Gasometer Presseschau
Diese Gasometer-Presseschau umfasst alle Artikel der Tages- und Wochenpresse seit dem Gemeinderatsbeschluß zum Umbau der leeren Gasometer-Hüllen zum Wohn- und Geschäftszentrum von 1996. Der Zeitraum reicht bis zum Jahr 2003.

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2001

 

Wohnen wie in Raumstation (19. Jänner 2001)
Gasometer heuer fertig. Ungewöhnlich und sehr futuristisch wird das Wohngefühl in den vier Simmeringer Gasometern sein. Ende des Sommers sollen die ersten Mieter in das 2,4-Milliarden-Schilling-Projekt einziehen. Neben Einkaufsmall, Büroflächen und Landesarchiv (Tiefenspeicher) werden rund 600 Wohnungen gebaut.
Die rund 600 Wohnungen in den Gasometern bieten einzigartige Raumverhältnisse / Ende des Sommers sollen die ersten Mieter einziehen Eisig pfeift der Wind durch die Simmeringer Guglgasse. Den vier alten Gasometern ist die Kälte egal, sie scheinen sich förmlich in den Himmel zu schrauben. Rundherum herrscht emsiges Treiben. Hunderte dick vermummte Arbeiter und Bauspezialisten sind bei dem ehrgeizigen 2,4-Milliarden-Schilling-Projekt im Einsatz.Das Äußere der Gasriesen hat sich optisch weniger verändert, das Bundesdenkmalamt schreibt vor, die klassische Silhouette zu erhalten. Im Inneren sind die Veränderungen umso deutlicher.
"Eine einzigartige Symbiose zwischen Alt und Neu", meint SP-Wohnbaustadtrat Werner Faymann, "an der ehemaligen Peripherie entsteht eine total neue Stadt".
Rund 600 Miet-, Genossenschafts- und Eigentumswohnungen sollen Ende Sommer 2001 bezugsfertig sein. Die Wohnungen wurden direkt in die Gasometer hineingebaut. Einzige Ausnahme ist der große "Schutzschild-Zubau" beim Gasometer B. Keine einfache Aufgabe für die Planer. Die Lösungen sind unterschiedlich und reichen von einem großen Innenhof bis zu deren drei. Gemeinsam ist ihnen die Höhe. Die Wohnetagen beginnen alle in erst einer Höhe von zirka 25 Metern (Gasometer-Gesamthöhe 76 Meter).
Unter Dach lustwandeln
Darunter befinden sich eine durchgehende Einkaufsmall, Büros, Tiefgaragen, eine Veranstaltungshalle (Gasometer B), ein Studentenwohnheim (Gasometer B) sowie der Tiefenspeicher und Räume des Wiener Landesarchives (Gasometer D; 35.000 Meter Archivregale).
Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr erfolgt über die Verlängerung der U 3 bis Simmering. Von der Station Gasometer können Besucher auf der Mall bis zum hintersten Gasometer überdacht "lustwandeln". Hinter den Gasometern C und D wird gerade an einem Entertainmentcenter mit
Gastronomie und Großkino gebaut.
Das "Wohnerlebnis" ist schlichtweg einzigartig und erinnert frappant an Raumstationen in Science-Fiction-Filmen. Bedingt durch die Kreis-Grundfläche liegen einander fast immer Wohnungen gegenüber. Auch der Blick ins "Freie" ist äußerst ungewohnt: In wenigen Metern Entfernung stehen die alten Mauern der Gasometer. Nur durch ihre Fensternischen ähnlich wie Burgzinnen kann auf die darunter liegende Umgebung geblickt werden. Definitiv nichts für klaustrophobisch veranlagte Zeitgenossen. Darüber, 40 Meter höher, wölbt sich das Stahlgerippe des ehemaligen Daches. Wer nun glaubt, die Innenhöfe seien vollständig überdacht, der irrt. Hier wurde geschummelt. Aus Gründen des optischen Denkmalschutzes wurden zwar die alten Träger aufgesetzt, dazwischen findet sich aber kein Glas. Regen, Wind und Schnee wird sich auch auf den Terrassen, Höfen und Eigengärten in schwindelnder Höhe finden.
Für das "Abenteuer" Gasometer finden sich genug Freiwillige. Alle Betreiber (Gesiba, SEG, WBV-GPA) melden nur noch Restbestände an freien Wohnungen. Josef Rietveld

 

Veranstaltungshalle eingestürtz (10. Februar 2001)
Im Gasometer B in Simmering ist das Dach der Veranstaltungshalle eingestürzt. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf heute, Samstag.
Keine Verletzten
Die letzten Arbeiter haben die Baustelle gestern gegen 20.00 Uhr verlassen. Als sie heute Früh zurück kommen, liegt die Veranstaltungshalle in Trümmern. Die tonnenschwere Decke der Halle mit einem Durchmesser von etwa 50 Metern ist in der Nacht eingestürzt. Den Grund dafür kennt derzeit noch niemand.
Ein Sachverständiger ist mit der Beweisaufnahme beschäftig. Das soll voraussichtlich etwas länger als eine Woche dauern. Erst dann kann der Schutt weggeräumt werden.
Vom Bericht des Sachverständigen wird es abhängen, wer für den Schaden verantwortlich ist und ihn bezahlen muss.

 

Gasometer: Decke in Halle eingestürzt (11. Februar 2001)
Verletzt wurde niemand - Enormer Sachschaden.
n einem Rohbau einer Veranstaltungshalle in einem der Wiener Gasometer ist eine Decke eingestürzt. Die Spannbeton-Konstruktion gab in der Nacht auf Samstag nach. Verletzt wurde niemand, zum Zeitpunkt des Vorfalls waren keine Arbeiter anwesend. Der Sachschaden jedoch ist enorm. Der Gasometer selbst blieb unbeschädigt Die Untersuchung des Vorfalls durch Sachverständige soll etwa eine Woche dauern. Erst dann kann der Schutt weggeräumt werden. Auf die weiteren Bauarbeiten im Gasometer hat der Einsturz keinen Einfluss. (red)

 

Gasometer (11. Februar 2001)
Teure Panne beim Rohbau der neuen Veranstaltungshalle in einem der Wiener Gasometer. In der Nacht zum Samstag stürzte die Decke der Stahl-Beton-Konstruktion, die ab Herbst 3000 Besucher fassen sollte, ein. Schaden: an die 100 Millionen Schilling und eine empfindliche Bauverzögerung, von der das Wohnprojekt allerdings nicht betroffen ist.

 

Deckeneinsturz im Gasometer (11. Februar 2001)
Dach der Veranstaltungshalle brach ein / Keine Verletzten, aber Riesenschaden
Der Einsturz der Decke der in "Gasometer B" verbauten Veranstaltungshalle hat am Samstag auf der großen Baustelle in Wien zu einer nicht geplanten Versammlung von Bauträgern, Sachverständigen sowie von Rathaus-Verantwortlichen gesorgt. Die etwa 1500 Quadratmeter große Stahlbetonkonstruktion war in der Nacht zuvor "heruntergekommen" und hatte sich zum Teil über die Tribünen am Rand "gelegt".
Experten suchen nun in den Trümmern nach der Ursache für das Unglück.
Wolfgang Jansky, Sprecher von Stadtrat Werner Faymann, meint, dass "der Schaden bis zu 100 Millionen Schilling ausmachen kann". Dementsprechend groß wird wohl die Zahl der von den verschiedenen Firmen eingesetzten Gutachter sein . . .
Verletzt wurde bei dem spektakulären Unglück, das offenbar ungehört passiert ist, niemand. Jansky: "Der letzte Arbeiter, der Polier, hat die Baustelle Freitag gegen 20 Uhr verlassen, Samstagfrüh wurde dann die Bescherung entdeckt."
Die Hallenkonstruktion wäre - nach der Austrocknungsphase des Betons - in etwa drei Wochen kontrolliert worden.
Trost für künftige Gasometer-Mieter und für Bau und Planung Verantwortliche: Weder der Einkaufs- noch der Wohnbereich in der weitläufigen Anlage sind von dem Einsturz betroffen. Die Besiedelung soll im Sommer wie geplant beginnen.

 

Simmering: Einstürzende Neubauten im Gasometer (12. Februar 2001)
Absturz der Hallendecke stellt Bauträger vor Rätsel
Wien - Der "Rumms" verhallte ungehört - und das lag nicht an der optimalen Schallisolierung. Schließlich war es genau jene Konstruktion, die im elften Wiener Gemeindebezirk im Gasometer B - jener, in und an dem die Wohnbauten von Coop-Himmelb(l)au verwirklicht werden - in der Nacht zum Samstag einstürzte: Die Decke der Veranstaltungshalle unter der in nämlichem Gasometer in Bau befindlichen ShoppingMall war über Nacht zu Boden gegangen. Unbemerkt.
"Als unser Polier am Freitag die Baustelle geschlossen hat, war alles in Ordnung", erklärte Günther Bischof, Geschäftsführer des Gasbehälterausbaus, am Sonntag im Gespräch mit dem STANDARD, "als er am Samstag um sechs Uhr morgens wieder aufsperrte, war die Decke schon unten."
Die über der Veranstaltungshalle liegenden Bauteile - Mall und Wohnungen - sowie die historische Gasometerhülle, betonte Bischof, wären durch den Einsturz "in keinster Weise" in Mitleidenschaft gezogen worden: Aus Schallschutzgründen - es gilt Geräuschpegel bis zu 120 dB abzupuffern - war die 1500 m2 große Veranstaltungshalle ohne jeden Berührungspunkt mit dem übrigen Gebäude errichtet worden, erklärte Bischof, "sie hat auch eine völlig separate Fundierung". Noch am Samstag stellte ein umgehend beigezogener Sachverständiger fest, dass der Einsturz den Bauverlauf der Wohnbauten nicht beinträchtigen wird. "Glück im Unglück", nennt Bischof das.
Weniger erbaut ist der Baustellenchef aber darüber, "dass wir bisher keinerlei Anhaltspunkte für die Einsturzursache haben." Erst in den kommenden Tagen hofft Bischof, erschöpfend über Einsturzursache und etwaige Konsequenzen Auskunft geben zu können. Auch die Schadenssumme sei vorher nicht wirklich zu beziffern, betonte Bischof: "Auf alle Fälle ein höherer zweistelliger Millionenbetrag." Eine kolportierte Summe von über 100 Millionen Schilling wollte er aber weder bestätigen noch ausschließen - dies hänge auch davon ab, ob der planmäßige Bauschluss im Spätsommer noch eingehalten werden könne. Ursprünglich hätten Mall und Eventhalle Anfang September gemeinsam und feierlich eröffnet werden sollen.
Der Halleneinsturz im Simmeringer Prestigebau beschäftigte am Sonntag auch Wohnbau- (und Baupolizei-) Stadtrat Werner Faymann: "Wesentlich ist, dass die Leute, die einziehen, in keiner Weise von dem Einsturz betroffen sind. Es kommt im Wohnbau zu keiner Verzögerung." (rott)

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Einsturz im Gasometer (12. Februar 2001)
Bis zu 100 Millionen Schilling könnte der Schaden nach dem Einsturz einer Beton-Decke ausmachen.
WIEN (red.). Im Rohbau der geplanten Veranstaltungshalle in einem der Wiener GASOMETER ist die Decke eingestürzt. Die spezielle Konstruktion aus Beton gab in der Nacht auf Samstag nach und brach ein. Verletzt wurde niemand, da zum Zeitpunkt des Vorfalls keine Arbeiter anwesend waren. Die Außenmauern des GASOMETERs blieben von dem Schaden unberührt.
Der geplante Bau der Halle ist äußerst kompliziert: Immerhin sollen in der Halle im GASOMETER B Rockkonzerte mit bis zu 4000 Besuchern stattfinden, ohne daß die Bewohner des GASOMETERs gestört werden. Der Plafond der Halle soll aus einem ellipsenförmig Betondruckring geschaffen werden, darüber sollen die Wohngeschosse liegen. Der Schall soll sich so durch den Druck nicht an den Wänden fortsetzen: Zwischen den Hallenwänden und den Außenmauern des GASOMETER werden 20 Meter Abstand liegen. Unter dem Boden der Halle sollen spezielle Kunststoff-Lager liegen, die - ähnlich wie bei Eisenbahnen eingesetzt - den Lärm dämpfen sollen. Die Ursachen für den Einbruch werden in den kommenden Tagen von Experten untersucht werden, da es nicht zuletzt um den Schadenersatz für den Einbruch und die daraus entstehende Bauverzögerung geht. Der Schaden könnte bis zu 100 Millionen Schilling betragen.

 

Beinahe-Katastrophe im Gasometer (12. Februar 2001)
Wien: Stahlbeton-Decke stürzte in die Tiefe - Zum Glück in der Nacht
WIEN (SN-w.sch). Unglaubliches Glück auf der Großbaustelle der Gasometer in Wien-Simmering: Im Gasometer B stürzten in der Nacht auf Samstag rund 1500 Quadratmeter Stahlbeton von der Decke der im Bau stehenden Veranstaltungshalle in die Tiefe. Als letzter Arbeiter hatte am Freitag gegen 20 Uhr der Polier die Baustelle verlassen. Samstag früh entdeckte man die "Bescherung": Nicht auszudenken, wäre das Unglück bei voll besetzter Baustelle geschehen.
Der Schaden wird mit bis zu 100 Mill. S angegeben. Experten suchen nun nach der Ursache. Die Arbeiten an den Wohn- und Büroräumen sind von dem Zwischenfall nicht betroffen. Der Umbau der insgesamt vier denkmalgeschützten Gasometer gilt als architektonisches Renommierprojekt: Über 600 Wohnungen, ein Studentenheim sowie Tausende Quadratmeter Büro- und Einkaufsflächen werden geschaffen. Die Veranstaltungshalle selbst - sie soll rund 4000 Besucher fassen - wird als technische Pionierleistung bezeichnet: Um Schallübertragungen auszuschließen, "schwimmt" die Halle auf zwei speziellen elastischen Kunststoffringen.

 

Einsturz: Verzögerung nur beim Bau der Halle (13. Februar 2001)
Nach dem Einsturz der 1.500 m? großen Spannbetondecke, die als Schallschutz für die Veranstaltungshalle in den Gasometern in Wien-Simmering gedacht war, prüften am Montag Sachverständige und Baupolizei die Ursache für den Deckeneinsturz vom Wochenende, bei dem niemand verletzt worden war.
"Die Halle wird auf jeden Fall zumindest sechs Monate später fertig, der Fertigstellungstermin für die Wohnungen und die Shopping-Mall sind davon aber nicht betroffen", sagt Günter Bischof, einer der Geschäftsführer der betroffenen Bauträgerfirmen. Die Halle hätte im Herbst fertig werden sollen. Der Schaden sei derzeit noch nicht abschätzbar, bewege sich aber "im zweistelligen Millionenbereich". Den entstandenen Schaden an der eingestürzten Isolierdecke sieht Bischof als "grad noch ein Glück": "Nicht, dass wir uns das gewünscht hätten, aber die eingestürzte Isolierung zeigt, wie sicher und stabil das ganze Bauwerk drumherum ist", betonte Bischof. Jetzt müsse auf jeden Fall nach einer neuen Konstruktion gesucht werden.
Bischof räumte aber ein, dass auch "großes Glück" dabei gewesen sei, da keine Arbeiter zu Schaden gekommen seien. Einen Einsturz während einer Veranstaltung nach der Fertigstellung schloss Bischof aber aus.

 

Gasometer-Halle: Sechs Monate Verzögerung (13. Februar 2001)
Wohnungen und Einkaufspassage nicht betroffen
"Ein gröberes Ereignis, fragen sie nicht, wie es mir geht", stöhnt Günter Bischof, Geschäftsführer der Bauträgerfirma GME.
In der Nacht vom vergangenen Freitag zum Samstag sind 1500 m Stahlbeton-Decke, mit einem Gewicht von mehreren hundert Tonnen, eingebrochen. Ob stückchenweise oder auf einmal, ist derzeit noch nicht bekannt. Baubehörde und Experten klären derzeit die Schuldfrage.
Im "Keller" des Gasometers B ist eine Veranstaltungshalle für rund 3000 Menschen geplant. Der Raum hätte aus Lärmschutzgründen von einer Stahlbetonblase ummantelt werden sollen. Die Decke der freitragenden Blase stürzte jedoch ein. "Wir suchen jetzt eine andere Lösung, die denselben Effekt erzielt", sagt Bischof, "wahrscheinlich eine Stahlkonstruktion". Der Eröffnungstermin am 1. September wird sich um sechs Monate verschieben. Wohnungen, Büros und Einkaufs-Zentrum sind vom Einsturz nicht betroffen.
Die Schadenshöhe erreicht einen zweistelligen Millionenbetrag. "Das hängt von den Folgeschäden ab", erklärt Bischof. Der Generalvermieter hätte Halle, Wohnungen, Büros und Einkaufszonen in Einem übernehmen sollen. "Wenn er erst alles abnimmt, sobald die Halle fertig ist", sagt Bischof, "wird es deutlich teurer". Der Schaden ist durch eine Versicherung mit einer Versicherungssumme bis zu 700 Mio. S (50,9 Mio. Euro) gedeckt. Die Bauwesenversicherung zahlt bereits vor der Klärung der Schuldfrage aus.
"Ein primitiver Fehler könnte schuld sein", mutmaßt ein Experte, "wenn die Schalung zu früh entfernt wurde". J.Rietveld

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Gasometer: Decke in Halle eingestürzt (13. Februar 2001)
Nach Einbruch der Gasometer-Halle planen Experten neuen Bau mit Stahl
Rätselraten über die Ursache des Einbruchs in den Gasometern. Nun sucht man eine neue Bauweise: etwa mittels Stahlkonstruktion.
WIEN (no). Sie hätte ein bautechnisches Meisterstück werden sollen. Nun gleicht sie einem Schutthaufen. In der Nacht auf Samstag ("Die Presse" berichtete) ist in der geplanten 1500 Quadratmeter-Veranstaltungshalle des Gasometers B die Decke eingebrochen. Personen wurden nicht verletzt, die Baustelle war zum Zeitpunkt menschenleer, der materielle Schaden ist enorm: Bis zu 100 Millionen Schilling könnte der Schaden ausmachen, rechnet man im Büro von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP). Mit der eingebrochenen Decke wurden die Pläne für den komplizierten Beton-Überbau der Halle begraben. Im Gespräch mit der "Presse" erklärt der Geschäftsführer der für Errichtung und Betreiben der Halle zuständigen Gesellschaft Günter Bischof, daß man nach dem Einbruch eine neue Baumethode planen müsse. Die beim ersten Mal angewandte Bauweise mit Beton sei nun - in der Endphase der Fertigstellung der Gasometer - technisch nicht mehr möglich, so Bischof. Man überlegt nun etwa eine Stahlkonstruktion für die Decke.
Die Konstruktion der Veranstaltungshalle ist äußerst kompliziert, da sie wegen des Lärmschutzes vom restlichen Gasometer getrennt gebaut werden muß. Ellipsenförmig - am Bau nennt man sie "Laberl" - lagert die Halle für 3000 bis 4000 Besucher auf riesigen Kunststoff-Polstern, weder die Außenwände der Halle noch der Plafond berühren die Gasometer-Wände oder das unterste Geschoß. Doch die Spannbeton-Decke hielt nicht, nun ist der Bau im Verzug. Der Wohnungsbau sei davon aber nicht betroffen, erklärt man im Büro Faymann. Die Halle wird bis zu sechs Monate später fertiggestellt werden können.
In den nächsten Tagen sind Gutachter am Wort. Immerhin geht es um die Frage, wer für den Schaden verantwortlich ist. Baustellen-Schäden sind um 700 Millionen Schilling versichert, erklärt Bischof.

 

Paradies für "Folks" und "Dinks" (16. Februar 2001)
Wohnen im Industriedenkmal
Als imposante Wahrzeichen markieren die sogenannten "Gasometer" die Südeinfahrt Wiens. Die größte Baustelle Mitteleuropas soll aus den ausrangierten Gasbehältern jetzt ein attraktives Biotop für zahlungskräftige Singles machen. Von Reinhard Seiß.
Die imposante Architektur der ehemaligen Gasbehälter stammt aus dem 19. Jahrhundert. Mitte der 80er Jahre verloren die 72 Meter hohen Backsteinbauten ihre eigentliche Funktion und wurden wegen ihres kulturhistorischen Werts unter Schutz gestellt. Heute stehen sie im Mittelpunkt der Stadtentwicklung: aus den periphären Industridenkmälern entsteht ein pulsierendes, multifunktionelles Zentrum.Riesenprojekt
Bis zum Frühjahr 2001 entstehen innerhalb der historischen Fragmente 600 modernste Wohnungen, ein Studentenheim, ein städtisches Archiv, zahlreiche Büros, eine Veranstaltungshalle für 4.000 Personen, 900 Tiefgaragenplätze sowie ein mehrgeschossiges Einkaufszentrum, das alle vier Gasometer verbindet.
Große Namen
Für die Stadt Wien und die beteiligten Bauträger ist es ein Prestigeprojekt, das über die Grenzen Österreichs hinaus strahlen - und natürlich auch Käufer und Mieter anziehen soll. Quasi als Garanten für den Erfolg wurden vier renomierte Architekturbüros mit dem Umbau je eines Gasometers beauftragt: Jean Nouvel, das Team Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer. "Also ich glaube, dass die Wohnbedürfnisse bei Neubauten viel einfacher zu decken sind", zeigt sich Holzbauer überzeugt, aber "Gasometer ist halt ein Begriff. Das hat einfach damit zu tun, dass Leute, die dort wohnen wollen, sich wünschen, in einem Gebäudekomplex zu wohnen, der einmalig ist."
Entertainment inklusive
Der ausgelöste Boom setzt sich im Umfeld der Gasometer fort. Gleich vis-a-vis entsteht ein 9-geschoßiger Bürokomplex. Und direkt mit den vier Gastürmen verbunden - ein Entertainment Center samt weiteren 850 Parkplätzen. Dieser sogenannte "Pleasure Dome" enthält künftig Unterhaltungs-, Gastronomie- und Einkaufseinrichtungen sowie - mit 12 Sälen - Österreichs zweitgrößtes Kinozentrum.
Gasometer, Bauplan C
Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 2,4 Milliarden Schilling werden binnen zwei Jahren insgesamt 220.000 qm Fläche verbaut. Das Gasometer-Projekt ist damit die größte Baustelle Mitteleuropas in diesen Jahren, noch vor dem Potsdamer Platz in Berlin. Der Architekt des "Pleasure Dome", Rüdiger Lainer, sieht von dieser dynamischen Stadtentwicklung Impulse für ganz Wien ausgehen: "Dieses ganze Gasometer-Umfeld kann höchst wahrscheinlich einer der spannendsten Orte jetzt in Wien werden."
Nichts für Kleinfamilien
Die teils nordseitig orientierten Wohnungen in den Gasometern werden ebenso wenig Sonnenlicht erhalten, wie viele innenliegende, an den Lichthöfen situierte Räume. Grün- und Erholungsflächen sind inmitten des Industrie- und Gewerbegebiets Mangelware. Und der Verkehrslärm von den nahen Stadtautobahnen ist 24 Stunden am Tag wahrzunehmen. Dementsprechend besteht das Zielpublikum für "Wohnen im Gasometer" nicht aus klassischen Familien mit Kindern, sondern aus modernen, urbanen Singles mit flexiblem Freizeit- und Arbeitsrhythmus. "Unsere Zielgruppe definiert sich als die sogenannten Folks", bestätigt Immobilien-Manager Erich Helm. "Das sind junge Menschen jeden Alters, und hier ist es besonders die Gruppe zwischen 15 und 35, die wir ganz bewusst ansprechen möchten."
Erfolgreiches Marketing
Bereits ein halbes Jahr vor Fertigstellung ist das Einkauszentrum von attraktiven Handelsketten ausgebucht und die meisten Wohnungen vergeben. Anstelle herkömmlicher Inserate auf den Immobilienseiten der Tageszeitungen oder der Vermittlung durch Maklerbüros trat ein modernes Vermarktungskonzept, das insbesondere die Hauptzielgruppe der Young Urban People ansprach. Online-Marketing inklusive.
Bewohnbares Disneyland?
Kritiker sehen im Gasometer-Projekt ein städtebauliches Disneyland, dessen Existenz auf permanentem Konsum und sofortiger Bedürfnisbefriedigung basiert. Eine künstliche Stadt, deren sogenannter "öffentliche Raum" auch nicht mehr allen Menschen offensteht: Obdachlose, Bettler oder auffällige Jugendliche können jederzeit aus dieser Welt ausgeschlossen werden. Die Architekturkritikerin Liesbeth Waechter-Böhm bemängelt am Gasometer-Umbau nicht nur fehlenden Respekt und Kreativität im Umgang mit den historischen Baudenkmälern - sie steht auch den gesellschaftlichen und soziokulturellen Aspekten skeptisch gegenüber: "Für mich ist es das Gegenteil von Urbanisierung, weil wir ja im Grunde genommen autarke Inseln damit bauen."
Zukunftsmodell?
Nimmt das Gasometer-Projekt die künftige Stadtentwicklung Wiens vorweg? Kommt es nach dem Vorbild der Gasometer bald verstärkt zur Herausbildung hochgezüchteter Stadtinseln? Und was wären die Folgen für die gewachsene Stadtstruktur? Der Architekturpublizist Friedrich Achleitner relativiert die Strahlkraft des Projekts: "Wien ist ja eigentlich eine Großstadt, die aus lauter Inseln, ehemaligen Dörfern oder ehemaligen Stadtteilen, zusammengesetzt ist. Diese Grätzelstruktur ist etwas typisch Wienerisches; Und insofern glaube ich, schaffen solche Anlagen, wie der Karl-Marx-Hof oder die Wohntürme in Alt-Erlaa, oder die Gasometer, eine gesellschaftliche Identifikation mit so einem Punkt mit sich bringen. Das Leben, das dort entsteht, hat etwas sehr Verortetes, sehr Spezifisches. In Wirklichkeit ist es ein Grätzel.

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Betreiber für das Gasometer-Kino fehlt (1. März 2001)
Die US-Muttergesellschaft des Mega-Kinos im Auhofcenter ist insolvent und reißt ihre Tochter in den Konkurs: Damit ist das Kinoprojekt bei den Gasometern gefährdet. Von Martin Stuhlpfarrer. WIEN. "Go west, go best." Ohne Unterbrechung trommelte das Europlex-Großkino im Auhofcenter wochenlang diese Werbespruch im Radio. Jetzt ist es still geworden im Westen. Denn das erste, am 11. Juni 1999 eröffnete Mega-Kino ging am Mittwoch in Konkurs. Das bestätigt der Kreditschutzverein von 1870 (KSV): "Die Europlex-Gesellschaft ist eine Tochter der Loews-Cineplex Entertainment Corporation in New York. Und Loews-Cineplex ging in Konkurs." Beim KSV analysiert man, daß das (seit längerem wirtschaftlich angeschlagene) Auhof-Kino in der Vergangenheit zur Gänze vom US-Mutter-Unternehmen finanziert worden sein dürfte. "Mit dem Konkurs der Loews-Gesellschaft riß der Zahlungsfluß ab." Damit kam es zu einer negativen Premiere: Mit dem Kino im Auhofcenter schlitterte auch erstmals ein Wiener Mega-Kino in Konkurs. Das Penzinger Mega-Kino (acht Säle, 1600 Sitzplätze) hinterläßt Gesamt-Passiva in Höhe von 13,1 Millionen Schilling. Wie sehr das Mega-Kino von seiner US-Muttergesellschaft abhängig war, zeigt die Aufteilung der Kompetenzen: Beide Geschäftsführer - Joseph Edward Shugrue und John C. McBride jun. - residieren in den USA. In Österreich waren sie nur durch Anwälte vertreten. "Der Konkurs bedeutet aber nicht das Ende des Kinos", erklärt man beim KSV. "Der Masseverwalter muß klären, ob ein Weiterbetrieb möglich ist." Dafür stehen die Chancen aber denkbar schlecht. Zu weit von Zentren entfernt, schlechte Infrastruktur, triste Architektur, heißt es in der Branche.
"War nicht überraschend"
Der plötzliche Konkurs der US-Muttergesellschaft bringt aber auch für die Stadt Wien gewaltige Probleme. Denn Loews-Cineplex sollte auch das Mega-Kino bei den GASOMETERn betreiben. Dort ist der Filmpalast mit 3700 Sitzplätzen in 15 Sälen kurz vor der Fertigstellung. Damit gerät der Projektentwickler Zwerenz & Krause unter massiven Druck: Man braucht jetzt innerhalb kurzer Zeit einen neuen Betreiber. "Das trifft uns nicht unerwartet. Wir haben seit längerer Zeit gewußt, daß die Muttergesellschaft Probleme hat", erklärt Christian Ehrenreich von Zwerenz & Krause. Ehrenreich ist zuversichtlich, innerhalb der nächsten zwei bis zweieinhalb Monaten einen neuen Betreiber präsentieren zu können. Findet sich aber kein neuer Interessent, könnte das nicht nur das Ende der GASOMETER-Kinos bedeuten, sondern würde auch Zwerenz & Krause in massive Schwierigkeiten bringen. Ehrenreich kryptisch: "Das Kino wird plangemäß im September in Betrieb gehen. Auch wenn wir keinen Betreiber finden."

 

Wiener Auhof-Kino kann weiter spielen (2. März 2001)
Gasometer-Säle ohne Operator
Wien - Die Pleite der US-Mutterfirma Loews Cineplex riss zwar auch die österreichische Tochterfirma Europlex LCE, den Betreiber der Säle im Wiener Auhof-Einkaufszentrum in den Konkurs, das Kino wird aber weiter spielen können: Zentrum-Chef Peter Schnaider habe nämlich bereits österreichische Investoren mit Erfahrungen im Kinogeschäft gefunden, die Kapital einsetzen wollten, hieß es am Donnerstag. Das Cineplex wurde 1999 eröffnet und hat 1500 Sitzplätze.
Die US-Mutter wurde Mitte Februar beim Konkursrichter in New York vorstellig und beantragte den Gläubigerschutz nach Chapter 11. Loews ist die zweitgrößte Kinokette Nordamerikas. Eine US-kanadische Investorengruppe will das Unternehmen nun übernehmen und sanieren.
Ein Problem durch diese Pleite in den Staaten bekamen auch die Betreiber jenes Shopping- und Entertainment-Zentrums, das nach dem Sommer 2001 bei den als Wohn- und Büropark revitalisierten Gasometern in Wien-Simmering eröffnen soll. Für den dortigen Kino-Komplex - 15 Säle mit 3500 Sitzplätzen - konnte ursprünglich auch Europlex LCE gewonnen werden. Nun müssen die Zentrumsbetreiber von neuem mit der Suche beginnen: "Es gibt österreichische und internationale Varianten", so Christian Ehrenreich von der Projektentwicklungsfirma Zwerenz & Krause zum STANDARD. In maximal zweieinhalb Monaten soll ein neuer Operator gefunden worden sein, dann könne der Zeitplan bis zur Eröffnung eingehalten werden. "Wir sind da nicht panisch", so Ehrenreich.
Erweiterung möglich
Das Einkaufszentrum unter den Gasometern und dem angrenzenden Entertainment-Center sei mittlerweile so gut wie voll vermietet, so Erich Helm, ebenfalls von Zwerenz & Krause. Gerade noch zwei kleine Restflächen seien zu vergeben. Größte Mieter sind Giga-Sport mit 3400 Quadratmetern Verkaufsfläche, Libro mit 2000 und Spar Gourmet mit 1000 Quadratmetern. Es gebe Pläne, so Ehrenreich weiter, auch auf den angrenzenden, schon angekauften, Grundstücken zu bauen und in den Gasometer-Komplex einzugliedern. "Wir hätten sicher keine Probleme mit der Vermietung." Aber "wie so oft in Österreich" scheitere man derzeit noch an der Flächenwidmung. (szem)

 

Shopping-Center im Gasometer (10. März 2001)
Die Arbeiten für die Einkaufsstraße in den Gasometern laufen noch auf Hochtouren. Von den 2,5 Milliarden Schilling Kosten, die das Wohn- und Freizeitprojekt verschlungen hat, entfallen 800 Millionen Schilling auf die Gestaltung einer modernen Flaniermeile. Von Martina Münzer
Freie Geschäftslokale sind Mangelware im neuen Einkaufsparadies
"Bereits sechs Monate vor der Eröffnung sind freie Geschäftslokale absolute Mangelware", freut sich Stadtrat Werner Faymann. So sind die 70 Shops fast zur Gänze vermietet. In der Gasometer-Town oder abgekürzt G-Town können sich Einkaufslustige günstig einkleiden. Immerhin sind hier beinahe alle großen Textilketten mit ihrer jungen, trendigen Mode vertreten.
Aber auch Schuhläden, Lebensmittelgeschäfte oder Sporthändler sind unter einem Dach untergebracht und ermöglichen ein wetterunabhängiges Shopping-Vergnügen.
Und nach dem Einkaufen kann man es sich in einem Kinosessel bequem machen. Immerhin sorgt ein Mega-Center mit 15 Sälen für Unterhaltung. Und das Schöne daran: Die U-Bahn wartet direkt vor Tür. Für den Autofahrer gibt es eine eigene Zufahrt zu dem 1200 Stellplätze umfassenden Parkdeck. Wobei die erste Stunde auch noch gratis ist.
Das 2,5 Milliarden-Schilling-Projekt, bei dem aus den Industriedenkmälern eine Wohnstadt kreiert wurde, wäre ohne Wohnbauförderung nicht möglich gewesen, betonte Faymann.
Schon bald ist Wien um eine Einkaufsstraße reicher. In wenigen Monaten soll nämlich in den Simmeringer Gasometern ein neues Shopping-Paradies entstehen. Mehr als 450 Meter wird die Flaniermeile lang sein.

 

Gasometer-Shoppingmeile ist ein Hit (10. März 2001)
Von den 70 Geschäftslokalen sind ein halbes Jahr vor Fertigstellung fast alle fix vergeben
von Anton Bina
G -Town heißt die Shopping-"Meile", die sich - mit gläsernen Gängen verbunden - durch die unteren Ebenen der zu Wohn- und Büropalästen umgebauten Gasometer schlängelt. Die G-Town (Gasometer Shopping und Entertainmentcenter) ist für die Betreiber ein Verkaufshit: Von den 70 Lokalen sind fast alle vergeben.
Dabei tummeln sich noch die Handwerker. Teils im Spätfrühjahr, teils Anfang September werden die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Ein halbes Jahr vor dem Fertigstellungstermin fast ausverkauft zu sein, spricht für die Qualität des Standortes. Die ist kaum zu überbieten: Ab dem Frühjahr werden die 602 geförderten Miet- und Eigentumswohnungen bezogen, die in die oberen Etagen der Gasometer gebaut wurden. Dazu kommen 247 Studentenheimplätze. Der neue Stadtteil wird mehr als 1000 überwiegend junge Menschen beherbergen. Allein das garantiert der Shopping-Meile Umsätze. Dazu kommt die Gunst des Umlandes. Auf dem benachbarten St. Marxer Viehmarktgelände siedeln sich am laufenden Band Hightech-Betriebe und Forschungsstätten für Zukunftstechnologien an. Das ehrgeizige Ziel der Stadt, dort 10.000 hochkarätige Arbeitsplätze zu schaffen, könnte bald erreicht sein.
Auch die Tourismuswerber jetzt schon um das Herzeigprodukt Gasometer-City. Der von den Architekturstars Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer kreierte Mix aus alter Industriearchitektur und futuristischem Wohnbaudesign wird zum Wallfahrtsort der Städtetouristen.
Darauf bauen auch die Unternehmen, als da sind: Gigasport, Libro, Orsay, H&M, Schöps, Niedermayer, Spar-Gourmet, Anker, max.mobil, one, Palmers, Shoemanic ...
Bei einem Rundgang durch die größte Baustelle Mitteleuropas zog am Freitag Wohnbaustadtrat Werner Faymann folgende Bilanz: "Die Stadt hat 310 Millionen S an Wohnbauförderungsmitteln in die Schlacht geworfen und damit ein Investitionsvolumen von 2,5 Milliarden Schilling ausgelöst. Es entstanden hochwertige Wohnungen und ein Stadtteil, um den uns die Welt beneiden wird. Ohne Wohnbauförderungsmittel wäre das alles nicht möglich gewesen."

 

Rätsel um Einsturz der Halle in Gasometer vor Klärung (10. März 2001)
Der Gutachter, der den Einsturz der Veranstaltungshalle unter dem Gasometer B untersucht, leistet schnelle Arbeit. Seine Expertise befindet sich in der Endredaktion. Wenn nichts dazwischen kommt, könnte das Rätsel schon nächste Woche geklärt sein.
Wie berichtet, ist die frisch betonierte Halle vor drei Wochen eingestürzt. Zum Glück passierte das Unglück in der Nacht, niemand kam körperlich zu Schaden. Der Sachschaden indessen rangiert bei 100 Millionen Schilling.
Zuerst wurde vermutet, dass die Schalung der Betonteile zu früh abgenommen wurde. Zuletzt mehrten sich Gerüchte, wonach die in Rekordzeit zu einem sehr niedrigen Preis produzierte Statik fehlerhaft gewesen sein könnte. Beides wurde am Freitag vom Rathaus nicht bestätigt. Das noch nicht fertige Gutachten werde aller Voraussicht nach eine unglückliche Verkettung mehrerer Fehler aufdecken.
Erst wenn der oder die Verursacher feststehen, kann der Schaden von den involvierten Firmen und ihren Versicherungen behoben werden. Fürs erste werden die Bewohner der Gasometer noch ohne Halle auskommen müssen.

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Gasometer Einsturz (24. März 2001)
Das Gutachten über den Einsturz bei der künftigen GASOMETER-Veranstaltungshalle am 10. Februar wurde am Freitag präsentiert. Es hätte Mängel bei der Ausführung der Beton-Verschalung gegeben, bilanzierte Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP). Dazu sei eine international anerkannte Berechnungsmethode eingesetzt worden, die im Spezialfall GASOMETER aber nicht exakt angewandt werden kann. Die Verkettung beider Faktoren hätte zum Einsturz geführt.

 

Trotz "Deckeneinsturz" kaum Bauverzögerung (24. März 2001)
Kein Statikfehler bei Gasometer-Umbau. Von Peter Strasser
"Kein Planungs- und kein Berechnungsfehler, aber mehrere Ausführungsmängel, die sich dann summierten." Zu diesem Ergebnis kommt der Statikexperte Alfred Pauser, der den Deckeneinsturz beim Umbau des Simmeringer Gasometers "B" untersuchte. Wie berichtet, war im Februar die 1500 Quadratmeter große Stahlbetondecke der in den Gasometer "B" eingebauten Veranstaltungshalle in sich zusammengekracht - zum Glück außerhalb der Arbeitszeit, es gab daher keine Verletzten. Mit der Untersuchung des "Deckensturzes" war Uni-Professor Dr. Alfred Pauser beauftragt worden.
Der bekannte Statikspezialist konnte keinen Berechnungsfehler feststellen. Jedoch erwies sich der Übergang der Seitenwände in den Plafond der Halle als Schwachstelle. Und genau dort war die Betonschalung fehlerhaft ausgeführt. Der Druck wurde zu hoch. Der Schaden ist durch Versicherungen gedeckt. Die neue Veranstaltungshalle wird nun ohne wesentliche Bauverzögerung in Metallbauweise ausgeführt.

 

Einsturz unter Gasometer: Schuld waren mehrere Firmen (24. März 2001)
Statik-"Papst" Pauser stellte Serienfehler fest
Wäre die zig Tonnen schwere Betondecke der in Bau befindlichen Veranstaltungshalle unter einem der Simmeringer Gasometer am Tag eingestürzt, wären Bauarbeiter ums Leben gekommen. Zum Glück geschah das Wochen zurückliegende Unglück in der Nacht. So entstand "nur" Sachschaden - freilich in der Höhe von 100 Millionen Schilling (7,3 Millionen ).
Diesen Schaden werden die Versicherungen mehrerer Firmen gutmachen müssen. Denn das noch druckfeuchte Gutachten des Statik-"Papstes" Prof. Alfred Pauser stellte als Einsturzursache eine Verkettung von Fehlern fest.
Der Statiker habe für die Berechnung des gewölbten Betonplafonds zwar eine "weltweit anerkannte und richtige Berechnungsmethode" (Pauser) verwendet, in diesem speziellen Fall treffe die Methode aber "nicht hundertprozentig" zu. Die Zug- und Druckkräfte wurden unterschätzt.
Darüber hinaus lägen Bau- und Ausführungsmängel bei der Bewehrung des Betons vor, belegt das Pauser-Gutachten. Diese Mängel ortet der Statik-Professor als "wesentliche Schwachstelle".
Keiner der Fehler allein hätte zum Einsturz führen können. Ihre fatale Verkettung löste das Unglück aus.
Jetzt soll der Plafond aus Stahl gebaut werden.

 

Mehrere Ursachen für Gasometer-Einsturz (25. März 2001)
Die Untersuchungen über den Einsturz der Veranstaltungshalle im Gasometer sind abgeschlossen. Der Sachverständige, Professor Alfred Pauser, macht zwei Faktoren für den Zusammenbruch verantwortlich.
Berechnung nicht exakt
Zu große Spannungen genau im Krümmungsbereich zwischen der Wand und der Decke haben die ovale Veranstaltungshalle in der Nacht vom 9. auf den 10. Februar einstürzen lassen. In dem Gutachten heißt es die Berechnungen seien zwar nach einer weltweit anerkannten Methode durchgeführt worden, haben aber in diesem speziellen Fall kein hundert Prozent exaktes Ergebnis gebracht.
Fehler bei Verschalung
Weiters wird die Bauausführung kritisiert. Insbesondere bei der Betonverschalung wiederum im Krümmungsbereich zwischen Wand und Decke seien Fehler passiert. Festgehalten wird jedoch, dass keiner der angeführten Punkte alleine zum Einsturz der Halle geführt hätte. Erst eine Verkettung der Umstände habe das Unglück verursacht.
Die durch den Einsturz entstandenen Kosten in der Höhe von etwa 100 Millionen Schilling tragen vorerst die Versicherungen.
Halle ab 2002 in Betrieb?
Nachdem die Untersuchungen nun abgeschlossen sind kann jetzt relativ rasch mit dem Wiederaufbau der Halle begonnen werden. Die Hallendecke soll jetzt eine Stahlkuppelkonstruktion werden.
Wohnbaustadtrat Feymann hofft, dass sich die Eröffnung der Halle nur um zwei bis drei Monate verschiebt und der Betrieb der Halle Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden kann.

 

Gasometer-Halle: Zwei Einsturz-Ursachen (24. März 2001)
WIEN (SN, APA). Das Gutachten zum Einsturz der Decke der zukünftigen Rockhalle im Wiener Gasometer ist fertig. "Mehrere Ursachen" haben demnach zum Einsturz geführt. Eine anerkannte Berechnungsmethode der Deckenform habe in diesem Sonderfall nicht zu hundert Prozent zugetroffen, es wären zudem Mängel bei der Ausführung der Stahlbewehrung festgestellt worden, hält das Büro von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) dazu fest.

 

Baumängel bei Gasometerhalle (28. März 2001)
Wien - Zwei Einflüsse haben zum Einsturz der Decke der zukünftigen "Rockhalle" im Gasometer B geführt: die Berechnung und die Ausführung. Zu diesem Schluss kam laut Wohnbaustadtratsbüro ein von den drei beteiligten Baufirmen in Auftrag gegebenes Gutachten.
Der ursprüngliche Fertigstellungstermin im September könne unter Umständen trotzdem gehalten werden. Ausständig ist noch ein Gutachten, das klären wird, in welchem Umfang die Versicherung für den entstandenen Schaden aufkommt.

 

Simmeringer Gasometer im Endspurt (28. März 2001)
Onlineplattform für die Bewohner - Shoppingmeile und Entertainmentcenter fast voll vermietet
Von Ernst Eichinger
Wien - Mit den um 2,4 Mrd. S (174,4 Mio. EURO) revitalisierten Gasometern entsteht in Wien-Simmering bis September ein vollkommen eigener Stadtteil. Von der Wohnung ins Fitnesscenter, zum Shopping, ins Kino oder einfach nur auf einen Kaffee: alles kein Problem für die mehr als 1000 künftigen Bewohner.
Die 602 geförderten Miet-und Eigentumswohnungen, von denen 500 bereits vergeben sind, und die 247 Studentenheimplätze locken vornehmlich junge Menschen, die solche Annehmlichkeiten zu schätzen wissen.
Das "E-Living"-Konzept von Mainwork soll den Bewohnern der von der Wohnbaugesellschaft Gesiba vermieteten Domizile das Leben noch einfacher machen. Wer wissen will wann der Rauchfangkehrer kommt, wann die Sauna frei ist, oder Einsicht in die Betriebskostenabrechnung nehmen will, kann dies komfortabel über die Onlineplattform tun.
Weiters in Planung: die "think-the-box". Dabei handelt es sich um eine Kreuzung zwischen Kühlschrank und Schließfach. Der gestresste Bewohner bestellt unterwegs oder aus dem Büro und hat, selbst wenn er spät heimkommt, frische Lebensmittel.
Die Shoppingmeile "G-Town", durch die Immo-Projektentwicklungsfirma Zwerenz und Krause betrieben, zieht sich auf 450 Metern durch die unteren Bereiche der Gasometertürme. 70 Unternehmen finden dort um einen Quadratmeterpreis zwischen 150 S und 1200 S Platz. Fast alle Geschäftslokale sind auch bereits vermietet. Angefangen von Gigasport, Libro, H&M über Palmers bis zu Anker und Spar-Gourmet bauen die Handelsketten auf geschätzte 10.000 bis 20.000 Besucher pro Tag.
Das extern gelegene Entertainmentcenter wird über eine breit angelegte, überdachte Glasbrücke zu erreichen sein. Auf diesem Übergang, belebt durch ein Kaffee, sollen quasi die Bassenagespräche des 21. Jahrhunderts stattfinden. Bleibt der Vergnügungswillige nicht auf der Brücke hängen, gelangt er in den Unterhaltungsbereich. Dort kann man entweder wieder gemütlich einen Kaffee trinken, Billard spielen oder sich einen Film ansehen.

Kino-Probleme
Um die Kinos, deren Außenwände bunt bemalt sind, hat es allerdings im Vorfeld Probleme gegeben. Der ursprünglich vorgesehene Betreiber ist nämlich bankrott. Jetzt wird fieberhaft nach einem neuen Betreiber gesucht. Sollte der nicht gefunden werden, wurde schon vor Baubeginn an ein Nachnutzungskonzept gedacht. Die Kinos lassen sich problemlos in einen Büro- oder Wohnbereich umbauen.
Nicht nur die Wohnungen, sondern auch die Büroflächen geben den Bauträgern Grund zur Freude. "Der Konzern Böhler-Uddeholm wird Mieter einer ganzen Etage", sagt Alexander Bosak, SEG-Marketingchef. Auch bei der GPA zeigt man sich zufrieden. "Ich rechne damit, dass die Gasometer bis zur Fertigstellung in diesem Sommer voll verwertet sein werden", betont Werner Bischof von der GPA.
Längst vergessen also die Zeiten nach dem Einbruch der Decke der Veranstaltungshalle. Trotz der Schäden, die Berechnungsfehlern und einem Baumangel zugeschrieben werden, sollen die Gasometer planmäßig Anfang September fertig sein.

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Übersiedlung (31. März 2001)
Das Stadt- und Landesarchiv beginnt im April mit der Umsiedlung in die neuen Räumlichkeiten im GASOMETER D in Simmering. 35.000 Regal-Laufmeter müssen transferiert werden.

 

Gasometer-Wohnbauten: Leben ohne Mantel in Wien (2. April 2001)
Ehemaliges Gewerbegebiet Wien-Simmering: In rauer Gegend ist mit den Gasometer-Wohnbauten nach der Donauplatte und vor dem Wienerberg ein eigener, quasi-autarker Stadtteil im Entstehen begriffen. Shopping-Mall, Büros, Fitnesscenter, Großkino, Kindergarten, U-Bahn-Station: Leben ohne Mantel in Wien.
Eine Attrappe war die einprägsame Ziegelhülle schon bei der Erbauung der Gasometer 1899, mit den im Inneren neu entstehenden Wohn- und Bürobauten wird dieser Charakter festgeschrieben. 1981 unter Denkmalschutz gestellt, sind die Ziegelhüllen Ausgangs- und Reibungspunkt der vier höchst unterschiedlichen Innenkonzepte: Während einzig im Gasometer D (Architekt Wilhelm Holzbauer) die Wohnbauten in einem allein stehenden Haus in der Mitte des Gasometers stehen, orientieren sich die anderen drei Konzepte an der runden Außenhülle.

Am offensten Jean Nouvels Gasometer A
Am offensten und überzeugendsten Jean Nouvel im Gasometer A mit seinen neun frei stehenden Türmen, die nur an der Basis und an der Spitze verbunden sind und wie einzelne, schmale Hochhäuser wirken. Nicht nur innerhalb der Wohnungen, auch aufwärts durch die Glasdecke der Mall ist so ein Blick auf die Innenseite der Ziegelhülle möglich, eine imposante Verbindung mit den spiegelnd verkleideten Türmen, die im Sommer eine an ein Kaleidoskop erinnernde schillernde Beleuchtung des Innenraumes bewirken sollen.

Düster COOP Himmelb(l)aus Gasometer B
Dunkel und drückend hingegen der erste Eindruck im Gasometer B, wo COOP Himmelb(l)au offensichtlich möglichst viel Platz zu nutzen hofften, aber eine zumindest derzeit sehr unbefriedigende Beleuchtungssituation im Innenhof kreierten. Folgerichtig auch, dass die Wohnungen im imposanten Schild - der einzigen äußerlich sichtbaren Veränderung bei den Gasometern - und in den oberen Stockwerken weitestgehend vergeben sind, nicht jedoch die unteren Stockwerke. Auch die Mall bekommt hier einen drückenden Charakter: Durch die darunter liegende Rockhalle (deren Deckenkonstruktion kürzlich einstürzte) verengt sie sich auf nur ein Stockwerk, das in der ursprünglichen Planung überhaupt nur als Schallschutzraum gedacht war.

450 m Shopping Mall
Drei, vier Stockwerke über der Straße, aber trotzdem im Erdgeschoß erstreckt sich die Shopping Mall in 450 m Länge über alle vier Gasometer - eigentlich über alle fünf, denn der über eine wetterfeste Brücke erreichbare Pleasure Dome bietet sich dem Erleben als fünfter Gasometer an. 10.000 bis 20.000 Besucher werden pro Tag erwartet, die 70 Geschäftslokale sind fast alle vergeben. Einziehen werden die großen Ketten und Konzerne, die man von mittlerweile allen Einkaufsstraßen Wiens kennt: Main-Stream-Shopping in Simmering. Übergeben wird die Mall teils noch vor dem Sommer, teils im September.

Geglückter Pleasuredome
Interessant und geglückt ist die Verwirklichung des Großkinos im Pleasuredome: Als ob man die Wände invertiert hätte, sieht man nicht wie in anderen Kinos enge Gänge, die in riesige Kinosäle führen, sondern die bunt gefärbten äußeren Hüllen der Vorführräume in ihrer eigentümlichen Form - vorne hoch, hinten klein - quasi von der Decke hängen. Wohlweislich - denn die ursprüngliche Betreiberfirma ist schon vor der Eröffnung in Konkurs gegangen - wurde schon vor Baubeginn an ein Nachnutzungskonzept gedacht. Relativ leicht lassen sich die Kino-Blöcke in einen Wohn- und Bürobereich umbauen.

 

Gasometer (17. April 2001)
Die Arbeit auf Wiens größter Baustelle ist bald zu Ende. Die Revitalisierung der monumentalen Gasbehälter in Wien-Simmering geht ihrer Vollendung entgegen. Heuer im Herbst werden die Arbeiten auf Wiens größter Baustelle abgeschlossen und damit ein international hoch beachtetes Architektur- und Städtebauprojekt realisiert sein.

Die vier Gasometer, im Jahr 1899 fertig gestellt, sind in ihrer zylindrischen Form und mit den historisierenden Sichtziegel-Fassaden ein stadtbildprägendes Ensemble an Wiens Peripherie. Nach der Umstellung auf Erdgas hatten die Gasometer ausgedient. Das Bundesdenkmalamt stellte sie unter Schutz. Ausstellungen und die legendären Rave-Partys belebten sie sporadisch, über eine Dauernutzung wurde lange fruchtlos diskutiert.

Mit einem Entwurf für die Wiener Stadterneuerungs- und EigentumswohngesmbH (SEG) trat dann der französische Stararchitekt Jean Nouvel den Beweis an, dass der Einbau von Wohnungen im Hohlraum der Gasometer machbar war. Mit dem Schwerpunkt auf Wohnungen, zu denen Büros, Geschäftsflächen und öffentliche Einrichtungen (Landesarchiv) kamen, ließ sich die Finanzierung sichern. Das Denkmalamt zeigte sich mit der Erhaltung des wesentlichen Erscheinungsbildes zufrieden und gestattete kleine Eingriffe, die der Verbesserung der Lichtverhältnisse dienten.

Vier Architekten, nämlich Jean Nouvel, Wilhelm Holzbauer, Manfred Wehdorn und Coop Himmelb(l)au, durften je einen Gasometer planen. Die unterschiedlichen, außergewöhnlichen Raumlösungen, die Anbindung ans U-Bahn-Netz und die Nähe der Prater-Grünzone machen die Höhlenwohnungen in den Gasometern zum attraktiven Wohnstandort.

 

Schwule willkommen (17. April 2001)
Im Gasometer Wien-Simmering entsteht das Studentenheim der Zukunft. Als Konglomerat von Wohngemeinschaften mit Internetzugang. Von Horst Christoph

Wohnen in der Wohngemeinschaft, im Historismus-Flair der Wiener Gasometer und im Wohndesign der Stararchitekten Coop Himmelb(l)au. Für genau 247Studenten oder Studentinnen ist das ab diesem Herbst Realität. Zu Preisen zwischen 2250 und 3500 Schilling. Dass sie dabei möglicherweise Lärmbe-lästigungen von einer darunter liegenden Shopping Mall oder der noch ein Stockwerk tiefer situierten Rock-Halle in Kauf nehmen müssen, verneint der Bauherr entschieden. Günter Bischof, Geschäftsführer der gemeinnützigen Wohnbauvereinigung für Privatangestellte: „Wenn es Schallprobleme gäbe, würden die das 13. Stockwerk genauso betreffen wie die Etagen zwei bis sieben, in denen die Studenten wohnen." Auch die Belichtung sei gegenüber den oberen Etagen durch größere Fenster ausgeglichen.
Das Studentenheim als Architektur- und Gesellschaftsaufgabe: Seit der Studentenbewegung der sechziger Jahre haben sich auch in Österreich Architekten und Bauherren sporadisch dieses Themas angenommen. Richard Gratls Heim für die Katholische Hochschulgemeinde in Graz ist ein frühes, das von Johann Georg Gsteu in Wien-Favoriten ein relativ neues Beispiel dafür.
Das Studentenheim im Gasometer B war, ebenso wie das Wiener Landesarchiv in dem von Architekt Wilhelm Holzbauer geplanten Gasometer D, eine Vorgabe der Gemeinde Wien im Rahmen der Gasometer-Neunutzung in Wien-Simmering. Dass es nicht, wie ursprünglich geplant, im luftigen, aussichtsorientierten Zubau des an Coop Himmelb(l)au vergebenen Bereichs untergebracht ist, sondern in den unteren Etagen des Kernbaus, hat - das verhehlt Bischof nicht - ökonomische Gründe. Die Vergabe der 256 vom Bund geförderten Mietwohnungen mit Eigentumsoption hatte Vorrang. Inzwischen sind - so die Mitteilung der der Gewerkschaft der Privatangestellten eigenen Wohnbaugenossenschaft - zweihundert der Wohnungen vergeben, und auch für die Studentenzimmer gebe es täglich rund zehn Anmeldungen. Diese erfolgen zum größten Teil über Internet. Statt in Hochschülerzeitungen oder via Flugzettel zu werben, installierte die Genossenschaft eine von den Internet-Designern Yellowfish gestaltete Homepage. Unter www.studentenheim-gasometer.at surfen Interessenten durch Grundrisse Einrichtungsdarstellungen, Infrastrukturangebote und Mietpreise. Die U-Bahn-Verbindungen zu allen Wiener Hochschulen sind angegeben. Die Heimordnung ist abzufragen, Anmeldungsformulare können ausgedruckt oder per E-Mail eingesandt werden. Zwei Studenten, die es geschafft haben, die reale Baustelle zu besichtigen, kommentieren das „Fuchsbauhafte" der Anlage, die so ganz anders als ihr derzeitiges Studentenheim mit lauter gleichen, an langen Gängen angeordneten Zimmern ist. Im Gasometer gibt es Räume unterschiedlichster Größe und Ausstattung.
Das scheinbar Zufällige hat Methode. Man sei, sagt Bischof, bewusst von Wohnungsgrundrissen ausgegangen und habe dadurch wohngemeinschaftsähnliche Einheiten geschaffen. Jeweils zwei bis fünf Studenten haben ein eigenes, absperrbares Zimmer zwischen zehn und zwanzig Quadratmetern und teilen sich einen Aufenthaltsraum plus Küche. Die Wohnungsgrößen variieren zwischen vierzig und hundertdreißig Quadratmetern, daneben gibt es auch Single-Apartments. Für die gesamten Heimbewohner stehen ein Fitnessraum, Sauna, ein Clubraum mit Zeitschriften, Fernsehen und Internetzugang, eine Bar und ein Partyraum zur Verfügung. Musikstudenten können Übungsräume beanspruchen.

Schiffsdesign
Die Wohnbauvereinigung, die das Studentenheim selbst betreibt, verspricht, soweit die Richtlinien der Bundesförderung (Einkommensrahmen, Studienerfolg) erfüllt sind, Bewerberwünschen so weit wie möglich entgegenzukommen. So können sich Paare oder Gemeinschaften anmelden Präferenzen nach Mitbewohnern angemeldet werden, und ausdrücklich wird betont, dass Homosexuelle willkommen sind.
Ungewöhnlich war auch die Entscheidung über die Einrichtung der Räume, bei der die Baugenossenschaft, die ja sonst leere Wohnungen vergibt, über keinerlei Erfahrungen verfügte. Fest stand lediglich, dass die Ausstattung wenig kosten und keinesfalls an eine Alpenpension erinnern sollte. Schließlich entschied man sich für eine ungewöhnliche Vorgangsweise. Coop Himmelb(l)au soll-te das Design entwerfen, dabei aber genaue Vorgaben eines Produktionsunternehmens einhalten. Dieses wurde in einem niederösterreichischen Familienbetrieb in Olbersdorf in der Buckligen Welt gefunden. Die Firma List produziert dort mit zweihundert Mitarbeitern Einrichtungen für Hotels auf Rügen oder Gran Canaria und Ausstattungen für Yachten und Kreuzfahrtschiffe. Manfred List, der den Betrieb gemeinsam mit seinen Brüdern Franz und Reinhard leitet: „Der Reiz bei der Studentenheim-Einrichtung war ein dreifacher: der ungewöhnliche Rundbau des Gasometers, die Zusammenarbeit mit Architekten vom Kaliber der Coop Himmelb(l)au und wieder einmal ein Projekt in Österreich."

Materialkontraste
Die Kooperation funktionierte. Architekt Josef Weichenberger, Coop-Himmelb(l)au-Partner und Projektlei-ter für den Gasometer: „Die List-Leute sind in jedem Material bewandert, die Diskussion ist immer am Boden der Realität geführt worden." So entstand ein Grundsystem aus Metall, das mit Holz und Stoff kombiniert wurde und aus dem Kontrast der Materialien und Farben lebt. Böden und Tischplatten bestehen aus Linoleum, die Stoffmöbel erhalten einen einheitlichen Überzug, der von den Bewohnern durch einen zusätzlichen Überzug variiert werden kann.
In jedem der fünfzehn verschiedenen Zimmertypen wird das System variiert. Eine Seite jedes Zimmers ist dabei als „dienende Wand" gestaltet: Holzpresspaneele, so genannte OSB-Platten, enthalten Elektro- und Elektronikkontakte. Alle Zimmer sind an Telefon, Internet und die Global-Home-TV-Satellitenschüsseln am Dach des Zubaus angeschlossen. An der Einrichtung wird derzeit in Olbersdorf auf Hochdruck gearbeitet. Am 15. August soll das Studentenheim, für das es sechs Wochen nach Vergabebeginn bereits über hundert Anmeldungen gibt, bezugsfertig sein. Bis dann sollen auch die sich durch alle vier Gasometer erstreckende Shopping Mall und - trotz des Einsturzes der Betondecke am 10. Februar - die Veranstaltungshalle fertig sein.

 

Neue Decke für den Gasometer (17. Mai 2001)
Nach dem Einsturz der Decke des Gasometer B im Februar, erhält das Gebäude nun eine neue Konstruktion. Seit gestern, Mittwoch, sind Mitarbeiter der Stahlbaufirma vor Ort, die bereits die Kuppel auf den Dächern der Gasometer saniert haben. Die ersten von insgesamt 36 Stahlträger wurden auf die Halle aufgesetzt. Der Veranstaltungsbetrieb soll, wie geplant, im September aufgenommen werden können.

 

Gasometer als Studentenheim der Luxusklasse (23. Mai 2001)
Baukastensystem in Holz und Stahl von niederösterreichischen Schiffsausrüstern.
Ab 1. September 2001 sollen die ersten Mieter in das Studentheim im Gasometer B einziehen. Trotz eines kleinen Budgets von 15 Mio. S für die Inneneinrichtung der 233 Zimmer entstand ein Studentenheim der neuen Art.
"Mit einem Mini-Budget haben wir ein charakteristisches Design umgesetzt", bestätigt Josef Weichenberger vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au. Ein Baukastensystem aus industriebewährten Stahlblechschränken wurde je nach Bedarf mit Holz oder Textilien verkleidet. Egal ob Bett, Tisch, Kasten oder dienende Wand - alles wurde im praktischen Baukastensystem entworfen.
NEULAND Für alle Beteiligten absolutes Neuland. Die Holzarbeiten übernahm die niederösterreichische Firma List aus Edlitz-Thomasberg. Das kleine Unternehmen hat bisher als Schiffseinrichter riesiger Kreuzfahrtschiffe international für Furore gesorgt. Es ist auch am Projekt der "ResidenSea" beteiligt: Ein 200 Meter langes Kreuzfahrtschiff mit Eigentumswohnungen und Hotel, das bei Trondheim, Norwegen, gebaut wird. Neuland auch für den Bauherrn GPA, die Gewerkschaft der Privatangestellten. Nachdem der ursprüngliche Generalvermieter ausgefallen war, sprang die Gewerkschaft ein. Die Zimmergrößen variieren zwischen 10 und knapp mehr als 20m, auf zwei Zimmer kommt je eine Dusche. Jedes Zimmer verfügt über eine eigene Kochnische ein WC sowie Anschlüsse für TV, Internet und Telefon.
Bei der Raumaufteilung hat sich Coop Himmelb(l)au etwas einfallen lassen. "Zwei bis fünf Zimmer können zu einer WG mit Gemeinschaftszone und Küche zusammengefasst werden", erzählt Weichenberger. Viele Studenten nutzen das und melden sich grüppchenweise an. Große "Lofts" für zwei Personen werden ebenfalls angeboten.
Ein Clubraum (Feste), Sauna, Dampfbad und Fitnessbereich runden das De-Luxe-Angebot ab. Die Vergabe läuft seit März, knapp die Hälfte der Zimmer sowie der WGs ist bereits vergeben. Der Zins kostet 2500 bis 3200 Schilling. - Josef Rietveld

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Retter für das Gasometer-Kino (29. Mai 2001)
Der Eröffnung steht nichts mehr im Weg. Für das Gasometer-Großkino gibt es nach den massiven Problemen im März einen neuen Betreiber.
WIEN (stu). Die Hollywood Megaplex-Gruppe wird zum Retter für das Großkino bei den Gasometern. Ingrid
Hueber, Leiterin der heimischen Kinokette, erklärte am Montag, man werde künftig das nahezu fertiggestellte Kino betreiben: "Eröffnet wird es am 31. August."
Das Schicksal des Großkinos war seit Anfang März unsicher. Der ursprüngliche Betreiber, der US-Kinogigant Loews-Cineplex, ging in Konkurs. Den New Yorkern war die großflächige Expansion und das Überangebot von Kinositzen in US- und europäischen Märkten zum Verhängnis geworden. Das Hollywood Megaplex Gasometer wird Filme in zwölf Sälen anbieten. Die neuen Betreiber rechnen mit jährlich 450.000 bis 500.000 Besuchern. Hollywood Megaplex betreibt bereits die Kinos im Donauzentrum (750.000 Besucher pro Jahr) und in der Shopping City Nord (250.000 Besucher jährlich). Weshalb Hueber trotz des Überangebots ein drittes Kino betreibt? "Es gibt kein weiteres im Osten Wiens." Der Markt sei vorhanden, der neue Stadtteil werde künftig von 1500 Menschen bewohnt. Das Megaplex ist aber nur ein Teil der "G-City", der Freizeit- und Einkaufsmeile bei den Gasometern, wie Wohnbaustadtrat Werner Faymann betonte. Faymann freute sich auch darüber, daß bereits sechs Monate vor der Eröffnung alle 70 Geschäftsflächen an namhafte Unternehmen vermietet sind.

 

Noch ein bisserl mehr Kino (29. Mai 2001)
In den fast fertigen Gasometern stehen 3000 Kinosessel bereit
Wien - Sie wachsen weiter. Dass losgetretene Lawinen nicht zu stoppen sind, beweisen auch die laufenden Eröffnungen von Kino-Megaplexen in Wien. Obwohl bestehende Paläste unter massivem Besuchermangel leiden, wird weiter gebaut und eröffnet: Vergangene Woche wurden am Wienerberg zehn Säle (2300 Plätze) eröffnet. Zeitgleich begann Richard Lugner mit dem Bau seines Lugnerplex. Und am Montag präsentierte Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) in den Gasometern die zwölf Säle (3000 Sitze) des Entertainment-Centers der Gasometer, das von der Kima Cinemas Vienna GmbH geführt wird. Das Unternehmen betreibt bereits das Hollywood Megaplex im Shopping Center Nord sowie die Kinos im Donauplex.
Kinocenter-Überdosis-Unkenrufe waren am Montag aber unangebracht: In wenigen Wochen werden die ersten der 1500 Bewohner in die vier sanierten Gasometer einziehen, und Faymanns Bilanz der Belebung der alten Gastanks war durchwegs positiv-euphorisch: Alle 70 Geschäftslokale der Einkaufs-Mall sind Monate vor Inbetriebnahme vermietet, der Eröffnung am 31. August 2001 stehe nichts im Wege. "Die Stadt hat 310 Millionen Schilling an Wohnbauförderungsmitteln aufgewendet, um das gesamte Investitionsvolumen rund um die Gasometer mit 2,4 Milliarden Schilling zu ermöglichen." 800 Millionen davon sind in die Mall, 720 Millionen ins Entertainment-Center investiert worden.
Derzeit befindet sich das Gasometerprojekt in der Zielgeraden: Die von Jean Nouvel, Coop Himmelb(l)au, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer umgebauten übergroßen Gaskartuschen werden ab Sommer von ihren neuen Bewohnern bezogen. Einkaufs-und Erlebniszentrum sollen als Magneten für die übrige Stadt fungieren.
Auch ein Einsturz in der Veranstaltungshalle im Frühjahr konnte den Zeitplan nicht wesentlich durcheinander bringen: Im September sollen alle Anlagen fertig gestellt sein. (rott)

 

Gasometer: Kino vor der Haustür (29. Mai 2001)
Ende Juli ziehen 1500 Bewohner ein / Kinobetreiber fix / 70 Geschäfte vermietet
von Michael Berger
Die ersten Wohnungen werden Ende Juli bezogen. Am 31. August gibt das Gasometer-"Hollywood Megaplex" seine Premieren-Vorstellung, und Ende September öffnet die 70 Geschäfte zählende Shopping-Mall.
ZEITPLAN "Die Gasometer-Projekte sind auf Schiene und rollen auf der Zielgeraden", zeigte sich Wiens Wohnbaustadtrat Werner Faymann bei der Vorstellung der Kinobetreiber höchst erfreut. Waren die 70 Geschäfte des innovativen Einkaufszentrums bereits ein halbes Jahr vor Eröffnung restlos vermietet, stand das Megakino im Bauprojekt E (wie Entertainment) bis vor kurzem ohne Interessenten da.
Vergangene Woche unterzeichnete das österreichische Familienunternehmen Hueber den Betreibervertrag. Mit fünf Multiplex-Kinos in Österreich (49 Säle mit 11.300 Plätzen) hält die Kima Cinemas Vienna GmbH einen Marktanteil von 16 Prozent auf dem heimischen Markt. In Wien betreibt man derzeit zwei Megakinos: Im Donauplex und in dem Shopping Center Nord.
Für die Firmeneigentümerin, Ingrid Hueber, ist der aktuelle Verdrängungswettbewerb unter den Wiener Multiplex-Betreibern - es gibt bereits neun Großkinos - kein Thema: "Unsere Häuser in Linz, St. Pölten, Innsbruck und Wien laufen sehr gut. Die sensationelle Architektur und der Einzugsbereich haben uns bewogen, uns auch hier im Gasometer zu engagieren."
EINZUGSBEREICH Das Gasometer-Kino wird vorerst zwölf Säle haben. 450.000 bis 500.000 Besucher werden prognostiziert. Simmerings Bezirksvorsteher, Othmar Brix, zum Kinostandort in seinem Bezirk: "Der Entertainmentbereich der Gasometer hat einen Einzugsbereich von mehr als 20.000 Bürgern. In Simmering gibt es nicht einmal ein Kino."
Erstmals haben die Kino-Architekten zusätzlich darauf geachtet, dass die Säle und der Gastronomiebereich (bei einem möglichen Flop) auch anderwertig verwendbar sind. Mit wenigen Umbauten verwandelt sich der Kinobau zu einem Seminar- und Veranstaltungskomplex.
In wenigen Wochen werden in dem ehemaligen Industriedenkmal 1500 Menschen wohnen. Vom Stephansplatz ist die "G-town" (Shopping- und Unterhaltungsbereich, Wohnungen, Büros) mit der U 3 in acht Fahrminuten erreichbar. Die Abfahrt St. Marx von der Südost-Tangente bietet dem Individualverkehr eine direkte Zufahrt zum 1200 Stellplätze fassenden Parkdeck. Die erste Stunde parken wird zum Nulltarif angeboten.

 

Lange hat Wien... (8. Juni 2001)
...auf diesen Moment gewartet: Endlich gibt es eine neue Konzerthalle für etwa 4300 Besucher im neuen Wahrzeichen der Stadt, den umgebauten Gasometern in Simmering. Die Lärmbelästigung der Bewohner im Gasometer B wird durch eine spezielle Bauweise vermieden. Zudem ist die neue Halle direkt mit der U-Bahn (U3) erreichbar, und es werden außerdem im Umfeld hochwertige Gastronomiebetriebe angesiedelt. "Weg von der Bahnhofsgastronomie", ist das Motto von Initiator Wolfgang Klinger, der bereits jetzt die Highlights der Herbstsaison verriet:
* Zur Eröffnung treten Roxy Music mit ihrer Comeback-Tournee am 26. September an.
* HIM geben sich am 3. Oktober die Ehre,
* Wolfgang Ambros singt am Tag darauf (4. 10.) seine Waits-Songs. Am 29. und 30. November feiert er im Gasometer sein 30. Bühnenjubiläum mit zwei Konzerten.
* Blödelkönig Otto gastiert am 5. und 6. Oktober in Simmering,
* YES kommen am 25. Oktober
* und der Buena Vista Social Club mit Ibrahim Ferrer am 28. 10.
* Weiters interessant sind die Auftritte der No Angels und der A*Teens am 13. November, Soft Cell am 17. und UB 40 am 22. November.
Allerdings sollen im Gasometer nicht nur Rockkonzerte über die Bühne gehen, sondern auch Messen, Kongresse und Theaterproduktionen eine neue Heimat finden.
Karten für alle Konzerte im Gasometer gibt es natürlich bei der neuen "Krone Hit Rdio Ticket Hotline" unter (01) 960 96 333.

 

Von Zwergen und Bergen (9. Juni 2001)
Während die Simmeringer Gasometer zu Tode geküsst wurden, ist ihre Umgebung erwacht. Die Zwerge haben über die Berge gesiegt und eine Menge anrainender Lokalkaiser hervorgebracht. Von Ute Woltron.
Die Sage um den Untersberg geht folgendermaßen: Tief im Inneren des Berges sitzt Kaiser Karl der Große inmitten seines Hofstaates, alle schlafen einen todesähnlichen Schlaf, und zwar schon so lange, dass der weiße Rauschebart des Kaisers bereits zwei mal um den Tisch gewachsen ist. Erst wenn vierundzwanzig Raben drei mal um den Berg herumfliegen, darf der Kaiser erwachen. Doch erst wenn der Zwergenstein gefunden ist, werden alle Zwerge, die den Berg bewohnen, zu Menschen, und erst dann kehrt der Kaiser wahrhaftig zu den Lebendigen zurück.
Äußerst unwahrscheinlich also, das Ganze. Der schlummernde Kaiser im Salzburger Untersberg wird wohl nicht so bald zu den Lebendigen heimkehren, und während die Hoffnung auf dieses Wunder schwindet, hat sich in Wien ein ähnliches, gleichwohl ein wenig bescheideneres tatsächlich ereignet. Der Berg heißt in diesem Fall Gasometer, die eifrig herumfliegenden Raben hören auf die Namen SEG, GPA und Gesiba, und gemeinsam mit den Vätern der Stadt haben sie mit der Idee, Wohnungen, Geschäfte, Büros in diese vier Berge von Häusern hineinzubauen quasi den Zwergenstein gefunden, der das Fortbestehen der Denkmale sichert, und den Zwerg Mensch zum lebendigen Bewohner der Berge macht.
Klingt sagenhaft, hat aber funktioniert. Dass die Berge selbst dabei zerbröselt und letztlich doch den Weg alles Irdischen gegangen sind, ist eine andere Geschichte, und die hat vor allem damit zu tun, dass im Falle der Wiener Gasometer die Kaiser nicht im Berg, sondern in Form frohlockender Grundstücksbesitzer rundherum sitzen. Auch ihre Erlösung glückte, denn mit den wachgeküssten Gasometern wurden auch die Grundstückspreise quicklebendig und kletterten in aussichtsreiche Höhen. Und da alles immer geheimnisvoll zusammenhängt, manifestieren sich diese Höhen nun auch in den entsprechend in luftige Sphären emporschießenden, selten niedrigen Gebäuden rund um die vier Gasometerkolosse. Die verschwinden langsam dahinter. Sie werden bald in Beton so eingebacken sein wie Fossilien im Stein. Das Bundesdenkmalamt hat damit zwar das Ziel, das geschützte historische Industrieensemble zu erhalten, erreicht. Doch der große Atem, der den eigentlichen Reiz der Riesen ausgemacht, der ihre mystischen Innenräume, ihre imposante Shilouette definiert hat, der ist verpufft. Die neue Architektur, angelehnt und absurd hineingepappt in das Alte, hat etwas völlig Neues produziert, das teils ganz reizvoll, teils ganz kleinhäuslerisch und fast immer erstickend dicht ist.
Ende Juni werden also den wahrscheinlich ganz aufgeregten Neu-Mietern und Neu-Besitzern die ersten Wohnungsschlüssel übergeben. Sie mussten nicht sonderlich lange auf ihre außergewöhnlichen Refugien warten. Der Baufortschritt des Zwei-Milliarden-Projekts gelang letztlich rasch, die Abwicklung erfolgte nach Plan. Vordergründig jedenfalls, denn was sich hinter den Gerüstkulissen der Bauindustrie genau abspielt, bleibt stets ein wenig von grauen Zementstaubschleiern eingehüllt, und wie viel sich die Stadt Wien das Ausnahmeprojekt in Simmering zum Zwecke der Revitalisierung eines gesamten Stadtteils - abgesehen von den offiziellen 300 Millionen-Wohnbauförderung - tatsächlich hat kosten lassen, will wahrscheinlich keiner mehr so ganz genau wissen. Diese Revitalisierung ist - auf den ersten Blick - höchstwahrscheinlich gelungen, ob sie auch geglückt ist, kann man noch nicht sagen. Simmering hat einen neuen, magischen Ort verpasst bekommen, Wunder wird er aber nur wirken, wenn nicht die Gier, sondern städtebauliches Kalkül den Stab schwingt.
Ein erster Blick in die fast fertiggestellten Gasometer-Einbauten offenbart keine Sensationen, gleichwohl großteils brauchbare Architekturen, die gelegentlich weltanschaulich dermaßen aufeinanderkrachen, dass es direkt erheiternd wirkt. Den perfekten Einstieg bieten die nur Dezimeter voneinander entfernten, durch Welten getrennten Glas-Metalldächer der U-Bahn-Station Gasometer und des Jean-Nouvel-Turmes. Hier eine brave Tonne, dort ein auskragender Schirm, zueinander werden sie nie finden. Der Nouvel-Turm (A) ist überhaupt mit Abstand die Augenweide des Ensembles. Die Shopping-, Büro- und Foyerzone im Sockel ist großzügig, klar, übersichtlich, elegant. Die Zitronenspalterlaufteilung der Wohnungszone darüber funktioniert gut, die polierten Metallflächen der Zwischenräume glitzern, dass es eine helle Freude ist, die Fensteröffnungen sind perfekt dimensioniert, überall Licht, Sauberkeit, Klasse.
Ungleich dichter, kompakter und auch düsterer der folgende Turm B, für den Coop Himmelb(l)au verantwortlich ist: Hier ist der Soziale Wohnbau in die Bresche gesprungen, die besser hätte offengelassen werden sollen. Doch wo das Geld knapp ist, wird die Sache automatisch dicht, die Wohnungen sind großteils gekonnt angelegt, die Architekten sind sorgfältig an die Sache herangegangen, was soll man also meckern. Der riesige metallische Wohnschild, den die Himmelblauen nordseitig an die schrundig-ziegelige Gasometerhülle gelehnt haben, verstärkt dieses nicht angenehme Dichtegefühl noch, und trotz seiner flotten Knickform hat er etwas Bunkerhaftes, das Coop-Himmelb(l)auscher Architektur erstens bisher noch nie anhaftete und zweitens auch noch nie vermisst wurde. Über die unteren, noch nicht fertiggestellten Rockhallenzonen lässt sich derweilen nichts sagen, aus dem darübergelegenen Platz für das Studentenheim hat man sowohl was Grundrisse als auch Ausstattung anbelangt das Beste gemacht, doch einziehen sollten hier nur Leute, denen Intimität ein Fremdwort und Klaustrophobie unbekannt ist.
Solche gibt es offenbar viele. Laut Bauträgern sind fast alle Wohnungen in jedem der vier Türmen entweder bereits vermietet oder verkauft. Nur vereinzelt sind noch Wohnungen frei. Das Publikum ist ausgesprochen jung und überdurchschnittlich häufig in der erwartungsfrohen Form des Single anzutreffen. Auch im dritten Turm C von Manfred Wehdorn sind die Wohnungen wie im ersten und zweiten an die Gasometeraussenhülle gekleistert, auf dass innen ein möglichst viel Licht einlassender Innenhof entstehe. Wehdorns Einbauten sind mit Terrässchen und Vorplätzchen leicht abgetreppt. Insgesamt wird man den Eindruck nicht los, hier sei die Negativform von Breughels Turm zu Babel vereinfacht zur Anwendung gekommen. Besonders flott ist hier gar nichts, doch muss gesagt werden, dass die Bauträger berichten, die Wohnungen hier seien aufgrund der verschiedenartigsten Typen besonders gerne angenommen worden.
Fast ausverkauft ist auch Wilhelm Holzbauers Turm D. Er hat sich der Idee eines zentralen Innenhofs verweigert, einen mercedessternförmigen Grundriss mit innen gelegener Erschließung ersonnen und damit drei nach außen orientierte, viel ruhigere Höfe geschaffen, was eine durchaus raffinierte Alternative zu den drei Gasometerkollegen hätte abgeben können. Die Wohnungsgrundrisse sind in Ordnung, doch die Ausführung des Gedankens erfolgte im Detail nicht sonderlich geschickt, und die Hoffassaden sind, wenn möglich, noch unflotter als die des Manfred Wehdorn. Der Schmäh eines wirklich guten sozialen Wohnbaus ist es eben, den nicht so offensichtlich raushängen zu lassen, und das ist weder Wehdorn noch Holzbauer auch nur annähernd gelungen.
Soweit ein erster, noch unpräziser Einblick. Wie sich die Kleinbiosphären der Türme und der durchlaufenden Shoppingmall im Sockelbereich entwickeln werden, soll sich zeigen, denn belebte Architektur atmet anders. Auch die Entwicklung der Zone um die Gasometer findet eben erst statt. Gegenüber der U-Bahn-Station planen etwa Hermann & Valentiny gemeinsam mit Hans Hollein für die SEG und die Bank Austria einen teils sehr hohen Büro- und vielleicht auch Hotelkomplex. Rüdiger Lainers holländisch-bunter Pleasuredome an der Gasometerflanke ist fast fertig, Martin Kohlbauers glatt-eleganter Bürobau Adler und Ameise wird bereits bezogen. Eine städtebauliche Studie von Peter Lorenz ist abgeschlossen.
Warum eigentlich Arbeiten und Spaß außerhalb der fetten Industriegigantenmauern liegen und das weitaus heiklere Wohnen mühsam innen untergebracht wurde, ist schon eine Frage wert. Doch wahrscheinlich wäre der weiße Bart des Kaisers noch sieben mal um den Tisch gewachsen, bis die Stadt und Privatinvestoren einen gemeinsamen Flug um das Projekt Gasometer geschafft hätten. Außerdem: Was, wenn nicht der Soziale Wohnbau, hat die Wiener Architektur in den vergangenen hundert Jahren weitergebracht. Die momentan so hippen Hochhäuser waren es sicher nicht.

 

Simmeringer Gasometer... (19. Juni 2001)
...öffnen für "Krone"-Leser ihre Bäuche! Weltweit bestaunt: In den 4 Simmeringer Zylindern enstand eine neue, junge "Stadt in der Stadt"
Exklusiv-Führungen durch Europas modernstes Stadtprojekt: Vom Aschenbrödel zum Supermodel - in die vier mächtigen Gasometer in Wien-Simmering zieht in wenigen Wochen neues Leben ein. Für "Krone"-Leser öffnen die Zylinder aber jetzt schon ihre Bäuche - wir laden Sie diesen Samstag zu exklusiven Erlebnistouren durch Europas modernstes Stadtprojekt ein!
Die Industriedenkmäler, die lange Jahre vor sich hinmoderten, sind heute ein weltweit bestauntes Projekt, das einen regelrechten Baustellen-Tourismus ausgelöst hat. Architekten und Bauherren aus allen Kontinenten pilgerten in den vergangenen Monaten nach Simmering, um zu sehen, wie hinter den imposanten Ziegelmänteln eine Stadt in der Stadt entstand. Mit 615 Wohnungen, einem Studentenheim, Büros, einer Veranstaltungshalle für 4000 Besucher, großem Einkaufszentrum, Kino-und Unterhaltungspark sowie einer eigenen U-Bahn-Station. Alles geplant von internationalen Stararchitekten, alles wind- und wetterfest durch überdachte Brücken verbunden.
Diesen Samstag, wenige Wochen vor der Eröffnung der Gasometer-City, haben nun auch alle "Krone"-Leser die Gelegenheit, Europas modernstes und berühmtestes Stadtprojekt kennen zu lernen. In der Zeit von 14 bis 18 Uhr bieten wir in Kooperation mit Wohnbaustadtrat Werner Faymann halbstündliche Privatführungen in kleinen Gruppen an. Natürlich kostenlos! Telefonische Anmeldung unter Tel.: 24 503/206 oder 207, und Sie sind dabei!

 

Geförderte Harmonie von Alt und Neu (22. Juni 2001)
Manfred Wehdorn, Architekt des Turmes C der Wiener Gasometer beweist, dass große Projekte auch mit Wohnbau- förderung zu realisieren sind. Die Limitierung der Baukosten gefährde allerdings die Qualität des Baus.
"Wenn ich was zu reden hätt', ich schaffert alles ab", meinte der Wiener Architekt Manfred Wehdorn frei nach dam österreichischen Dichter Josef Weinheber. Dass abschaffen aber nicht mit abreißen gleichzusetzen ist, zeigt Wehdorn, Architekt des C-Turmes der Wiener Gasometer, der jeweils zur Hälfte der Gesiba und der SEG gehört, in seiner Begeisterung für das Projekt. Die Revitalisierung der Gasometer, nur knapp der Abrissbirne entgangen, ist mittlerweile zum Aushängeschild für das perfekte Zusammenspiel von Alt und Neu geworden. "Alle haben mich für verrückt erklärt, als ich gesagt habe, dass man dieses Projekt auch mit der Wohnbauförderung verwirklichen kann", so Wehdorn. "Egal wo ich im Ausland bin, werde ich nicht über das Schloss Schönbrunn oder die Hofburg gefragt, sondern über die Gasometer", sagt Wehdorn.

Qualität zählt
Wichtig sei aber in jedem Fall, die Qualität sicherzustellen, und in direkter Verbindung damit, eine ökologische Bauweise zu ermöglichen. Das wäre aber nur zu schaffen, wenn auch die notwendigen finanziellen Voraussetzungen gegeben wären. Aus diesem Grund ist die Limitierung der Baukosten für ein bestimmtes Projekt "vollkommener Unsinn", so Wehdorn. Es könne nicht sein, dass man zum Schluss Billigfenster einbauen müsse, um die Förderungen nicht zu gefährden. "Obwohl mein Gasometer der billigste ist, steht er noch", freut sich Wehdorn, auch mit weniger Geld das Auslangen gefunden zu haben.
Der ökologische Aspekt habe auch bei der Planung des Gasometers C eine wichtige Rolle gespielt. Der Bau sei auf den Standard eines Niedrigenergiehauses ausgelegt. Außerdem wurde ein Trennsystem für die Verwendung des Regenwassers installiert.
Bei dem Bau des Gasometer-Turmes wären aber seitens der Politik auch in der Frage der Bauordnung einige Freiheiten eingeräumt worden. "Alle haben an einem Strang gezogen und sich an Problemlösungen beteiligt", verteidigt Wehdorn die Wiener Beamten. Gleichzeitig räumt der Architekt aber ein, dass sich diese Freiheiten bei einem Projekt in einer kleineren Dimensionen eher reduzierten.

Deregulierung
Daher könne nur gelten: "So wenig regulieren wie möglich und nur so viel kontrollieren wie unbedingt notwendig", fordert Wehdorn. Jedes durchschnittliche Architekturbüro wäre nicht in der Lage, die unterschiedlichen Förderungen der einzelnen Bundesländer zu durchschauen. Erschütternd, so Wehdorn, auch die Tatsache, dass von den 788.000 Wohnungen in Wien noch rund elf Prozent in die Kategorie D fielen. In Wien ist daher dringend Geld für die thermische Gebäudesanierung notwendig. Gerade bei den alten Häusern müsste der Anstoß seitens der Förderungspolitik kommen, damit etwas bewegt werde.
"Mit jedem Schilling, der in die Sanierung eines Altbaus investiert wird, erzielt der Finanzminister ein Vielfaches an Rückflüssen", sagt Wehdorn.
Ernst Eichinger

 

Letzte Chance: Eine Tour ins Innere der Gasometer (23. Juni 2001)
Wien - Die revitalisierten Gasometer in Simmering haben schon vor ihrer Eröffnung höchstes internationales Interesse erregt. Wohnservice-Wien und die Bauträger SEG, GPA und Gesiba eröffnen STANDARD-Lesern am Samstag kommender Woche eine letzte Gelegenheit, das Innenleben der Gasometer vor der Besiedelung zu besichtigen: Ein Rundgang bietet am 30. Juni von 14 bis 18 Uhr Einblicke in die Wohnungen der obersten Geschoße, die Shoppingmall, den Pleasure-Dome und die Bank-Austria-Veranstaltungshalle. Die Anmeldung für die Teilnahme ist unbedingt erforderlich. Anmeldungen sind ab kommendem Montag und bis 28. 6., 17 Uhr unter [TEL] (01) 245 03-204 möglich. Treffpunkt für alle angemeldeten Interessenten ist die U3-Station Gasometer; den genauen Zeitpunkt des jeweiligen Tourbeginns erfahren die Teilnehmer bei der Anmeldung.
Gasometer-Rundgang: Samstag, 30. 6., 14 bis 18 Uhr Treffpunkt: U3-Station

 

Gasometer in der Zielgeraden (25. Juni 2001)
Von Nadja Traxler-Gerlich
"Die Stadt hat 310 Mill. Schilling an Wohnbauförderungsmitteln in die Schlacht geworfen und damit ein Investitionsvolumen von 2,4 Mrd. Schilling ausgelöst. Es entstanden hochwertige und trotzdem leistbare Wohnungen und ein attraktiver neuer Stadtteil für etwa 1.500 Bewohner, der sich bereits heute hohen Interesses bei ausländischen Medienvertretern, Stadtplanern, Architekten und Touristen erfreut. Ohne Wohnbauförderungsmittel wäre das alles nicht möglich gewesen", so der Wiener Wohnbaustadtrat Werner Faymann anlässlich einer Präsentation des Status Quo bei den Gasometern.
Nicht ohne Stolz verweist der Simmeringer Bezirksvorsteher Otmar Brix darauf, dass die Gasometer bereits zum Wohnhit wurden: "Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, das hochrangige Straßennetz und die Nähe zum Prater sind ideal".
Bezirksvorsteher Erich Hohenberger, Landstraßer-Hauptstraße, über die geglückte Stadtentwicklung: "Dieser Teil von Erdberg war bisher reines Industriegebiet. Der Magnet Gasometer bringt einen neuen Stadtteil, wo Wohnen, Arbeit, Entertainment und Shopping verknüpft werden."
Moderne Kunden erwarten heute mehr als nur reines Shoppingvergnügen. Daher bietet Gasometer (G)-town darüber hinaus eine Veranstaltungshalle für 4.000 Personen, ein Kinocenter und einen Entertainmentbereich internationalen Zuschnittes auf 1.600 m2. Vom Erfolg zeigt sich Erwin Krause, GCE-"Gasometer-Kino" Center Errichtungs GmbH überzeugt. "Bereits ein halbes Jahr vor Eröffnung waren die 70 Geschäfte vermietet. Wir rechnen mit 15.000 bis 20.000 Besuchern pro Tag in der 450 m langen Shoppingmall." Vor einigen Tagen wurde für das im Gasometer E (E wie Entertainment) angesiedelte Kino der Betreibervertrag mit der Kima Cinemas Vienna GmbH unterschrieben. "Bereits bei der ersten Besichtigung haben wir uns in dieses einzigartige Projekt verliebt. Wir sehen aufgrund der Lage - kein weiteres Kino im Osten Wiens - , des Einzugsbereiches und der U-Bahn-Anbindung voller Zuversicht in die Zukunft", sagt Ingrid Hueber, Eigentümerin Kima Cinemas Vienna GmbH.
Das "Hollywood Megaplex Gasometer" wird 12 Säle haben. Heinz Hueber, Eigentümer Kima Cinemas GmbH prognostiziert 450.000 bis 500.000 Besucher pro Jahr - bei fortschreitender Entwicklung ist diese Zahl deutlich zu steigern". Das Familienunternehmen Hueber weist bisher 49 Kinosäle mit ca. 11.300 Sitzplätzen auf und kam mit 5 Multiplexen bisher auf einen österreichischen Marktanteil von rund 16 Prozent. In Wien betreibt man derzeit zwei Kinos: das Kinopolis im Donauplex und das Kinopolis im Shopping Center Nord.
G-town ist ein Projekt der heimischen Bauträger Zwerenz & Krause KG (25 Prozent) und ALAG Beteiligungs GmbH (25 Prozent), sowie der britischen Fondsgesellschaft Europafund (50 Prozent).

Vom Kino des Großvaters zum Multiplex
Ingrid Hueber wurde praktisch im Kino des Vaters "geboren" und ist mit dem Kino aufgewachsen. Bereits der Großvater betrieb ein kleines Kino in Innsbruck, der Vater hat 1959 das richtungsweisende Metropolkino in Innsbruck neu gebaut und für die damalige Zeit Maßstäbe gesetzt: Polstersessel, amphitheatralische Anordnung der Reihen, Klimaanlage etc. Nach Absolvierung der Handelsakademie und Maturaabschluss ist Ingrid 1969 sofort in den Familienbetrieb eingetreten, bekam bald die Prokura und ist seit 1976 Geschäftsführerin des Familienunternehmens in Innsbruck. Heinz Hueber gründete gemeinsam mit Ingrid 1995 die Kinobetriebsgesellschaft und beide eröffneten Ende 1995 das Hollywood Megaplex - Multiplex in Linz/Pasching mit 12 Sälen und 2.660 Sitzplätzen, außerdem befinden sich im Multiplex 12 Gastronomiebetriebe (Restaurants, Bars, Spielbereiche). Die stolze Bilanz nach nunmehr 51/2jährigem Betrieb: rund 5 Millionen Kinobesucher! 1997 wurde das Hollywood Megaplex - Multiplex in St. Pölten auf eigenem Grund gebaut und Ende 97 eröffnet. Dieses umfasst 8 Säle mit 1.670 Sitzplätzen, eine Diskothek im Untergeschoss sowie 8 Restaurants bzw. Bars. In den bisher 3 1/2 Jahren kamen rund 1,4 Millionen Kinobesucher.
1999 eröffnete Hoyts mit der Hoyts Cinemas Vienna (an der Huebers mit 20% beteiligt waren) zwei Kinos in Wien: das Kinopolis im Donauplex (13 Säle, 3.186 Sitzplätze) und das Kinopolis im Shopping Center Nord (8 Säle, 2.086 Sitzplätze). Auf Grund der geschäftlichen Verbindung von Hoyts in Deutschland wurden diese Kinos von Deutschland aus geleitet. Als die deutschen Kinoprojekte von Hoyts verkauft wurden, wollte sich Hoyts auch von den beiden Wiener Multiplexen trennen. Ingrid und Heinz Hueber kauften daraufhin die 25 Prozent von Hoyts an der Kinobetriebsgesellschaft zurück und außerdem die 80 Prozent der Hoyts Cinemas Vienna, die in Kima Cinemas Vienna umbenannt wurde. Damit weist das Familienunternehmen Hueber bisher 49 Kinosäle mit ca. 11.300 Sitzplätzen.
Die beiden Kinos in Wien wurden mit 1. 1. 2001 übernommen, das Erscheinungsbild wurde völlig geändert und die beiden Betriebe wurden nach den Maßstäben des Familienbetriebes Hueber geführt. Außerdem wurden die beiden Kinos in Hollywood Megaplex umbenannt.
Durch die erfahrene, gute Führung ist es gelungen die Besucherzahlen bereits in den ersten vier Monaten dieses Jahres um über 20 Prozent zu steigern. Das Hollywood Megaplex im Donauplex wurde auf Anhieb zu einem der führenden Kinos in Wien und wird dieses Jahr ca. 750.000 Besucher, das Hollywood Megaplex im Shopping Center Nord wird ca. 250.000 Besucher erreichen.

G-town - Das neue Stadtzentrum in Wien
Im Südosten Wiens entsteht eine junge Stadt in der Stadt. Eine junge Stadt, die besonderes Shopping-, Freizeit- und Entertainmenterlebnis vermittelt. Eine junge Stadt, die zugeschnitten ist auf Jugendliche, junge Erwachsene und "Folks" - junge Menschen jeden Alters. Gasometer-town ist Österreichs erstes und einziges Themencenter. Gasometer-town, abgekürzt G-town, vermittelt modernes, trendiges und internationales Lebensgefühl. Die Nachfrage nach Geschäftslokalen war gewaltig. Sämtliche Branchenführer der jugendlichen Zielgruppe sind unter einem gemeinsamen Dach vereint. Der Schwerpunkt des neuen Geschäftsangebotes liegt genau abgestimmt bei Sport, Mode und Telekommunikation. Innovative Gastronomiekonzepte runden das Angebot ab.
In den Gasometern trifft auf historischem Boden Altes auf Neues - und bekanntlich ziehen Gegensätze einander unaufhaltsam an. Erhaltenswürdige, mehr als 100 Jahre alte Bausubstanz bildet die Hülle für die Meisterleistungen der Stararchitekten Jean Nouvel, Coop-Himmelb(l)au, Manfred Wehdom und Wilhelm Holzbauer. Witterungsunabhängige Glasbrücken bilden die Verbindungen zwischen den einzelnen Türmen. Ein 43 m langer Skywalk über die Guglgasse führt zum neu errichteten Entertainmentcenter, der spannenden Fortsetzung des Shopping- und Unterhaltungsangebotes.
Seit 2. Dezember 2000 haben die Gasometer eine eigene Station der U3. Vom Stephansplatz ist G-town dann in exakt 8 Fahrminuten komfortabel und trockenen Fußes zu erreichen. Das spricht sich herum. Dem Individualverkehr bietet von der A23, der Süd-Ost-Tangente, die Abfahrt St. Marx praktisch direkte Zufahrt zu den 1.200 Stellplätze umfassenden Parkdecks. Die erste Stunde parken ist gratis, die Folgestunden haben einen sehr moderaten, kundenfreundlichen Tarif.
In dieser Kombination bietet G-town ein für Wien und Österreich einmaliges Ereignis. Die prominentesten der 70 Geschäfte: Gigasport, Libro, Esprit, Orsay, Pimkie, H&M, Schöps, Niedermeyer, Spar-Gourmet, Anker, McDonalds, New Yorker, Tango, max.mobil, One, Palmers P2, Douglas, Shoemanic.

Simmerings Gasometer: Ein neuer Stadtteil als Wohnhit Wiens
Simmerings Wahrzeichen, die vier Gasometer auf der Simmeringer Haide erstrahlen in neuern Glanz. Mit Beginn des Spätsommers werden die Bauarbeiter den künftigen Mietern weichen. Ein neuer Stadtteil wird dann mit Leben durchflutet. Mit dem Umbau der Gasometer, so Simmerings Bezirksvorsteher Otmar Brix, wagten sich Stadt und Bezirk auf ein völlig neues Terrain: "Es sollten nicht nur einfach Wohnungen entstehen. Mit Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur - U3 Verlängerung, Straßenbau, Schule und Shoppingmall - begann ein echter Stadtteil zu wachsen, der nun vor seiner Vollendung steht". Nicht ganz ohne Stolz verweist Brix darauf, dass die Simmeringer Gasometer bereits zum Wohnhit der Stadt wurden: "Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, das hochrangige Straßennetz und die Nähe zum Naherholungsgebiet Prater sind ideal", und: "Erstmals wurden Denkmalschutz, sozialer Wohnbau und die Errichtung eines neuen Stadtteils vereint."
Die über 600 geförderten Miet- und Eigentumswohnungen, von denen nun etliche im Sommer bezogen werden, und die 247 Studentenheimplätze locken vor allem junge Menschen, die Annehmlichkeiten zu schätzen wissen, von der Wohnung zum Shopping, ins Kino oder einfach nur auf einen Kaffee: alles kein Problem für die mehr als 1.500 künftigen Bewohner. Von 1886 bis 1899 nach den Plänen Theodor Hermanns als größtes Gaswerk Europas errichtet, wurden die vier Gasometer 1985/86 außer Dienst gestellt. Im Gegensatz zu weiteren sieben, die es in Wien vor der Umstellung auf das günstigere Erdgas gab, wurden sie nicht abgerissen, da man über ihren kulturellen und historischen Wert einig war. Die Frage war die Nachnutzung. 1988 war ein Gasometer der ideale Ort für die Ausstellung ,,100 Jahr Sozialdemokratie", in den neunziger Jahren strömten tausende tanzbegeisterte Jugendliche zu den Rave- und Techno-Clubbings. Kommerziell war dies aber wenig interessant, weshalb 1995 ein Bauträgerwettbewerb ausgeschrieben wurde. So wurde das historische Baudenkmal zu dem was es jetzt ist: ein neuer Stadtteil, in dem Wohnen auch Erholung ist und mit dem die Attraktivität und die Wirtschaft von Simmering nachhaltig belebt wird.

Europa Capital Partners: Investitionen in Zukunftsprojekte
Europa Capital Partners (ECP) ist der internationale Partner der Zwerenz & Krause-Gruppe. Das Venture-Capital-Unternehmen ist vor allem in Großbritannien und Osteuropa tätig. Das Gasometer-Projekt mit der Zwerenz & Krause-Gruppe stellt die erste Investition außerhalb Großbritanniens dar. Das Projekt ist deswegen so interessant, weil ECP gleichzeitig in den österreichischen Einzelhandel- und Freizeitmarkt involviert ist. Außerdem entsteht mit diesem Projekt ein neuer und dynamischer Sektor für die Stadt, der die Jugend anspricht und eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten bietet. Beim Shopping- und Entertainmentcenter in den Gasometern handelt sich mehr als um eine Neuentwicklung, es ist vielmehr eine komplette Neugenerierung in der städtischen Immobilienstruktur. Die neuen und visionären Gasometer werden eine entscheidende Rolle in der Zukunft der Stadt spielen.

Europas kompetente Netzwerke
ECP sucht europaweit kompetente Partner. Der europäische Immobilienmarkt ist mehr in Bewegung als je zuvor. Gleichzeitig wächst dieser Markt zusammen. Es gibt keine tatsächlichen Grenzen mehr, das weltweite Netz löst jede Differenz auf. Die Interessen in der europäischen Immobilienwirtschaft sind daher nahezu ident gelagert. Nichtsdestoweniger hängt auch der Immobilienmarkt von lokalen Anforderungen und kurzfristigen Änderungen ab. Büroimmobilien ebenso wie Shopping- und Entertainment-Immobilien unterliegen einem Konjunkturzyklus. Lokale Partner haben den Marktüberblick, um den paneuropäischen Investoren das Vertrauen in die Zukunft zu geben und sich an mehreren Orten niederzulassen. ECP investiert in europäische Zukunftsprojekte und baut mit lokalen Partnern ein Netzwerk auf, um mit diesen neue Möglichkeiten zu verwirklichen. Mittlerweile hat ECP ein Netzwerk von exklusiven Länderpartnerschaften in mehreren europäischen Ländern errichtet.

 

Genau das nennt man Kitsch (30. Juni 2001)
Miserable Wohnungen. Büros, die sich durch nichts auszeichnen, was gerade diesen Standort empfehlen würde. Eine Geschäftszone, die jeder Beschreibung spottet. Aber riesiger Aufwand rundherum. Wiens Gasometer-Projekt oder: Wie man um viel Geld ein Denkmal ruiniert. Von Liesbeth Waechter-Böhm

Es heißt, sie seien Wiens Top-Adresse des Jahres 2001. Und wer "top" wohnen möchte, ziehe dort ein. In die Wohnungen im Gasometer. Tatsächlich wird den künftigen Bewohnern einiges geboten: Von der U-Bahn-Station, die selbst noch vom entferntesten der vier ehemaligen Gasbehälter trockenen Fußes erreichbar ist, bis zum riesigen Entertainment-Center (Architekt: Rüdiger Lainer) gleich nebenan, vom vielbeschworenen urbanen Nutzungsmix aus Arbeiten, Wohnen und Freizeit - Büros, Geschäfte, Studentenheim, begrünte Freiflächen, reichlich Garagenplätze - bis zur großen Veranstaltungshalle in den Tiefen von Gasometer B (Architekten: Coop Himmelb(l)au), dies alles vereint unter den - nicht mehr vorhandenen - Kuppeln der vier denkmalgeschützten Zylinder. Und dies alles zu Wohnungspreisen, die schon mehr als attraktiv sind. Laut den Verkaufsunterlagen für Gasometer A (Architekt: Jean Nouvel) zum Beispiel kostet die teuerste Wohnung frei finanziert nicht einmal zwei Millionen Schilling (keine 150.000 Euro), wobei dieser Kaufpreis durch einen nicht rückzuzahlenden Zuschuß von knapp 400.000 Schilling (rund 30.000 Euro) gestützt wird und bei einer Monatsrate von rund 4000 Schilling (290 Euro) eine Barleistung von 660.000 Schilling (knapp 48.000 Euro) erforderlich ist. Dieser Wohnungstyp - wie auch eine ganze Reihe anderer Typen im Gasometer A - ist übrigens längst ausverkauft. Ebenso ausverkauft sind alle Wohnungen im Gasometer C (Architekt: Manfred Wehdorn). Die drei Bauträger, die sich das Unternehmen teilen, pochen nicht zu Unrecht auf ein Erfolgsergebnis: Fast 85 Prozent der Wohnungen sind vergeben. Im Werbematerial für die vier Sichtziegel-Solitäre heißt es auch, sie seien ein europaweit einzigartiges Gesamtkunstwerk. Anders formuliert könnte man sagen, es geht um eine Stadtentwicklungsspritze in den Simmeringer "Outskirts of Vienna". Allerdings muß man hinzufügen: Der finanzielle Einsatz, den diese Entwicklungsspritze zur Voraussetzung hatte, der kann nur jenseits des Üblichen angesiedelt sein, weit jenseits.
Und die Bemerkung, die anläßlich einer Führung für die Österreichische Gesellschaft für Architektur (ÖGFA) gefallen ist, daß sich die günstigen Wohnungspreise durch entsprechend hohe Geschäfts- und Büromieten in bezug auf die Gesamtkosten letztlich doch rechnen, die kommt selbst dem ganz Unbedarften wie eine seltsame Art von Arithmetik vor: undurchschaubar, verwirrend, nicht glaubwürdig. Aber der Architekturkritiker schert sich um solche Fakten - mehr oder weniger legitim - in der Regel ohnehin nicht.
Dem geht es um architektonische Konzepte und ihre Umsetzung, dem geht es in einem solchen Fall um den Umgang mit der historischen Substanz und auch um die formale Lösung. Der Architekturkritiker betrachtet die gebauten Tatbestände insofern aus einer verengten Optik.
Nun habe ich mich schon im Vorfeld des Projekts sehr weit und sehr kritisch "aus dem Fenster gelehnt". Ich war immer - und meiner Ansicht nach mit guten Gründen - dagegen. Massiv dagegen. Denn von den Gasometern, von der räumlichen Qualität der Gasometer, konnte einfach nichts übrigbleiben, wenn man sie vollbaut. Substantiell besteht diese Qualität in gigantischem leerem Raum. Man hätte eine Rollerskate-Bahn hineinbauen können &endash; es wäre die attraktivste der Welt gewesen. Aber man kann sicher nicht nach dem Haus-im-Haus-Prinzip verfahren. Das bringt sowieso selten etwas. Beispiel: das Architekturmuseum in Frankfurt von Ungers - ein architektonisches Debakel. Weil das Haus im Haus steht, laufen die Treppen außen, also dort, wo das Tageslicht ist - und das übrigens in einer Ausführung, die man im Wiener Gemeindebau nicht akzeptieren würde. Haus im Haus ist immer problematisch. Und die Gasometer in ihrer historischen Substanz, in ihrer historischen Integrität und Einzigartigkeit, die gibt es jetzt einfach nicht mehr.
Das Denkmalamt ist in einer äußerst prekären Situation. Es hat einen riesigen historischen Fundus zu betreuen und keine auch nur annähernd entsprechenden finanziellen Mittel. Daher ist es auf Kompromisse angewiesen. Nur: In diesem Fall hat der Kompromiß zur Zerstörung der Denkmäler geführt. Alles, was es an historischer Substanz gibt und was irgendwann irgendeinen Sinn hatte, das hat jetzt keinen mehr. Es ist pervertiert. Es ist Staffage, Kulisse. Und genau so etwas nennt man üblicherweise Kitsch. Wenn ich auf einer Rodel ein Blumenarrangement präsentiere, dann ist das Kitsch, weil der Sinn des einen durch den Sinn des anderen ad absurdum geführt wird. Bei den Gasometern ist es genauso. Das mag einem Jean Nouvel, einer Coop Himmelb(l)au, einem Holzbauer wehtun (die Rolle von Manfred Wehdorn, von Amts wegen Denkmalschützer der Nation und zugleich beteiligter Architekt, kommt mir so suspekt vor, daß man sich besser jedes Wort dazu spart): Insgesamt ist jedenfalls kaum daran zu rütteln, daß sich alle Beteiligten mit den Gasometer-Bauten auf das Niveau der sogenannten "Künstler-Häuser" à la Zilk begeben haben. Nur die formale Sprache unterscheidet sich teilweise - Wehdorns, Holzbauers Architektur ist in Wahrheit von unübertrefflicher Banalität -, alles andere deckt sich vollständig.
Es sind reine Alibi-Gesten, wenn mehrstöckige, verglaste Malls den Grund der Gasometer füllen, aber noch irgend etwas von dem gewaltigen Raum freilassen, der die Substanz dieser Ziegelhüllen ausmacht. Wobei ein Holzbauer selbst auf diese Geste verzichtet hat: Bei ihm ist die Haupterschließung in der Mitte und die Bebauung als eine Art überdimensionaler Mercedes-Stern angelegt. Vom inneren Raumvolumen der historischen Hülle bleibt so wirklich gar nichts mehr, dafür sind außen Höfe eingeschnitten, die allerdings für die Wohnungen zumindest an Belichtung etwas bringen dürften. Am photogensten von innen ist Jean Nouvel: Durch seine spiegelglatten Metallfassaden hat er zumindest erreicht, daß das einfallende Licht vielfach gebrochen den ganzen Innenraum, selbst die engen Einschnitte zwischen den Wohntürmen erhellt. Am photogensten von außen ist das Projekt von Coop Himmelb(l)au. Der ganz, ganz eng außen angestellte Baukörper mit Wohnungen - sinnigerweise "Schild" genannt -, der ist nach formalen Kriterien sicher attraktiv. Wenn man drinnen ist, speziell im Teil des Studentenheims, und den Schild vor sich hat, dann erlebt man allerdings die Katastrophe: Er verstellt nicht nur die Aussicht, er verstellt auch das Tageslicht. Überhaupt muß man sagen: Die miesesten Wohnungen sind im Coop-Himmelb(l)au-Teil. Und das Studentenheim? Jedem Studenten ein unbewohnbarer, schmaler Schlauch, und in der Mitte ein finsterer, unangenehmer Gemeinschaftsbereich. Ja, ja, unsere himmelblauen Pseudorevoluzzer haben sich ihren sonnigen Platz im Establishment erkämpft, den verteidigt man nachhaltig, da bleibt für inhaltliche Reminiszenzen anscheinend kein Platz.
Wenn man nicht blindwütig losschlagen möchte, dann muß man sich mit solchen Anmerkungen bescheiden. Miserable Wohnungen. Büros, die sich durch nichts auszeichnen, was gerade diesen Standort nahelegen würde. Eine Geschäftszone, die jeder Beschreibung spottet. Aber viel, viel Aufwand drumherum, der doch nicht ausreicht, die Nachteile der Haus-im-Haus-Konzeption wettzumachen. Und das alles um sehr viel Geld. Viel mehr Geld, als für jeden konventionellen Wohn- oder Bürobau zur Verfügung steht. Und was das wirklich Ausschlaggebende ist: All das um den Preis der endgültigen Zerstörung der Gasometer.
Die Probleme des Denkmalamts in allen Ehren: Aber man muß doch wissen, wie weit man gehen darf. Natürlich gibt es gesetzliche Regelungen, aber die bedürfen ja immer der Interpretation, sie sind Auslegungsfrage. Im Fall der Gasometer hat das Denkmalamt versagt. Gröblichst versagt. Sie zeigen, wie bedenkenlos sich herumfuhrwerken läßt, wenn nur alle Beteiligten - allen voran die Politiker - mitspielen. Reden wir gar nicht vom Geld. Reden wir nicht davon, was es gekostet hat, dieses "europaweit einzigartige Gesamtkunstwerk" zu realisieren. Obwohl: Welches Gesamtkunstwerk wäre um denselben Betrag wohl auf der grünen Wiese möglich gewesen? Das ist ja immer die Frage: Was wäre gewesen, wenn . . . Nur tritt dieser "Wenn"-Fall komischerweise nie ein. Man braucht den Vorwand, die Gasometer zu ruinieren, um sich zu einem Bauvorhaben aufzuraffen, das nur jenseits herkömmlicher Normen durchzuführen ist. Wie man ja auch die Namen zweifelhafter Künstler braucht, um Wohnbauten umzusetzen, die der Wiener kommunalen Praxis zuwiderlaufen. Das ist ziemlich ärgerlich. Und wir dürfen uns nicht damit abfinden.
Wir müssen dagegen die Stimme erheben. Je lauter, je deutlicher, umso besser. Es werden nicht die Architekten sein, die diese Diskussion führen. Die wollen bauen, und je mehr Freiraum sie haben, desto lieber ist es ihnen. Sie sind sich selbst die nächsten. Es müssen die anderen sein, diejenigen, die das örtliche Baugeschehen reflektierend begleiten, die sich Gehör verschaffen. Nur so lassen sich Stilblüten wie die Gasometer verhindern. Und nur so läßt sich eine absolut gekonnte Marketing-Strategie knacken, die künftigen Bewohnern eine Top-Adresse verheißt, wo man in Wahrheit in einer Art charakterlosem Neubausumpf versackt.

 

Ansturm zum Rundgang in Gasometern (2. Juli 2001)
Wien - Selbst hochkarätige Konkurrenz wie Regenbogenparade, Museumsquartier-Eröffnung und Kaiserwetter konnten den Ansturm nicht bremsen: Für insgesamt rund 2200 STANDARD -Leser war das Angebot der Stadt Wien einfach zu verlockend: Sie kamen vergangenen Samstagnachmittag, um in den umgebauten Wiener Gasometern noch einmal vor der endgültigen "Inbetriebnahme" hinter die Kulissen zu lugen.
Nach den ersten "Pfau"-und "Net schlecht"-Kommentaren beim Betreten des vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel geplanten Gasometers A wurde bei den Gruppenführungen dann tatsächlich einiges geboten, was in dieser Form später nicht mehr zu sehen sein wird. Etwa das Innere der Wohnungen, die bis auf ein paar wenige längst vollständig vergeben sind und zum Teil bereits besiedelt werden.
Oder die beeindruckende neue Stahlkuppel der Veranstaltungshalle im Gasometer B, die nach dem Einsturz der ursprünglichen Stahlbetondecke in Rekordzeit errichtet wurde. Erst am vergangenen Donnerstag waren die Stützen unter dem Mittelring wieder entfernt und die neue Decke auf die Hallenwände abgesenkt worden. Am Samstag konnte bereits beim Verschalen zugeschaut werden - denn die Halle soll nun voraussichtlich zehn Tage vor dem ursprünglich geplanten Fertigstellungstermin vollendet werden.
So wie auch im benachbarten Unterhaltungszentrum, dem von Rüdiger Lainer geplante "Pleasuredome", unter Hochdruckarbeit alles nach Plan läuft. Ein Vorgeschmack auf den nächsten Besuch - dann allerdings vor den Kulissen bei Vollbetrieb. (frei)

 

Die ersten Mieter der Gasometer-City (5. Juli 2001)
Die ersten Mieter der neuen „Gasometer-City" in Wien sind eingezogen. Ein Ehepaar mit Kleinkind, eine junge Buchhalterin. Sie sind dabei, es sich in den extravaganten Wohnung im Schild des Gasometers B wohnlich zu machen. Küchen und Wohnzimmer sind eingerichtet. Der Rest soll spätestens bis zur Eröffnung der Anlage am 31. August folgen.
Dagmar Ableidinger hat sich mit vier Freunden gemeinsam entschlossen, Wohnungen in der Gasometer-City zu beziehen. Und es hat bei allen geklappt. Sie ist die erste, welche die Wohnung übergeben bekam. Als Single kam ihr die kleine Wohneinheit im von Coop-Himmelb(l)au gestalteten Gasometer-Schild gerade recht. Da sie tagsüber arbeitet, hat sie auch auf eine Loggia vorläufig verzichtet: „Mir genügen die Aussicht und die Gestaltung der Räume. Und dass meine Freunde auch hier wohnen werden, find ich einfach riesig."

Ausblick auf ganz Wien
Heinz Lachinger hat es mit Frau Petra und Söhnchen Christoph in die extreme Lage des Gasometers verschlagen: „Für mich war primär die verkehrsgünstige Lage entscheidend. Aber auch die Nähe zu den Grünflächen des Prater hat uns überzeugt." Und in Kürze gibt es dann noch Frühstück auf der Terrasse mit dem herrlichsten Blick auf Wien. Die zweistöckige Maisonette-Wohnung verfügt über eine Balkon-Terrasse, die wegen der großen Höhe und Windanfälligkeit mit gläsernem Windschutz ausgestattet ist.
Der jetzt zur Besiedlung anstehende Bauteil im Schild von Gasometer B wird von der Wohnbauvereinigung der GPA verwaltet und weist 116 Wohneinheiten auf. Stahl, Glas und Alu dominieren. In Kürze werden auch die 138 Wohnungen und die 274 Studenten-Wohneinheiten im Gasometer selbst übergeben. Bis 31. August folgen die 339 Wohnungen im Gasometer A ,C und D.

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Das Experiment beginnt: Trabantenstadt empfängt Bewohner (6. Juli 2001)
600 Wohnungen werden ab August in den Gasometern bezogen. Dann wird sich rasch zeigen, ob die vier Ex-Gasbehälter eine lebendige Wohnsiedlung werden - oder ein Trabanten-Dorf am Stadtrand. Ein Rundgang.
WIEN (no). Es war ein Anlaß ganz nach dem Geschmack von Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP). Konnte er doch am Donnerstag vor einem historischen Gebäudekomplex in die Kameras lächeln. Der Umbau der Gasometer ist nahezu abgeschlossen. Im August wird dann richtig gefeiert. Die Wohnungen werden in diesen Tagen an die Eigentümer und Mieter übergeben. 600 Wohnungen (sie sind zu mehr als 85 Prozent vergeben) werden ab Ende Juli bezogen. Büros und Geschäfte sollen für Hunderte einen neuen Arbeitsplatz bieten.
Derzeit sind die Gasometer lebendig. An allen Ecken und Enden, in allen Kreisen und Ebenen wird gearbeitet. Hundertschaften sind Wohnungen und Shopping-Mall beschäftigt. Photographen mögen die Arbeitern weniger, die stehen nur im Weg. Journalisten sind hingegen bei Architekten und Vertretern der Wohnbaugesellschaften nicht unbeliebt. Denn die Gasometer wurden kritisiert: Zu dunkel, zu verwinkelt, zu künstlich, zu teuer seien sie.
Am liebsten wird Gasometer A gezeigt. Den Bau des Architekten Jean Nouvel erreicht man direkt von der U-Bahnstation. Er ist auch - nach modischem Empfinden - gelungen. Hinter der alten Außenwand sind über der Shopping-Mall um einen großen Innenhof Büros und Wohnungen gebaut worden. Die Fassade in den Hof ist chromähnlich und cool.

Blick auf die Tangente
Dort sind die meisten Wohnungen längst verkauft, wie die Marketingleiterin der zuständigen Wohnbaugesellschaft SEG, Gudrun Faudon, erklärt. Von den Terrassenwohnungen hat man Unterhaltung durch den Blick auf Südosttangente und Niemandsland. Doch dies bemerkt Faudon nicht mehr: Überall werde hier gebaut. Dann werde die Gegend belebt sein, meint sie. Und am Abend sollen viele zu Gastronomie, Kino und der Veranstaltungshalle (Gasometer B) kommen, hofft Faudon. Die Angst ist bei allen Beteiligten groß: Die Gasometer könnten zur Trabantenstadt werden. Bewohner könnten nur zum Schlafen nach Hause kommen. "Sicher nicht, durch die gleichzeitige errichtete Infrastruktur ist dies ausgeschlossen," meint Faudon. "Die Menschen sind hier nicht abgeschlossen." Und in London seien die gepriesenen Docklands weiter vom Zentrum entfernt. Und vielleicht ist Wien ja doch ein wenig wie London.

Schützendes Schild
Marketingleute betonen, daß besonders viele Junge, Akademiker und Ledige einziehen. Sogar ein Studentenheim gibt es hier: Im Gasometer B von Coop Himmelb(l)au, vor dem ein riesiger kantiger Wohnungsbau - "Schild" genannt- steht. Das soll die dahinterliegenden Bewohner offenbar vor dem Licht schützen. Auch im Gasometer C (Manfred Wehdorn) wird man das Gefühl der Enge nicht los. Hier wird der Innenhof nach oben hin weiter. Auf den vielen kleinen Innenbalkonen könnte moderne Bassena-Stimmung entstehen. Geranien fehlen. Pflanzen gibt es dagegen in Nummer Vier, Gasometer D. Dort hat Wilhelm Holzbauer auf den großen Innenhof verzichtet. Zwischen Außenhaut gibt es immer wieder Zonen für Begrünung und Hof-Stimmung. Dort fällt die Orientierung alles andere leicht, hoffentlich finden auch Gäste künftiger Bewohner einen Bauarbeiter, der den Weg kennt. Ein Verkaufsargument war oft zu hören: Trockenen Fußes könne man durch alle Gasometer lustwandeln, einkaufen oder ins Kino (im danebenliegenden bunt-geschmückten Entertainment-Center) gehen - ganz ohne Unbill der Natur. Bei nur 90 Regentagen pro Jahr ziemlich überzeugend

 

Nach Deckeneinsturz im Rekordtempo neu gebaut (6. Juli 2001)
Noch streiten Gutachter und Versicherungen, aber als Einsturzursache für die frisch betonierte Decke der Veranstaltungshalle im Gasometer dürfte ein gravierender Rechenfehler in der Statik so gut wie feststehen. Demnach habe die blasenartige Betonkonstruktion das Eigengewicht nicht tragen können. Dass der Einsturz noch in der Bauphase und ohne ein Opfer erfolge, ist für Wien ein außergewöhnlicher Glücksfall. Der Schaden von 100 Millionen Schilling ist durch Versicherungen gedeckt.
Der Einsturz machte eine komplette Umplanung Halle notwendig. Die Stahlbauabteilung der WIBEBA wurde beauftragt statt der Betondecke ein tragfähiges Stahlgerüst anzufertigen, was ihr nun auch in Rekordzeit gelungen ist. Es wird daher zu keinen Verzögerungen mehr kommen, so dass die neue Veranstaltungshalle Mitte September das erste Mal bespielt werden wird.
Bauzuckerl: Die Halle ist freischwingend gebaut und schwimmt praktisch auf Kunststoffringen. Zu den Wohnungen hin wurde die Halle durch fünffache Schalldämmung und Mehrfach-Gipsplatten abgesichert.

 

Für uns alle ist das hier einfach Spitze! (6. Juli 2001)
Die ersten Familien ziehen in "G-Town" ein:
"Für uns geht ein Traum in Erfüllung: die große Dachterrasse in 70 Meter Höhe, die historische Kulisse, der direkte Blick in den Prater!" Das Ehepaar Lachinger ist die erste Familie, die Donnerstag ganz offiziell ihre Wohnung in "G-Town", der Simmeringer Gasometer-City, übernommen hat. Die "Krone" war mit Stadtrat Werner Faymann dabei.
Für Werner Faymann ist "G-Town" eines der spannendsten Projekte überhaupt: "Die Gestaltung von Alt und Neu ist über jeden Zweifel erhaben und international hoch anerkannt. Jetzt kommt allerdings der Augenblick, wo die Gasometer-City auf dem Prüfstand steht. Werden die Erwartungen der gerade einzie-henden Bewohner erfüllt?"
Petra und Heinz Lachinger können sich keinen schöneren Ort zum Leben vorstellen: "Wir haben alles im Haus, von der Nahversorgung über die U-Bahn bis zum Kino. Und auch der künftige Kindergartenplatz für unseren jetzt zehn Monate alten Sohn Christoph ist schon gesichert."
Noch herrscht emsiger Baustellenbetrieb, dennoch werden die insgesamt 600 Wohnungen nun sehr rasch fertig gestellt und übergeben. Schon am 31. August wird das große Eröffnungsfest steigen.

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Leserbriefe (7. Juli 2001)
Projekt stößt auf wenig Gegenliebe Ich bedanke mich sehr herzlich, daß Liesbeth Waechter-Böhm im Zusammenhang mit den Gasometern einen derart couragierten Artikel geschrieben hat, der die Sache auf den Punkt bringt - Gigantomanie, vertane Chancen, Unzulänglichkeiten beim Denkmalschutz usw. Wenig rühmlich hat sich dabei auch Architekt Wehdorn hervorgetan, der sich einerseits als "Fachmann" für Industriedenkmäler ausgibt und die Zerstörung dieses Objektes zuläßt, andererseits selbst aktiv am Bau mitgewirkt hat, was aufgrund von Befangenheit abzulehnen gewesen wäre. So wurden bedenkenlos Lanzettfenster in das vorhandene Denkmal eingeschnitten, um einigermaßen die Wohnungen zu belichten, deren Grundriß durch die runde Form des Gebäudes sicherlich nicht optimal gestaltet werden konnten. Wie im Artikel zu lesen ist, erweist sich das "Haus-im-Haus"-Objekt immer als äußerst schwierig und konnte meiner Meinung nach auch in diesem Fall nicht entsprechend umgesetzt werden. Bedauerlich in diesem Zusammenhang finde ich, daß mein ehemaliger Professor für Entwerfen II an der TU Graz, Architekt Prof. Holzbauer, bei diesem zweifelhaften Unterfangen mitgewirkt hat.
Auffallend ist auch noch der Schild, der vielleicht als einziges gestalterisches Element seine Berechtigung haben mag, jedoch hier losgelöst vom Ensemble steht. Von den Nachteilen für das Objekt - wie etwa zu wenig Belichtung - ganz zu schweigen. Wenn man dann das Projekt "Gasometer" als sogenannte "einzigartige Topadresse" verkauft, dann muß die Finanzierung durch die Vermietung gesichert sein und dürfen hier nicht Steuergelder für Luxuswohnungen als Fördermittel eingesetzt werden, so wie sie das berichtet haben. Architekt Univ.-Doz. Dr. DI Werner Frank 1100 Wien

Dies ist mein erster Leserbrief, den ich an eine Redaktion schreibe. Ich gratuliere der Autorin zu ihrem Artikel, welcher mir von der Seele geschrieben ist. Als Architekt darf ich laut Standesvertretung keine öffentliche Kritik an Architekten-Kollegen äußern. Waechter-Böhm hat mit ihrem Beitrag den Nagel auf dem Kopf getroffen. So etwas passiert, wenn irgendwo Immobilien finanziell untergebracht werden müssen (siehe Platte UNO City). Dann vergreift man sich an Wohnbauförderungsgeldern, ruiniert ein hochkarätiges Industriedenkmal und ist darauf noch stolz. Daß es Politiker vielleicht nicht besser wissen können, verstehe ich, aber daß dabei meine geschätzten Kollegen mitgespielt haben, beschämt mich als Architekt. Vielen Dank für diesen Aufschrei. Architekt DI Franz Stockreiter 1130 Wien

NZZ
Neue Züricher Zeitung

 

Wohnungen aus vier Zylindern (25. Juli 2001)
von Gert Walden
Der Umbau der Gasometer in Wien-Simmering
«Wenn der Architekt nichts weiss, dann macht er einen Kreis.» Diese Binsenweisheit hat sich bei der Sanierung der Gasometer in Wien-Simmering ins Gegenteil umgekehrt. Hier waren es nicht die Architekten, die ihre Kreise zogen, sondern die vier ehemaligen Gasbehälter aus dem späten 19. Jahrhundert haben die zylindrische Form vorgegeben. Nach einem Bauträgerwettbewerb im Jahr 1995, bei dem die Errichtergesellschaften auch den Architekten beistellen, erhielten Jean Nouvel, Coop Himmelblau, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer die Planungsaufträge. Rund 620 Wohnungen, Büroflächen, eine Rockhalle sowie eine durchgehende Einkaufsstrasse waren gefordert, um mit den vier brachial ausgehöhlten Denkmälern der Industriebaukunst ein lebensfähiges Stadtviertel zu konstituieren.
Hinter den Fassaden ist nicht viel übrig geblieben von den rund 75 Meter hohen Gasometern. Immerhin bilden sie eine kreisrunde, weithin sichtbare Kulisse am Südostrand von Wien, die von den Architekten zu füllen war. Doch damit nicht genug der urbanen Lebenszeichen: Coop Himmelblau haben zusätzlich noch an der Nordseite eines Gasometers ihre geknickte und gewölbte Wohn- und Bürowand angedockt, die reichlich pathetisch verkündet, dass sich die Architektur nicht nur den Zwängen eines der europaweit grössten Sanierungsfälle unterwirft. Diese Zwänge sind beachtlich, wenn man sich den Umgang der Architekten mit der Kreisform anschaut. Insgesamt darf man den Bewohnern, vor allem in den unteren Etagen, möglichst viele Sonnentage wünschen, denn die Belichtung reicht bei trübem Wetter schlichtweg nicht aus.
Jean Nouvel hat in seinem Gasometer das zentrale Belichtungsproblem zu lösen versucht, indem er den betonierten Wohnungskranz ganz stringent in Segmente aufteilt. Ihre mit Blech verkleideten Trennwände lassen Raum frei und verstärken den Lichteinfall ein wenig. Coop Himmelblau führt einen trompetenförmigen Trichter in den Innenhof des Gasometers ein, damit die Wohnungen nicht ganz im Dunkeln bleiben. Manfred Wehdorn versucht mit Terrassen den Anschein mediterraner Grosszügigkeit zu erzeugen. Wilhelm Holzbauer schliesslich ordnet die Wohnungen windmühlenartig um einen Erschliessungskern an, so dass die Bewohner Aussicht auf die denkmalgeschützte Gasometerfassade haben. Die Architekten hatten eigentlich wenig Chancen, Wohnwerte aus den Zylindern zu zaubern. Die Ergebnisse sind unbefriedigend, die Wohnungsgrundrisse streckenweise skurril, und vom Raumerlebnis der Innenhöfe kann im besten Fall noch bei Jean Nouvel gesprochen werden. Eine Kongruenz zwischen der Gliederung der Gasometerfassaden und den Wohnungen wurde nicht hergestellt. Zusammen gesehen stellen die alten Gasometer und die neue Architektur allerdings ein bildwirksames Ensemble dar. Ein «Wahrzeichen» für den desolaten Bezirk Simmering also, das - besonders von der Stadtautobahn aus betrachtet - wieder an die autistischen Avantgarde-Skizzen der sechziger Jahre erinnert.
Nun ja, Wien ist eben anders, und die Überlagerung verschiedener Schichten von Vergangenheit lässt sich hier besonders gut vermarkten. Auch wenn die alten Ziegelsteinkreise mit ihren Betonfüllungen nur bescheidenen Wohnwert bieten, sind sie bereits nahezu vollständig verkauft oder vermietet. Die Ausblicke der Wohnungen auf die Innenhöfe können wohl kaum der Grund für die Nachfrage sein. Viel eher ist es der immaterielle Mehrwert, den sich die Bewohner erkauft haben. Prestige, Chic, Label und Individualität werden mit den «City-Klassikern» (so der Werbeprospekt) am Stadtrand assoziiert. Und damit können die Gasometer punkten, während gewöhnliche Wohnungen an der Peripherie zum Teil leer stehen. Die Gasometer sind aber mehr als nur aufgemotzte Stadtrandbehausungen. Erstmals haben private Bauträger und die öffentliche Hand annähernd zeitgleich die Infrastrukturen für ein neues Stadtviertel bereitgestellt. Bei dieser Leistung darf man nach vergeblichen zehn Jahren «Wohnbauoffensive» allerdings nicht ausser acht lassen, dass die Gasometer schon bald von einer dichten Packung Bürobauten umgeben sein werden und dass die Investoren mit ihrem Verwertungsdenken Überhand gewonnen haben. Es werden also wieder Stadtspiele an der Peripherie aufgeführt, nur diesmal ergänzt durch einen hohen Anteil an Entertainment.



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