filiale, unabhängig von der Höhe des zu veranlagenden Vermögens, einen Service genießen können, der normalerweise nur Privatkunden ab einer Veranlagungssumme von rund einer Million Schilling (72.672 EURO) zugute kommt.
Als besondere Verlockung weitet das Institut darüber hinaus seine Öffnungszeiten aus und schließt erst um halb acht Uhr abends. Und der Private Banking Service beinhaltet auch für Kleinanleger, dass die Berater die Kunden in deren Wohnungen aufsuchen.
"Das Internet und die daraus entstehende ,New Economy' führen zu einer veränderten Wirtschaftsstruktur", meint Schamschula und verweist auf den Umstand, dass "eine Vielzahl von Erwerbstätigen zwischen selbstständiger und freiberuflicher Tätigkeit pendeln und dadurch die Unterscheidung zwischen Privat- und gewerblichen Kunden immer stärker verschwimmt oder sich sogar gänzlich auflösen wird. Seitens der Bank setzt man das Internet erstmals zur Weiterbildung der Mitarbeiter ein, wovon sich das Unternehmen eine schnelleres Reagieren-Können auf Kundenwünsche erwartet.
Die Filiale selbst beherbergt einen großen SB-Bereich und eine Infostelle, wo der Kunde sich informieren kann. Wobei man darauf hinweist, dass eventuelles Mithören von vertraulichen Gesprächen in dieser Filiale völlig auszuschließen sei, da entweder die Bankgeschäfte maschinell oder, falls es sich um Beratungswünsche handelt, diese in Besprechungszimmern durchgeführt werden, wodurch, zumindest in dieser Filiale, die Bildung von Warteschlangen der Vergangenheit angehören soll. (malech)

 

International finanziert (30. August 2001)
Private Investoren schaffen mit G-town ein urbanes Umfeld
Die Shoppingmall und das Entertainmentcenter im Gasometer sind Projekte der heimischen Bauträger Zwerenz & Krause, der ALAG Beteiligungs GmbH sowie der britischen Fondsgesellschaft Europa Fund. Wobei Europa Fund 50 Prozent Anteile hält und sich die beiden anderen Partner den Rest teilen.
Der Europa Fund, dessen Anleger primär Pensionsfonds und Versicherungen aus den USA und dem Nahen Osten sind, unterhält gegenwärtig Veranlagungen in Großbritannien, Spanien, Deutschland und Österreich. Geplant ist, dass rund 70 Prozent des Fund in Westeuropa und der Rest in Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik veranlagt werden.
Die ALAG ist das älteste österreichische Leasingunternehmen (gegründet 1969). Ein Bereich der Unternehmenstätigkeit liegt im Wohnbau, in Wien und Niederösterreich hat man seit 1993 319 Wohneinheiten mit einer Gesamtnutzfläche von 42.900 m^(2) errichtet. Darüber hinaus sind gewerbliche Objekte in Wien und ein Logistikcenter in Oberösterreich in Entwicklung.
Der Dritte im Bund, Zwerenz & Krause, ist vorwiegend Immobilienentwickler und erhielt gemeinsam mit der Wohnungsgesellschaft der Privatangestellten den Zuschlag zur Verbauung des ehemaligen Mautner Markhofschen Kinderspitals. Das Tochterunternehmen International Real Estate Services mit Sitz in Wien ist als Servicecenter für Dritte in den Bereichen Beratung, Verwertung, Vermarktung und Management von Einkaufszentren tätig und bearbeitet vom Standort Budapest aus den Markt in den Beitrittsländern. (malech)

 

Darling, ich bin im Kino - weit weg! (30. August 2001)
Hier ist Kino nicht nur ein Streifen Zelluloid und eine Tüte Popcorn. Am Eröffnungstag der G-town, am 31. August 2001, lädt man zum ultimativen Kinotraum mit Blockbuster, Bars und Surprisegags.

Dodo Kresse
Um zehn Uhr morgens am 31. August wird im Beisein von Bürgermeister Häupl die G-town feierlich eröffnet (www.g-town.at). Da die Parkplätze dem großen Ansturm sicherlich nicht gewachsen sein werden, schont man seine Nerven durch die Benützung des Silberpfeils U3. Um sich den Stationsnamen zu merken, ist nicht einmal eine Eselsbrücke nötig. Er lautet schlicht "Gasometer". Die Eröffnung endet um 23.30 Uhr - Zeit genug, um die letzte U-Bahn zurück zu erwischen! Und vorher kann man sich noch im Hollywood Megaplex in andere Welten träumen. Denn dort startet zeitgleich mit dem Eröffnungstag das totale Cinema-Living: Zwölf Vorführsäle bieten Kino in einer Dimension, wie wir es sonst nur von den megamäßigen Kinocentern über dem großen Wasser gewohnt sind. Es laufen die neuesten Blockbuster, etwa "Der Planet der Affen", "Just Visiting" und "Ritter aus Leidenschaft". Obendrein gibt es ein Feuerwerk an Eröffnungsangeboten. Und witzige Überraschungsgags werden sicherlich den einen oder anderen zum Stammkunden machen.
Die Hollywood Megaplex-Kinokette ist mittlerweile eine der führenden Kinobetreibergesellschaften des Landes mit 53 Kinosälen mit mehr als 13.000 Sitzplätzen in ganz Österreich. Die Familie Hueber hat mit ihren Megaplex-Tempeln und einem guten Gefühl für Zeitgeist und Mainstream immer wieder bewiesen, dass sie am Puls der Zeit lebt und für ihr Publikum genau das auswählt, was es sich wünscht. Was will man mehr? Auch das praktische Online-Ticketing funktioniert mittlerweile klaglos. Ingrid Hueber über den neuen Hollywood-Megaplex-Zuwachs: "Die Location inmitten der Gasometer ist außergewöhnlich, noch dazu, wo unsere Besucher über die verlängerte U3 eine direkt Anbindung an das öffentliche Netz haben!" Im ersten Jahr schon erwartet man eine halbe Million Gäste. Das Motto des ersten Tages aber ist: "Jede Karte heute zum Superpreis von 60 S."
Die Homepage unter www.hollywood-megaplex.at kann sich sehen lassen. Filmvorschauen und Fragen zur Reservierung von allen fünf Megaplex-Kinos (Linz-Pasching, St. Pölten, Wien Shopping Center Nord und Wien Donauplex) werden hier beantwortet. Die G-towner drücken auf den dritten Stern-Button und sind über ihr eigenes "Stadtkino" immer bestens im Bild.

Music in the air
Es bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Werden die G-towner fürderhin ständig in der Gefahr schweben, einem massiven Cocooning anheimzufallen, die Straßennamen und Lokale der Innenstadt vergessen und weder alte Freunde noch Familienmitglieder je wiedersehen, außer selbige kommen zu Besuch nach G-town?
Damit sie ganz sicher zu Besuch kommen, zeigt die Bank Austria Halle ihr imposantes "Muskelspiel" mit einem Veranstaltungskalender, der den Vergleich mit dem der Stadthalle locker aushält: von Roxy Music über Buena Vista Social Club, Yes bis Wolferl Ambros. Anstelle eines Untergeschosses wurde die Halle in den Gasometer B eingebettet. 4200 Personen finden bei stehenden Veranstaltungen locker Platz.
Ob die G-towner dennoch süß schlafen können? Da die Halle frei schwingend erbaut wurde, also auf zwei riesigen elastischen Spezialdämmungen "schwimmt", kann kein direkter Luftschall ihre Ruhe stören.

 

Das Spiel mit der Lage in historischen Türmen (30. August 2001)
Cool Town: Image-Kontraste erhöhen die Aufmerksamkeit des Kunden
Der Besucher bleibt für einen Moment der Schaulust stehen, wenn er aus dem Untergrund der U3 auftaucht: Durch das Metall- und Glasdach der Station hindurch blickt man auf die renovierte Backsteinfassade des Gasometer A, fasziniert vom Kontrast zwischen Alt und Neu. So verheißungsvoll startet der Weg durch G-town, die neue Mall in den Wiener Gasometern.
Während das Geschäftsangebot keine Überraschungen in Inhalt oder Gestaltung bietet, ist die eigentliche Sensation das Spiel mit der Lage in den historischen Türmen: Durch den Image-Kontrast fährt die Aufmerksamkeit der Kunden hoch, verlängert ihre Verweildauer und versetzt sie in einen aufgekratzten, beschwingten Zustand, der letztlich dem Verkauf dienen soll, aber auch so etwas wie ein emotionales Geschenk, ein "emotional value", ist.
In G-town greift der Trick überall dort, wo man auf dem Weg durch die Mall einen Blick auf die historische Außenwand der Gebäude erhascht: auf den modernen Brücken zwischen den ehemaligen Gasbehältern, unter den gläsernen Kuppeln, die in den Zentren der Gebäude A, B und C einen Knotenpunkt bilden und zugleich den Blick nach oben in den Luftraum über der Mall blicken lassen. Spektakulär aber ist der Image-Kontrast zwischen den Backstein-Fassaden der Gasometer und der bunten Glasfront des Kinocenters. Und da ist natürlich noch der scheinbar geknickte Turm von Coop Himmelb(l)au, der das historische Gemäuer von Gebäude B nicht nur auf der Materialebene, sondern auch durch ein Spiel mit der Täuschung unserer Sinne kontrastiert.
Während man in den USA oft mühsam mit Storys, Kulissen, künstlichen Gewittern und sprechenden Robotern thematisiert, um Emotionen ins "Urban Entertainment Center" zu bringen, fällt uns in Europa das reizvolle Spiel mit den Kontrasten beinahe in den Schoß. Was vor drei Wochen sogar die New York Verdana bewogen hat, hymnisch zu berichten: Wien sei derzeit die beste Stadt in Europa, um die neue Art des authentischen Entertainment zu studieren.
Und der kommerzielle Erfolg? Braucht Wien noch ein Shoppingcenter und noch ein Multiplex? Zumindest die dramaturgischen Voraussetzungen sind gut. Denn G-town gehört zu jenen neuen "Third Places", an denen sich die Marketinginteressen der Wirtschaft mit dem Verlangen der Menschen nach halböffentlichen inszenierten Orten treffen. "Third Places" sind nach der gestalteten Wohnung und dem ästhetisch ansprechenden Arbeitsplatz die Treffpunkte, wo sich die Menschen aufladen, die sie als Seelenmassage verwenden, als vitalen Lebensraum in der Stadt. In Österreich sind das Markenerlebnisse wie die Swarovski Kristallwelten in Wattens oder das Filmfestival am Wiener Rathausplatz im Sommer und der Wiener Eistraum und der Adventzauber im Winter. Kein Zufall, dass bei Letzteren auch das Rathaus mit buntem Licht modern kontrastiert wird. Cool Town, das ist vielleicht doch nicht nur die G-town der Gasometer. Cool Town ist vielmehr ein Wien, das in sich noch viel an authentischem Erlebnispotenzial birgt.
Dr. Christian Mikunda entwickelt dramaturgische Konzepte für Malls, Museen, Markenwelten und die Medien. Bücher: "Der verbotene Ort, oder: Die inszenierte Verführung", im Entstehen "Das Third Place-Phänomen, Erlebnismarketing durch inszenierte Orte".
Christian Mikunda.

 

Zeitläufe: Neue Architektur mit Jahresringen (30. August 2001)
"An den Gasometern gefällt mir, dass das ,Denkmal' - unter Anführungszeichen gesprochen - vernichtet wurde, die Hüllen verwendet wurden und die Stadt weiter wächst", meint Dietmar Steiner, Direktor des Architektur Zentrum Wien, über die Situation zwischen Alt und Neu in Wien.
Standard: Wodurch unterscheidet sich das Projekt Gasometer von früheren Stadtentwicklungsprogrammen?
Dietmar Steiner: Im letzten Jahrzehnt hat sich die öffentliche Hand immer stärker aus solchen Projekten zurückgezogen, und es wurden verstärkt private Investoren eingeladen, daher sind die Gasometer in andere Strukturen als der Wohnungsbau etwa der Siebzigerjahre eingebettet und ein gutes Beispiel für Private-Public-Partnership. Die Öffentlichkeit stellt Infrastruktur und Fördermittel zur Verfügung, und private Investoren können eine erträgliche, aber nicht sonderlich ertragreiche Rendite erwirtschaften. Sowohl bei diesem Projekt wie auch bei der Donau- und Wienerberg-City handelt es sich um eine kommerzielle Infrastruktur mit Wohnanteilen.

STANDARD: Die Diskussion schloss die Aspekte des Denkmalschutzes mit ein. Sind Sie mit der jetzigen Lösung zu- frieden?

Steiner: Von wegen Alt und Neu und Industriedenkmal. Die Gasometer waren kein Industriedenkmal, denn der ursprüngliche Inhalt wurde schon bei ihrer Entstehung architektonisch kaschiert und domestiziert. Daher kann man nur von einem geringen kunst-oder kulturhistorischen Wert ausgehen. Da jetzt die Innenräume gefüllt wurden, bleibt nur die Frage: Was hätte man stattdessen machen können? Ich hätte es sinnvoll gefunden, einen der Türme im ursprünglichen Zustand zu belassen. Durch den Urbanisierungsschub, den das Brachland dort bekommen wird, hätte sich vielleicht in fünf Jahren eine andere Nutzung ergeben. Die Frage ist natürlich, ob sich das heute gerechnet hätte. Ein Leerstehen hätte jedoch die Stadtverwaltung nicht ertragen. Was nur psychologisch zu erklären ist. In solchen Fällen hört man immer wieder die gängige Baufloskel: "Das ziehen wir jetzt durch".

STANDARD: Welche Stadtgebiete sehen Sie in den nächsten Jahren dafür prädestiniert, dass Bauaufgaben "durchgezogen" werden?

Steiner: Irgendwann wird die Frage anstehen, welcher Nutzung man das Neugebäude in Simmering zuführen soll. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von innerstädtischen Industriebrachen wie etwa das Gelände der Ottakringer und das der Schwechater Brauerei, die Mautner-Markhof-Gründe und den Nordbahnhof, die auf den Markt kommen werden.

STANDARD: Die Situation des Neugebäudes ist vergleichbar mit der der Gasometer vor dem Umbau. Für diese existierten ebenso wie für das Neugebäude unzählige Projektentwürfe. Wie sehen Sie die Zukunft des Neugebäudes?

Steiner: Der Erdberger Mais ist so was von niedergeplant worden - und ähnlich verhält es sich auch mit dem Neugebäude. Was mir an den Gasometern gefällt, ist, dass das ,Denkmal' - jetzt unter Anführungszeichen gesprochen - vernichtet wurde, die Hüllen verwendet wurden und die Stadt einfach weitergebaut wurde. Vergleichbar der Situation in Dubrovnik, das sich in den römischen Ruinen eingenistet hat. Dort wie auch bei den Gasometern ist das Vergangene vorhanden, aber mit einer neuen Schicht versehen. Ein ähnliches Vorgehen würde mir beim Neugebäude ebenfalls gefallen. Was ich mir unter keinen Umständen wünsche, ist eine Totalrekonstruktion, denn dann würden wir einen Renaissanceneubau des 21. Jahrhunderts bekommen. So eine Aufgabe wäre in Las Vegas auf jeden Fall leichter als in Wien zu lösen, weil die dortigen Architekten das ganz einfach besser können.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Wohnqualität in den Gasometern?

Steiner: Was den gesamten Wiener Wohnungsbau betrifft, spielen die 600 Wohnungen dort rein quantitativ eine untergeordnete Rolle. Sie befinden sich alle in den letzten vier Stockwerken, wodurch die Frage nach Licht und Sonne hinreichend beantwortet ist, trotz der fürchterlichen Zuschnitte, welche aber öfters auch in Altbauten gewünscht werden, möchte ich hinzufügen. Zum anderen ist festzustellen, dass sich das Wohnverhalten in den letzten fünf Jahren stark geändert hat, was sich auf die größere Mobilität zurückführen lässt. Die Menschen, die dort einziehen, gehen wahrscheinlich nicht davon aus, die nächsten 50 Jahre dort zu verbringen. Was mir bei diesem Projekt aber besonders am Herzen liegt, ist der Umstand, dass im Gegensatz zu Beispielen aus dem Ausland die Wohnungen stark gefördert und daher leistbar sind, denn nur durch das Engagement der öffentlichen Hand können Spekulationsspitzen abgefangen werden. Wobei die Stadt durch die Übernahme eines nicht unerheblichen Teils der Kubatur, in dem das Historische Archiv untergebracht ist, diesem Projekt eine zusätzliche Unterstützung angedeihen ließ. Denn hier stellt sich auf jeden Fall die Frage, ob dieser Teil auch kommerziell verwertbar gewesen wäre.
Manfred Lechner

 

Hinter den Kulissen (30. August 2001)
Facility-Management aus einer Hand steuert, überwacht und sorgt für Sauberkeit.
Unsichtbar für die Besucher und Bewohner der Gasometer sorgt im Hintergrund eine ausgeklügelte Haustechnik dafür, dass der gesamte Gebäudekomplex immer gut in Schuss bleibt.
"Erstmals wurden bei einer derart großen Anlage alle Bereiche einem Unternehmen übertragen", meint Rudolf Pfaff, Geschäftsführer von Energiecomfort, einem Unternehmen, das dem Konzern der Wiener Stadtwerke zuzurechnen ist und das im Jahr 2000 rund 195,4 Mio. S (14,1 Mio. EURO) umsetzte. "Wobei sich der Geschäftsbereich Facility Management durch die Umsatzverdoppelungen der letzten zwei Jahre besonders erfreulich entwickelt hat."
Pfaff verweist auch darauf, dass - wie bereits in den Niederlanden oder in Großbritannien - beim Facility Management großer Gebäudeanlagen seit kurzer Zeit ein Trend zu beobachten ist: "Die Betreiber beauftragen nicht mehr ausschließlich Billigstbieter, sondern sie sind bereit, mehr in die Qualität dieser Dienstleistungen zu investieren".

Rund um die Uhr
Drei bis vier Mitarbeiter überwachen rund um die Uhr die technischen Anlagen wie Brandschutz, eine eventuell notwendige Notstromversorgung sowie die Kühlung des Komplexes. Zwei Becken mit jeweils 60.000 Liter Wasser, die während der Nachtstunden auf minus sechs Grad abgekühlt werden, sorgen dafür, dass den Besuchern der Shoppingmall und der Veranstaltungshalle nicht zu heiß wird. "Diese Bereiche müssen in Spitzenzeiten stündlich mit rund 128.000 Kubikmeter gekühlter Frischluft versorgt werden", erklärt Peter Langer, Team- und Projektleiter des Anlagen- und Gebäudetechnikunternehmens Sulzer, das sowohl die Feuerschutz-Installationen vorgenommen wie auch die Kühl- und Belüftungsanlage errichtet hat. Die Zulieferung von Wärme besorgt die Fernwärme Wien.
Reinigungs- und Bewachungsdienste kauft die Energiecomfort von anderen Unternehmen zu, doch "wir achten darauf, dass ein einheitliches Erscheinungsbild gewahrt bleibt. Deshalb erledigt die Wachmannschaft ihre Arbeit in unseren Uniformen", erklärt Pfaff.

Genug zu tun
Im Gasometer B können die Wohnungsmieter auch auf die Dienste eines klassischen Hausmeisterehepaares zurückgreifen. "Rund fünf Tage, also die gesamte Arbeitswoche, benötigen wir, um alle Reinigungsaufgaben in ,unserem Gasometer' über die Runden zu bringen", erzählt Manuela Zwarel, die genauso wie ihr Mann Christian mit dem neuen Job und seinen Anforderungen sowie mit der damit verbundenen neuen Dienstwohnung äußerst zufrieden ist.
Manfred Lechner

 

Fest zur Gasometer-Eröffnung (30. August 2001)
Multi-Media-Show, Kinderprogramm, Clubbing und viele Preise.
An, auf und in den Simmeringer Gasometern werden dieser Tage die letzten Feinarbeiten erledigt.
In der mehrgeschoßigen Einkaufspassage, Shopping Mall oder „G-Town" genannt, herrscht emsiges Treiben. Es wird geputzt, gebohrt, poliert und geschraubt. Auch bei den Lieferanten und in den Geschäften herrscht Hochbetrieb. Die Lager und - viel wichtiger - die Schaufensterfronten der rund 70 Geschäfte müssen pünktlich zur offiziellen Eröffnung am Freitag mit mehr oder minder begehrten Konsumgütern befüllt werden.
Freitag ab 10 Uhr feiert Wien den Abschluss des ehrgeizigen Bauprojektes. Die Zahlen sind imposant: 615 Wohnungen, 230-Studenten-Appartements, 11.000 m[291] Büroflächen, eine Veranstaltungshalle für 4200 Besucher, das Landesarchiv mit 70.000 Laufmeter Regalen, 22.000 m[291] Verkaufsfläche in der Mall sowie zwölf Kinosäle, Geschäfte und Gastronomie im Entertainment-Center. Imposant ist auch das Bauvolumen: 2400 Millionen Schilling (174 Mio. Euro) wurden investiert.

ERÖFFNUNGS-SPEKTAKEL
Nach den Eröffnungsreden geht es erst richtig los. Bis Ende September werden den Besuchern Führungen durch die Gasometer inklusive vieler sonst nicht zugänglicher Bereiche wie Technik, Halle und Kinos und eine Dachgeschoß-Wohnungs-Besichtigung geboten. Anmeldungen bei den Info-Points in der Einkaufspassage.
Das Megaplex-Kino lädt Freitag ab 11.45 Uhr zum 60 Schilling-Tag. Alle Kino-Karten gibt es zum Einheitspreis.
Die jüngsten Gasometer-Besucher kommen ab 15 Uhr beim Confetti-Team (plus Spielstationen) auf ihre Rechnung. Um 17 Uhr startet die Premiere von „Pipi außer Rand und Band". Bereits um 15 Uhr veranstaltet „Ike Mana Tattos" seinen Body-Painting-Event.
60 Künstler und Tänzer präsentieren ab 21 Uhr das Multi-Media-Spektakel „Dancemachine". Mit Pyrotechnik, Lasershow, Musik- und Videoanimation setzen sich die Künstler mit der Geschichte des Gasometers auseinander. Zwischendurch präsentiert „H & M" seine Modeschau. Im Anschluss wird das eigene „Gasometer-Clubbing" gefeiert.
Auch die Firmen lassen sich nicht lumpen. Das „Bierometer" serviert Freibier und Gulasch. Douglas lädt zum kalten Buffet und Gratis-Schminken. Die Dessous-kette Intimissimi zeigt ihre Produkte mit Models als „lebende Schaufensterpuppen". Das Autohaus Denzel verlost einen nagelneuen Fiat. Niedermayer lockt bis Ende September mit Fassungen zum halben Preis und einer Roboter-Performance-Gruppe. Von Anker kommen Gratis-Brezeln und Preise (Glücksrad).

 

Die Gasometer eröffnen - nur Werktags (30. August 2001)
Mit dem Shopping-Center, das eröffnet wird, sind die Gasometer fertiggestellt. WIEN (no).
Freitag, zehn Uhr vormittags, ist es soweit. Mit der feierlichen Eröffnung der sogenannten G-Town, des Shopping- und Entertainment-Centers, werden die Gasometer in Simmering eingeweiht. Die meisten Wohnungen in den vier ehemaligen Gasbehältern wurden bereits an Käufer und Mieter übergeben. Am Freitag werden Hunderte Luftballons aufsteigen, dann soll die Siedlung zwei Tage lang mit Parties und Eröffnungsangeboten gefeiert werden. Ursprünglich wollten die Betreiber des Shopping-Centers auch am Sonntag feiern. Doch der Antrag, die Geschäfte ausnahmsweise bei der Eröffnung am Sonntag offen zu halten, wurde im Rathaus abgewiesen. Offenbar wollte die Stadt keinen Präzedenzfall schaffen, vermutet die Betreibergesellschaft. Die Mieter in den Shopping-Etagen sind zahlreiche bekannte Ketten. Von Anker über H & M bis zu Spar. Gastronomisch gibt es neben McDonalds kleine italienische Lokale, Bierlokale, Sekt- sowie Espresso-Bars und die unvermeidliche Sushi-Bar. Mit dem Hollywood Megaplex öffnet ein neues Riesen-Kino: In 12 Sälen finden 2.900 Personen Platz.

 

Spektakel Gasometer-Eröffnung (31. August 2001)
Heute, Freitag, steigt das große Eröffnungsspektakel bei den vier Simmeringer Gasometern. Ab 10 Uhr wird gefeiert.
Auf dem Programm stehen Gasometer-Führungen, Anmeldungen bei den Info-Points in der Einkaufspassage, Kinderspaß mit dem Confetti-Team und Body-Painting. Ab 21 Uhr beginnt der Multi-Media-Event „Dancemachine" mit Pyrotechnik, Tanz und Lasershow. Die Kaufleute der Mall locken mit Gewinnspielen, Freibier und Gulasch, Modeschau und ermäßigten Preisen. Wegen des erwarteten Andrangs wird die Anreise per U-Bahn (U3) empfohlen.

 

Ein Industriedenkmal wacht auf (31. August 2001)
Die Gasometer, Wiens angeblich "trendigste Adresse", werden eröffnet
Wien - Es ist so weit. Heute, Freitag, werden die Gasometer mit einem großen Volksfest eröffnet. Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Werner Faymann (beide SP) geben um zehn Uhr den Startschuss: Eine Wolke von gasgefüllten Luftballons soll aus den ehemaligen Gasbehältern aufsteigen. Die Betreiber der Geschäftslokale beteiligen sich mit Gewinnspielen. Für die 1981 unter Denkmalschutz gestellten vier backsteinernen Industriedenkmäler aus dem vorvorigen Jahrhundert wurde nach der Stilllegung des letzten "Gasbehälters" 1986 zehn Jahre nach einer Verwendung gesucht. In dieser Zeit wurden die Gasometer für zahlreiche Clubbings, Foto-Shootings, Filmaufnahmen und Ausstellungen benützt.
1996 wurde nach langer Diskussion ein Bauträgerwettbewerb gestartet. Die Vorgabe war, Wohnen, Arbeit und Freizeit unter einem Dach zu vereinen. Den Zuschlag bekamen die Architekten Jean Nouvel, Wilhelm Holzbauer, Coop Himmelb(l)au und Manfred Wehdorn. Das Ergebnis - um fast 2,5 Milliarden Schilling realisiert - erregt internationales Medieninteresse - und ist ab sofort zu besichtigen.
In der Shoppingmall wird neben 70 Geschäften auch ein Kinopalast eröffnet - übrigens das einzige Kino in Simmering. Dies mache die Gasometer, so die Betreiber, zu einer "der trendigsten Adressen Wiens".
Noch dazu zu einer erreichbaren: Die U3 fährt seit Dezember 2000 bis vor die Tür, in weniger als zehn Minuten ist man im Zentrum. Der Prater ist - wenn auch nicht mit der U-Bahn - auch in wenigen Minuten erreicht.
Die Eröffnung hat auch auf den Nachtbusfahrplan der Wiener Linien Einfluss: Ab Sonntag fährt die Linie N75 zwischen der Oper und der neuen Endstation bei der U3-Station Gasometer.

Andere neue Linien
Fernab der Gasometer "verändern" sich auch andere Öffi-Linien: Ab Samstag verkehren die Busse der Linie 37A werktags von der Dänen- straße bis zur neuen Endstelle Engerthstraße/Traisengasse. Verkürzt wird die Linie 35A: Ebenfalls ab 1. September führt sie von Salmannsdorf zur Spittelau. (kaf)

 

Gasometer eröffnen (31. August 2001)
Noch werden die letzten Handgriffe erledigt, trotzdem ist es heute, Freitag, offiziell: Die vier Gasometer in Simmering öffnen nach einer zweijährigen Umbauphase ihre Pforten. Und alle Wiener sind eingeladen mitzufeiern. Schon am Vorabend drängten sich Promis aus Politik, Wirtschaft und Kunst bei der großen VIP-Party.
Sie waren heiß begehrt und wurden sogar auf dem Schwarzmarkt gehandelt, die Einladungen zur VIP-Party im Gasometer. Und so kam es, dass statt 2000 Gästen knappe 4000 das rauschende Fest feierten: "Die Gasometer haben sich in eine richtige Modemetropole verwandelt. Ich finde es toll, was aus diesen stummen Zeugen heimischer Industriegeschichte gemacht wurde", schwärmt Sanela. Die Verkäuferin hat ihren neuen Job in den umgebauten Gasbehältern gefunden, genauer gesagt in einer Boutique in der überdachten Shoppingmeile, die die Gebäude verbindet.
Gleich am heutigen Eröffnungstag (10 Uhr) lockt das Shopping-Paradies mit zahlreichen attraktiven Angeboten: So zeigt ein Dessous-Geschäft seine Kollektionen anhand von lebenden Models, eine Parfümeriekette schminkt gratis ihre Kunden und ein Brillendiskonter bietet alle Fassungen zum halben Preis an. Außerdem sorgt ein Beisl mit Freibier und Gulasch zum Nulltarif für das Wohl der Besucher. An die Gasometer ist übrigens ein Kinocenter mit knapp 3000 Sitzplätzen angeschlossen. Wobei heute, Freitag, jede Vorstellung 60 Schilling kostet. Auf dem Programm steht unter anderem der Leinwandhit "Planet der Affen".
Auf die Sprösslinge wartet ab 15 Uhr das ConAlle, die gern "Gasometer schaun" möchten, haben derzeit die Möglichkeit, hinter die Kulissen des gigantischen Wohn-Freizeitzentrums zu blicken. Denn bis Ende September finden in der "G-town", wie das neue Viertel heißt, Führungen statt. Näheres beim Info-Point in Gasometer B.
In anderen Städten wurden funktionslose Gasbehälter einfach weggesprengt, in Wien hat man ihnen neues Leben eingehaucht . . .
Martina Münzer

 

Cooles Studentenheim im Hightech Design (1. September 2001)
Vier denkmalgeschützte ehemalige Gasbehälter (Gasometer) beheimaten ab September im Bau B ein Studentenheim mit 247 Heimplätzen. Im Hightech-Heim können sich zwei bis fünf Studenten kleine Wohneinheiten mit indivduell nutzbaren Zimmern teilen.
Man kann zwischen 199 Einzel- und 24 Zweibettzimmern wählen. Die Miete beläuft sich im Monat auf 2500 bis 3500 Schilling (inkl. Heizung, Strom, Warmwasser, Steuern und Putzfrau).
Jede Wohneinheit verfügt über Kleinküche, Badezimmer, und Toilette. Gemeinschaftsräume wie: Cafe´, Fitnesstudio, Sauna, Dampfbad, Partyraum und Bar stehen im Haus zur Verfügung.Das Architeckten-Team Coop Himmelb(l)au achtete besonders auf Funktionalität und Wohngefühl. So ist es möglich mit zusätzlichen Ausstattungsaccessoires, wie mit modischen indiviuellen Möbelbezügen sein Zimmer selbst zu gestalten.
Für das Wintersemester 2001 sind schon alle Plätze vergeben. Doch wer sich frühzeitig für 2002 anmeldet ergattert sicher eine freie Wohnung.

 

Eitel Wonne, Sonnenschein (1. September 2001)
Es war ein Tag zum Feiern. „Ich bin stolz auf dieses Projekt, das Wohnen und Arbeit vereint und die Gasometer als traditionsreiches Symbol des Industriezeitalters mit neuem Leben erfüllt", sagte Bürgermeister Michael Häupl. Internationale Gäste und sogar der Bürgermeister von Paris seien angereist, um sich die Gasometer anzuschauen.
„Um das umliegende Areal mach' ich mir keine Sorgen", sagt Häupl. „Ich bin sicher, es wird mehr Projekte geben, als freie Flächen vorhanden sind."
„Innovative Architektur zu leistbaren Preisen ist seit mehr als 80 Jahren ein Prinzip des sozialen Wohnbaus in Wien", stellte SP-Wohnbaustadtrat Werner Faymann fest. „Jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts wird diese Tradition mit zeitgemäßen Materialien und Architektur in den Neubaugebieten fortgesetzt."
Ein paar Kleinigkeiten gilt es noch zu erledigen. Die Guglgasse ist die Grenze zwischen Simmering und Erdberg und trennt Gasometer von Kinozentrum. Die beiden Bezirke müssen sich noch auf einen genauen Grenzverlauf einigen.

 

Eröffnungsrummel in den Gasometern (1. September 2001)
Neugier, Interesse, Sonderpreise und Gewinnspiele lockten Tausende nach Simmering.
Die Neugier war groß. Bereits bei der Anreise per U 3 wurde über die Gasometer gesprochen. „Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie man da wohnt", raunte eine ältere Dame ihrem Begleiter zu.
Knapp vor zehn Uhr wurde es vor dem Eingangsbereich der Shopping Mall (Gasometer A) langsam eng. Das Publikum war bunt gemischt.
Tausende ältere Wiener, Jugendliche, Familien mit Kindern und sogar Interessierte aus Amerika und Berlin hatten sich eingefunden.
Das offizielle Wien, vertreten durch Bürgermeister Michael Häupl, Wohnbaustadtrat Werner Faymann und die Bezirksvorsteher Erich Hohenberger und Othmar Brix, wollte die Besucher-Neugier nicht über Gebühr strapazieren und hielt sich an das Sprichwort „in der Kürze liegt die Würze".
Statt Durchschneiden eines Eröffnungsbandes drehte Michael Häupl den alten Gasregler vor dem Eingang der Mall.
Von da an herrschte der fast übliche Eröffnungsrummel mit Geschiebe und Gedränge. Zu sehen gab es vieles, und viele kamen. Die 70 Geschäfte der durchgehenden Einkaufspassage punkten mit einem bunten Branchenmix.
Eröffnungspreise, Freibier, Gulasch und Gewinnspiele üben offenbar noch immer magischen Reiz aus. Großer Hit waren beispielsweise die Micro-Scooter, die um 199 Schilling pro Stück „verschleudert" wurden. Im Entertainment Center (zwölf Kinosäle, Gastronomie), das von der Mall über eine Glas-Stahl-Konstruktion zu erreichen ist, lockten verbilligte Kinokarten. Auch bei Gasometer-Führungen herrschte großer Andrang. Das Wohnen im Industriedenkmal interessierte die Besucher sichtlich.
Die Gasometer sind demographisch gesehen eine Stadt der Jungen und Singles. Der Altersschnitt liegt knapp über 30 Jahre. Derzeit feiert die „Gasometer-Community" ein Estrich- und Kennenlernfest nach dem anderen. Die städtischen Wohnexperten rechnen bald mit viel Betrieb im Kindergarten neben dem Gasometer D. Statistischer Ausreißer ist eine 75-jährige Dame, die ihre Wohnung per Internet gefunden hat.
Den Besuchern gefiel es. „Ich kam aus reiner Neugier", sagt Helmut Domnanich aus Ottakring, „mit der U 3 sind wir in 20 Minuten hier." Der 42-jährige Buchhalter und auch Töchterchen Sandra sind recht angetan. „Der Umbau ist gelungen. Für Simmering ist das eine Bereicherung, sonst ist hier ja nix los."
„In die Gasometer zum Einkaufen zu fahren, ist eine Überlegung wert", meint Michaela Reiter aus Meidling. „Das Angebot ist ansprechend, und außerdem bin ich überrascht, dass am ersten Tag alles reibungslos funktioniert." Die 33-jährige Architektin möchte unbedingt auch die Wohnungen besichtigen: „Das Raumerlebnis ist sicher besser als im üblichen Sozialbau."
Josef Rietveld

 

Hans Dichand schenkt den Wienern eine Stadt (1. September 2001)
Die neuen Gasometer wurden gleich zweimal eröffnet
Wien - Man war dankbar. Schließlich, waren sich einflussreiche Rathäusler einig, "hätte er ja auch beschließen können, dass ihm das - wie beim Museumsquartier der Leseturm - nicht gefällt. Dann hätten wir es schwer gehabt." Aber er war gnädig: Hans Dichand mag die Gasometer. Immer schon. Darum ließ es sich Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) Donnerstagabend bei der VIP-Eröffnung der vier Simmeringer Backsteinzylinder auch nicht nehmen, dem Chef der Kronen Zeitung dafür zu danken.
Der alte Mann nahm die Huldigungen gerne entgegen: Auch wenn er angeblich lieber seinen Hund streichelt als Macht auszuüben, ist eine Vorführung der realen Verhältnisse hin und wieder nett. Noch dazu vor ein paar Tausend wichtigen Leuten.
Außer ein paar Kindern ("Mama, was ist an dem Shoppincenter da so besonders?") zeigten die sich dem Anlass entsprechend würdig und stolz: "Ein neues Wahrzeichen für Wien", freute sich Bürgermeister Michael Häupl - und wiederholte dies auch am Freitag, als die Gasometer-Shoppingmall für das Volk eröffnet wurde.
Dieses blickte ergriffen in den Himmel schwebenden Luftballons nach, drängte zu Gratisbrezel und Gewinnspiel und freute sich an den Gasometer-Sonderbeilagen diverser heimischer Medien.
Die vernichtende Kritik deutscher Zeitungen blieb draußen: Die Zeit merkte etwa an, dass die hier realisierte Idee des "Urban Entertainment Centers" überall angedacht, aber nirgendwo verwirklicht worden sei: "Selbst im Osten (wollen) viele Leute die immer gleichen Fix-und-Fertig-Paradiese nicht mehr sehen." Die Architektur sei "kläglich und kleinkariert". Aber das, was auch die FAZ als "Enge" erkennt, heißt in Wien eben offiziell "kommunikative Wohnungen".

Milliardenbaustelle
Aber die Deutschen sind nur neidig: Die Gasometerbaustelle war schließlich größer als die am Potsdamer Platz in Berlin, berechneten die Wiener Baustellenbetreiber. Die müssen es schließlich wissen, denn sie haben um 2,5 Milliarden Schilling 60.000 m^(3) Aushubmaterial verladen und weggebracht, dafür 42.000 m^(3) Beton, elf Tonnen Stahl und Tausende Fenster und Türen verbaut.
Daraus wurden: 605 Wohnungen, 247 Plätze im Studentenheim, Büros, eine Veranstaltungshalle samt Gastronomie, ein Kindertagesheim, neue Räume für das Landesarchiv. Und wie in jeder in letzter Zeit erbauten größeren Wohnanlage wurde auch hier für die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Bürger und Bürgerinnen vorgesorgt: zum Geldausgeben gibt es die obligate Shoppingmall - mit all jenen bekannten Markengeschäften, die es jetzt halt auch in Simmering gibt. (aw, rott)

 

Von null aud hundert: Gasometer-City (1. September 2001)
Um elf am Vormittag war Schlüsselübergabe für das kleine Studenten-Studio: Umzug mit ein paar Koffern, es ist ja praktisch alles drin in der guten Bude, was der Mensch, vor allem der junge, so braucht.Abends wurde gefeiert, nicht vier oder fünf oder sieben Leute kamen, sondern ein paar tausend. Gasometer-City eröffnet; von null auf hundert war die Stadt aufgedreht. Falls so eine neue Stadt auch einen Geist hat: Diese hat einen guten.
Was für eine Stimmung bei der größten Housewarming-Party der Welt: Wow & Wahnsinn; ja, das ist wirklich toll hier. Man stürmt die Gasometer-City, und es ist nicht nur wegen Würstl und Freibier, sondern weil man das einfach gesehen haben muss.
Die Studentin aus dem Studio, Milena heißt sie, hatte die eigene Bude auch so voll wie noch nie. Man glaubt gar nicht, wie viele Freunde und Bekannte man plötzlich hat, wenn man eine Kajüte auf diesem Zukunfts-Dampfer bewohnt. Nur kurz einmal einen Blick hineinwerfen. Dürfen wir auch hereinschauen? Was, dieser Super-Mikrowellenherd gehört zum Inventar? Ist ja irre.
Und es wird noch viel verrückter werden. Leute, die um drei Ecken mit Bekannten von Milena bekannt sind, melden sich zu kleinen Visiten an. Aus Ottakring, aus St. Pölten, aus Innsbruck. Ja, wer so viele liebe Freunde hat, muss bald Zählkarten ausgeben.
Und wie war die erste Nacht auf dem Zukunfts-Dampfer, Milena? Wunderbar. Nur dass ihr träumte, ein paar tausend Leute würden über ihr Kissen schlurfen.
Nein, einsam wird sie niemals sein in der Gasometer-City. Die Stadt lebt. Von null auf hundert; von heute auf morgen.

 

Stadt erwacht: Guten Morgen, Gasometer! (1. September 2001)
Wien. - Sie ham mehr als a Haus baut! 1630 Arbeiter der verschiedensten Nationalitäten haben zwei Jahre lang an dem neuen Wiener Wahrzeichen gearbeitet. Das Ergebnis: Vier zylindrische, rund 75 Meter hohe Gebäude aus rotem Ziegelmauerwerk mit einem Außendurchmesser von 64,90 Metern. Kein Wunder, dass schon am Vorabend des großen Eröffnungsfestes vom Freitag tausende in die Gasometer-City "gepilgert" sind. Höhepunkt der ersten Präsentation war der Druck auf den roten Knopf: Hunderte bunte Scheinwerfer gingen an und bestrahlten die Gasometer mit buntem Licht, eine Panzertür öffnete sich und die Gästemassen wälzten sich durch den Glasgang vom Entertainment-Center in die Gasometer. Das Areal, auf dem die Gasometer stehen, gehört geologisch zur Simmeringer Haide. Der neue Stadtteil besteht unter anderem aus mehr als 600 Wohnungen und 247 Studentenheimplätzen. Sogar das Wiener Riesenrad würde in jedem der Gebäude Platz haben.

 

Geldinstitut in Gasometer (2. September 2001)
Schalter ohne Kassen nichts für Bankräuber.
Die auf junge Menschen zugeschnittenen Gasometer warten mit einer Neuerung bei den Öffnungszeiten auf: eine Bank, die Montag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr Kunden betreut. Zudem verzichtet das Geldinstitut auf Kassenschalter. Für Räuber kein lohnendes Ziel...
Das Durchschnittsalter der in den Gasometern lebenden Bewohnern überschreitet nur knapp die 30er-Grenze. Die früheren Industriedenkmäler sind ganz auf junge Leute zugeschnitten. Auf diese völlig neue Wohnstruktur hat unter anderem ein Geldinstitut reagiert, das Spätaufstehern und gestressten Menschen mit nach hinten verlegten Öffnungszeiten das Leben erleichtert. "Nebeneffekt": Die Volksbank-Filiale kommt ohne Kassenschalter aus. Automaten spucken die Scheine aus - was einen Coup für Bankräuber nahezu unmöglich macht...

 

Gut Neid (3. September 2001)
von Karl Hohenlohe
etzt hat man die Gasometer eröffnet. Endlich kamen die essenziellen Unterschiede zwischen Architekten und Kolumnisten zum Tragen. Während unsereins jeden Zunftbruder bei einer gelungenen Pointe neiderfüllt zum Teufel wünscht, waren die vier Gasometerarchitekten ein Herz und eine Seele.
Ganz vorne sprach Herr Häupl, in der ersten Reihe das Gasometer-Quartett, in der zweiten Reihe Meister Hollein.
Wäre ich an seiner Stelle gewesen, ich hätte bei jedem lobenden Wort des Bürgermeisters laut aufgelacht und entrüstet den Kopf geschüttelt. Dann wäre ich aufgestanden, hätte mit der Linken herrisch in Richtung der Türme gedeutet und mit dem rechten Daumen nach unten gezeigt. In dieser Haltung wäre ich die restliche Veranstaltung verharrt. Wäre Mortier da gewesen, er hätte sich dazugesellt, „News" hätte uns fotografiert, und es wäre ein Riesenremmidemmi gewesen.
Aber leider, Professor Hollein verzog keine Miene, und ich war nicht einmal sicher, ob es in seinem Inneren überhaupt ansatzweise brodelte.
Nach den Ansprachen eilte ich also zu ihm und flehte förmlich um ein paar negative Aussagen, wenigstens eine kleine, spitze Bemerkung zu den runden Türmen, aber Hollein blieb hart, und ich war doch sehr enttäuscht.
Langsam muss man sich wirklich Sorgen machen, dass es in Richtung neidlose Gesellschaft geht.

 

Stadtarchiv geöffnet (3. September 2001)
Heute, Montag, wird das Wiener Stadt- und Landesarchiv im Gasometer eröffnet. Der Besucherraum ist an Werktagen vormittags bzw. nachmittags zugänglich..

 

Gasometer: Geparkt wird in der Unterwelt (4. September 2001)
Mit der Gasometer-City sind auch die drei Tiefgaragen von "G-town" fertig geworden. Sie befinden sich in den Türmen A und C sowie im gegenüberliegenden Unterhaltungszentrum. Ein spezielles Leitsystem soll verhindern, dass Autofahrer sich in der "Unterwelt" der Gasometer verirren.

 

Der Mann hinter dem Gasometer (9. September 2001)
STECKBRIEF Projektmanager Reinhard Mechtlers Großbauten
Herr Mechtler, ich brauche Sie sofort. Können Sie gleich anfangen?", wurde der frischbackene Absolvent der Uni für Bodenkultur und Ex-Praktikant von seinem Boss gefragt. Reinhard Mechtler sagte ja. Und bereut heute noch, dass er nach seiner Sponsion nicht sechs Wochen auf Weltreise ging.
Heute betreut er in dem Ziviltechniker-Büro Fritsch, Chiari & Partner als Projektmanager für Gasometer und Museumsquartier die prestigeträchtigsten Bauprojekte Wiens. „Man muss als Projektleiter eine gemeinsame Vision mit allen Beteiligten haben. Und man muss sich selbst überzeugen, ob so ein Projekt funktioniert oder nicht. Das ist kein Job, der einfach so abzuwickeln ist."

EIN BLATT PAPIER
Dann geht es um die Grundlagen der Entscheidungsfindung. „Ich erinnere mich, als die Architekten Ende 1996 die ersten Skizzen auf einem Blatt Papier machten, was man im Gasometer planen könnte." In den nächsten drei bis vier Monaten wurde auch im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Nutzung definiert: Wohnungen, Büros, Geschäfte, Mall, Veranstaltungshalle. Dann folgten erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen. „Man darf sich nie vorstellen, welche Schwierigkeiten es geben könnte - die kommen automatisch."

RÜCKSCHLAG
Was ging in ihm vor, als am 10. Februar 2001 im Gasometer die Decke der Konzerthalle einstürzte? „Zuerst hat man eine zweistündige Schrecksekunde." Doch Mechtler gewöhnte sich in den Jahren des Stresses an, „nach außen hin eine gewisse Gelassenheit zu zeigen" (Mechtler), um in jeder Situation Ruhepol des Projektes zu bleiben. Nach dem ersten Schock bildete er ein Kernteam mit Statiker, ausführender Firma, Generalunternehmer, Sonderfachleuten. „Dann ging es sehr informell über die Bühne."
Von Projekthandbüchern und einem engen Zeitkorsett hält Mechtler wenig: „Jedes Projekt ist sehr unterschiedlich. Wenn wir jede Tätigkeit aufgelistet hätten, wären wir noch im Rohbau." Sinn einer Projektsteuerung sei es, Rahmenbedingungen vorzugeben, „doch als Projektleiter muss man auch lernen zu delegieren und die Kreativität aller Beteiligten zu schätzen."
In dem 8-köpfigen Gasometer-Leitungsteam hatte jeder seinen definierten Arbeitsbereich. Außer Mechtler, dem „Mädchen für alles" (Mechtler), der von Konfliktmanagement bis Führungen für Prominente alles macht und „für den Beruf lebt".

STRESS ABBAUEN
Druck ablassen und Energie tanken kann Mechtler bei Bergsteigen, Mountainbiken und Basteln. Aber viel Zeit bleibt ihm nicht: Während der Woche trifft man ihn bereits um fünf Uhr im Büro an, „weil um diese Zeit kein Telefon läutet." Seine Frau sei glücklicherweise sehr verständnisvoll, so Mechtler, und seit sie in seiner Firma arbeitet, sehen sie einander im Büro öfter als zu Hause. Aber irgendwann muss Pause sein: „Manchmal schreibt sie mir vor, jetzt endlich wieder auf Urlaub zu gehen."

 

Rekordbesuch in den Gasometern: 250.000 kamen (11. September 2001)
250.000 Besucher kamen in der ersten „normalen" Woche in die neu eröffneten Gasometer. Dies verhalf den 70 Shops zu rekordverdächtigen Umsätzen. Jeweils Freitag, Samstag und Sonntag bis Ende September gibt es noch Führungen, dabei werden auch sonst nicht zugängliche Bereiche wie Technik und eine Dachgeschoßwohnung gezeigt. Anmeldungen am Info-Point im Gasometer B, die freien Termine findet man unter www.g-town.at

 

Snowballs Rache (14. September 2001)
Mit der "G-town" in den Gasometern eröffnete der jüngste der in Wien grassierenden Entertainment-Komplexe. Und so was wie Gastronomie gibt es hier auch.
Schöne, neue Shoppingwelt: Supermärkte, Boutiquen, Handy-Shops, ein Autosalon, Bankomaten und dazwischen eine große Zahl typischer Shoppingmall-Gastronomie aus der Retorte. An der Menge der bereits existierenden und demnächst noch kommenden Lokale in der neuen "G-town", dem Entertainment- und Shoppingcenter in den Untergeschoßen der Gasometer in Simmering, würde es ja nicht fehlen: 14 Outlets für schnell zu verabreichende Nahrung existieren im gesamten Komplex, genug, dass man dem zarten Frittiergeruch in keinem Winkel der Mall entgehen kann.
So gibt es einen McDonald's, es gibt eine Sekt- und Kaffeebar, es gibt eine "Prosciutteria" mit Paliofahnen aus Siena. 2600 Quadratmeter standen für gastronomische Nutzung bereit und wurden hauptsächlich von jenen belegt, die schon in den diversen Cineplexen Wiens einen starken Auftritt haben. Und ist das qualitative Spektrum der Nahrung auch schmal, so ragen einige der Lokale zumindest optisch ein wenig aus dem Einheitsbrei hervor. Der Cocktail- und Cafébar-Zwitter "Sidewalk" in der 43 Meter langen Verbindungsbrücke zwischen Gasometer und dem Kinocenter zum Beispiel erinnert angenehm an den gläsernen Flughafen Barcelonas, die leuchtenden Tische an Ridley Scotts Bladerunner, der Espresso holt einen dann wieder auf den Boden der Wiener Realität zurück.
In der "Urban Lounge", kontemporär in Szene gesetzt, bekommt man Crêpes, Galettes, Lachsröllchen und Schinkenfleckerl serviert, erstere gefüllt etwa mit Chili con Carne, Spinat und Schafkäse oder Pute, Sojakeimlingen und Bananen-Currysauce. Einfach köstlich. Im nebenan gelegenen "Bierometer", dem Idealbild des Retortenpubs ziemlich genau entsprechend, konzentriert man sich mehr aufs Gebackene von Schwein, Huhn, Emmentaler und Champignon, und führt den Beweis, dass Wiener und Panier einfach ein unzertrennliches Paar sind. Im Gegensatz zu Wiener und Sushi auf dem Fließband. Die Reisriegeln mit dem rohen Lachs fließen im "Ghinza" nämlich durch ein einigermaßen leeres Lokal, aber wie man weiß, wird roher Fisch - so wie Gulasch - mit der Zeit ja immer besser.
Der kulinarische Überhammer der "G-town" aber ist ein doch recht weitläufiges Restaurant namens "Movie". Mit Hilfe von antiken Projektoren, Filmplakaten, Scheinwerfern und Kulissenwänden versucht man hier, ein Studio-Feeling zu evozieren, die Karte hält Gerichte bereit, die Namen wie "Basic Instinct" (Waffeln mit Ahornsirup) oder "Spartakus" (Lammkrone mit Polentanockerl) tragen. "Hallo- ween", eine angeblich aus Kürbis gefertigte Suppe, bestand jedenfalls hauptsächlich aus Obershaube und Wasser (öS 57,79 /EURO 4,2), "Der Sizilianer" erwies sich als Haufen eher mittelguter Fertigantipasti mit Salat und Tubenmarinade (öS 94,95 /EURO 6,9). Die "Karate Kid"-Dim Sum, fettige Knusperteigröllchen mit Kunstkrabben-Fülle, wurden durch die süß-scharfe Sauce erträglich (öS 75,68 / EURO 5,5), die lächerlich kleine Portion Schweinstournedos mit Instantsauce und welkem Salatblatt trug tatsächlich den Namen "Animal Farm". Die Freude an dem Gericht blieb aber nicht nur deshalb aus, weil man an Snowballs Schicksal denken musste.
Alles Plastik, alles künstlich, Essen vom Fließband. Eltern tun gut daran, ihren Kindern beim Besuch der "G-town" McDonald's Hamburger ans Herz zu legen.
Florian Holzer

 

Mährisch Selbstmord (14. September 2001)
Weltstadt Wien. Von Ulrich Weinzierl
Wien zeigt Größe. Zumindest mit sprachlichen Superlativen. Das Museumsquartier (MuQua) war "Europas größte Kulturbaustelle". Die "Gasometer-City" gar die "größte Baustelle Mitteleuropas". Das soll den Wienern einmal jemand nachmachen. Erst wenige Wochen sind seit den Begräbnisfeierlichkeiten für den Dinosaurier MuQua verstrichen, und schon ist der nächste ästhetische Trauerfall eingetreten. Statt Todesanzeigen erscheinen in österreichischen Zeitungen und Magazinen Jubelbeilagen. Dort schwärmt man von "Tower-Power" und Wiens "neuer Supercity". Architekturkritiker haben bloß die Qual der Wahl: vor Schreck zu verstummen oder vor Wut zu schnauben.
Die vier riesigen einstigen Gasbehälter - Ziegelzylinder mit Kuppel und Laterne - sind Zeugen der Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts. Und, wie der Zentralfriedhof, ein Wahrzeichen des Bezirks Simmering. Jetzt haben renommierte Architekten das leere, funktionslose Innere mit Wohnungen, Büros, einer Veranstaltungshalle, dem bedauernswerten Stadt- und Landesarchiv und einer durchgehenden Einkaufsmeile voll gestopft (Gesamtinvestition: 350 Millionen Mark). Die Außenhaut blieb aus Gründen des Denkmalschutzes erhalten. Doch einzig und allein Jean Nouvel schaffte es, seiner Fülle der historischen Hülle Ansätze von Großzügigkeit und kühler Eleganz zu verleihen. Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer von "Coop Himmelb(l)au" begnügten sich mit dem Chic kommunaler Wohnsilos, die an überdimensionale Knautschzonen nach der Karambolage erinnern. Darüber vermag selbst der "Schild", ein an den zweiten Gasometer Richtung Donaukanal angedockter Serienknickbau des einst kühnen "Coop Himmelb(l)au"-Duos Prix und Swiczinsky, nicht hinwegzutäuschen.
Absolute Trostlosigkeit aber herrscht im angegliederten "Entertainment Center" - samt seinen Betrieben der Erlebnisgastronomie, dem Sex-Shop mit Selbstbedienung und dem Dutzend Kinosälen. Noch vor kurzem hieß der Komplex "Pleasure dome". Was man in der Gasometer-City alles tun kann? Mit dem Titel eines englischen Erfolgsstücks gesagt: "Shoppen & Ficken". Beides jedoch auf äußerst unbefriedigende Weise. Tadellos wirkt einzig und allein die Verkehrsanbindung. Dank der U-Bahn vor der Tür der "Gasometer-City" ist die echte City binnen Minuten zu erreichen. Der Name der Station müsste freilich geändert werden: Von "Gasometer" zu einer vom seligen Friedrich Torberg ersonnenen Ortsbezeichnung: Mährisch Selbstmord.

MATRIX

 

e-living im gasometer. ein lokalaugenschein (16. September 2001)
Von Markus Widmer
Das Gasometer-Projekt ist in vieler Hinsicht ein Experiment. Architekten, Denkmalschützer und Stadtplaner sind neue Wege gegangen, um aus den alten Gasbehältern einen neuen Stadtteil zu machen. Nicht zuletzt sind die Gasometer aber auch ein riesiges Pilotprojekt für die Idee des vernetzten Wohnens. Die technischen Voraussetzungen stimmen: Jede Wohnung ist mit einem Internet-Anschluss ausgestattet, mehrere Provider bieten Breitband-Verbindungen an. Mindestens so wichtig ist aber, dass auch die Versuchskaninchen bestens ausgewählt sind.
"Es ist natürlich im ersten Schritt gescheit, ein Projekt dort anzufangen, wo man weiß, dass die Aufnahmemöglichkeit von den Leuten, die da leben, relativ groß ist. Und das ist natürlich bei den Gasometern, so hip und trendig wie die jetzt sind, auch vorauszusetzen gewesen."
Andrea Schaffar ist Leiterin des Projekts e-living der Firma Mainwork, die für die Vernetzung der Gasometer C und D zuständig ist. Im Auftrag des Bauträgers GESIBA erstellt Mainwork ein Community-Konzept für das gasometer-eigene Intranet.Tatsächlich liegt der Altersschnitt der Gasometer-Bewohnerinnen und Bewohner bei nur 31 Jahren. Der typische Mieter oder Wohnungsbesitzer ist jung, gebildet, single und mit dem Internet vertraut. Ideale Voraussetzungen also für ein Experiment in virtuell unterstütztem Wohnen. Was aber will der Versuch erreichen? Rainer Oberzaucher, Community Manager des Multimedia-Providers für Turm A und B, Global Home.
"Unser großes Anliegen ist es eigentlich, die Anonymität der Großstadt etwas zu brechen, so eine Art Dorfcharakter auch in die Stadt zu bringen. Die Menschen sprechen nicht mehr miteinander, die Bassena-Gespräche gibt's nicht mehr. Und so versuchen wir, die Scheu der Menschen, miteinander zu sprechen, zuerst vielleicht online abzubauen und sie danach onland, oder off-line, zusammenzubringen."
Die Idee klingt paradox. Man will die Anonymität in der realen Welt mit einer Online-Community bekämpfen. Dabei sind Online-Communities selbst durch und durch anonym. Man versteckt sich hinter Nicknames und ist der, der man gerade sein will. In den Gasometern soll aber aus diesem Versteckspiel eine reale Gemeinschaft entstehen. Für Andrea Schaffar muss das kein Widerspruch sein.
"Das glaube ich insofern nicht, als dass es leichter ist, in der Virtualität einmal Kontakt aufzubauen, weil es eben auch anonym ist, und dass wenn das Interesse dann da ist, es auch ganz einfach ist, und das ist der Gedanke auch dahinter, zu sagen, gehen wir doch auf einen Kaffee. Und es gibt eh irrsinnig viele Kaffeehäuser jetzt in der G-Town unten, und nutzen wir das doch aus. Man hat aber die Möglichkeit auszuwählen, und es ist nicht so, dass man dann vorher nicht weiss, auf wen man trifft, sondern man hat schon ein gewisses Bild von demjenigen. Und die Möglichkeit soll dadurch auch gegeben sein."
Hinter den Nicknames sollen also bald reale Gesichter auftauchen und auch echte Namen. Ist diese Verbindung zwischen Virtualität und Realität einmal geschafft, verliert auch das Online-Forum seinen anonymen Charakter. Genau bei diesem Punkt liegt für Rainer Oberzaucher die Chance des Projekts Gasometer und die Zukunft von Internet-Communities.
"Diese Anonymisierung im Online-Geschäft und dieses Verstecken hinter einem Nickname, glaube ich, wird à la longue ausgedient haben. Es hat natürlich seinen Reiz, sich auszutoben, hinter einem Nickname versteckt verschiedene Persönlichkeiten anzunehmen, Rollenspiele zu veranstalten. Aber im Endeffekt, das wird auch jeder schon gemerkt haben, wird das nach einiger Zeit etwas fad, nicht wirklich man oder frau selbst zu sein, und man hat auch oft das Anliegen, gewisse Menschen vielleicht auch zu treffen, mit denen man sich online gut versteht, um zu sehen, ob das nun wirklich dieser Mensch ist, und ob er wirklich diese Hobbies hat und wirklich diese Interessen auch hat."
Sowohl Global Home als auch E-Living wollen auf ihren Websites eine Basis für den nachbarschaftlichen Austausch im Internet schaffen. Die Bewohner der Gasometer sollen dort tratschen können oder die neusten Informationen der Gebäudeverwaltung lesen. In Börsen tauscht man Umziehkartons gegen Zimmerpflanzen oder Babysitten gegen Postkasten-Leeren. Natürlich steht dahinter auch ein kommerzielles Interesse: Global Home bietet in den Gasometern Satellitenfernsehen, Telefon- und Internetanschluss an und will die Online-Community auch zur Pflege ihrer Kundenbeziehungen nutzen. Mainwork verspricht sich durch 'e-living' lukrative Kooperationen mit den Geschäften im Einkaufszentrum der Gasometer.
Gänzlich ohne kommerzielle Interessen arbeitet dagegen gasometer.cc &endash; eine Website, die schon jetzt beweist, wie gut der Übergang von virtueller Community zu realer Gemeinschaft funktionieren kann. Entstanden ist das Portal schon Monate vor dem ersten Einzugstermin. Der Informatikstudent Andreas Pöschek, selbst stolzer Besitzer einer Wohnung im Gasometer C, hat das Projekt initiiert - auch als Alternative zu den kommerziellen Anbietern.
"Der große Unterschied ist, dass hier eine Gruppe von Leuten diese Community gestaltet. Diese Leute sind von den Gasometern und gestalten für die Mitmenschen, die hier Wohnen, den Inhalt, bzw. jeder kann mitwirken, jeder kann Artikel schreiben, bzw. seinen Beitrag leisten. Außerdem werden im Gegensatz zu den anderen Angeboten von uns auch Aktivitäten geplant, wie zB Fußballmatchs, wo die Gasometerbewohner gegeneinander spielen, turmweise, oder Ausflüge, Fahrradtouren usw."
In den Gasometern scheint also tatsächlich eine fast dörfliche Gemeinde mit ihrem harten Kern, ihren Festen und Vereinen zu entstehen. Natürlich bleiben da auch die negativen Seiten der Dorfgemeinschaft nicht aus. Wer zum Beispiel gegen die gängige Begeisterung für die Gasometer redet, muss mit wüsten Beschimpfungen rechnen. Wer seinen Müll am falschen Ort liegen lässt, dummerweise noch mit der Adresse drauf, wird ebenfalls an den virtuellen Pranger gestellt.
Trotzdem muss man feststellen, dass das Projekt 'vernetztes Wohnen im Gasometer' im kleinen Rahmen schon jetzt ein Erfolg ist. Und das noch bevor die beiden kommerziellen Anbieter ihre Marketing-Offensive gestartet haben, und lange bevor alle technischen Möglichkeiten ausgereizt sind. In der Gasometer-Community ist jedenfalls von der Anonymität der Großstadt nichts zu spüren. Die Abfall-Sünderin aus Gasometer A wird sie sich schon zurückwünschen.

 

Wien sicher sind Hochhäuser? (22. September 2001)
Bauliche Ausstattung gilt als gut, Übungen für den Ernstfall sind freiwillig.
Vor solchen Ereignissen kann man sich nicht schützen", kommentiert Michael Janotta vom internationalen Immobilienberater Richard Ellis den Einsturz der beiden Türme des New Yorker World Trade Centers nach dem Terror-Angriff. „Wir haben die begründete Hoffnung, dass Türme hier zu Lande länger standhalten", erklärt Otto Raschauer, Hochbauspezialist des Porr-Konzerns und für die Errichtung des Florido Towers zuständig. Diese Hoffnungen fußen in erster Linie auf der unterschiedlichen Bauweise. Während in den USA traditionell mit Stahl gebaut wird, sind heimische Türme in Stahl-Beton errichtet. Daher wird erwartet, dass bei einem Brand bzw. einer Explosion der Kern des Gebäudes länger stehen bleibt, sodass für die Räumung des Gebäudes mehr Zeit bleibt.
Ebenfalls mit modernen Sicherheitseinrichtungen ausgestattet ist die neue Gasometer-City. Durch ein zentrales Lautsprechersystem werden die Bewohner und Besucher im Ernstfall informiert. „Brandschutz und Notfallsübungen fanden noch keine statt, da die Bewohner noch im Einziehen sind.", sagt Herbert Strobl, Center-Manager der Gasometer-City.
Generelle Vorkehrungen gegen Katastrophen reichen von baulichen Elementen (Statik, Tragwerk) bis hin zu Brandschutzeinrichtungen bis hin zur Überwachung (Zutrittskontrollen). Die gesetzlichen Auflagen gelten als sehr hoch.
Ulla Grünbacher und Michael Lameraner

 

Das Gedächtnis der Stadt im Gasometer (26. September 2001)
Landesarchiv verwaltet Wiens Geschichte vom Meldezettel bis zur Verlassenschaft.
Ob der Meldezettel von Johann Strauß, die Verlassenschaft von Wolfgang Amadeus Mozart oder das Testament von Ludwig van Beethoven - das Wiener Stadt- und Landesarchiv hat alles aufgehoben, sortiert und abgelegt. Seit Dienstag sind die Schätze hochoffiziell im zentralen Standort im Gasometer D in der Gasometer-City, dem neuen Simmeringer Stadtteil mit dem besonderen Flair, für die Wiener verfügbar.
Mit der Eröffnung des Stadtarchives durch Bürgermeister Michael Häupl sowie Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ist eine jahrzehntelange, mehr als wechselvolle Archivgeschichte beendet.

AUF STIEGEN ABGELEGT
Auf elf Standorte in ganz Wien verteilt, in Kellern und sogar auf Stiegen und Gängen der Amtshäuser deponiert, war Wiens aktenkundige Historie alles andere als einfach verfügbar. Die Fahndung nach wichtigen Dokumenten dauerte oft Wochen.
Jetzt aber werden im Gasometer D (Architekt Wilhelm Holzbauer) auf sechs Archivgeschoßen 35.000 Regal-Laufmeter und eine fast ebenso große Reserve aufgeboten. Das „Gedächtnis der Stadt", wie es Bürgermeister Michael Häupl ausdrückte, funktioniert wieder einwandfrei.
Für die Wiener - ob Studenten, Historiker, Journalisten oder Hobbyforscher - bieten sich hier schier unerschöpfliche Informationsquellen.
Millionen von Meldezetteln, Handschriften, Pläne, Urkunden und Nachlässe sind im Original dokumentiert. Bürgermeister Häupl: „Man schmeißt ja auch nicht alte Gemälde einfach auf den Mist."
Das älteste verfügbare Dokument ist mit 1208 datiert und stammt von Leopold VI.
Die einzige Zugangssperre zu den Schätzen im Landesarchiv: Eine 30-jährige Sperre bei neuen Dokumenten. Danach gibt es hier keine Geheimnisse. Allerdings immer wieder Überraschungen, wie zuletzt etwa bei den hier entdeckten Gestapo-Akten und Fotos von später hochrangigen heimischen Politikern.
Archivleiter Univ. Prof. Ferdinand Opll: „Wir haben die liberalste Archivsperre Europas. Aber Überraschungen kann es immer geben. Davor hat es zu diesem Thema keine Anfragen gegeben, dann aber hat die Historikerkommission Wünsche geäußert und wir sind fündig geworden."
Häupl: „Die Aufarbeitung der jüngeren Geschichte hat uns schließlich auch die Sinnhaftigkeit einer solchen Anlage deutlich gezeigt."
Die investierten 295 Millionen Schilling (21,4 Mio. Euro) scheinen nicht nur deshalb gut angelegt zu sein.
ÖFFNUNGSZEITEN Das Archiv kann Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 12.30 Uhr benützt werden, an Donnerstagen von 13 bis 17 Uhr. Es ist aber daran gedacht, schon im Frühjahr längere Öffnungszeiten anzubieten. Derzeit sei das wegen der Übersiedlung noch nicht möglich, beteuerte Opll.
Die Benützung ist kostenlos, es sei denn, es geht um Meldezettel oder Dokumente mit Bundesstempeln. Für selbst angefertigte Kopien werden wie früher (damals allerdings vom Archivar angefertigt) 2,50 S verrechnet. In Bibliotheken verlangt man oft 1 S pro Kopie.
Probleme gibt es im Archiv freilich auch. So ist die Akustik für einen Leseraum nicht wirklich günstig und derzeit ist auch noch viel Improvisationsgeist erkennbar. Schließlich wird es noch ein Jahr dauern, bis alle Archivbestände in den Gasometer verfrachtet worden sind.
Gerhard Krause

 

Das Gedächtnis der Stadt (26. September 2001)
Beethovens Testament, Schriftstücke von Mozart: Das Wiener Stadtarchiv im Gasometer D wird am heutigen Mittwoch eröffnet.
WIEN (stu). "Ich freue mich, daß die Odyssee zu Ende ist", erklärte Bürgermeister Michael Häupl (SP) am Dienstag, einen Tag vor der Eröffnung des Wiener Stadt- und Landesarchivs im Gasometer D. Die Frage der Unterbringung eines Archives sei schließlich auch die Frage wie man mit der Vergangenheit umgehe, betonte Häupl. Damit stehen jetzt verschiedene Urkunden, Akten, Nachlässe und Pläne der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung - erstmals an einem einzigen Standort. Die Übersiedlung war notwendig geworden, da die bisherigen Lager aus allen Nähten geplatzt waren.
Das Archiv im Gasometer D bietet Platz für 70.000 Laufmeter Bücher. In den bisherigen 35.000 Laufmetern des 1889 konstituierten Archivs finden sich Kostbarkeiten wie Beethovens Testament oder Schriftstücke von Mozart. Das älteste Exemplar stammt aus 1208.
"Bisher sind aber erst 25 Prozent der Bestände übersiedelt", erklärte Ferdinand Opll, Leiter des Wiener Stadt- und Landesarchives. Mit einem Vollbetrieb im Gasometer sei ab nächstem Frühjahr zu rechnen. Derzeit verzeichnet Opll jährlich bis zu 6000 Besucher. Der Archivar rechnet aber damit, daß diese Zahl künftig "deutlich übertroffen" wird.

 

Landesarchiv nun im Gasometer (26. September 2001)
Tausende Akten übersiedelt
Wien - Das "Gedächtnis der Stadt" - wie das Wiener Stadt- und Landesarchiv auch genannt wird - ist ab sofort in der Gasometer-City zu finden. Die enormen Bestände an Akten, Urkunden, Testamenten und Protokollen, die das Wiener Stadtleben der vergangenen Jahrhunderte dokumentieren, werden derzeit in den Gasometer "D" übersiedelt. Bis zu 1000 Lkw-Fuhren werden nötig sein, um alle Akten zu transportieren. Bisher war das Archiv auf elf Standorte in der Stadt verteilt, was für Nutzer des Archivs oft unnötige Wartezeiten oder Fußwege mit sich gebracht hat.
Damit soll es nun vorbei sein: Bestellte Dokumente können künftig noch am selben Tag ausgehändigt werden. Bisher haben bis zu 6000 Besucher jährlich die Archivbestände genützt. Dazu wurden bis zu 7000 schriftliche Anfragen pro Jahr bearbeitet, berichtete Archivleiter Ferdinand Opll. Weitere Neuerungen für Besucher: Ab dem Frühjahr, wenn die Übersiedlung abgeschlossen ist, werden erweiterte Öffnungszeiten gelten (an vier Abenden pro Woche wird bis 18.30 Uhr offen gehalten). Damit sollen mehr Besucher angelockt werden.
Zu den wertvollsten Stücken der Archivsammlung zählen Beethovens Originaltestament oder die Originalprotokolle von Landtag und Gemeinderat. (aw)

 

Gasometer nicht behindertengerecht (4. Oktober 2001)
WIEN (red.). Die Grünen kritisieren die Gasometer in Wien-Simmering: Das Center sei "für mobilitätsbehinderte Menschen eine Zumutung", so Behindertensprecherin Haidlmayr. Konkret bemängeln die Grünen zu enge Lifte und unbenutzbare "behindertengerechte" Toiletten.

 

Gasometer im Behindertentest (4. Oktober 2001)
Grüne kritisieren: Wohn- und Einkaufscenter "eine Zumutung"
Wien - Die neue "Gasometer City" sei "behindertenfeindlich", kritisierten am Mittwoch die Grünen: Das Wohn-, Shopping- und Entertainmentcenter sei "für mobilitätsbehinderte Menschen eine Zumutung", erklärte Theresia Haidlmayr, Behindertensprecherin der Grünen.
Konkret bemängeln die Grünen, dass die wenigen behindertengerechten WCs im Shoppingcenter wegen zu hoch angebrachter Türschnallen für Rollstuhlbenutzer nicht geeignet seien. Einige Aufzüge haben laut Haidlmayr zu schmale Fahrkörbe; die Bedienungselemente: zu hoch angebracht. Die Fluchtwege: für Behinderte kaum zu bewältigen; es gibt kein Blindenleitsystem. Und die Schräge unter den Rolltreppen wird für Sehbehinderte zur Falle. Haidlmayr: "Da rennen die Leute ungebremst hinein."
Die Grünen-Politikerin kritisierte, dass Verstöße gegen die ÖNorm 1600 - sie regelt das barrierefreie Bauen - nach wie vor nicht geahndet würden: "Das Land Wien soll sicherstellen, dass es nur dann Förderungen gibt, wenn alle Vorgaben erfüllt werden."
Maria Vassilakou, nicht amtsführende Stadträtin der Wiener Grünen, forderte zusätzlich die Installierung eines Behindertenbeauftragten im Wiener Wohnbauressort: "Der könnte den Bauprozess überall dort überwachen, wo die Stadt Förderungen vergibt." Die kritisierten Mängel im Gasometer seien aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie dringend Wien ein Antidiskri- minierungsgesetz brauche. "Behinderte können derzeit nicht vor Gericht gehen. Sie brauchen aber konkrete Rechte, wenn sie nicht auf Verständnis stoßen", sagte Vassilakou. (APA, frei)

 

750.000 Besucher (19. Oktober 2001)
Riesen-Ansturm auf die G-Town in Wien-Simmering: Insgesamt etwa 750.000 Menschen besuchten im ersten Monat nach der Eröffnung die neue Gasometer-City.

 

Gasometer bekommen "Konkurrenz" (19. November 2001)
Neuer Stadtteil mit Hotelturm in Erdberg.
Endlich wird eine riesige Baulücke in Erdberg geschlossen! Die Brüder Hanno und Erwin Soravia verwirklichen das Projekt "TownTown" mit Bürogebäuden, Geschäften sowie einem 100 Meter hohen Hotelturm samt Aussichtsplattform. Ab dem Jahr 2005 eine Bereicherung für die nahe gelegenen Gasometer.
Das verwaiste Areal zwischen Ostautobahn und U-Bahn-Station Erdberg soll in vier Jahren in völlig neuem Glanz erstrahlen. Insgesamt 21 verschiedene Gebäude mit einer Nutzfläche von rund 130.000 Quadratmetern schließen eine innerstädtische Baulücke. Die Brüder Hanno und Erwin Soravia investieren zirka drei Milliarden Schilling (218 Millionen Euro) in das gewaltige Vorhaben.
Als Symbol wird ein hundert Meter hoher Hotelturm samt Aussichtsplattform herausragen. Eine "Gastro-Piazza" mit Cafe. „Nur brauchen wir dann auf jeden Fall eine eigene Abfahrt von der Ostautobahn." Tom Klinger

 

Mit "Office-Campus" und "Multi-Center" noch attraktiver (12. Dezember 2001)
Shopping-Center-Profi lenkt Geschäfte der "G-Town". Von Peter Kantor.
Mit Herbert Strobl lenkt ein Shopping-Center-Profi die Geschäfte der Ende August 2001 eröffneten "G-Town" in Wien-Simmering. Welche Projekte und Ausbaupläne es für die zu einem Wahrzeichen Wiens gewordenne Gasometer gibt und wie viele Millionen Besucher durch die denkmalgeschützten Mauern flanieren sollen, verrät Strobl der "Wiener Zeitung".

Gleich wie man zu den Gasometern steht - aus dem Wiener Stadtbild sind sie seit gut 100 Jahren nicht wegzudenken. Seit ihrer Revitalisierung und Neueröffnung am 31. August 2001 sind die 4 zylindrischen Türme mitsamt Zubauten aber zu einer echten Attraktion geworden. Nicht nur Wiener, auch Besucher aus den Bundesländern, aus Nachbarstaaten und sogar aus Asien flanieren zu Tausenden durch die "Shopping- und Sky-Malls", sitzen in den Cafés oder blicken anerkennend zu den 70 Meter hinaufragenden Kuppeln.
"Zu 95% ist alles so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe": Ganz zufrieden ist Herbert Strobl, Centermanager der Gasometer von der IRES Immobilien Beteiligungs & Verwaltungs GmbH selten, dafür ist er viel zu sehr Perfektionist. Seit eineinhalb Jahren mit dem Projekt befasst, habe er aber viele Entscheidungen in seinem Sinn beeinflussen können. Strobl ist für Verwaltung und Projekte des gesamten geschäftlich genutzten Teils der Gasometer verantwortlich. Inklusive Gastronomie sind das 70 Geschäfste mit rund 22.000 m^(2) Verkaufsfläche.
Nicht unmittelbar "sein Geschäft" sind die 11.000 m^(2) an Büroflächen, die "Bank-Austria-Halle" für 4.200 Gäste, 615 Wohnungen, ein Studentenheim und das Wiener Landesarchiv. Aufgrund der zahlreichen Synergien, die sich aus der Verbindung von Wohn- und Bürobereichen mit dem Shopping- und Entertainmentbereich ergeben, nimmt Strobl aber auch regen Anteil an der Entwicklung dieser Bereiche.

Kooperation mit Wien-Tourismus
Zum Thema Synergie fällt Strobl ein aktuelles Beispiel ein: "Weil die Gasometer bei Sight-Seeing-Touren kaum noch ausgelassen werden, starten wir nächstes Jahr eine Kooperation mit dem Wien-Tourismus". Die Türme werden auf jedem neuen Wien-Plan als architektonische Sehenswürdigkeit eingezeichnet sein. Auch die anhaltende Nachfrage nach Führungen soll gestillt werden. "Im Eröffnungsmonat September schleusten wir 6.000 Menschen in 15er Gruppen durch das Areal. Weil das zu teuer wurde, haben wir die Führungen vorübergehend eingestellt, wollen aber wieder damit anfangen, wenn sich die Stadt an den Kosten beteiligt", sagt Strobl. Nur schwer werde sich die ausgeprägte Neugier der Besucher nach den Wohnungen in den Gasometern befriedigen lassen, denn welcher Bewohner will seine Privatsphäre schon Reisegruppen preisgeben.

Süßer die Kassen nie klingeln . . .
Wer Intimität sucht, der ist in "G-Town" am falschen Platz. Wochentags kommen im Durchschnitt 14.000 bis 16.000 Besucher. Am 1. Dezember, dem 2. Einkaufssamstag, werden es aber rund 50.000 gewesen sein, die sich durch die Passagen schoben, schätzt Strobl. Um solche Massen anzulocken, bedarf es mehr als nur eines breit gefächerten Geschäftsangebots. In der Adventzeit locken ein Weihnachtsmarkt sowie eine Reihe spezieller Attraktionen. "An den Einkaufssamstagen bieten wir Gewinnspiele, Buchpräsentationen der Sportreporter-Stars Heinz Prüller und Michael Kuhn, Kasperl und Strolchi für die Kleinen und als einen Höhepunkt am 15. Dezember die ,Euro-Show ", zählt Strobl auf. An diesem Tag könne das "neue Geldgefühl" erlebt werden, gibt es doch erstmals die Euro-Startpakete zu kaufen. Am G-Town-Programm stehen passend dazu ein Euro-Quiz, ein EU-Kabaret und eine Feuershow.
Das Kinocenter mit 12 Sälen gilt auch abseits des Weihnachtsrummels als Magnet der Gasometer. Geführt wird das "Hollywood Megaplex" von der Familie Hueber, die mit 53 Kinosälen und mehr als 13.000 Sitzplätzen zu den führenden Kinobetreibergesellschaften in Österreich zählt. Ingrid Hueber: "Diese einzigartige Location inmitten der wunderbar ausgebauten Gasometer ist etwas Außergewöhnliches, noch dazu, wo unsere Besucher über die verlängerte U3 eine direkte Anbindung an das öffentliche Netz haben." Schon im ersten Jahr erwartet Hueber eine halbe Million Besucher.
Wie viele Besucher das Shopping- und Entertainment-Center der Gasometer insgesamt anlocken werden und welche Umsätze möglich seien, diese Fragen will Strobl nicht beantworten. Für Prognosen sei es zu früh, meint er. Schließlich lässt er sich zumindest eine Größenordnung entlocken: "So um die 5 Millionen Besucher jährlich sollten es schon werden." Und die geschätzte Milliarde Schilling als Richtzahl für den Jahresumsatz lässt er auch gelten.

"Meeting Point" und "Office-Campus"
Spätestens, wenn man die Namen der Zukunftsprojekte hört, weiß man, dass Shopping-Center eine amerikanische Erfindung sind. Sobald der Weihnachtsmarkt abgebaut ist, soll in der Mitte des Gasometer B ein "Meeting Point" entstehen. Geplant sind ein Gastronomiebetrieb mit Gastgarten, wo sich die Konzertgäste von der Bank-Austria-Halle treffen, oder wo Besucher auf dem "Mega-Screen" die Olympischen Spiele, Schirennen oder Video-Clips mitverfolgen können.
Auf mittlere Sicht läuft unter den Arbeitstiteln "Multi-Center" und "Office-Campus" die Planung zweier großer Bauvorhaben. Auf zwei Nachbargrundstücke nördlich und östlich der Gasometer sollen das Shopangebot ausgebaut sowie Platz für weitere Großflächenbüros geschaffen werden. "Für beide Projekte gibt es genügend Nachfrage am Markt", weiß Strobl und erzählt stolz, dass die bestehenden Geschäftslokale in den Gasometern schon ein halbes Jahr vor der Eröffnung vermietet werden konnten.

Gelernter Centermanager
An Projekten gibt es in G-Town keinen Mangel, dafür sorgt Strobl. Seit seinem Einstieg als 16jähriger in die Arbeitswelt ist er in Supermärkten und Shopping-Centern zu Hause. Von 1981 bis 1989 für Eisenberger als Marktleiter, von 1989-91 für die mit Eisenberger fusionierte Dogro tätig, landete er 1991 bei der BOE Bauobjekt-Entwicklung, einem österreichischen Immobilienentwickler. Die darauf folgenden acht Jahre war er als "Leader Center-Manager" für die 8 österreichweit verstreuten BOE-Shopping-Centern (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Prag und Krems) verantwortlich. Eine sehr anstrengende Zeit, in der er Hunderttausende Kilometer im Auto herunterspulte. Nebenbei bildete er sich in den 90er Jahren an der Werbe-Akademie in Wien weiter.
Im April 2000 wurde Strobl schließlich als Center-Manager für das Gasometer Shopping and Entertainmentcenter engagiert, zudem als Leiter der Gasometer Werbeagentur.


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